Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung 3
2) Entstehungsgeschichte
2.1) Die Kirche Santa Maria della Vittoria 4
2.2) Federico Cornaro 4
2.3) Die heilige Theresa von Avila 6
3) Die Cornaro- Kapelle
3.1) Der Altarbau
3.1.1) Beschreibung 7
3.1.2) Vorformen und Interpretation 8
3.2) Die Altargruppe
3.2.1) Beschreibung und Bildtradition 10
3.2.2) Das Gewand als Ausdrucksträger 13
3.2.3) Interpretation 13
3.3) Die Bildnisgruppen
3.3.1) Beschreibung und Vorbilder 17
3.3.2) Interpretation 18
3.4) Das Antependium 21
3.5) Die Gewölbedekoration 22
3.6) Der Marmorfußboden 23
3.7) Die Seitentüren 24
4) Schlußbetrachtung 24
5) Die Cornaro- Kapelle als Theatrum Sacrum 26
6) Liste der erwähnten Vergleichsobjekte 27
7) Literaturverzeichnis 29
3
1) Einleitung
Thema dieser Hausarbeit ist Gianlorenzo Berninis Cornaro- Kapelle in Santa Maria della Vittoria in Rom. Die Ausstattung der Grabkapelle des Kardinals Federico Cornaro wurde 1647 begonnen und 1651 beziehungsweise 1652 vollendet.
Die Kapelle muß als ein barockes „Gesamtkunstwerk“ aus Architektur, Skulptur und Malerei gesehen werden, denn sie setzt sich aus sieben Komponenten zusammen. Diese sind das Altarhaus, die Altarskulptur, die die Verzückung der heiligen Theresa darstellt, die beiden Reliefs der acht Mitglieder der Cornaro- Familie, das Bronzeantependium, die Gewölbe- und Fußbodendekoration und schließlich die Seitentüren.
Baldinucci, der Biograph Berninis, berichtet im Zusammenhang mit der Cornaro- Kapelle, daß Bernini der erste gewesen sei, der er es in einer solchen Weise unternommen habe, Architektur, Skulptur und Malerei zu vereinigen, daß daraus ein schönes Ganzes, ein „bel composto“, ent-standen sei. 1 Ähnlich wie Baldinucci spricht Wittkower vom „unified concept“ 2 . Bernini läßt in seiner Kapelle die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Architektur verschwimmen, so daß aus den drei Gattungen ein einheitliches Konzept entsteht.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, alle Bestandteile der Kapelle, wie zum Beispiel Altarhaus und Altarskulptur zu beschreiben und interpretativ zu erläutern. Bei der Besprechung der Kapelle muß darauf geachtet werden, inwiefern die verschiedenen Komponenten miteinander in Verbindung stehen. Nur so kann festgestellt werden, ob die Bezeichnung „Gesamtkunstwerk“ für die Cornaro- Kapelle gerechtfertigt ist.
Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte der Kapelle. Diesem schließt sich die Besprechung von Altarhaus, Altarskulptur, Bildnisgruppen, Bronzeantependium, Gewölbedekoration, Marmorfußboden und Seitentüren an. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Altarskulptur der heiligen Theresa, von der Bernini einmal sagte, es sei eines seiner am wenigsten schlechten Werke: „men cattiva opera“ 3 . Nach der Schlußbetrachtung wird erklärt, warum die Cornaro- Kapelle auch als „Theatrum Sacrum“ bezeichnet werden kann. Neben den Aufsätzen von Rudolf Preimesberger 4 und Anthony Blunt 5 wurden hauptsächlich die Publikationen von Hans Kauffmann 6 , Irving Lavin 7 und Rudolf Wittkower 8 für diese Hausarbeit zu Rate gezogen.
1 Das Original lautet: "… il primo, che abbia tentato di unire l’architettura colla scultura e pittura in tal modo, che di
tutte si facesse un bel composto", in: Baldinucci, S. 234.
2 Wittkower, S. 105.
3 Baldinucci, S. 143.
4 Preimesberger, 1986.
5 Blunt, 1978.
6 Kauffmann, 1970.
7 Lavin, 1980.
8 Wittkower, 1973+ 1997.
4
2) Entstehungsgeschichte
2.1) Die Kirche Santa Maria della Vittoria
Die Kirche Santa Maria della Vittoria sowie das zugehörige Konvent der Unbeschuhten Karmeliter 9 wurde im ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts erbaut. Der Entwurf für die Kirche stammte von Carlo Maderno und die Fassade von Giovanni Battista Soria. Sie war zu Beginn dem Apostel Paulus geweiht, 10 jedoch änderte man das Patrozinium 1622 in Santa Maria della Vittoria. Diese Änderung hatte ihren Ursprung in der Schlacht am Weißen Berg in Prag (18. 11. 1620). Dort erreichten die Katholiken unter Herzog Maximilian von Bayern den Sieg über das protestantische Heer unter Friedrich IV. von der Pfalz. Dominicus di Gesù Maria, ein Mitglied des römischen Ordens der Unbeschuhten Karmeliter und zugehörig zum Feldlager des Herzogs von Bayern, trug während besagter Schlacht ein Bildnis der Maria. Diesem Gnadenbild wurde der Sieg über die Protestanten zugeschrieben. 11
Die einschiffige und mit drei Kapellen auf jeder Seite ausgestattete Kirche besitzt ein Querhaus. Die Vierung ist mit einer Kuppel überwölbt und die Apsis enthält den Hochaltar. Ab dem Jahre 1629 wurden die Seitenkapellen wohlhabenden Männern verkauft, die wünschten dort begraben zu werden. 12 Man war 1647 noch mit der Innenausstattung der Kirche beschäftigt, als Federico Cornaro die Kapelle im linken Querschiffarm erhielt. Laut Lavin entschied sich der Kardinal für die linke Kapelle, weil diese die „cornu evangelii“, die Evangelienseite, ist. 13 Die Kapelle wurde 1651 eröffnet 14 , zwei Jahre bevor Federico starb. 15
2.2) Federico Cornaro
Berninis Auftraggeber war der Kardinal Federico Cornaro (1579- 1653), Mitglied einer der berühmtesten Familien Venedigs. 1631 wurde er zum Patriarchen von Venedig gewählt. Nach dem Tod Urbans VIII. (1568- 1644) reiste er 1644 zum Konklave nach Rom. Nach der Wahl von Innozenz X. (1574- 1655) am 15. September 1644 kehrte Cornaro nicht mehr in seine venezianische Diözese zurück, sondern blieb bis zu seinem Tod 1653 in der Ewigen Stadt.
9 1593 wurden die Karmeliter in Beschuhte und Unbeschuhte geteilt.
10 Lavin, S. 196.
11 Kauffmann, S. 138.
12 Lavin, S. 204.
13 Übersetzung: „Cornaro’s choice of the left transept arm probably reflected a desire to elevate still further in im-portance the fondress of the order, the left being the liturgically the nobler, „gospel“ side of the high altar (in cornu
evangelii).“ in ebd. S. 79. Zur näheren Erläuterung: In Blickrichtung Altar befindet sich die Evangelienseite links
vom Altar. Von dieser Seite aus wurden die Evangelien verlesen. Der Himmelsrichtung nach ist die Evangelienseite
zumeist die Nordseite, da Kirchen für gewöhnlich in Ost-West-Ausrichtung gebaut wurden. Die Evangelienseite
wird auch Frauenseite genannt, weil sie bis zum 20. Jahrhundert ausschließlich den Frauen vorbehalten war. Die ge-
genüberliegende Epistelseite war für die Männer bestimmt.
14 Lavin, S. 205.
15 Jedoch erst 1652 wurde das Gewölbefresko von Guidobaldo Abbatini vollendet.
5
Es sind keine Archivalien zur Ausführungsgeschichte der Kapelle vorhanden. Anders als bei den öffentlichen Aufträgen Berninis, wie zum Beispiel für den Vatikan, sind nur wenige Dokumente für die privaten Bestellungen erhalten. So bleibt die Rolle des Auftraggebers Federico Cornaro im Planungsprozeß der Kapelle undeutlich und der beteiligte Personenkreis unbekannt. 16 Allein der Erwerb der Kapelle durch den Stifter im Jahre 1647 ist schriftlich festgehalten. 17 Dieses Dokument ist ebenso wie die Medaille von Francesco Travani (1) aus dem gleichen Jahr 18 für die meisten Forscher Anhaltspunkt dafür, daß Bernini 1647 mit der Kapellenausstattung begann. 19 Bei der Datierung der Kapelleneröffnung schwankt man in Forscherkreisen zwischen 1651 20 und 1652 21 . Heute weiß man aus dem Rechnungsbuch des Kardinals, daß ihn die Kapelle die hohe Summe von 12.089 scudi kostete. 22
Domenico Bernini gibt in der Biographie seines Vaters Gianlorenzo Aufschluß über die Frage der Eigenhändigkeit. Er schreibt, daß allein die Theresagruppe vom Meister selbst stamme. 23 Baldinucci ist der Auffassung, daß auch das Bildnis des Kardinals Federico Cornaro im Relief der rechten Kapellenwand von Bernini selbst geschaffen worden sei. 24 Man muß annehmen, daß Bernini für die übrige Ausstattung zwar den Entwurf lieferte, diesen aber von anderen namentlich nicht erwähnten Künstlern ausführen ließ.
Warum Cornaro Bernini zum ausführenden Künstler seiner Grabeskapelle wählte, bleibt ungeklärt. Lavin behauptet, Bernini habe zusammen mit seinem Vater Pietro an einem Grabmal für den venezianischen Kardinal Giovanni Dolfin in der Kirche San Michele in Isola gearbeitet und habe die Porträtbüsten zweier weiterer venezianischen Kardinäle gefertigt. So sei der Kardinal mit dem Künstler in Kontakt gekommen. 25 Aufgrund der unzureichenden Dokumentenlage kann es jedoch nicht als gesichert gelten, daß Cornaro Bernini durch dessen Schaffen in Venedig kennenlernte. Bernini war zu jener Zeit Roms berühmtester und gefragtester Künstler. Schon allein dies könnte der Grund sein, warum Cornaro ihm den Auftrag für seine Grabkapelle erteilte.
16 Preimesberger, S. 198.
17 Das Original lautet: „ Die 22 Januarii propositu. fuit in capitulo n. ro conventuali, an suppo
sita licentia R. Patris n. ra provincialis concedendus sit Eminantiss. mo Cardinali Cornaro situs Capellae
S. Pauli in n. ra eccl. ia ut in eo extruat capella. S. Matris n. rae Teresiae et Repsonus. est affirmative.“, nach
Lavin, S. 206.
18 Die Medaille wurde 1647 zur Erinnerung an die Fertigstellung der Architektur der Cornaro- Kapelle geschaffen.
19 unter anderen: Avery, S. 144; Lavin, S. 198; Wittkower, 1997, S. 266;
20 Avery, S. 144; Lavin, S. 199.
21 Wittkower, 1997, S. 266; Schmitt, S. 179.
22 Avery, S. 144.
23 Wittkower, 1997, S. 266.
24 ebd.
25 Übersetzung: „Cornaro must have had a variety of more or less direct connections with Bernini, who long before
had executed together with his father a tomb for one Venetian cardinal, and had independently carved portrait
busts for two others.”, in: Lavin, S. 79.
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2.3) Die heilige Theresa von Avila
Theresa von Avila (1515- 1582) war eine der führenden Figuren der Gegenreformation in Spanien. Sie reformierte die Karmeliter und war maßgeblich an der Trennung des Ordens in Beschuhte und Unbeschuhte beteiligt. Sie gründete zeit ihres Lebens 16 Konvente. Gleichzeitig schrieb sie viele Werke, die sich mit der christlichen Mystik befaßten. Diese Werke, vor allem ihre Autobiographie, waren in ganz Europa bekannt. In ihrer Lebensbeschreibung gibt Theresa ihre visionären Erfahrungen wieder. Hierzu gehört unter anderen die Transverberation, in der ihr ein Engel erschien, der ihr Herz und ihren Körper mit einem feurigen Pfeil durchbohrte. Diese Vision ist gleichbedeutend mit den Martyrien und Wundern anderer Heiliger. Sie ist sozusagen ihr Markenzeichen. Theresa wurde 1614 selig- und 1622 heiliggesprochen. 26 Was Federico mit Theresa verband und warum er seine Grabstätte ihrem Schutz anvertraute, ist unklar. Der Orden der Unbeschuhten Karmeliter wurde 1633 unter dem Patriarchat Federico Cornaros in Venedig eingeführt und gründete dort seine erste Niederlassung. 27 Cornaro baute zu dieser Zeit starke Verbindungen zu dem Orden und somit auch zur heiligen Theresa auf, was die Wahl des Motivs für die Kapelle erklären könnte. 1644 kam Federico nach Rom und wurde Mitglied der Kardinalskongregation De Propaganda Fide 28 , die in engem Kontakt zu dem Missionsinstitut von Santa Maria della Vittoria stand. 29 Dies wiederum könnte der Grund sein, warum sich Cornaro gerade in dieser Kirche beisetzen lassen wollte. 30 Lavin entdeckte eine vom Prior und dem Konvent des Ordens der Unbeschuhten unterzeichnete Dankesadresse an den Kardinal Cornaro, die nach Vollendung der Kapelle entstand. Diese Dankesadresse zeigt die Intentionen des Kardinals zur Ausstattung der Kapelle, nämlich die persönliche Devotion gegenüber der Heiligen 31 : Ihr (Cornaro) werdet den Verdienst Eurer Devotion dadurch verewigen, indem ihr sie in Metall und in Marmor habt meißeln lassen. 32
26 Lavin, S. 77.
27 Kauffmann, S. 138; Lavin, S. 78.
28 Propanganda Fide ist die Abteilung des Vatikans, die die Missionierung und Verbreitung des Christen-
tums vorantrieb. Der vollständige Name dieser Institution lautet „sacra congregatio christiano nomini
propagando“.
29 Preimesberger, S. 198.
30 Kauffman, S. 138; Lavin, S. 78.
31 Preimesberger, S. 198; Lavin, S. 159- 160.
32 Das Original lautet: „Eternarà V. E. il merito della sua deuotione intagliandola in metalli e marmi.“, in:
Lavin, S. 159.
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3) Die Cornaro- Kapelle
3.1) Der Altarbau
3.1.1) Beschreibung
Beim Altarbau verwendete Bernini Elemente, die schon in der Architektur des Hauptschiffes und des Querhauses vorhanden waren. 33 Er fügte in die große Pilasterordnung des Querhauses und deren mächtiges Gebälk mit dem ebenso mächtigen Konsolengesims ein genauso vollständiges, nur kleineres System ein. 34
Der Altarbau besteht aus einer Ädikula mit einem durchgehenden Gebälk wie auch einem durchgehenden zweistufigen Sockel. Die erste Stufe reicht bis zur Mensa des Altars. Mit der zweiten Stufe des Sockels wird der Altarbau nochmals um etwa die gleiche Höhe nach oben versetzt. Das Gebälk ruht außen auf Pilastern und wächst an der Altarnische zu Säulenpaaren an, auf denen ein konvexer gesprengter Dreiecksgiebel ruht.
Der Grundriß der Nische ist oval. In der Cornaro- Kapelle wird eine (ovale) Rotunde mit einer Ädikula kombiniert. Im Gegensatz zu einer lediglich konvexen Nische erlaubt die ovale Form größere Weite und Tiefe. 35 Das Innere des Altarhauses ist höher und weiter, als die nur schmale Öffnung suggeriert. 36 Indem sich die Ädikula nach vorne wölbt, wird erreicht, daß sie früher ins Blickfeld des Betrachters tritt, der sich im Langhaus nähert. Sie schwingt dem Betrachter entgegen, schwingt aber auch in die Tiefe zurück, sogar bis in die Querhauswand hinein. Die Lichtquelle ist ein Fenster in der Ovalkuppel der Kapelle, die jedoch vom Gebälk des Altarhauses verdeckt wird. Das Licht bekommt durch zahlreiche scharf profilierte Strahlen, deren Ursprung sich ebenfalls hinter dem Gebälk befindet, Gestalt. Natürliches Licht wurde in früherer Zeit eingelassen. Heute wird die Kapelle durch elektrisches Licht beleuchtet. Was die Polychromie des Altarraums betrifft, ist zu erwähnen, daß die aufgehenden Architekturteile wie Wandfelder, Säulen und Pilaster aus Marmorsorten unterschiedlicher Farbe und Maserung, die horizontalen Elemente wie Kapitelle, Profile, Basen, Gesimse und Gebälk hingegen aus weißem Marmor bestehen. Die Marmorinkrustation löst die Architektur scheinbar auf und die weiße Marmorskulptur mit Theresa und ihrem Engel tritt umsomehr hervor. 37
33 Lavin, S. 85.
34 Kauffmann, S. 141.
35 Lavin, S. 85.
36 ebd. S. 86.
37 Schmitt, S. 189.
8
3.1.2) Vorformen und Interpretation
Wie Kauffmann schreibt, habe Bernini die Vorformen für seinen Altarbau in seinem eigenen Schaffen gefunden, so zum Beispiel in den Reliquienbalkons der Kuppelpfeiler des Petersdomes (2). 38 Die Altarrahmung der Cornaro- Kapelle verweist laut Kauffmann ebenso auf die Rahmung des Reliefs „Die Verzückung des heiligen Franziskus“ in der Raimondi- Kapelle von S. Pietro in Montorio, zu dem Bernini den Entwurf lieferte und das seine Schüler Andrea Bolgi und Francesco Baratta ausführten (3). 39 Dieses Relief ist in eine Nische gerückt und in die Tiefe versetzt. Bei der Kapelle der heiligen Theresa besteht die Weiterentwicklung darin, daß sich das Altarhaus nach vorne wölbt und sich auch nach hinten ausbuchtet. 40
Hauptvergleichsbeispiel für Lavin ist der Sakramentsaltar von Pier Paolo Olivieri in S. Giovanni in Laterano, der um 1600 unter Papst Clemens VIII. entstand (4). Wie die Cornaro- Kapelle ist auch er im linken Querschiffarm angesiedelt. Auch beim Sakramentsaltar gibt es einen Dreiecksgiebel, der auf zwei Säulenpaaren nach vorne tritt. Die Säulen des Tabernakels finden sich ähnlich wie bei der Cornaro- Kapelle an den seitlichen Wänden in Pilasterform wieder. 41 Lavin geht aufgrund der äußerlichen Ähnlichkeit von Sakramentsaltar und Cornaro- Kapelle davon aus, daß es sich bei Berninis Werk um Sakramentskapelle handelt. 42 Preimesberger liefert jedoch nachvollziehbare Argumente, die gegen Lavins These sprechen. So bäte die Cornaro- Kapelle für die Aufnahme eines Hostientabernakels keinen Platz. Da es sich bei Santa Maria della Vittoria um keine Bischofskirche handelt, sei die Hostie den nachtridentinischen Normen entsprechend über dem Hochaltar verwahrt worden. Heute und nachweislich zur Zeit Berninis hatte der Sakramentstabernakel in Santa Maria della Vittoria auch dort seinen Platz. 43 Bei Berninis Kapelle kann man demnach nicht von einer Sakramentskapelle sprechen.
Kauffmann erklärt: „Die Front des Altargehäuses wird als beherrschendes Zentrum mit gesteigertem Pathos hervorgehoben: den verdoppelten Säulen, der vorschwingenden Rundung und dem aufsteigenden Giebel ist die Umgebung subordiniert.“ 44 Das Altarhaus wird demnach zum dominierenden Element der Kapelle. Dem Betrachter ist schon beim ersten Erblicken der Kapelle und ohne Hintergrundwissen klar, daß das Ereignis, das sich im Altarhaus abspielt, ein ganz besonderes und bedeutungsvolles sein muß.
38 Kauffmannn, S. 140- 141.
39 ebd., S. 143.
40 ebd., S. 141.
41 Lavin, S. 87+ S. 89.
42 Übersetzung: „… he made direct reference to the sacramental content of the Lateran monument in …
the Teresa altar.” in: Lavin, S. 90.
43 Preimesberger, S. 200.
44 Kauffmann, S. 141.
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Magistra Artium Silvia Katzenmaier, 2005, Die Cornaro-Kapelle in Santa Maria della Vittoria, München, GRIN Verlag GmbH
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