Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Theorien zur Beziehung zwischen der syntaktischen Struktur und prosodischen Grenzen in
der Sprachproduktion 1
2.1 Cooper und Paccia-Cooper (1980) 2
2.2 Gee und Grosjean (1983) 3
2.3 Ferreira (1988) 4
3. Experiment 1 4
4. Neue Theorie - LHS/RHS boundary (LRB) hypothesis. 6
4.1 LRB und Experiment 1 8
5. Experiment 2 9
6. Prosodische Grenzen und Perzeption 10
7. Experiment 1 12
8. Experiment 2 13
9. Fazit 14
Literatur 16
1. Einleitung
Es ist unumstritten, dass die Prosodie in vielen Bereichen der Sprachwissenschaft eine Rolle spielt. So konnte z.B. gezeigt werden, dass Prosodie Kindern schon beim Spracherwerb hilft. Kinder machen sich ihr (bereits bei der Geburt teilweise ausgebildetes) Wissen über die Prosodie zunutze, um einen Einstieg in die Grammatik zu finden (Bertschi-Kaufmann et al. 2006). Wie Watson & Gibson (2004) schreiben, ist es aber nicht ganz leicht, die Rolle der Prosodie zu verstehen und zu beschrieben, da sie viele Arten von Informationen übermitteln kann. Sie kann z.B. Informationen über die Diskursstruktur geben und gleichzeitig die syntaktische Struktur eines Satzes anzeigen.
In dieser Arbeit wird die Rolle der Prosodie in Bezug auf die Beziehung der prosodischen Phrasierung und der syntaktischen Struktur beschrieben. Im ersten Teil wird diese Beziehung in der Sprachproduktion dargestellt. Watson & Gibson (2004) haben eine Theorie zur Vorhersage prosodischer Grenzen aufgestellt (LHS/RHS boundary (LRB) hypothesis), die sie in zwei Experimenten mit drei weiteren Theorien vergleichen. Die LRB ist zwar eigentlich ein theoretischer Ansatz zur Sprachproduktion, gibt aber auch Hinweise auf die Rolle der Prosodie in der Sprachperzeption. Daher wird im zweiten Teil der Arbeit näher auf die Beziehung zwischen der prosodischen Phrasierung und der syntaktischen Struktur in der Sprachperzeption eingegangen. Watson & Gibson (2005) beschreiben zwei Erklärungsansätze bzw. Hypothesen (Anti-attachment-hypthesis und Domain-hypothesis), die sie in zwei Experimenten testen. Abschließend folgt dann ein Fazit, in dem die wichtigsten Ergebnisse noch einmal zusammengefasst werden.
2. Theorien zur Beziehung zwischen der syntaktischen Struktur und prosodischen Grenzen in der Sprachproduktion
Watson & Gibson (2004) stellen drei Theorien (Cooper & Paccia-Cooper/CPC, 1980; Gee & Grosjean/GG, 1983; Ferreira, 1988) vor, die zeigen, dass die syntaktische Struktur die Platzierung prosodischer Grenzen in der Produktion beeinflusst. Die Theorien bestimmen die Stärke einer prosodischen Grenze, die mit der Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Grenze korreliert. CPC und GG wollten eigentlich die Länge einer Pause und weniger die Wahrscheinlichkeit der Produktion einer Pause vorhersagen. Ferreira (1993) hat jedoch gezeigt, dass die syn-
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taktische Struktur nicht die Länge einer Pause bestimmt, sondern dass sie nur die Wahrscheinlichkeit einer Produktion beeinflussen kann.
2.1 Cooper und Paccia-Cooper (1980)
CPC nehmen in ihrem Ansatz an, dass die Wahrscheinlichkeit einer Grenze steigt, je mehr syntaktische Konstituenten an einer Phrase beginnen oder enden.
Am Bespiel der Grenze zwischen book und to (siehe Abbildung 1) wird nun gezeigt, wie nach CPC die Wahrscheinlichkeit einer Grenze bestimmt wird. Zuerst wird die Grenzstärke errechnet. Hierbei werden die Knoten gezählt, die die Grenzwörter dominieren, aber nur bis zum höchsten Knoten, der nicht beide Wörter dominiert (book-NP; to-PP). Auf der linken Seite werden die Hauptkategoriewörter (N, A, V) und verzweigenden Nicht-Terminalknoten gezählt und mit 2 multipliziert. Auf der rechten Seite werden die Hauptkategoriewörter und alle Nicht-Terminalknoten gezählt. Die Stärke der Grenze zwischen book und to ist demnach 3 (links 2 (Nx2; NP zählt nicht, gilt als nicht-verzweigend, da D keine Hauptkategorie ist); rechts 1 (PP, P zählt nicht, da es nicht zur Hauptkategorie gehört)).
Abbildung 1. Vorhersagen für die Grenzwahrscheinlichkeit nach CPC (Watson & Gibson 2004: 716). Als zweites werden die Bisection values bestimmt. Dafür wird zuerst die Anzahl der Hauptka-tegoriewörter im Satz gezählt (John, gave, book, Mary) und durch 2 geteilt. Dann wird die Anzahl der Hauptkategoriewörter von der Grenze bis zum Ende oder Anfang (je nach dem, was näher ist; hier das Ende, also zählt nur Mary) durch diese Zahl geteilt. Das Bisection value für die Grenze zwischen book und to beträgt also 0,5 (1/(4/2)). Als letztes wird das Produkt der Grenzstärke und dem Bisection Value gebildet, welches die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer prosodischen Grenze bestimmt (3x0,5=1,5).
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2.2 Gee und Grosjean (1983)
Für die Vorhersage einer prosodischen Grenze nehmen GG einen Algorithmus mit folgenden 8 Schritten an: 1. Satz in phonologische Phrasen teilen;
2. Für jede phonologische Phrase wird ein rechtsverzweigender Baum gezeichnet; 3. Bäume, die eine NP oder einen S formen, werden zu einem rechtsverzweigenden Baum kombiniert;
4. Baum mit dem Hauptverb wird an das Material gehängt, das die wenigsten phonologischen Phrasen enthält;
5. Alle Bäume werden zu einem linksverzweigenden Baum kombiniert; 6. Wahrscheinlichkeit wird durch das Zählen der Knoten, die durch den tiefsten Knoten, der die Wörter auf beiden Seiten dominiert, dominiert werden, ermittelt; 7.&8. Wortgrenzen vor der letzten phonologischen Phrase und Grenzen vor Wörtern mit 2 oder mehr Füßen wird 1 hinzugefügt.
Die Schritte 1-5 ergeben den Baum in Abbildung 2, die Schritte 6-8 erklären, wie die Wahrscheinlichkeit bestimmt wird. Für die Grenze zwischen book und to ist die Wahrscheinlichkeit 8. Es werden alle 7 Knoten des Baums gezählt, da das höchste I der tiefste Knoten ist, der beide Grenzwörter dominiert. Zusätzlich wird 1 addiert, da es sich um die Grenze vor der letzten phonologischen Phrase (φ) handelt
Abbildung 2. Vorhersagen für die Grenzwahrscheinlichkeit nach GG (Watson & Gibson 2004: 717).
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Arbeit zitieren:
2009, Die Beziehung zwischen prosodischer Phrasierung und syntaktischer Struktur in der Produktion und Perzeption, München, GRIN Verlag GmbH
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