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Ida Gräfin Hahn-Hahn: „Gräfin Faustine“

Strukturalistische Analyse des Frauenbildes der Gräfinnen

Title: Ida Gräfin Hahn-Hahn: „Gräfin Faustine“

Term Paper , 2008 , 17 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Kerstin Emmi Hoffmann (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

I. Einleitung
„Gott, rief Faustine, „’wie komisch sind die Männer! Ganz ernsthaft bilden sie sich ein, der liebe Gott habe unser Geschlecht geschaffen, um das ihre zu bedienen!’“
In ihrem bekanntesten und mit vielen autobiografischen Zügen gespickten Roman „Grä-fin Faustine“ von 1840 zeichnet Gräfin Ida Hahn-Hahn den höchst ungewöhnlichen Lebenslauf einer überdurchschnittlich intelligenten und emanzipierten Gräfin, die wie ihr literarischer, männlicher Namensvetter strebend, aufbegehrend und suchend durchs Leben geht und sich von gesellschaftlichen Zwängen und Normen wenig beeindruckt zeigt. Gräfin Faustine lehnt sich wie ihre Autorin, die sich nach der Scheidung ihrer Zweckehe durch die Tätigkeit als Schriftstellerin ein unabhängiges Einkommen sicher-te, gegen Rollenzuweisungen und männliche Unterdrückung auf. Als Schriftstellerin war sie zu ihrer Zeit überaus populär und obgleich oder gerade weil „Gräfin Faustine“ als skandalös angesehen wurde, verkaufte sich der Roman vorzüglich und erfuhr inner-halb von kürzester Zeit drei Auflagen. In der folgenden Arbeit soll durch eine struktura-listische Analyse prägnanter Textstellen das Frauenbild Ida Hahn-Hahns, wie sie es durch ihre Protagonistin und einige weitere weibliche Figuren darstellt, analysiert wer-den. Es soll herausgefunden werden, welches Rollenverständnis und welche Gesell-schaftsauffassung dem Roman zugrunde liegen und welche Möglichkeiten zur Lebens-gestaltung Ida Hahn-Hahn ihren Zeitgenossinnen damit eröffnet. Es soll außerdem auf das Ehebild eingegangen werden. Meine These ist, dass im Roman eine bis dahin nicht zulässige Möglichkeit für die Frau gefordert wird, sich jenseits der Rollenzuweisungen zu entfalten und der Frau nicht nur der Status als zukünftige Braut, Ehefrau, Mutter und Geliebte, sondern als Individuum mit eigenen Rechten gestattet wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Frauenbild

1. Inhalt

2. Analyse

2.1 Gesellschaftskritik: Darstellung der unglücklichen Ehe

2.2 Die Beziehung zu Andlau

2.3 Die Darstellung des Körpers: Bekleidung

2.4 Die Darstellung des Körpers: weibliche Körpersprache

2.4.1 Frauen fällt es schwer zu stehen

2.4.2 Frauen werden getragen

2.4.3 Mädchen stehen, Frauen sitzen

2.4.4 Im Sitzen verkümmert der Geist

2.5 Mädchen und junge Damen

2.6 Innenräume als Spiegel der Seele

2.7 Naturmetaphorik

2.8 Der freie Wille als weibliches Nervenleiden

III. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das Frauenbild in Ida Hahn-Hahns Roman „Gräfin Faustine“ anhand einer strukturalistischen Analyse prägnanter Textstellen zu untersuchen. Dabei wird erforscht, welches Rollenverständnis und welche Gesellschaftsauffassung dem Werk zugrunde liegen, um zu ergründen, ob der Protagonistin die Entfaltung als Individuum mit eigenen Rechten jenseits traditioneller Rollenzuweisungen zugestanden wird.

  • Strukturalistische Analyse der weiblichen Körpersprache und Bekleidung als Ausdruck gesellschaftlicher Normen.
  • Gesellschaftskritik an der Ehe im 19. Jahrhundert und die Darstellung der unglücklichen Ehe.
  • Untersuchung von Raum- und Naturmetaphorik als Spiegel psychologischer Zustände und weiblicher Selbstbestimmung.
  • Die Thematisierung von Nervenleiden als Reaktion auf den entmündigenden gesellschaftlichen Druck.
  • Vergleich der Lebensentwürfe verschiedener Frauenfiguren (Faustine, Kunigunde, Adele).

Auszug aus dem Buch

2.4.1 Frauen fällt es schwer zu stehen

Ida Hahn-Hahn zeigt ihre Ansichten über die Eigenständigkeit der Frauen häufig durch die Beschreibung ihrer Körpersprache. Im Stehen oder Sitzen spiegeln sich nicht nur die körperlichen Haltungen der Frauen wieder. So heißt es an einer Stelle, an der Faustine beschrieben wird: „Schön tanzen können manche Frauen, schön gehen – wenige, schön stehen – die allerwenigsten. Woran es liegt weiß ich nicht, vielleicht an der Ungewohnheit, vielleicht an zu engen Schuhen, vielleicht an einem Mangel an Selbstständigkeit.“ In dieser Passage gibt die Autorin gleich drei Behinderungen im Leben der Frauen zu bedenken: die Tatsache, dass es nicht gängig ist auf eigenen Beinen zu stehen, die Repression durch kulturelle Normen und das Fehlen von Autonomie. Ihre Erziehung zu unmündigen, den Männern unterstehenden Wesen verursacht die Gewöhnung daran, nicht auf den eigenen Beinen stehen zu müssen und Entscheidungen zu treffen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung stellt die Autorin Ida Hahn-Hahn und ihren Roman vor, formuliert die Forschungsfrage bezüglich des Frauenbildes und postuliert die These einer geforderten individuellen Entfaltung für Frauen.

II. Das Frauenbild: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die verschiedenen Aspekte des Frauenbildes, von der Gesellschaftskritik an der Ehe über die Körpersprache und Bekleidung bis hin zur Metaphorik der Innenräume und Natur.

1. Inhalt: Das Kapitel bietet eine zusammenfassende Nacherzählung der Romanhandlung, die Faustines Lebensweg von ihrer unglücklichen ersten Ehe bis zu ihrem späten Rückzug ins Kloster skizziert.

2. Analyse: Die Analyse untersucht die strukturellen Merkmale des Romans, die zur Entmenschlichung der Frau führen, und kontrastiert dies mit dem Streben der Protagonistin nach Selbstbestimmung.

2.1 Gesellschaftskritik: Darstellung der unglücklichen Ehe: Hier wird aufgezeigt, wie die Protagonistin durch die Verachtung ihres Ehemannes entmenschlicht wird, was die schärfste Gesellschaftskritik des Romans darstellt.

2.2 Die Beziehung zu Andlau: Das Kapitel beleuchtet das Machtgefüge in der Beziehung zwischen Faustine und Andlau, bei der Faustine als selbstbestimmt agierende Frau dargestellt wird.

2.3 Die Darstellung des Körpers: Bekleidung: Die Analyse der Kleidung unterstreicht Faustines Ablehnung gesellschaftlicher Zwänge und ihren Wunsch nach zweckorientierter Freiheit.

2.4 Die Darstellung des Körpers: weibliche Körpersprache: Dieses Kapitel fasst die Unterkapitel zusammen, die das Stehen und Sitzen als Symbole für Unmündigkeit bzw. Selbstbestimmung interpretieren.

2.4.1 Frauen fällt es schwer zu stehen: Untersuchung der kulturellen Normen, die Frauen die Standhaftigkeit absprechen und sie in eine fremdbestimmte Haltung drängen.

2.4.2 Frauen werden getragen: Analyse der körperlichen Bevormundung durch männliche Figuren, die Faustine als Instrument der Entmenschlichung empfindet.

2.4.3 Mädchen stehen, Frauen sitzen: Gegenüberstellung der Weltauffassungen von Faustine und ihrer Schwester Adele bezüglich der Ehe und der damit verbundenen Unterwerfung.

2.4.4 Im Sitzen verkümmert der Geist: Faustines Kritik am "Sitzen" als Metapher für den Verlust von geistiger Freiheit und Selbstständigkeit in der Ehe.

2.5 Mädchen und junge Damen: Betrachtung des sozialen Statusunterschieds zwischen unverheirateten Mädchen und verheirateten Frauen sowie der Entfremdung untereinander.

2.6 Innenräume als Spiegel der Seele: Interpretation der Wohnumgebung als Rückzugsort und Ausdruck der Autonomie der Protagonistin.

2.7 Naturmetaphorik: Deutung der Efeu-Metapher als Ausdruck für Faustines Streben nach Entwicklung und Widerstand gegen die Einengung durch die Ehe.

2.8 Der freie Wille als weibliches Nervenleiden: Analyse der Figur der Kunigunde, deren Selbstbestimmungswille von ihrem Umfeld als Krankheit missdeutet wird.

III. Schlussbetrachtung: Das Fazit bestätigt die These, dass Faustine als Sprachrohr der Autorin fungiert und die Anerkennung der Frau als Individuum jenseits tradierter Rollen fordert.

Schlüsselwörter

Ida Hahn-Hahn, Gräfin Faustine, Frauenbild, 19. Jahrhundert, Emanzipation, Rollenverständnis, Gesellschaftskritik, Strukturalistische Analyse, Selbstbestimmung, Ehebild, Nervenleiden, Körpersprache, Individuum, Weiblichkeit, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Frauenbild in Ida Hahn-Hahns bekanntem Roman „Gräfin Faustine“ aus dem Jahr 1840 mittels einer strukturalistischen Analyse.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten zählen die Gesellschaftskritik an der Ehe, die Darstellung weiblicher Körpersprache und Kleidung, die Bedeutung von Innenräumen und Naturmetaphorik sowie die psychologische Belastung durch gesellschaftliche Rollenerwartungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu klären, inwieweit der Roman Möglichkeiten jenseits gesellschaftlicher Rollenzuweisungen eröffnet und die Frau als Individuum mit eigenen Rechten darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine strukturalistische Analyse angewandt, um durch die Untersuchung prägnanter Textstellen die tiefer liegenden gesellschaftlichen und psychologischen Strukturen des Frauenbildes im Werk zu erschließen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die verschiedenen Aspekte des Frauenbildes systematisch analysiert – von den Auswirkungen der Ehe bis hin zur symbolischen Bedeutung von Haltung, Raum und Sprache.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Emanzipation, Selbstbestimmung, Rollenverständnis, Gesellschaftskritik und die Analyse von Geschlechterverhältnissen im 19. Jahrhundert.

Welche Rolle spielt die Figur der Kunigunde im Werk?

Kunigunde dient als Kontrastfolie zu Faustine. Ihr Scheitern und ihre Resignation verdeutlichen die enormen Schwierigkeiten für Frauen, die sich im 19. Jahrhundert gegen konventionelle Lebenswege entscheiden.

Wie interpretiert die Autorin das "Sitzen" im Roman?

Das "Sitzen" wird von Faustine und der Autorin als Metapher für den Verlust von Eigenständigkeit und die geistige Erstarrung in der Ehe interpretiert, im Gegensatz zum "Stehen", das für Standhaftigkeit und Autonomie steht.

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Details

Title
Ida Gräfin Hahn-Hahn: „Gräfin Faustine“
Subtitle
Strukturalistische Analyse des Frauenbildes der Gräfinnen
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft)
Course
Thematisches Proseminar: Autorinnen im 19. Jahrhundert
Grade
2,0
Author
Kerstin Emmi Hoffmann (Author)
Publication Year
2008
Pages
17
Catalog Number
V139950
ISBN (eBook)
9783640501328
ISBN (Book)
9783640501199
Language
German
Tags
Gräfin Hahn-Hahn Faustine“ Strukturalistische Analyse Frauenbildes Gräfinnen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kerstin Emmi Hoffmann (Author), 2008, Ida Gräfin Hahn-Hahn: „Gräfin Faustine“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139950
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