Inhalt
1.) Einleitung 3
2.) Swagger Portrait: Eine Begriffserläuterung 4
3.) Lansdowne Portrait: Historiographie 5
4.) Bildanalyse
4.1) Bildbeschreibung 7
4.2) Ikonographie 8
4.3) Interpretationsversuche im Vergleich 18
4.4) Politische Interpretation 20
4.5) Religiöse Leseart des Lansdowne Portraits 21
5.) Zusammenfassung 24
6.) Literaturliste 26
7.) Abbildungsverzeichnis 27
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1.) Einleitung
Gegenstand der folgenden Untersuchung ist die Portraitdarstellung des ersten Präsidenten der USA, George Washington, gemalt von Gilbert Stuart, bekannt unter dem Titel The Lansdowne Portrait.
Das Gemälde steht dabei unter dem speziellen Fokus des so genannten Swagger-Portrait, auf welches im Verlauf der Arbeit immer wieder Bezug genommen wird. Eine erste Annäherung an das Sujet erfolgt über die Definition des Begriffes Swagger-Portrait. Nachdem denkbare Verständnisfragen beantwortet sind, folgt die genauere Untersuchung des Gemäldes. Diese detaillierte Analyse beginnt mit der Historiographie des Bildes, indem Bezug genommen wird auf die Entstehung, die Auftraggeber, Handhabung als auch den Verbleib des Gemäldes. Danach setzt die Bildanalyse ein, die mit einer groben Bildbeschreibung beginnt und von ikonographischen Erläuterungen gefolgt wird. Da die Ikonographie des untersuchten Portraits umfangreich ist, nimmt sie den größten Teil dieser Arbeit ein, bildet jedoch zugleich die Grundlage für viele weitere Interpretationsansätze, welche im Anschluss vorgestellt und kritisch betrachtet werden. Nachdem unterschiedliche Interpretationsansätze der Literatur erörtert wurden, folgt eine Analyse unabhängig von bisherigen Ansätzen. Diese ist in zwei eigenständige Themenbereiche, die politische und christliche Interpretation, aufgeteilt.
Den Abschluss bildet die Zusammenfassung, welche nicht nur eine komprimierte Synthese dieser Arbeit darstellt, sondern auch einen Verweis auf noch unerschlossene Bearbeitungsgebiete in Bezug auf das Portrait bietet und einen Zusammenhang zu aktuellen Geschehnissen aufweist.
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2.) Swagger Portrait: Eine Begriffserläuterung
Bevor Gilbert Stuarts Gemälde von George Washington näher untersucht werden kann, bedarf es einer genauen Klärung des Begriffs Swagger Portrait. Zunächst gilt es folgende Fragen zu klären: Woher stammt die Bezeichnung? Welche Bestandteile lassen aus einem herkömmlichen Portrait ein Swagger Portrait entstehen? Was spricht für und was gegen eine Zuschreibung des Begriffs auf das Lansdowne Portrait?
Das Wort swagger stammt aus dem Englischen und bedeutet als Substantiv YHUZHQGHW ³$QJHEHUHL³ RGHU DXFK ³3UDKOHUHL³ (1) Als Verb beschreibt es einen ³VWRO]LHUHQGHQ*DQJ³LPIDPLOLlUHQ*HEUDXFKHLQ³SUDKOHULVFKHV9HUKDOWHQ³'DEHL wird das Wort nicht wie im Deutschen mit einer durchgehend negativen Konnotation, sondern vornehmlich als ein umschreibendes Beiwort einer absichtlich überzogenen Geste oder Handlung einer Person verwendet. 8QWHU HLQHP 3RUWUlW YHUVWHKW PDQ HLQH ÄJHVWDOtende und deutende Widergabe EHVWLPPWHU 0HQVFKHQ « 'DV 3RUWUlW NDQQ DOV *DQ]- oder Halb-Figurenbild, als Kniestück, Kopf- E]Z%UXVWELOGRGHU%VWHDXVJHIKUW VHLQ³ (2) Demnach ist unter dem Begriff Swagger Portrait eine spezielle Darstellungsart innerhalb der Malerei zu verstehen, in welcher der Portraitierte in einer überzogenen, lustigen oder selbstironischen Art und Weise wiedergegeben ist. Der eigentliche Charme eines solchen Bildes liegt dabei in der Subtilität begründet, die der Maler auf den Portraitierten und die zu tätigende Intention verwendet. Würde die Definition des Swagger Portraits hier ein Ende finden, könnte der Leser nicht zu Unrecht der Annahme unterliegen, dass es sich überspitzt formuliert, bei derlei Bildern um qualitativ hochwertige Karikaturen handele, die nur von einem gebildetem Publikum verstanden, interpretiert und genossen werden können. Die ausstehende Ergänzung zur Vervollständigung der Begriffserläuterung bietet die Londoner Tate Gallery, welche lautet:
A swagger portrait is one in which the sitter is shown, usually full-length, in ostentatious and self-conscious display. This type of portraiture was originally associated with the representation of aristocrats and military heroes in the Baroque period, but in the late nineteenth century its rhetoric was adopted by aspiring middle-FODVVVLWWHUV«. (3)
1 ) Pons: Großwörterbuch für ExpHUWHQXQG8QLYHUVLWlW6WLFKZRUWÄVZDJJHU³$XIO6WXWWJDUW 2002, S.919.
2 5LHVH%ULJLWWH6HHPDQQVNOHLQHV.XQVWOH[LNRQ6WLFKZRUWÄ3RUWUlW³$XIO/HLS]LJ S.236.
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Aus diesem Zitat geht hervor, dass es sich um ein adoptiertes Prinzip der Selbstdarstellung handelt, welches einst Aristokraten und Würdenträgern vorbehalten war, durch die zunehmende Macht des Bürgertums jedoch von demselbigen übernommen und auf Bürger der Mittelschicht angewandt wurde. Dabei geht es vornehmlich um das demonstrative (ostentatious) Zeigen einer Tatsache. Die zu treffende Aussage des Bildes wird durch den gewählten Typus des Swagger Portrait somit zusätzlich unterstrichen und bekräftigt. Erst nachdem das Bild diese zeigende Funktion erfüllt hat, steht es für etwaige weitere Interpretationen (Selbstironie, versteckter Witz usw.) offen. Der Verdacht, es handele sich bei einem Swagger Portrait um erstklassige Karikatur, ist damit ausgeräumt.
3.) Lansdowne Portrait: Historiographie
Das Portrait wurde im April 1796 von Senator William Bingham und seiner Frau Ann Willing Bingham aus Philadelphia in Auftrag gegeben. W. Bingham war zu dem Zeitpunkt einer der reichsten Bürger Amerikas und das Bild sollte ein Geschenk für den Marquis von Lansdowne und zweiten Graf von Shelburne, William Petty, sein. (4)
Der Auftrag wurde an Gilbert Stuart vergeben, welcher bereits zu Lebzeiten zu den besten amerikanischen Malern zählte. Dieser fertigte das angewiesene Gemälde innerhalb von sechs Monaten an, woraufhin es noch im selben Jahr, im November 1796, mit dem Schiff nach London/England transportiert wurde, dem Wohnort Lansdownes. Dessen Reaktion auf das Geschenk ist in einem Brief seinerseits an Frau Bingham festgehalten:
A very fine portrait of the greatest man living in a magnificent frame found its way into my hall, with no one thing left for me to do regarding it, except to thank the amiable donor of LW ,W LV XQLYHUVDOO\ DSSURYH¶G >VLF@ DQG DGPLUH¶G [sic], and I see with satisfaction, that there is no one who does not turn away
3 ) Citing Internet Resources. A Directory
(http://www.tate.org.uk/servlet/CollectionDisplay?roomid=3712)
4 ) Barrat, Carie Rebora (u.a.): Gilbert Stuart, in: Kat. Ausst. The Metropolitan Museum of Art, New York 2005, S.166.
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from every thing else, to pay their homage to General Washington. (5)
Aus diesen Zeilen geht eine überschwängliche Freude und Zufriedenheit des Grafen über das Gemälde hervor. Diese Freude hatte jedoch ihren Preis, den Bingham mit damals $1000 bezahlte, was einer enorm hohen Summe in den damaligen Zeiten gleichkam.
Das Gemälde verblieb bis zum Tode Lord Lansdowne im Jahr 1806 in seiner Londoner Bibliothek am Berkeley Square. Danach zierte es die Gemäuer von Samuel Williams am Finsbury Square, ebenfalls in London. Es blieb weiterhin in privatem Besitz, als es 1889 in die Sammlung des fünften Grafen von Rosebery überging, welcher es in seinem schottischen Schloss aus dem 17. Jh. in West Lothian unterbrachte. Dort hing es bis 1968. Im selben Jahr ging es als Leihgabe an die Washingtoner National Portrait Gallery, die sechs Jahre zuvor 1962, gegründet worden war. (6)
Dort hing es abermals 32 Jahre, bis der damalige Besitzer entschied, es auf einer Auktion zu versteigern, es sei denn, die Galerie würde einen Betrag von $20 Millionen bezahlen. Mit Hilfe der Donald W. Reynolds Stiftung und einer aufwendigen Spendenaktion, konnte das benötigte Geld zusammengetragen und das bis dahin zum Nationalheiligtum avancierte Bild, erstanden werden. (7) Seitdem hängt es im Eingangsbereich des Washingtoner Museums. Es herrscht Uneinigkeit darüber, wie oft der erste amerikanische Präsident für dieses Gemälde bei Gilbert Stuart Modell saß. Die Angaben variieren zwischen einer und drei Sitzungen, von der jedoch eine Sitzung als gesichert gilt. Bezüglich dieser Sitzung schreibt G. Washington in einen an G. Stuart adressierten Brief folgendes:
Sir, I am under promise to Mrs. Bingham, to set for you tomorrow at nine R¶FORFNDQGZLVKLQJWRNQRZLILWEHFRQYHQLHQWWR\RXWKDW,VKRXOGGRVRDQG whether it shall be at your own house, I send this note to you, to ask information. I am Sir Your Obedient Servt, G. Washington (8)
Die Sitzung fand schließlich in einem Haus in der Chestnut Street (Kastanienstraße) in Philadelphia statt. G. Stuart berichtet im Anschluss folgendes über den
5 ) Barrat, Carie Rebora (u.a.): Gilbert Stuart, in: Kat. Ausst. The Metropolitan Museum of Art, New York 2005,S170.
6 ) Washington, George: A National Treasure, in: Kat. Ausst. National Portrait Gallery, Washington, 2002, S.45.
7 ) Ders.: S. 7-11.
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Präsidenten, nachdem dieser sich auf einem Stuhl niedergelassen hatte: «an apathy seemed to seize him, and a vacuity seemed to spread over his countenance most appalling to the painter. (9)
Dieser Aussage zufolge, scheint Washington einen wie auch immer gearteten, großen Eindruck auf Stuart gemacht zu haben, dem er in Folge durch Positur und Gemäldeaufteilung einen entsprechenden Ausdruck zu verleihen versuchte.
4.) Bildanalyse
4.1) Bildbeschreibung
Die Maße des Gemäldes betragen 244 cm x 152 cm. Es handelt sich bei den verwendeten Materialien um Öl auf Leinwand. Der Blick des Betrachters fällt zunächst auf den älteren Mann in Ganzkörperansicht, welcher vom Bildzentrum ein wenig nach rechts geschoben da steht. (Abb1.) Dabei vollführt er mit seiner aufrechten Haltung eine leicht nach Innen gerichtete Drehung des Oberkörpers in den Bildraum hinein und nicht frontal dem Betrachter zu. Sein reifes Alter wird durch die ergrauten Haare und die Gesichtsfalten deutlich gemacht. Er trägt einen schwarzen, schlichten Mantel, schwarze Strümpfe und farblich abgestimmte schwarze, flache Schuhe mit silbernen Schnallen. Der linke Arm hängt entspannt, eine leichte Beugung vollziehend, an seinem Körper herab. In seiner gleichfalls linken Hand hält er einen Säbel, dessen Spitze nach unten in Bodenrichtung weist, den Boden jedoch nicht berührt, sondern einen Abstand von etwa 30 cm zu ihm wahrt. Den anderen, rechten Arm hält er bis zur Hüfte angehoben, ausgestreckt da, gleichzeitig einen zeigenden Gestus mit der Hand vollführend, welcher aus dem Bild heraus nach außen weist. Hinter der linken Schulter und dem Kopf ragen zwei dorische Doppelsäulen hervor, die ungebremst auf den Bildrahmen zu und über ihn hinaus verlaufen. Dabei wird dem Betrachter lediglich der Blick auf die Sockel und einen Teil des Säulenansatzes gewährt. Beide Säulen sind von einem roten Kordelband
8 ) Barrat, Carie Rebora (u.a.): Gilbert Stuart, in: Kat. Ausst. The Metropolitan Museum of Art, New York, 2005, S.168.
9 ) Washington, George: A National Treasure, in: Kat. Ausst. National Portrait Gallery, Washington, 2002, S.56.
Abb.1) Stuart, Gilbert: George Washington, 1796, National Portrait Gallery.
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umschlungen, welches wiederum Teil des sich hinter den Säulen drapierten und aufbäumenden Stoffes ist.
Neben der ersten Hintergrundebene der Säulen, der zweiten Ebene des Vorhangs, gibt es eine dritte Hintergrundebene. Diese dritte Ebene besteht aus einem mit Wolken und Regenbogen angereichertem Himmel. Diesem reichen Ensemble vorgelagert ist die stehende Figur des alten Mannes, welcher jedoch innerhalb dieser Szenerie verloren wirken könnte, hätte man nicht zusätzlich zu seiner Linken und Rechten weitere Attribute hinzugefügt.
So steht hinter seiner linken Seite schräg platziert, zwischen der Figur und den Säulen, ein gepolsterter Stuhl bereit. Als Ergänzungsstück zum Stuhl steht von der Person aus zur rechten Seite ein Holztisch. Dieser ragt von der linken Bildseite etwa mit einem Drittel seines eigentlichen Umfangs in das Bild hinein. Das vordere Fußbein des Tisches ist durch die auf dem Tisch liegende zurückgeworfene rote Decke für den Betrachter sichtbar. Das Auge erblickt so das ansonsten verborgen gebliebene, reich verzierte Tischbein, als auch die dort angelehnten zwei Bücher. Auf dem Tisch befinden sich Gebrauchsgegenstände des Alltags: Ein schiffchenförmiges, silbernes Tintenfass in dem eine weiße Schreibfeder steckt, daneben zusammengerolltes Papier, einige Bücher und ein schwarzer Hut, welcher offensichtlich dort zuvor von dem Mann abgelegt worden war. Der Tisch und der Stuhl als auch die Figur ruhen auf ein und demselben bunt gemusterten Teppich, welcher den Fußboden gänzlich bedeckt und als verbindendes Element zwischen dem äußeren Betrachter und dem Bild fungiert.
4.2) Ikonographie
Nachdem das Gemälde durch eine erste grobe Bildbeschreibung erfasst ist, kann eine nähere ± ikonographische ± Deutung erfolgen.
Dass es sich bei der Person um den ersten amerikanischen Präsidenten handelt, darf ohne jeden Zweifel fest angenommen werden. Dafür ist die Literatur über dieses und andere Gemälde Washingtons zu umfangreich. Zudem handelt es sich hierbei alles andere als um einen fragwürdigen Fakt. Andererseits scheint dies die einzige sichere Aussage zu sein, die über dieses Gemälde getätigt werden kann, da alle weiteren Sachverhalte bezüglich der Interpretation bis zum heutigen Zeitpunkt zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen und die existierenden Interpretationsversuche alles
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Arbeit zitieren:
M.A. Eva Steinbrecher, 2006, Gilbert Stuarts Portraitdarstellung von George Washington, München, GRIN Verlag GmbH
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