Inhalt
1. Einleitung 3
2. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation im 15. Jahrhundert 5
3. Einzelporträts 7
3.1. Rogier van der Weyden - Porträt einer jungen Frau 7
3.2. Die Originale 11
3.3. Bildnisse Nicolas Rolins. 12
4. Schluss. 13
Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
In der Geschichte der Malerei gab es viele bedeutende Phasen und Entwicklungen. Eine der wichtigsten Phasen im Spätmittelalter stellte die Renaissance dar. Die Umbrüche, die sie in der Kunstwelt bewirkte, konnten nicht radikaler sein. Andererseits vollzog sich eine nicht minder wichtige Umbruchsphase auch nördlich der Alpen. Diese Erneuerungsphase auf dem Gebiet der Malerei wird auch die altniederländische Malerei genannt. Der Schauplatz dieser altniederländischen Malerei sind die Städte der burgundischen Niederlande. Diese neue Malerei stellte vieles bis dahin gekannte auf den Kopf und brachte zahlreiche Erneuerungen für die europäische Kunst der damaligen Zeit mit sich. Die zentralen Figuren dieser Erneuerungswelle waren die Gebrüder van Eyck, der Meister von Flemalle und Rogier van der Weyden. Mit diesen Malern wird eine gänzlich neue Epoche beschrieben 1 .
Die neue Epoche wird von Erwin Panofsky auch als „Ars nova“ beschrieben 2 . Die Kunst in den Niederlanden um 1400 stand noch unter dem Einfluss des „Internationalen Stils“. Bis in die ersten Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts war der Internationale Stil allgegenwärtig und erst im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts bildete sich die Ars nova aus. Die Unterschiede zu der vorangegangenen Epoche des Internationalen Stils sind sofort erkennbar. Es werden verstärkt Licht- und Schattenphänomene auf eine virtuose Art und Weise wiedergegeben. Die Werke des Internationalen Stils enthalten noch recht viel Gold. Dieses Gold wurde verwendet, um bestimmte Lichtphänomene inhaltlich wiederzugeben. Die Neuerung der neuen Epoche bestand darin, dass malerische Mittel verwendet wurden, um das Licht in den Bildern darzustellen 3 . Meister der vorangegangenen Epoche spielten ebenfalls mit dem Licht, um Formen Plastizität zu verleihen. Durch die Abschattierungen und Höhungen wurde zwar eine gewisse Plastizität erreicht, sie blieb aber zu sehr schematisch, um den Eindruck einer
1 vgl. Sander 2008, S. 31 Ausstellungskatalog / Köllermann2008, S. 39 / Kemperdick 2000, S. 6.
2 vgl. Sander 2008, S. 31 Ausstellungskatalog
3 ebd. Vgl. S. 31
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Oberflächenbeschaffenheit zu erwecken. Dadurch war es nicht möglich die Materialien „mit ihrer spezifischen Oberflächenbeschaffenheit 4 “ darzustellen. Ferner werden in der neuen Epoche die Interieurs präzise wiedergegeben und die Landschaften im Bildhintergrund erwecken den Eindruck, der wirklichen Welt zu entstammen. Somit werden die dargestellten Figuren und Gegenstände an die Wirklichkeit angeglichen und beinah real dargestellt. Die Bildgestaltung rückt somit in den Vordergrund und nicht mehr die Ikonografie der dargestellten Szenen, die im Internationalen Stil so üblich waren 5 . Neben diesen zahlreichen revolutionären Veränderungen und Neuerungen in der Bildgestaltung niederländischer Gemälde der Epoche „ars nova“ gibt es noch eine weitere wichtige Komponente, die eine Lichtdurchflutung der Gemälde erst möglich machte. Auf dem Gebiet der Technik gab es eine entscheidende Neuerung. Die traditionelle temperagebundene Malerei wird durch die Ölmalerei ersetzt. Die Pigmente werden ab sofort mit Öl gebunden. Diese Neuerung machte es möglich, dass Maler ihre Gemälde Schicht für Schicht aufbauten. Die Lasurentechnik wurde perfektioniert und „durch die mehrfache Überlagerung dieser transparenten Farbschichten erreichen altniederländische Gemälde eine zuvor nie gesehene, emailhafte Leuchtkraft und Farbintensität“ 6 . Und eben dank dieser Leuchtkraft und Intensität wird es möglich einen unglaublichen Detailrealismus zu schaffen. Die Maler der „ars nova“ stellen ihre Meisterschaft zum Beweise, indem sie jede Hautunebenheit, Runzeln der Haut darstellen oder Oberflächenbeschaffenheit von kostbaren Tüchern realistisch wiedergeben. Außerdem gehen viele Meister dieser Zeit noch weiter und geben den Szenen der Heilsgeschichte eine noch realistischere Note, was zur Folge hat, dass die Akteure in ihren Handlungen auf den Gemälden und Altären tatsächlich Anteilnahme am Geschehen haben 7 . Zu den zentralen Erneuern der neuen Epoche zählten die Malerbrüder van Eyck, der Meister von Flemalle und insbesondere Rogier van der Weyden. Rogiers Geburt wird auf das Jahr um 1400 gelegt. Für sein Schaffen wurde Rogier auch schon zu seinen Lebzeiten in Europa bewundert.
4 ebd. S. 31
5 ebd. Vgl. S. 31
6 ebd. S. 32 f.
7 ebd. Vgl. S. 33.
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Er entwickelte einen herausragenden malerischen Stil, dessen Anfänge unter dem Einfluss des Meisters von Flemalle standen. Von der Kunstwelt wurde Rogier van der Weyden so denn als der „begabteste Schüler 8 “ des Meisters, angesehen.
Die Hälfte aller erhaltenen Werke Rogiers sind entweder Porträts oder geistliche Szenen, die eines oder mehrere Porträts enthalten. Somit stellen die Porträts einen sehr wichtigen Zugang zum Verständnis der Malerei Rogiers. In meiner Arbeit möchte ich zunächst der Frage nachgehen, welche gesellschaftlichen Umwälzungen im 15. Jahrhundert zur Entstehung der Porträtkunst beigetragen haben. Im zweiten Teil wird dargestellt, wie Rogier seine Porträtkunst zwischen Bildnistreue und Idealisierung weiter entwickelt. Insbesondere werden dabei Bezüge auf seinen „Lehrer“, den Meister von Flemalle und seinen älteren Kollegen Jan van Eyck hergestellt, um zu verdeutlichen, in welche Richtung sich Rogier in der Porträtkunst weiterentwickelt. Dabei wird Rogiers meisterhafte Ausführung des „Porträts einer jungen Frau mit Flügelhaube“ als Beispiel für seine Meisterschaft genommen, um seine Entwicklung hin zur Spätphase zu verdeutlichen sowie die Frage zu klären, wie weit sich Rogier von seinem Lehrer abgrenzt und seinen eigenen Stil entwickelt. Im dritten Teil werden weitere wichtige Porträts skizzenhaft vorgestellt. Im Anschluss werden die Ergebnisse und Feststellungen im Schlussteil zusammengefasst.
2. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation im 15. Jahrhundert
Das fünfzehnte Jahrhundert für die westliche Kunst stand im Zeichen der Wirklichkeit. Auf dem Gebiet des heutigen Flandern entstand ein neuer Realitätssinn. Die in den Gemälden und Altären dargestellten Charaktere strahlten eine physische Wärme aus. Selbst in Italien fand diese Art der Darstellung großen Anklang. Die von Cyriacus d’Ancona im Jahre 1449 verfasste Beschreibung der Kreuzabnahme des Malers Rogier van der Weyden verdeutlicht das Staunen über die Kunst der neuen Meister. Mit großer Anteilnahme beschrieb der italienische Humanist die Kreuzabnahme: „Gesichter, die zu atmen scheinen, während tote Körper wie echte Leichen
8 Thürlemann 2006, S. 17.
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Arbeit zitieren:
Maxim Kimerling, 2009, Rogier van der Weyden, München, GRIN Verlag GmbH
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