Abstraktum
Kaum ein anderes Thema wird in den letzten Monaten von der Medienwelt so intensiv behandelt wie die internationale Finanzkrise. Kein Wunder, denn seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts hat die globale Wirtschaft ein starkes Wachstum durchlebt. In Deutschland verbesserte sich die wirtschaftliche Situation vor allem durch das Boomjahr 2006, das die geringste Arbeitslosenquote seit 1992 aufweisen konnte. Die USA und die sich stetig entwickelnden Schwellenländer waren der Antrieb für eine der längsten Phasen des steigenden Aktienkurses.
Warum verschwand dieses wirtschaftliche Hoch plötzlich? Mein Ziel ist es, die Zusammenhänge der internationalen Finanzkrise, die genau zu dem Zeitpunkt des Höchststandes ausbrach, zu verdeutlichen und einen Überblick über die Beteiligten der turbulenten Ereignisse, zu geben. Aus diesem Grund beginne ich in meiner Studienarbeit mit dem Ausbruch der amerikanischen Immobilienkrise, die als Basis für die globale Krise gilt. In den Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs kommt es immer wieder dazu, dass die Menschen zur Sorglosigkeit über ihre finanzielle Zukunft neigen und sich einfach sicher fühlen. In den USA hat diese Sorglosigkeit zu drastischen Folgen geführt. Banken und andere Kreditinstitute vergaben großzügige Kredite an Privatpersonen, ohne entsprechende Sicherheiten zu verlangen. Auch die Bankmanager mit ihren riskanten, spekulativen Geschäftspraktiken haben einen Teil zur Krise beigetragen. Jedoch hat das Platzen der US-Hypotheken- bzw. Immobilienblase in kürzester Zeit sogar einige europäische Banken an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht. Es mussten Rettungspakete geschnürt werden, und die Meisten fragen sich nun, wo ist das ganze Geld geblieben? Wie konnte die Gier nach immer größeren Renditen aus der Immobilienkrise eine Banken- und später sogar eine Wirtschaftskrise machen? Durch die Globalisierung gibt es eine weltweite Vernetzung von Wirtschaft und Finanzen. Durch diese Vernetzung ergibt sich, dass eine derartige Krise nicht in ihrem Land bleibt, sondern sich weltweit auswirkt. Aus diesem Grund kommt die Frage auf, welche Folgen diese globale Krise für die deutsche Wirtschaft und
ihre Unternehmen hat. Befindet sich Deutschland schon in einer Rezession? Was wird unternommen, um das Ausmaß des „Schadens“ so gering, wie möglich zu halten? Um all diese Fragen zu beantworten, die wohl täglich durch die Köpfe der Menschen kreisen, möchte ich zum Abschluss meiner Studienarbeit auf die aktuelle Situation in Deutschland eingehen und vor allem den Bezug der, für Deutschland so wichtigen, deutsche Automobilindustrie aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 2
2. AUSLÖSER DER KRISE 3
2.1. Ausbruch der Immobilienkrise in den USA 3
2.1.1. Beginn der Krise 3
2.1.2. Die „Alles-auf-Pump“-Kaufkultur in Amerika 5
2.1.3. Die Weitergabe von Krediten, Verbriefungen und Ratingagenturen 6
2.1.4. Der Zusammenbruch 7
3. FINANZKRISE 8
3.1. Ausbruch 8
3.1.1. Aus der Immobilienkrise entsteht die Bankenkrise 8
3.1.2. Verschuldungsfalle durch die Verbriefungen 8
3.1.3. Hedgefonds 10
3.2. Misstrauen in der Bankenbranche 12
3.2.1. Der Fall Commerzbank 12
3.2.2. Die neue Zeitrechnung 13
3.3. Übergriff auf deutsche Banken 14
3.5. Konsequenzen 16
3.6. Rückblick: Damals, wie Heute 16
3.7. Rettungspakete für Banken 17
4. AUSWIRKUNGEN AUF DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT UND IHRE
UNTERNEHMEN 20
4.1. Allgemein 20
4.1.1. Übergriff der Finanzkrise auf die Realwirtschaft 20
4.2. Wege aus der Krise 21
4.2.1. Konjunkturpaket II 21
4.3. Probleme der Automobilindustrie 24
4.3.1. Allgemein 24
4.3.2. General Motors und Opel 26
5. FAZIT 28
6. LITERATURVERZEICHNIS 29
ABBILDUNGS - UND TABELLENVERZEICHNIS 30
1
1. Einleitung
Von einer Hypothekenkrise in den USA, zu einer Bankenkrise in der ganzen Welt, bis hin zu einer der schlimmsten Wirtschaftskrise überhaupt. Wie konnte dies geschehen? In der folgenden Arbeit werden vor allem die Auslöser der Krise und die Zusammenhänge zwischen Banken und Wirtschaft beleuchtet, um einen Überblick über die derzeitige Situation zu verschaffen und um aufzuzeigen, welche Probleme, bei einer weltweiten Vernetzung der Wirtschaft und des Finanzwesens, auftreten können.
2
2. Auslöser der Krise
2.1. Ausbruch der Immobilienkrise in den USA
2.1.1. Beginn der Krise
Die weltweite Krise ist nicht von heute auf morgen über die Finanzmärkte und die gesamte Wirtschaft hereingebrochen. Die heutige Krise hat ihren Ursprung zu einem ganz anderen Zeitpunkt. Im Jahr 2000 kannte der Optimismus der Finanzmärkte keine Grenzen. Das Internet und die Informations- uns Kommunikationstechnologien wurden als Schlüssel des immerwährenden Wachstums angesehen. Unternehmen, wie Yahoo!, Amazon.com oder eBay hatten Börsenbewertungen, die die Börsenbewertungen von DaimlerChrysler, Siemens oder Coca-Cola teilweise um ein Vielfaches überstiegen. Heute sind nicht wenige dieser Unternehmen, wie z. B. Dr.Koop.com, Furniture.com und Webvan, insolvent oder mussten sich einer Neubewertung unterziehen. Als diese Spekulationsblase der sogenannten „New Economy“ platze, hätte die Welt eigentlich in eine schwere Rezession oder sogar in eine Depression rutschen müssen, denn immerhin hatten sich Privatvermögen in Höhe von unglaublichen zwölf Billionen Dollar bei dem Börsencrash in Luft aufgelöst. Aber es kam nur zu einer milden Rezession. Denn, als die Kurse der Technologiewerte implodierten und auch die Aktien der etablierten Unternehmen zurückgingen, entwickelte sich, zunächst langsam, dann immer schneller, die von englischen „Economists“ bezeichnete Spekulationsblase. Amerika entdeckte, dass es sinkende Hypothekenzinsen und steigende Häuserpreise nutzen konnte, um seinen Lebensstandard durch „Refinancing“ und „Home Equity Loans“ wieder zu subventionieren. 1
1 Vgl. Max Otte, Der Crash kommt, Berlin 2008, S. 87 ff
3
Bereits Anfang des Jahres 2001, jedoch nach den Anschlägen des 11. September verstärkt, begann die US-Notenbank eine Politik der niedrigen Zinsen. Hierdurch sollte die Panik verhindert werden, die durch die Terroranschläge ausbrach. Der damalige Notenbankchef Alan Greenspan „überflutete“ durch die Niedrigzinsen, die gesamte amerikanische Wirtschaft und somit auch die restliche Welt, mit Liquidität. 2
Jedoch behielt die Notenbank ihre Niedrigzinspolitik auch bei, als es der Wirtschaft in den USA längst schon wieder besser ging. Zwischen Anfang des Jahres 2001 und Mitte des Jahres 2003 sanken die Zinsen von 6,5 auf ein Prozent. Erst Mitte des Jahres 2004 begann die amerikanische Federal Reserve (FED) die Zinsen wieder zu erhöhen. Mehr als 2,5 Jahre war das Geld also „billig“ und die Amerikaner griffen zu. Ein Großteil des Kapitals, das in dieser Zeit aufgenommen wurde, floss in den Konsum, in die Tilgung anderer Schulden, in Finanzinvestments oder in Immobilien. So rückte der Traum von den eigenen vier Wänden, auch für Menschen, die sich eigentlich ein eigenes Haus nicht leisten konnten, in greifbare Nähe. Hieraus ergab sich, dass die Nachfrage nach Immobilien größer wurde, als das Angebot. Die Preise für die Immobilien stiegen somit noch drastischer an.
2 Vgl. Fragen und Antworten zur Immobilienkrise, tagesschau.de/wirtschaft 26.09.2008 16:30 [November
2008]
4
2.1.2. Die „Alles-auf-Pump“-Kaufkultur in Amerika
In dieser Situation traten willige Geldgeber auf den Plan. Immobilienfinanzierer und Regionalbanken verliehen viele Milliarden US-Dollar an Privatpersonen mit zweifelhafter Bonität. Die Kreditnehmer mussten keinerlei Sicherheiten nachweisen können. Nicht einmal der Wert der Immobilie wurde genau geprüft. Diese zweitklassigen Hypothekendarlehen, die sogenannten Subprime Loans, waren in der Regel teurer, als herkömmliche Darlehen. Dafür wurde darüber hinweggesehen, dass die Schuldner keine Sicherheiten vorweisen konnten. Außerdem wurde von den Kreditnehmern nicht bedacht, dass sie die Kredite in einer Niedrigzinsphase mit variablem Zins abschlossen. Für sie stand nur das Eigenheim im Vordergrund. Die meisten Häuser wurden ohne einen einzigen Cent Eigenkapital finanziert, was für deutsche Verhältnisse unvorstellbar ist. Durch dieses fehlerhafte Kreditvergabesystem begann sich die Blase aufzublähen. 3
Jedoch schienen alle davon zu profitieren: die glücklichen Besitzer, ebenso die Handwerker, die am Bau oder an den Renovierungen ihr Geld verdienen konnten, und natürlich die Banken und Makler, die ihre Provisionen und Zinsen kassierten. Die neuen Hausbesitzer konnten nun ihre Darlehen und deren Tilgung durch Anschlusskredite finanzieren, denn als Sicherheit
konnten sie nun ihre Gebäude vorweisen und dessen Wert stieg ständig weiter an. Auch Unternehmen im Ausland profitierten von dem amerikanischen Boom, wie etwa chinesische Textilfabrikanten oder europäische Maschinenbauer, denn die die Amerikaner gaben ihr Geld aus, als müssten sie es nie mehr zurückzahlen. Denn US-Amerikaner leben auf Pump. Dies war schon immer so. Die Immobilienkrise ist nur die Spitze des Eisberges. Keine Gesellschaft ist mehr auf den Konsum fixiert, wie die amerikanische Gesellschaft. Egal ob Autos, Möbel, Kreuzfahrten, aber auch alltägliche Dinge, wie Lebensmittel, Arztbesuche oder Medikamente
werden mit „plastic“ bezahlt - also bargeldlos mit Karte und somit auf Kredit. Materieller Wohlstand, und zwar am besten öffentlich zur Schau gestellt, hatte
3 Vgl. Alexandra Endres, Wo ist das ganze Geld geblieben?, zeit online 28.10.2008 [November 2008]
5
in Amerika schon immer einen besonders hohen Stellenwert. Mehr als 70 % des Bruttoinlandsproduktes fließen direkt wieder in den Verbrauch. Mit der hohen Konsumquote geht eine sehr geringe Sparquote einher. Im Jahr 2004 sank diese auf 1 % des verfügbaren Einkommens. 2005 war die Sparquote sogar negativ. Im Vergleich zu Deutschland: Im Jahr 2004 betrug die Sparquote 10,9 %. Durchschnittlich kann man sagen, dass jeder US-Haushalt mit 10 000 Dollar in den Miesen ist, und dies ohne die wachsende Belastung durch die gestiegenen Darlehenskosten für die eigenen vier Wände. 4
2.1.3. Die Weitergabe von Krediten, Verbriefungen und Ratingagenturen
Durch den steigenden Leitzins 5 platzten nun viele Hypothekendarlehen. Diejenigen, die den Kreditnehmern ihr Geld leichtfertig geliehen hatten, wie die Hypothekenfinanzierer, gerieten in Probleme.
Diese dachten ein todsicheres Geschäft zu entwickeln. Um das Risiko der Suprime Loans möglichst klein zu halten, wenn es etwa zu Kreditausfällen kommen sollte, verbrieften sie die Kredite und verkauften diese einfach weiter. Sie nahmen an, dass die geballte Kraft vieler Anleger die Last sicher tragen könnte. Außerdem wurden die Suprimes, entgegen ihres Namens, von amerikanischen Ratingagenturen zum Teil auch noch mit dem höchsten Bonitätssiegel, dem Triple A, bewertet. Somit stand dem Verkauf in die weltweite Bankenwelt nichts mehr im Weg. Die Käufer der Suprimes waren Großanleger, wie Banken und Hedgfonds. Diese stückelten dann die Darlehen oftmals bis zur Unkenntlichkeit, mischten „die Guten“ mit „den Schlechten“, bündelten das Ganze neu und verkauften diese Pakete ebenfalls weiter. Jedoch waren die Immobilien nicht so wertvoll, wie man annahm und deshalb das Geld, dass an den Börsen „verbrannt“ wurde, teilweise nur virtuell vorhanden. Am Ende dieser Kette standen oft Finanzkonstrukte, wie die „Rhineland Funding“, die im vergangen Jahr die deutsche IKB ins Schleudern brachte. Diese Gesellschaften refinanzierten ihre Ankäufe, indem sie Spezialanleihen herausgaben, als deren Sicherheiten wiederum die angekauften Kredite dienten.
4 Vgl. Carsten Schmiester, Aus für die „Alles-auf-Pump“-Kaufkultur, tagesschau.de/wirtschaft
17.08.2007 NDR-Hörfunkstudio Washington [Dezember 2008]
5 Vgl. Björn Sievers, Leitzins, Focus online 08.10.2008 [November 2008]
6
Arbeit zitieren:
Dominique Futterer, 2008, Die Entstehung der weltweiten Finanzkrise und ihre Auswirkung auf die deutsche Realwirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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