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1. Bildarten
Ein sachgerechter Umgang mit Bildern im Geschichtsunterricht sollte vor allen Dingen berücksichtigen, dass sich Bilder in ihren Entstehungsbedingungen, ihrer Absicht, ihrer Wirkung und in den jeweiligen Präsentationsformen unterscheiden. Durch diese Unterschiede ergeben sich auch unterschiedliche Schwerpunkte der Fragestellung bei der Arbeit mit Bildern.
Auf einige Bildarten, die für den Geschichtsunterricht besonders wichtig sind, soll hier nun im Folgenden eingegangen werden. Die Karikatur soll hier nicht berücksichtigt werden, sie gehört jedoch mit zu den Bildarten.
1.1. Das Ereignisbild
Geschichtliche Ereignisse waren schon immer ein beliebtes Thema in der Kunst. Wenn das Bild in zeitlicher Nähe zu dem Ereignis steht, welches es abbildet, spricht man von einem Ereignisbild 1 . Der Künstler selbst war Zeitgenosse, in manchen Fällen sogar Zeuge des dargestellten Ereignisses. Auf teurerem Material, so wie zum Beispiel auf Ölgemälden oder auf Fresken 2 gab es fast immer einen Auftraggeber, der persönlich daran interessiert war das historische Ereignis festzuhalten 3 . Doch gerade bei solchen Auftragsarbeiten kam es schnell zu propagandistischer Überhöhung oder inhaltlicher Verfälschung des dargestellten Geschehnisses. Ein Beispiel für eine solche Überhöhung und Verklärung sind die Gemälde von Jacques Louis David, der die Vorgänge während der Französischen Revolution mit seinen Bildern begleitete. In seinem „Ballhausschwur“ von 1790, oder dem „Tod des Marat“ von 1793 kann man deutlich die Verklärung wahrnehmen.
1 Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung München (Hg.): Geschichtsbilder:
Historisches Lernen mit Bildern und Karikaturen, Handreichung für den Geschichtsunterricht
am Gymnasium, Donauwörth 2001. S. 14
2 Eine Freske ist eine auf frischem Kalkmörtel ausgeführte Malerei
3 Ebda S. 14
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Im „Ballhausschwur“ drückt der Wind, der in den Saal fährt und das hereinfallende Sonnenlicht eine erhebende Stimmung aus. Auch die Gruppe der drei Geistlichen im Vordergrund trägt zu diesem verklärten Bild des Ballhausschwures bei. Der Künstler reagierte damit unmittelbar auf die historischen Ereignisse.
Viele Flugblätter, die seit dem 15. Jahrhundert aufkamen zählen ebenso zu den Ereignisbildern, wie die beliebten Bilderbogen seit dem 18. Jahrhundert. Der Kupfer- sowie der Stahlstich und der Holzstich und die Lithografie werden ebenfalls zu dieser Bildart gezählt. 4 Mit so genannten Einblattdrucken konnten die Schaffer meist sehr schnell auf historische Ereignisse reagieren, sie abbilden und kommentieren. Solche Einblattdrucke zeigen meist spektakuläre Ereignisse, wie zum Beispiel Naturerscheinungen, Missgeburten, Kriege und Revolutionen. 5 Ab 1830 kamen Bilder für illustrierte Zeitschriften in Mode. Sie dienten hier allerdings vorwiegend als Ergänzung und Veranschaulichung. Im aufkommenden 19. Jahrhundert wurden die Ereignisbilder zunehmend durch die Fotografie ersetzt.
4 Ebda S. 14
5 Ebda S. 14
4
1.2. Die Fotografie
Durch eine stetige Verbesserung in der Technik, beispielsweise durch die Herstellung lichtempfindlicherer Platten und Filme und die Tatsache, dass jetzt auch außerhalb des Ateliers gearbeitet werden konnte wurde die Fotografie zum wichtigsten Bilddokument der Zeitgeschichte. 6 Allerdings sind Fotografien eine Quelle, die einen sehr kritischen Umgang, durch Bildfälschung von einfacher Retusche bis hin zur Herstellung neuer Bilder durch die digitale Bildverarbeitung, verlangt. Denn nicht nur nach der Entstehung eines Bildes kann dieses verfälscht oder verändert werden, auch direkt im Prozess der Entstehung gibt es zahlreiche subjektive Faktoren, die die Wirkung eines Fotos beeinflussen können. Da wären die Auswahl des festgehaltenen Augenblickes und des Standortes und die damit geschaffene Perspektive sowie der entstehende Bildausschnitt. Endlich, bestimmen auch Verlage, Redaktionen und manchmal auch Politiker, welche Aufnahmen der Öffentlichkeit gezeigt werden und welche nicht 7 . Ein Beispiel für die Wirkung subjektiver Faktoren bei der Bildentstehung wären die Fotografien des Kniefalls von dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt im Jahre 1970 vor dem Mahnmahl des ehemaligen Warschauer Ghettos.
6 Ebda S. 14
7 Ebda S. 15
Arbeit zitieren:
Anke Schulz, 2007, Bilder im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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