Stephen Van Evera ist Professor am Massachusetts Institute of Technology, wo er Internationale Beziehungen lehrt. Seine Forschung richtet sich vor allem auf die Ursachen sowie die Prävention von Kriegen. Stephen Van Evera hat diverse Bücher über die Ursachen von Krieg und über Methoden der Sozialwissenschaft verfasst. Außerdem unzählige Artikel über die amerikanische Außenpolitik. Das Buch "Causes of War" ist Van Everas bedeutendstes Werk. Das Buch erschien im Jahr 1999. Das Buch hat 262 Seiten, die in neun Kapitel unterteilt sind. Das Buch präsentiert eine Reihe von Hypothesen, die die Entstehung und den Ausbruch von kriegerischen Auseinandersetzungen beschreiben. Diese Hypothesen stehen im dienst der realistischen Tradition. Das Buch beginnt mit der entscheidenden Frage: "Was hat die vernichtenden Kriege der Moderne verursacht?" - "Was sind die wahrscheinlichen Ursachen für die zukünftige Kriege und wie können diese Kriege verhindert werden?". All diese Fragen werden im Folgenden erörtert.
Van Evera präsentiert fünf Hypothesen die den Ausbruch von Kriegen beschreiben.
1. Conquest is easy.
2. States fall prey to false optimism.
3. War is more likely when the advantage lies with the first side to mobilize or attack.
4. Relative power of states fluctuates sharply. That is when windows of opportunity and vulnerability are large.
5. Resources are cumulative. Conquest enables further conquest (Van Evera 1999, 4).
1. Der Falsche Optimismus: Illusionen über die zukünftigen Kriege.
Falsche Versprechen können fatale Folgen auslösen. Staaten können sich falsche Versprechungen machen über die Gewinner des Krieges oder aber über die Kosten derselben. Die falschen Versprechungen sind sehr gefährlich und sehr geläufig. Viele Kriege könnten von vielen
führenden Nationen verhindert werden, wenn sie klar in die Zukunft sehen könnten. Das Risiko für die Kriege steigt an. Solche Risiken führen dazu, dass die Verlierer sich an Kriegen beteiligen die sie vermeiden würden, wenn sie ihre Niederlage vorhersehen könnten. Des Weiteren führen die falschen Versprechen zum Kriegsausgang dazu, dass Staaten an weiteren Konflikten sich beteiligen und diese Konflikte oft über schwappen und unvorhergesehen enden. Der falsche Optimismus ist laut Van Evera zwar nicht ausreichend für die Kriege, aber beinah ausreichend. Dieser falsche Optimismus scheint eine überzeugende Ursache für einen Krieg zu sein. Die Illusion des Sieges. Falsche Vorstellungen eines Sieges können dann auftreten, wenn die streitenden Staaten ihre militärischen Potentiale falsch einschätzen. Dabei führt Van evera einige Beispiele aus der Geschichte an. Die Athener waren sich siegessicher als sie Sparta angriffen. Hannibal war sich sicher, Rom wäre bereit für eine Rebellion gegen ihre Herrscher. Was die junge Vergangenheit betrifft, so war sich Hitler sicher, Russland innerhalb einiger Wochen in die Knie zu zwingen. Der Russlandfeldzug sollte zu einem Kinderspiel werden. Am Ende kam es allerdings anders. Aber was führt dazu, dass die Staaten ihre Potenziale überschätzen? Es gibt einige Ursachen: Die Staaten unterschätzen selten ihre Kräfte, aber sie unterschätzen oft die ihrer Gegner. Dies führt zu einer falschen Vorstellung vom Vorteil im Falle einer Auseinandersetzung. Ein weiterer Grund ist die Verkennung der gegenseitigen Kräfteverhältnisse. Die Eliten des jeweiligen Landes verkennen oft die relative Macht des Gegners, weil sie die relative Loyalität und Stärke beider Parteien verkennen (Van Evera 1999, 28). Eine wichtige und oft verbreitete Illusion betrifft die Kosten der Kriege. Die Führer der Länder verkennen den Ausmaß der Kosten, den die Kriege verursachen. In dieser Illusion eines günstigen Krieges, werden sie dazu verleitet einen Angriffskrieg zu riskieren, den sie unter normalen Umständen vermieden hätten. Die Unterschätzung der wahren Kriegskosten ist weit verbreitet. Van Evera führt die Griechen als Beispiel vor. im Peloponnesischen Krieg unterschätzten die Griechen die Kosten. Der Krieg sollte nur kurz andauern. Sie ahnten nicht, dass dieser Krieg beide Seiten ruinieren könnte. Wüssten sie, was dieser Krieg in den Gesellschaften auslösen würde, so hätten sie ihn nicht gewagt.
2. War is more likely when the advantage lies with the first side to mobilize or attack. Der Erstschlag hat nur dann den Vorteil wenn ihn einer der beiden Gegner ausnützt. Als Beispiel führt Van Evera hier den Krieg im Jahre 1967, als Israel Ägypten angriff. Die Erst-Mobilisierung
verursacht den Krieg in einer indirekten Art und Weise. Es wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt. Die anderen Staaten mobilisieren ihrerseits und sind zum Kriege bereit, eventuell sogar zu einem wiederum präventiven Schlag. Dieser Effekt kann Kriege auslösen und ist sogar unter Umständen gefährlicher als der Erstschlag (Van Evera 1999, 39).
Der Erstgang hat laut Van Evera fünf entscheidende gefährliche Auswirkungen. Der Präventivschlag ist die gefährlichste Form. Die Aussichten auf den Sieg sind enorm, denn der Angreifer genießt alle Vorzüge des Erstschlages und der Überraschung. Die Angreifer tragen ein geringeres Risiko und können dementsprechend schneller Kriege vom Zaun brechen. Als Hitler Norwegen im Jahre 1940 angriff erklärte er: "Ich bin informiert, dass die Briten bald in Norwegen landen werden, und ich will vor ihnen da sein".
Die gegenseitige Angst vor überraschenden Angriffen: Die Staaten mobilisieren oder greifen an, weil sie den Erstschlagvorteil sehen und weil sie den gegnerischen Angriff fürchten weil sie denken, die anderen würden ebenfalls einen Angriff befürchten und würden ihrerseits den Angriff starten. "Der Gegner denkt, wir denken er würde angreifen, so denkt er wir sollten, also wird er, also müssen wir" (Van Evera 1999, 44). Diese Form der gegenseitigen Angst kommt nur selten vor.
Concealment of grievances: Wenn es zu Bewegungen (Konflikten) kommt, dann verbergen die Staaten ihre Missstände, weil Ehrlichkeit einen Angriff seitens des Gegners auslösen würde. Staaten verbergen also ihre militärischen Potenziale, ihre militärische Pläne und ihre politischen Pläne. Dieses Verbergen verzehrt das Bild der Wirklichkeit und führt unweigerlich zu kriegen, weil man über- oder unterschätzt wird. Vor dem Angriff auf Israel im Jahre 1973 deponierten die Ägypter in der westlichen Presse Gerüchte, ihre Streitkräfte wären unfähig Kriege zu führen. Ihre Taktik ging auf. Die Israelis dachten ein Ägyptischer Angriff gliche einem Selbstmord. Die Ägypter griffen überraschend an. 3. War is more likely when the relative power of states fluctuates sharply. Diese Hypothese besagt, dass der Krieg wahrscheinlicher ist, wenn die Staaten jetzt bessere Resultate vom Krieg erwarten, als dies später der Fall ist. Dies resultiert unter anderem aus dem Gedanken des Präventivschlages. Der Gedanke der bevorstehenden Verschiebung der Balance der Macht zwischen den konkurrierenden Mächten, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Bevorstehende Kräfteverschiebung erzeugt eine Art Ansporn. Der untergehende Staat will einen
Arbeit zitieren:
Maxim Kimerling, 2008, Fünf Hypothesen die den Ausbruch von Kriegen beschreiben - zu Stephen Van Everas - "Causes of War", München, GRIN Verlag GmbH
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