Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Sport, Vereine und Bevölkerung bis zum Ende des 1.
Weltkrieges 4
II.1 Argument „undeutsch“ 4
II.2 Berlin 5
II.3 Das Ruhrgebiet 6
III. Der Boom der 20er 7
III.1 Vereinsaufbau, Spieler, Fans 7
III.1.1 Hertha, Hanne und Berlin 7
III.1.2 „Der Ruhrpott“, Schalke 04 und Kuzorra 8
III.2 Die Probleme 9
III.2.1 Amateure und Profis 10
III.2.2 Der DFB 12
IV. Fazit 13
V. Bibliografie 15
I. Einleitung
„Zunächst ist jene Bewegung ja schon, auf die bloße Form hin angesehen, häßlich. Das Einsinken des Standbeins ins Knie, die Wölbung des Schnitzbuckels, das tierische Vorstrecken des Kinns erniedrigt den Menschen zum Affen [...].“ 1 So die Meinung des Professors Karl Planck, der am Eberhard-Ludwig-Gymnasium in Stuttgart lehrte, zu einem in Deutschland relativ neuen Spiel, dass aus England importiert worden war. Dem Fußball stand man vielerorts, allen voran jedoch bei der Turnerschaft, eher misstrauisch gegenüber. Doch wie heißt es so schön: „Getroffene Hunde bellen!“ Längst gab es nämlich Fußball im Unterricht und schon im Januar 1900 gründete sich der Deutsche Fußballbund. 2 Aber auch die Vertreter der 86 anwesenden Vereine ahnten wohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass die Anzahl der Mitglieder ihres Verbandes bereits 1920 über 400.000 betragen sollte, um 1930 dann die Millionengrenze zu sprengen. 3 Die bloßen Zahlen zeigen es schon, in der krisengeschüttelten Zeit der Weimarer Republik wuchs die Begeisterung für das runde Leder. Diese Abhandlung soll sich mit den Gründen für die enorme Popularität des Fußballs in den 20er Jahren befassen und es nachvollziehbar machen, dass eine Nation, die gerade erst ein völlig neues Level der Kriegsschrecken erfahren hatte, ausgerechnet diesem Sport solch große Aufmerksamkeit schenkte. Nun gibt es aber nach Hall und Grossberg einige Innovationen im Bereiche der Cultural Studies. Ein radikaler Kontextualismus impliziert, dass keine kulturelle Praxis außerhalb ihres Kontextes fassbar ist. Weiterhin sollte man eine interdisziplinäre Orientierung vornehmen und mehr als nur die eigene Fachdisziplin betrachten. 4 So werden einige Blicke in die gesellschaftlichen Prozesse außerhalb des Sports unabdingbar sein. Nun hat auch das plötzlichste gesellschaftliche Phänomen seine Vorläufer und darum ist es notwendig, einen kurzen Rückblick auf die sportlichen Aktivitäten der Nachfolger des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn zu werfen. Im Mittelpunkt stehen dabei einerseits die Metropole Berlin und andererseits die Arbeiterhochburg Ruhrpott. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Vereine, Spieler und Fans sollen so ein mentalitätsgeschichtliches Bild der Zeit zeichnen. Wenn
1 Planck, K.: Fußlümmelei. Über Stauchspiel und englische Krankheit. (Nachdruck der Ausgabe Stuttgart
1898) Münster 1982, S. 6f. zit. nach: Gehrmann, S.: Fußball, Vereine, Politik. Zur Sportgeschichte des
Reviers 1900-1940. Essen 1988, S. 10f.
2 Vgl. Heinrich, A.: Der Deutsche Fußballbund. Eine politische Geschichte. Köln 2000, S. 25.
3 Vgl. Eisenberg, C.: Vom „Arbeiter-“ zum „Angestelltenfußball“? Zur Sozialstruktur des deutschen
Fußballsports 1890 - 1950. In: Sozial- und Zeitgeschichte des Sports 4 (1990), H. 3, S. 20-45, hier S. 23.
4 Vgl. Albrecht, C.: Wie Kultur repräsentiert wird: Die Politik der Cultural Studies. In: Gebhardt, W. u.a.
(Hrsg.): Populäre Kultur als repräsentative Kultur. Die Herausforderung der Cultural Studies. Köln 2002,
S. 16-32, hier S. 19.
3
Sepp Herberger in den 60ern jedoch von im Jahre 1933 beseitigten „Bremsklötzern“ für seinen Sport sprach, so kann nicht alles Gold gewesen sein, was im Nachhinein glänzt. 5 Das Quellenmaterial setzt sich zumeist aus den einschlägigen Sportzeitschriften, wie dem „Volkssport“ 6 oder der „Fußball-Woche“ 7 zusammen. Zudem hat Otto Nerz interessante Werke über Trainingslehre verfasst. 8 In der Forschung sind vor allem die Namen Gehrmann 9 und Eisenberg 10 zu nennen. Sie befassen sie sich in erster Linie mit Beruf und Herkunft der Sportler, wobei besonders Gehrmann sein Augenmerk auf die masurischen Einwanderer legt. Das umfassendste Überblickswerk liefert allerdings Erik Eggers. 11 Gut mit Bildern illustrierte Werke wurden von Hartmut Hering 12 und Weise/Hartwig 13 herausgegeben. Von der Aktualität des Themas zeugt im so und so schon fußballverrückten Deutschland im übrigen auch eine Szene der Fernseh-Trilogie „Krupp - Eine Deutsche Familie“. 14 Der junge Alfred Krupp tritt 1920 mit einem Arbeitersohn gegen den Ball. Ein Hinweis auf populäre Kultur, die sozialstrukturell entkoppelt. 15 Auch wenn solche Filme meist nicht wirklich als historisch wertvoll gelten können, zeigt die Verwendung solch einer Szene die Sonderstellung dieses Ballsports.
II. Sport, Vereine und Bevölkerung bis zum Ende des 1. Weltkrieges II.1 Argument „undeutsch“?
Seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts breitete sich das Fußballspiel vor allem bei Schülern, Studenten und Kaufleuten aus. Dies war z. B. in deren Kontakten zum Mutterland England begründet. 16 Auch Adelige - wie die Hohenzollern - fanden Gefallen an dem neuen Sport. 17 Unter den Berufstätigen waren es aber vornehmlich die Angestellten, welche erstens Kontakte, zweitens Geld für die Ausrüstung und Reisen
5 Vgl. Leo, P.: „Bremsklötze des Fortschritts“. Krisendiskurse und Dezisionismus im deutschen
Verbandsfußball 1919-1934. In: Föllmer, M./Graf, R. (Hrsg.): Die „Krise“ der Weimarer Republik. Zur
Kritik eines Deutungsmusters. Frankfurt am Main 2005, S. 107-137, hier S. 108.
6 Volkssport. Zeitschrift für Fußball, Leichtathletik und verwandte Sportarten. Düren, 1921.
7 Fußball-Woche. Berlin, 1927-1930.
8 Nerz, O.: Fußball. Training. Berlin 1928.
9 Gehrmann, S.: Fußball, Vereine, Politik. Zur Sportgeschichte des Reviers 1900-1940. Essen 1988.
10 Eisenberg, C.: Vom „Arbeiter-“ zum „Angestelltenfußball“? Zur Sozialstruktur des deutschen
Fußballsports 1890 - 1950.
11 Eggers, E.: Fußball in der Weimarer Republik. Kassel 2001.
12 Hering, H. (Hrsg.): Im Land der tausend Derbys. Die Fußball-Geschichte des Ruhrgebiets. Göttingen
2002.
13 Hartwig, W./Weise, G.: 100 Jahre Fußball in Berlin. Berlin 1997.
14 Vgl. Rola, C. [Regie] (2009): Krupp - Eine deutsche Familie (2/3). ZDF, 23.03.2009.
15 Vgl. Albrecht, C.: Wie Kultur repräsentiert wird: Die Politik der Cultural Studies, S. 26f.
16 Vgl. Eggers, E.: Fußball in der Weimarer Republik, S. 16.
17 Vgl. Gehrmann, S.: Fußball, Vereine, Politik, S. 11.
4
und drittens die Zeit hatten, die ein Arbeiter, der für seine Familie schuftete, nicht aufbringen konnte. 18
Auf der anderen Seite war der Sport ein Mittel für bürgerliche Akademiker, zur blaublütigen Führungsschicht in Verbindung zu treten. Im Klubleben überwand man die kulturelle Barriere. Auch sollte hier die überschüssige Energie, die sich in den rauhen Sitten der Studenten widerspiegelte, anderweitig abgeführt werden. Argumente gegen den Fußball fanden sich schnell. Die Fußballersprache war geprägt von englischem Vokabular. „Referee“ und „Kicker“ provozierte bei Nationalisten eine Gegenreaktion wider das „Undeutsche“. 19 Hinzu kam, dass der Fußball in den Augen der Turner als „proletenhaft“ verschrien war. Kein Wunder, war doch ihre Körperertüchtigung mit höchster Disziplin fast militärischem Drill gleichzusetzen. 20 Gerade diese Monotonität gibt Grund zur Annahme, dass viele Menschen lieber dem Kampf ums runde Leder frönten. Ironischerweise waren es jedoch die Nationalisten, die 1914 die deutsche Turnerschaft kritisierten „[...] wenn sie Leichtathletik und Fußball nicht anerkennt [...]“ 21 . Im Blick auf erfolgreiche olympische Spiele 1916 sollten die traditionellen Konflikte im Hintergrund bleiben.
Die Redensart vom „Kampf um den Ball“ ist auch deshalb ein passender Ausdruck, weil Fußball gerade durch die Verbindung zum Militär an Beliebtheit gewann. Nach 1908 war dies auch in Leitsätzen des DFB verankert, obwohl sich viele gegen die Politisierung aussprachen. 22 Die Erwartung von Fördermitteln übertrumpfte jedoch den Widerspruch. Der Krieg bremste zunächst den Wettspielbetrieb, wirkte aber nachdem der Spielermangel behoben war positiv auf Physis und Moral der Soldaten und ließ die Grenzen zwischen den Klassen und Rängen vergessen. 23
II.2 Berlin
Im Jahre 1885 bekam mit dem BFC Frankfurt erstmals ein Verein die amtliche Erlaubnis, in Berlin spielen zu dürfen. Hertha BFC gründete sich 1892 und zog schon 1904 an einen eigenen umzäunten Sportplatz an der „Plumpe“. Das Problem der Anfangszeit bestand darin, dass keine allgemeinen Regeln existierten. Mehrere
18 Vgl. Eisenberg, C.: Vom „Arbeiter-“ zum „Angestelltenfußball“? Zur Sozialstruktur des deutschen
Fußballsports 1890 - 1950, S. 21.
19 Vgl. Gehrmann, S.: Fußball, Vereine, Politik. Zur Sportgeschichte des Reviers 1900-1940, S. 9f.
20 Vgl. Eggers, E.: Fußball in der Weimarer Republik, S. 15.
21 Illustrierter Sport. Berlin, 1914, Nr. 2.
22 Vgl. Boldt, A. In: Der Rasensport. Berlin, 1924, Nr. 11.
23 Vgl. Eggers, E.: Fußball in der Weimarer Republik, S. 26.
5
Arbeit zitieren:
Martin Gerasch, 2009, Fußball in der Weimarer Demokratie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Martin Gerasch's Text Fußball in der Weimarer Demokratie ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Martin Gerasch hat den Text Fußball in der Weimarer Demokratie veröffentlicht
Martin Gerasch hat einen neuen Text hochgeladen
Kopierhefte mit Pfiff! Geschichte - Quiz. Weimarer Republik bis Weimar...
Lernzielkontrollen, Proben, Te...
Politisch-kulturelle Zugänge z...
Roland Lhotta, Alexander Thumfart, Arno Waschkuhn, Rüdiger Voigt, Hauke Brunkhorst
Parlamentarische Kultur in der Weimarer Republik
Politische Kommunikation, symb...
Thomas Mergel
0 Kommentare