Inhalt
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS. 3
1. EINLEITUNG 4
2. DIE REGION DARFUR: NATURRAUM, WIRTSCHAFT, INFRASTRUKTUR, BEVÖLKERUNG. 6
3. VERLAUF DES KONFLIKTS SEIT 2003 10
3.1. DER ANFANG - WER GEGEN WEN? 10
3.2. WAFFENSTILLSTANDSVERHANDLUNGEN, FRIEDENSTRUPPEN UND AKTUELLE ENTWICKLUNGEN 12
4. ERKLÄRUNGSANSÄTZE FÜR DEN KONFLIKT. 16
4.1. EIN ZENTRU-MPERIPHERIE-KONFLIKT MIT SUGGERIERTER ETHNISIERUNG 16
4.2. DARFUR ALS DER ERSTE KLIMAKRIEG. 19
4.3. DER INSZENIERTE KONFLIKT. 26
5. FAZIT 33
LITERATUR. 35
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Abkürzungsverzeichnis
AMIS African Mission in Sudan. Die von der Afrikanischen Union von 2004 bis Ende 2007 in Darfur stationierte Friedensmission. AU Afrikanische Union. ICC
IDP Internal Displaced Persons. Intern, d.h. innerstaatlich, Vertriebene Personen. JEM
SLM Sudan Liberation Movement. Sudanesische ‚Befreiungsbewegung’ in Darfur. SPLA
UNAMID United Nations-African Union Mission in Darfur. Eine von den Vereinten
1. Einleitung
Im Laufe des Jahres 2003 wurde das Interesse der Weltöffentlichkeit erst sehr langsam, dann jedoch immer stärker auf eine Region gelenkt, die bis dahin in der westlichen Welt weitgehend unbekannt gewesen war: Darfur im Westen des Sudans, dem größten Flächenstaat Afrikas. Dort eskalierte damals gewaltsam ein schon länger schwelender Konflikt, dessen Parteien zunächst nicht ganz einfach auszumachen schienen. Im Frühjahr 2009 erließ schließlich der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl gegen den amtierenden sudanesischen Präsidenten Omar Hassan Ahmad al-Bashir wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen im Rahmen eben dieses Konflikts. Bereits diese Eckdaten könnten eine Reihe von Fragen auslösen: Handelt es sich in Darfur um ‚typische Stammeskonflikte’, wie sie auf dem afrikanischen Kontinent häufig vorzukommen scheinen? Geht es um knapper werdende Ressourcen? Was hat der Islam, und was die sudanesische Regierung damit zu tun? Warum wird gerade der sudanesische Regierungschef mit einer Anklage belangt, während Andere unberührt - teils im Verborgenen, teils auch von den Medien noch wesentlich detaillierter dokumentiert als die Darfur-Krise - weiter entweder das eigene Volk drangsalieren oder anderswo Kriege anzetteln? Worin besteht die Rolle des Westens? Diese und viele weitere Fragen sollen in der vorliegenden Arbeit diskutiert und von verschiedenen Seiten beleuchtet werden.
Vor allem aber sollen die Argumente untersucht werden, mit denen sowohl die Entstehung als auch das Fortdauern des Konflikts in Darfur erklärt werden. Des Weiteren werden die Fragen aufgeworfen und erörtert, ob der Konflikt von der Weltöffentlichkeit insgesamt zu viel oder zu wenig oder eventuell auch die falsche Aufmerksamkeit erhält und ob eine Einmischung des Westens sinnvoll, not- oder gar überfällig oder im Gegenteil vielleicht sogar der Situation gänzlich abträglich ist? Hieraus ergibt sich folgender Aufbau der Arbeit:
Im nachstehenden Kapitel 2 findet sich eine Reihe von Hintergrundinformationen zur Region Darfur, um diese zunächst geographisch, ökologisch, ökonomisch und demographisch einzuordnen.
Kapitel 3 bietet einen Überblick über den Verlauf des Konflikts von 2003 bis heute. Dabei sollen die Ereignisse möglichst neutral und zunächst ohne Wertungen bzw. nähere Erläuterungen dargestellt werden.
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Im vierten und für die vorliegende Arbeit zentralen Kapitel sollen drei Erklärungsansätze für das Entstehen und Andauern der Krise vorgestellt, diskutiert und kritisch betrachtet werden. Hierbei gilt es zu bedenken, dass lediglich einige ausgewählte Autoren und deren jeweilige Ansätze herangezogen werden. Bei der Verwendung anderer Quellen könnten wahrscheinlich verschiedene Akzente gesetzt und möglicherweise sogar noch gänzlich andere Ansätze herausgearbeitet werden. Da die vorliegende Arbeit von der Verfasserin freilich nur aus westlicher Perspektive geschrieben werden kann, werden - auch um den Rahmen nicht zu sprengen - ausschließlich westliche bzw. im Westen lebende und wirkende Autoren herangezogen. Die Sichtweisen der sudanesischen Regierung und anderen nichtwestlichen Staaten werden zwar teilweise mit aufgenommen, jedoch jeweils durch die Brille der erwähnten Autoren betrachtet.
Die drei vorliegenden Erklärungsansätze werden in der gängigen Literatur offiziell nicht als solche bezeichnet, sondern lediglich von der Verfasserin in dieser Weise herausgearbeitet. Es sei darauf hingewiesen, dass sowohl der Konflikt an sich als auch die verfügbare Literatur und die Erklärungsansätze sehr komplex sind. Die Informationen bzw. Argumente in den einzelnen Ansätzen ergänzen einander teilweise und bauen zum Teil auch aufeinander auf. Zu anderen Teilen stehen sie in starkem Widerspruch zueinander, weshalb sie letztlich auch als verschiedene Erklärungsansätze gewertet wurden. Aufgrund dieser Komplexität erfolgt die Diskussion der einzelnen Thesen jeweils bereits an Ort und Stelle und nicht in einem gesonderten Kapitel. Ziel ist dabei nicht, ein komplettes Bild des Konflikts zu entwerfen oder letztlich einem der Erklärungsansätze den Vorzug zu geben, sondern die verschiedenen Perspektiven, aus denen der Konflikt betrachtet werden kann, darzustellen. Im abschließenden Fazit werden die einzelnen Standpunkte nochmals zusammengeführt und gegeneinander abgewogen. Des Weiteren werden Überlegungen für die Zukunft der Region angestellt und es wird versucht den Konflikt in einem globalen Zusammenhang zu betrachten.
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2. Die Region Darfur: Naturraum, Wirtschaft, Infrastruktur,
Bev ölkerung
Abb. 1: Der Sudan und seine Bundesstaaten Quelle: http://www.un.org/Depts/Cartographic/map/profile/sudan.pdf
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Darfur umfasst ein Gebiet von etwa einer halben Million Quadratkilometer, wovon zwei Drittel der Sahelzone zuzurechnen sind. (Jöckel 2004: 85) Der Name Darfur bedeutet auf Arabisch ‚Land der Fur’, was auf den dominierenden Stamm zurückgeht, der dort im 14. Jahrhundert ein unabhängiges Sultanat errichtete, das bis 1916 bestand. Seitdem gehört Darfur zum bis 1956 noch unter britischer Herrschaft stehenden Sudan, 1994 wurde die Region in die Bundesstaaten Nord-, West- und Süd-Darfur aufgeteilt. Die nördliche und westliche Provinz grenzen an den Tschad, die südliche grenzt an die Zentralafrikanische Republik. Im sudanesischen Kontext gehörte Darfur immer zur Peripherie, ein ebenso wichtiger wie tragischer Umstand, auf den in Kapitel 4 noch näher eingegangen wird. (vgl. die Karte Abb. 1) (Strube-Edelmann 2006: 9f.)
Darfur ist mit Ausnahme des zentralen vulkanischen Gebirgsmassivs Dschebel Marra, dessen Gipfel bis zu 3000 Meter Höhe erreichen, eine Ebene auf durchschnittlich 900 Metern über dem Meeresspiegel. Der Norden ist die trockenste Zone mit nur 300 Millimetern Niederschlag im Jahr. Dort leben daher vor allem Kamelnomaden, Landwirtschaft wird kaum betrieben. In der zentralen so genannten Qoz 1 -Region um den Dschebel Marra dagegen leben sesshafte Bauern, die aufgrund der höheren Niederschlagsmenge Hirse, Mais, Sesam, Okra, Tomaten und Zwiebeln anbauen. Die Böden sind dort eher sandig, der jährliche Niederschlag beträgt circa 500 Millimeter. Der Dschebel Marra selbst hat ein wesentlich kühleres Klima, wo es sogar zu Nachtfrösten kommen kann. Im Süden und Südwesten herrscht semihumides Klima mit bis zu 900 Millimeter Regen im Jahr. Dort kann noch intensivere Landwirtschaft betrie-ben werden: Es werden vor allem Erdnüsse, teilweise Zitrusfrüchte und Mangos, seltener auch Bananen angebaut. Neben Ackerbauern leben dort vor allem Rinderzüchter. (Prunier 2006: 14f.)
Die Ökonomie Darfurs fußt vor diesem Hintergrund vor allem auf Subsistenzwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht. In vorkolonialer Zeit wurde wesentlich mehr Handel betrieben als in der Gegenwart, vorwiegend mit Sklaven, Elfenbein und Straußenfedern, die inzwischen ihre Bedeutung gänzlich verloren haben. (ebd.: 15f.) Heute ist besonders Gummi Arabicum ein wichtiger Wirtschaftszweig. (Strube-Edelmann 2006: 9) Laut Strube-Edelmann (ebd.) verfügt Darfur über zahlreiche Bodenschätze wie z. B. Gold, Kupfer und Eisen sowie auch über Erdöl, das jedoch noch nicht ganz erschlossen sei. Hierbei sind die Angaben jedoch widersprüchlich, so behauptet bspw. Prunier (2006: 222, Fußnote 54), dass in Darfur bisher
1 Auch Goz genannt. Laut Jöckel (2004: 86) ist darunter im weiteren Sinne Dünensand zu verstehen.
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weder Öl gefunden noch entsprechenden Untersuchungen durchgeführt worden seien. Diese auch politisch sehr wichtige Frage wird in Kapitel 4 noch weiter erörtert. Betrachtet man die Infrastruktur in Darfur aus westlicher Sicht, aber auch im Vergleich mit der Nilregion, so fehlte es bereits vor der Eskalation des Konflikts 2003 nahezu an allem 2 . Die westliche Provinz ist bereits seit der britisch-ägyptischen Kolonialzeit fortlaufend vernachlässigt worden. Einige Gebiete vor allem in Nord-Darfur sind bis heute nicht erschlossen und mehr oder weniger von der Außenwelt abgeschnitten. Es gibt nur sehr wenige Teerstraßen und in der Regenzeit sind vor allem im Süden viele Pisten unpassierbar. Die 1959 fertig gestellte Eisenbahnlinie zwischen Darfur und dem Niltal verkehrt bis heute nur unregelmäßig. Auch das Gesundheits- und Bildungssystem ist völlig unzureichend ausgebaut. Im Vergleich zum zentral gelegenen Niltal existieren in Darfur weit weniger Krankenhäuser und Gesundheitszentren. Langfristige Defizite wie mangelhafte Ernährung und ungünstige hygienische Verhältnisse in Kombination mit der schlechten Gesundheitsversorgung führen dazu, dass viele Menschen an Krankheiten sterben. (Jöckel 2004: 88ff.) Zwar sind in den Jahren vor 2003 einige neue Schulen gebaut worden, jedoch zumeist in den Städten und weder quantitativ noch qualitativ mit der Niltalregion vergleichbar. Es ist davon auszugehen, dass die Analphabetenrate in Darfur noch höher liegt als im Gesamtsudan (2001 44 % der über 15-jährigen Männer und 56 % der Frauen). Begründet werden kann dies mit der zu geringen Anzahl von Schulen in der Region sowie dem häufigen Unterrichtsausfall aufgrund der unregelmäßigen Bezahlung der Lehrkräfte. Hinzu kommen die materielle Situation der Bevölkerung sowie ihre Einstellung zur Bildung. Zum einen können sich viele einkommensschwache Familien Dinge wie Schuluniformen, Bücher, etc. nicht leisten, zum anderen werden besonders auf dem Land viele Kinder lieber für die Feld- bzw. Hausarbeit herangezogen, als zur Schule geschickt. Von letzterem sind aufgrund geschlechtsspezifischer Rollen besonders Mädchen betroffen. 3 (ebd.: 94ff.)
Was die Bevölkerung betrifft, so ist zunächst zu betonen, dass der Sudan insgesamt in den vergangenen Jahrzehnten ein jährliches Wachstum von 2,6 Prozent aufwies. Im Jahr 1973 hatte er nur 14,8 Millionen Einwohner, 2008 waren es Schätzungen zufolge 36,2 Millionen. (Auswärtiges Amt 2008) Die sudanesische Volkszählung 2009 nannte 39,15 Millionen. (AG Friedensforschung 2009a) Auch in Darfur hat sich die Bevölkerungszahl entsprechend erhöht,
2 Die folgenden Angaben basieren auf dem 2004 veröffentlichten Buch von Jöckel, das jedoch offenbar schon 2003 fertig gestellt wurde und den Konflikt nicht thematisiert.
3 Die Angaben Jöckels decken sich mit den Beobachtungen der Autorin zur Situation der Bildung in ländlichen Gebieten während ihres eigenen Sudanaufenthaltes 2002/03. Ähnlich wie in Darfur verhält es sich also auch in anderen peripheren Gebieten.
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Arbeit zitieren:
Denise Roellig, 2009, Der Konflikt in Darfur, München, GRIN Verlag GmbH
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