Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 2
1. Einführung 2
1.1 Ausgangslage und Begründung der Themenwahl 2
1.2 Fragestellung und Ziele der Arbeit 3
1.3 Abgrenzung 3
1.4 methodisches Vorgehen 3
II Hauptteil
2. Bearbeitung der Theorie. 4
2.1 Definition von chronischen Schmerzen 4
2.2 Schmerzwahrnehmungen, Schmerzverhalten 5
und Schmerzverständnis unter kulturellen Aspekten
2.3 Bedeutung des Sozialnetzes bei Migranten. 6
2.4 Kommunikation und Sprachbarrieren bei Migranten 8
2.5 Einsatz von Dolmetschern/Mediatoren in der Psychiatrie 9
2.6 Pflegerische Methoden/Interventionen im Umgang mit chronischen Schmerzen 10
2.6.1 Schmerzassessment 10
2.6.2 Ergotherapie. 12
2.6.3 Sprachunterricht. 12
2.6.4 Musik in der Pflege. 12
2.6.5 Humor und seine Wichtigkeit bei der Pflege chronisch Kranker 13
3. Fallbeispiel 14
3.1 Beschreibung des Patienten. 14
3.2 Pflegerische Interventionen und Verlauf. 15
4. Verbindung zwischen Theorie und Praxis. 16
5. Schlussvolgerungen und Zusammenfassung 17
6. Lernprozess 18
7. Literaturverzeichnis 20
8. Anhang 22
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I Einleitung : 1.Einführung
1.1 Ausgangslage und Begründung der Themenwahl
Weltweit befinden sich mehr als 21 Millionen Menschen auf der Flucht. Viele von ihnen fliehen vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen in ihrem Herkunftsland, aus politischen oder sozioökonomischen Gründen.
Die bis in die Schweiz geflohenen Menschen erhalten die Möglichkeit, einen Antrag auf Asyl zu stellen, dessen Anerkennung jedoch aufgrund der Verschärfung des Asylrechts zunehmend ungewiss ist. Die Lebenssituation der Flüchtlinge ist häufig von Angst vor Ausgrenzung, Diskriminierung und Abschiebung geprägt. Fehlende Perspektiven und eingeschränkte Gestaltungsfreiheiten eines selbstbestimmten Lebens verstärken die gesundheitlichen Belastungen und erhöhen den psychischen Druck.
In dieser Situation macht Migration auch vor den Toren psychiatrischer Kliniken nicht halt. Dies betrifft mich sowohl in beruflicher als auch in persönlicher Hinsicht: Als diplomierter Psychiatriepfleger arbeite ich seit mehr als 5 Jahren auf einer gemischten Akutaufnahme- Abteilung in einer psychiatrischen Klinik. Die Abteilung ist eine halb offene psychiatrisch-psychotherapeutisch geführte Akutstation mit 18 Betten und Schwerpunkt illegaler Sucht zur Behandlung erwachsener Patienten.
Mir fällt auf, dass zeitweise über 40% der gesamten Belegung Patienten mit Migrations-hintergrund sind. Aufgrund der zunehmenden Einweisungen von Migranten mit
Schmerzproblematik und Depressionen werden meine Kollegen und ich zunehmend mit Krankheitsvorstellungen aus anderen Kulturkreisen konfrontiert, die von den westeuropäischen abweichen.
Wir stehen vor Verständigungsproblemen, erleben sprachliche und kulturelle Missverständnisse und müssen mit unermesslichem Leid bei Opfern politischer Verfolgung, Folter oder Vergewaltigung umgehen.
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In meiner Funktion als Gerichtsdolmetscher und Mediator der arabischen und französischen Sprache erhalte ich eine weitere Perspektive auf die komplexe Problematik der Migranten bzw. Asylsuchenden und vorläufig Aufgenommenen
Aufgrund meines eigenen Migrationshintergrundes schliesslich -ich stamme aus Algerienberührt mich die Situation von Migranten in der Psychiatrie auch persönlich.
1.2 Fragestellung und Ziele der Arbeit
Welche besonderen pflegerischen Interventionen erfordert die Behandlung der asylsuchenden Migranten/Innen mit Schmerzsymptomatik?
Ziel der Arbeit ist für mich, ein praktisches Vorgehen darzustellen, das im Pflegealltag der Migranten mit chronischen Schmerzen angewandt, erprobt und durch weitere Erfahrungen zukünftig noch ergänzt werden kann. 1.3 Abgrenzung:
Das Thema „chronische Schmerzen bei Migranten“ weist eine sehr hohe Komplexität auf. An dieser Stelle soll nicht etwa für ein „Patentrezept“ für die Pflege aller Migranten mit Schmerzproblematik in der Psychiatrie plädiert werden, sondern für eine Individualpflege. Es geht nicht um Vereinheitlichung kultureller Besonderheiten, sondern ganz im Gegenteil um respektvollen Umgang mit dem Fremden. Ich werde in dieser Arbeit nicht das Thema „chronische Krankheiten“ und ihre Entstehung bzw. Therapie erschöpfend behandeln können. Ebenso wenig ist es möglich, das Gesamtthema „Migration und Gesundheit“ abschliessend zu behandeln.
1.4 Methodisches Vorgehen
Ich werde zur Bearbeitung der Fragestellung wie folgt vorgehen: Anhand verschiedener Nachschlagwerke und Literaturquellen werde ich die chronischen Schmerzen zuerst definieren, dann die Schmerzwahrnehmung unter Besonderheiten der Kultur betrachten und schliesslich versuchen darzustellen, wie wir in der Psychiatrie der „Sprachlosigkeit“ im Umgang mit Chronisch-Schmerzkranken begegnen können. Des Weiteren werde ich einige pflegerische Hilfsmittel im Umgang mit dieser
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Patientengruppe darstellen. Dies soll an einem Fallbeispiel anschaulich werden. Ein Transfer zwischen Theorie und Praxis erfolgt im vierten Kapitel, in dem überprüft wird, inwieweit sich die theoretischen Überlegungen auf das Fallbeispiel anwenden lassen. Zum Schluss möchte ich gerne meine gewonnenen Erkenntnisse und die Schlussfolgerungen formulieren.
Der persönliche Lernprozess wird abschliessend erläutert.
II Hauptteil
2. Bearbeitung der Theorie
2.1 Definition von chronischen Schmerzen:
Von "chronischen Schmerzen" sprechen wir, wenn die Schmerzen länger als sechs Monate anhalten. In diesem Falle hat der Schmerz keine Schutz- und Warnfunktion mehr, sondern wird zu einer eigenständigen Krankheit, der "chronischen Schmerzkrankheit". Anhand des NANDA Pflegediagnosensystems wird chronischer Schmerz folgendermaßen definiert: „Schmerzen, chronisch: Ein Zustand, bei dem ein Patient plötzliche oder langsam ansteigende Beschwerden von geringer bis schwerer Intensität mit einem nicht vorhersehbaren oder vorhersagbaren Ende erlebt (Dauer 6 Monate und länger)“. (Stefan et al. 2003, S.529).
Im Folgenden soll die Definition der Internationalen Vereinigung zum Studium des Schmerzes (1979) Grundlage der Ausführungen des Schmerzes bei Migranten sein:“ Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller und potentieller Gewebesschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird“. (Hüper 1997, S.178). Hier wird deutlich, dass Schmerz nicht nur als Zeichen einer körperlichen Störung gesehen werden kann, sondern, dass Schmerz auch als psychisches Phänomen betrachtet werden muss, das nur die betroffene Person fühlt und erlebt: „Schwere Schmerzen können ohne Gewebsverletzungen bestehen, schwere Verletzungen brauchen nicht mit Schmerz verbunden zu sein“ (Uexküll 1990, S.537).
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2.2 Schmerzwahrnehmungen, Schmerzverhalten und Schmerzverständnis unter kulturellen Aspekten:
Die Internationale Vereinigung zum Studium des Schmerzes weist daraufhin, dass es viele Schmerzen gibt, “ die unabhängig von irgendwelchen körperlichen Schmerzreizen auftreten. Für das subjektive Schmerzverständnis ist es völlig belanglos, ob eine Gewebeschädigung vorliegt oder nicht. Das heisst durch seelische (psychische) Probleme ausgelöste Rückenschmerzen werden von Patienten genauso intensiv und real erlebt wie Rückenschmerzen durch zerschlissene Wirbelgelenke. Nichts wäre so falsch, wie im ersten Fall von eingebildeten und im zweiten Fall von echten Schmerzen zu reden“ (Hüper 1997, S.176) Schmerz wird als existentielles Bewusstseinsphänomen erlebt und ist auf diese Weise eng mit dem kulturellen Hintergrund verbunden, insofern der Schmerz die Deutung erfährt, die die jeweilige Kultur entwickelt hat.
Nach einer Untersuchung von Blechner zu 954 Schmerzpatienten gehen Migranten mit vielen Schmerzen überhaupt nicht zum Arzt: “ So sind zum Beispiel Rheumaschmerzen für viele Türken etwas Bekanntes und dabei unabänderliches und schicksalhaftes- eine Meinung, die sich aufgrund der Nichtinanspruchnahme ärztlicher Hilfe fortlaufend stabilisiert. In solchen Fällen ist die Einstellung von Schmerzen durch Stoizismus, Fatalismus und Kapitulation geprägt. Die Formel “La havle vela korrete illa dillah“ - zu deutsch „ausser bei Gott gibt es bei niemandem Kraft und Macht“ ist in diesem Zusammenhang zu verstehen“. (Hüper 1997, S.180)
Anderseits wird aber auch vom so genannten „Viel-Schmerz“ oder „Mamma-Mia-Sydrom“ gesprochen (Habermann 1992, S.34), einem Schmerzverhalten, bei welchem durch heftige verbale und nonverbale Signale der Schmerz geäussert wird.
Ein weiteres Konfliktfeld liegt schliesslich auch in der Behandlung solcher deutlich vorgetragener Schmerzen, einer Behandlung, die oftmals auf eine pharmakologische Intervention reduziert ist und Zuwendung und Aufmerksamkeit für die Lebenssituation ausser Acht lässt.
Die Arbeitsgruppe „Interkulturelle Pflege“ interviewte einen türkischen Patienten, der nach einer „Schmerzodyssee“ in einer Poliklinik erst auf der Intensivstation beruhigt werden
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Arbeit zitieren:
Youcef Hamerlain, 2008, Chronische Schmerzen bei Migranten/Innen in der Psychiatrie, München, GRIN Verlag GmbH
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