Inhaltsverzeichnis
Nr. Kapitel Seite
Inhaltsverzeichnis 1
1. Konzept 2
2. Erster Teil 2
2.1. Historischer Kontext 2
2.2. Die Fraternitas-AG: theosophische Aktivitäten 3
in Ascona vor 1900
2.3. Zwischenfazit 5
3. Zweiter Teil 6
3.1. Okkultismus, Freimaurerei und Theosophie um 1900 7
3.2. Annie Besant 8
3.3. Theodor Reuß alias Merlin Peregrinus 10
3.4. Der Orientalische Templerorden - O.T.O. 11
3.5. Labans Tänze auf dem „anationalen Kongress“ des 13
O.T.O.
4. Fazit 14
5. Anhang 15
Abk ürzungsverzeichnis
Literaturverzeichnis
1
1. Konzept
In dieser Arbeit sollen vornehmlich zwei Fragestellungen behandelt werden: 1. Im ersten Teil wird der Frage nachgegangen, in wie weit die Theosophische Gesellschaft, einzelne Theosophen oder theosophisches Gedankengut Einflüsse auf die frühe Phase des Sanatoriums Monte Verità in Ascona hatten. 2. Im zweiten Teil wird überprüft, ob die lebensreformerische Gemeinschaft MV Einfluss auf Theosophen, bzw. okkult-freimaurerische Gruppen hatte, die sozusagen als Nachfolgeorganisationen der TG gesehen werden können. Diese Fragestellungen hängen offensichtlich eng zusammen, daher sind inhaltliche Überschneidungen zwischen beiden Teilen bzw. Verweise auf den jeweils anderen Teil der Arbeit nicht immer zu vermeiden.
2. Erster Teil
In dieser Arbeit wird der Zeitraum zwischen 1880 und 1920 im Vordergrund stehen. Bevor die eigentlichen Fragen behandelt werden können, soll kurz auf den historischen Kontext mit lokalem Bezug auf die Region um Ascona im Tessin eingegangen werden. In diesem Kapitel soll der Bezug von pazifistisch und anarchistisch geprägten Personen mit dem Tessin herausgearbeitet werden. Der darauf folgende Abschnitt thematisiert das theosophische Projekt „Fraternitas“, drei der wesentlich daran beteiligten Personen werden an dieser Stelle einzeln vorgestellt. Im Zwischenfazit am Ende des ersten Teils der Arbeit wird versucht, erste Lösungsansätze auf die Frage des Einflusses der Theosophen auf die Frühphase des Sanatoriums MV zu geben.
2.1. Historischer Kontext
Auf eine umfassende Einordnung von TG und MV muss im Rahmen dieser Arbeit verzichtet werden. Der Autor wird sich auf einige Aspekte beschränken müssen, die in diesem Zusammenhang als besonders wichtig erachtet werden. Die TG bezieht ihr Programm aus verschiedenen Quellen, die an dieser Stelle nicht ausführlich behandelt werden können. Als eine der zahlreichen Parallelen zwischen TG und MV führt der Autor beispielhaft den Vegetarismus an, der bis zu einem gewissen Grad beiden Gruppierungen gemein war. 1 „So verwies die […] Theosophie auf den Vegetarismus und Tierschutz im Buddhismus bzw.
1 Blavatsky sprach sich zwar für Vegetarismus aus, hielt sich jedoch nach Schönenberger selbst nicht daran. Auch auf dem MV hat es mehrere Verstöße gegen die offiziell vegetarische Ernährungsweise gegeben. [vgl.: Schönenberger. S. 69.].
2
Hinduismus“, wie Linse im Metzler Lexikon Religion schreibt. 2
Auch in Bezug auf die Lokalgeschichte kann an dieser Stelle nur einer von vielen Aspekten thematisiert werden. So war der Kanton Tessin im 19. Jahrhundert unter anderem Anlaufpunkt verschiedener russischer Intellektueller, speziell bedeutender Anarchisten. Neben Graf Piotr Kropotkin (1842-1921) hielt sich in den Jahren 1873/’74 Michail Bakunin (1814-1876) in Locarno-Minusio und Lugano, also in direkter Nähe von „La Monescia“, Piodas Grundstück und dem späteren MV-Gelände, auf. Auch nach der Gründung des Sanatoriums MV blieben Anarchisten und Pazifisten Gäste auf dem Berg. Als Beispiel sei hier nur auf Erich Mühsam verwiesen. Der politische Aktivist und Antimilitarist befreundete sich während seiner Aufenthalte zwischen 1904 und 1908 mit dem Siedler Gusto Gräser. Nach Linse „gab es sozusagen einen geheimen Treffpunkt der (anarchistischen) Intelligenz in Ascona am Lago Maggiore“. 3 Mohr zieht mit dem Verweis auf andere Siedlungsprojekte und alternativer, lebensreformerischer Gesellschaftsentwürfe das Fazit: „Der Monte Verità reiht sich somit in die Tradition der europäischen gesellschaftskritischen Sozialutopien ein“. 4
2.2 . Die Fraternitas-AG: theosophische Aktivitäten in Ascona vor 1900
1889 wurde im Bulletin der „Internationalen Akademie für spiritistische und magnetistische Studien“ die Ankündigung der Gründung der Aktiengesellschaft „Fraternitas“ veröffentlicht. Die AG hatte sich das Ziel gesetzt auf einem Gebiet mit Namen „La Monescia“, nahe Ascona, ein Laienkloster zu errichten und zu betreiben. Dieses Vorhaben wurde nie verwirklicht, dennoch zeigt es die Verbindungen zwischen der lebensreformerischen Gemeinschaft um Hofmann und Oedenkoven mit den Theosophen besonders deutlich auf, wie im Folgenden herausgearbeitet werden soll. Die Initiatoren des „Fraternitas“-Projektes sind ausschließlich Theosophen, die zum inneren Kreis der ersten Generation der TG gezählt werden können. 5 Es handelt sich dabei um vier Personen, die nun im Einzelnen kurz vorgestellt werden. Die Idee zur Gründung des Klosters kann Dr. Franz Hartmann (1838-1912), Physiker und Herausgeber diverser Zeitschriften (z.B. „Lotosblüten“) und zahlreicher Schriften zu Themen wie Spiritismus, Okkultismus, Magie, Symbolik usw. zugeschrieben werden. 6 Nachdem er 19 Jahre in den USA verbracht und dort 1882 Mitglied der TG geworden war, wurde Hartmann Vertrauter Blavatskys am theosophischen Hauptquartier in Adyar, Indien, und kehrte 1885
2 Linse 2. S. 320.
3 Linse 1. S. 31.
4 Mohr S. 95.
5 Zur Geschichte der TG, bzw. der Einteilung ihrer Geschichte in verschiedene Phasen vgl. u.a.: Linse 3. S. 490-495. ausführlicher: Santucci. 2. S. 1114-1123.
6 Schönenberger bezeichnet ihn als „Ideengeber“ für Fraternitas. [vgl.: Schönenberger. S. 66.].
3
nach Europa zurück. 1887 schrieb er den Roman „Ein Abenteuer bei den Rosenkreuzern“, in dem laut Guénon die detaillierte „Beschreibung eines imaginären theosophischen Klosters in den Alpen“ eine zentrale Rolle einnimmt. 7 Interessant im Zusammenhang mit MV ist zudem, dass er 1891 in Hallein bei Salzburg Gründungsdirektor eines Sanatoriums war. 8 Er gründete nach seiner Rückkehr nach Europa diverse Vereinigungen und Gruppen, die sich gegenseitig stark beeinflussten, so unter anderem 1896 die „Theosophische Gesellschaft Deutschland“ und zwei Jahre später den „Orden der esoterischen Rosenkreuzer“, der sich in der Tradition der „irregulären Freimaurerei“ stehend sieht. 9 Insgesamt schrieb er über 30 Bücher und hunderte Artikel, so schrieb er 1902 das Buch „Mysterien, Symbole und magisch wirkende Kräfte“, dessen Titel die Interessengebiete Hartmanns beispielhaft widerspiegelt. Er übersetzte die Bhagavad Gita einmal als Prosafassung und ein zweites Mal in Versform. Hartmann wird aus verschiedenen Gründen zu den bedeutendsten Theosophen des späten 19., bzw. frühen 20. Jahrhunderts gezählt und daher an verschiedenen Stellen dieser Arbeit Erwähnung finden.
Der zweite wichtige Initiator der „Fraternitas“-AG, Alfredo Pioda (1848-1909) war Philosoph, Historiker, liberaler Politiker und Nationalrat Locarnos. Es bestand ein enger persönlicher Kontakt zwischen Pioda und Hartmann. Weiterhin steht außer Frage, dass Hartmanns Ideen massiven Einfluss auf Piodas literarisches Schaffen ausübten. Als Beispiel soll angeführt werden, dass Pioda 1907 Hartmanns Werk „Die weiße und die schwarze Magie“ übersetzte. In wieweit Pioda Hartmanns Anschauungen reflektierte oder sich unreflektiert zueigen machte, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. 10 Pioda veröffentlichte 14 Jahre nach der Gründung der TG, im Jahr 1889, das Werk „Teosofia“, in dem er die Arbeiten zahlreicher Spiritisten zitiert. 11 Im selben Jahr erschien die „Fraternitas“-Ankündigung im „Lux“-Bulletin. Das geplante Laienkloster sollte auf Piodas Grundstück errichtet werden, zudem ist er in der Ankündigung des „Lux“ als „Secrétaire du Comité“ der Aktiengesellschaft „Fraternitas“ aufgeführt. 12
Die dritte wichtige Figur des Kloster-Projekts ist Gräfin Constance Wachtmeister (1838-1910), die seit 1881 Theosophin und ab 1884 eine enge Freundin Madame Blavatskys war. 13 Wachtmeister ist unter anderem dafür bekannt, dass sie Zeit ihres Lebens behauptete,
7 vgl.: Guénon bei Schönenberger. S. 66.
8 vgl.: Goodrick-Clarke. S. 459.
9 Auf den „Orden der esoterischen Rosenkreuzer“ wird weiter eingegangen.
10 Zu einer detaillierten Einschätzung von Pioda: vgl.: Guénon bei Schönenberger. S. 65ff.
11 Schönenberger gibt eine ausführliche Liste der bei Pioda zitierten Spiritisten und Okkultisten. [vgl.: Schönenberger S. 66. u. Pioda, A.: Teosofia. Rom. 1889. S. 6ff.]
12 Schönenberger. S. 65.
13 Wachtmeister war Tochter eines französischen Diplomaten und heiratete 1863 einen schwedischen Adligen.
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Arbeit zitieren:
Florian Illerhaus, 2009, Gegenseitige Beeinflussungen von Theosophie und Monte Verità, München, GRIN Verlag GmbH
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