1. Einleitung
In der heutigen Zeit ist Interkulturalität ein wichtiges Thema. Obwohl das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen zur Normalität geworden ist, gibt es immer noch Berührungsängste, wie auch Unverständnis für die Lebensweise anderer Kulturen. Gerade in Schulen ist das direkte Erleben anderer Kulturen ein großer Bestandteil im Alltag der Kinder und Jugendlichen. Nicht immer ist der Umgang mit Kindern mit Migrationshintergrund so, wie man sich ihn wünschen würde. Durch das Aufeinandertreffen mit unterschiedlichsten persönlichen, wie auch kulturellen Identitäten kann es zu Konflikten kommen, seien es körperliche und verbale Auseinandersetzungen, oder auch ganz persönliche - z.B. psychische, oder Auseinandersetzungen mit der eigenen Identität. Kinder werden jedoch nicht mit diesen Vorurteilen geboren, sondern bekommen sie durch Eltern, andere Verwandte, oder Bekannte übermittelt und vorgelebt. Dies gilt es in der Schule und im Unterricht abzubauen. Es sollte zumindest zum Ziel gemacht werden, dem entgegenzuwirken und Akzeptanz, wie auch Toleranz zu fördern. Eine Möglichkeit dafür könnte eine interkulturelle Unterrichtsgestaltung sein. Verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten möchte ich später noch aufzeigen. Zuerst möchte ich aber einige Definitionsvorschläge für den Begriff Interkulturalität aufzeigen und zur Interkulturalität in der Schule übergehen. Im weiteren Verkauf der Arbeit werde ich zu den Kriterien für einen interkulturellen Unterricht laut dem Kultusministerium Niedersachsen kommen und auf Interkulturalität im Sachunterricht eingehen. Der letzte Teil meiner Arbeit beinhaltet Projektvorschläge für interkulturelles Lernen im Sachunterricht, da ich es wichtig finde, sich auch mit der Umsetzung theoretischer Grundlagen zu beschäftigen.
2
2. Der Begriff Interkulturalität
„Der Begriff Interkulturalität bezeichnet eine Beziehung zwischen zwei oder mehr Kulturen. Zum einen wird durch ihn ausgedrückt, dass es Unterschiede zwischen Kulturen gibt und zum anderen zeigt er an, dass trotz dieser Unterschiede Möglichkeiten zum Austausch zwischen den Kulturen gegeben sind. Interkulturalität bedeutet nicht nur, dass in einer Situation verschiedene Teilnehmer aus verschiedenen Kulturen agieren, sondern, dass sich etwas entwickelt, was über die Addition der Merkmale der beteiligten Kulturen hinaus geht. Anders gesagt, in einer kulturellen Überschneidungssituation (zum Beispiel einem Gespräch) treffen "Eigenkultur" und "Fremdkultur(en)" aufeinander. Es entsteht dann das Interkulturelle (das Zwischenkulturelle). Unterschiedliche Kulturen sind also nicht so stark voneinander getrennt, dass ein Austausch unmöglich wäre. Dies resultiert daraus, dass es grundlegende Gemeinsamkeiten zwischen allen Menschen gibt.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Interkulturalität)
Von Hans Jürgen Kliewer wird Interkulturalität als „[…] Austausch zwischen den Kulturen in beiden Richtungen […]“ beschrieben. Er betrachtet die Öffnung der Bildungseinrichtungen eher kritisch, im Bezug auf Interkulturalität, da er der Auffassung ist, es gäbe kaum Migrantenliteratur, bzw. Literatur nichteuropäischer Autoren, die im Unterricht behandelt würde. Zudem wird seiner Meinung nach Interkulturalität nur als ein Themenkomplex behandelt, wodurch es kaum möglich ist, die Kultur im Ganzen näherzubringen, sondern nur ein stereotyper Einblick geboten wird. (vgl. Kliewer 2000, S.214)
Eine weitere mögliche Definition stellt Alois Wierlacher, in dem Interkulturalität als ein Prozess zur Überwindung des Ethnozentrismus durch eine wechselseitige Abhebung beschrieben wird. Erst das Beschäftigen mit Fremdem und Anderem, wie auch die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur macht es möglich, einen Vergleich anzustellen und Unterschiede aus mehreren Blickwinkeln festzustellen. Wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass es in einem Dialog kein richtig, oder falsch gibt. (vgl. Wierlacher 2003, S. 257)
3
Heidi Rösch meint, dass Interkulturalität, im Gegensatz zu Multikulturalität, die ein gleichberechtigtes Nebeneinander mehrerer Kulturen zulässt, eine Begegnung zwischen Einheimischen und Eingewanderten ausdrückt. Was ursprünglich die Emanzipation der Minderheiten als Ziel der Integration bedeutete, wurde seit den 80er Jahren zur Forderung nach einem gegenseitigen Näherkommen der verschiedenen Kulturen. (vgl. Rösch 1997)
3. Interkulturalität in der Schule
Da Interkulturalität gerade in der Schule ein sehr wichtiges Thema ist, möchte ich nun auf die interkulturelle Bildung in Schulen eingehen. „In Auseinandersetzung zwischen Fremdem und Vertrautem ist der Perspektivwechsel, der die eigene Wahrnehmung erweitert und den Blickwinkel der anderen einzunehmen versucht, ein Schlüssel zu Selbstvertrauen und reflektierter Fremdwahrnehmung. Die durch Perspektivwechsel erlangte Wahrnehmung der Differenz im Spiegel des anderen fördert die Herausbildung einer stabilen Ich-Identität und trägt zur gesellschaftlichen Integration bei. Eine auf dieser Grundlage gewonnene Toleranz akzeptiert auch lebensweltliche Orientierungen, die mit den eigenen unvereinbar erscheinen, sofern sie Menschenwürde und - rechte sowie demokratische Grundregeln achten.“ (Deutscher Bildungsserver: Interkulturelle Bildung in der Schule)
Diese Auffassung findet sich teilweise auch in den Thesen zur interkulturellen Bildung des Kultusministeriums wieder. Das Kultusministerium Niedersachsen hat ein Handbuch mit dem Titel: „Sichtwechsel - Wege zur interkulturellen Schule“ erstellt, welches unter anderem diese Thesen zur interkulturellen Bildung beinhaltet: „Sprachliche und kulturelle Vielfalt sind Normalität; interkulturelle Erfahrungen gehören zum Alltag.
Die Schule ist ein Ort interkultureller Erfahrung. Interkulturelle Bildung ist eine Aufgabe der Schule.
4
Interkulturelle Bildung ist kein weiteres Fach, sondern Teil der allgemeinen Bildung. Sie richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler. Alle Fachbereiche leisten dazu ihren Beitrag.
Auch Lehrende sind im Prozess interkultureller Bildung Lernende. Interkulturelle Bildung ist keine Minderheitenpädagogik, dennoch schützt und berücksichtigt sie die Rechte der Kinder aus Minderheiten. Zwei- und Mehrsprachigkeit werden in Unterricht und Schulleben anerkannt und positiv genutzt.
Interkulturelle Bildung unterstützt die Entwicklung persönlicher Identität und macht offen für Begegnungen mit den/ dem Anderen.
Interkulturelle Bildung fördert den Respekt vor dem Anderssein der anderen; sie fördert Neugierde, Offenheit und Verständnis für andere kulturelle Orientierungen.
Interkulturelle Bildung stärkt die Fähigkeit zur Wahrnehmung der eigenen Perspektive und zum Perspektivenwechsel.
Die Schule kann neue Handlungs- und Erfahrungsräume für interkulturelle Bildung öffnen und interkulturelle Erfahrungen aufarbeiten. Dabei vermeidet sie nicht Konflikte, sucht sie aber auch nicht. Interkulturelle Bildung lässt erfahren, dass Vielfalt positive Anregungen für das Zusammenleben und das Lösen von Konflikten bieten kann.
Durch interkulturelle Bildung werden Kopf, Herz und Sinne angesprochen.“ (Handbuch Kultusministerium)
3.1 Kriterien für interkulturellen Unterricht
Da es in der heutigen Zeit normal ist, dass verschiedene Lebenserfahrungen und kulturelle Hintergründe in Schulen aufeinander treffen, bleibt es unumgänglich, dass das tolerante Miteinander von großer Bedeutung ist und einer dementsprechenden Förderung bedarf. Von den Schülern wird täglich Kompromissbereitschaft und Verständnis gefordert, was aber meist nur zum Teil erfüllt wird. Dadurch kann es zu Konfliktsituationen kommen, die es zu bewältigen gilt. Das funktioniert allerdings nur, wenn Interkulturalität ein Bestandteil des Unterrichts ist. Die Kinder sollen lernen, 5
Arbeit zitieren:
Kristin Reinl, 2009, Interkulturalität in der Schule, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Interkulturelles Lernen durch interkulturelles Training
Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Die Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund
Soziologie - Kinder und Jugend
Examensarbeit, 70 Seiten
Schuld und Scham in Hans-Ulrich Treichels "Der Verlorene" un...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 29 Seiten
Zur Entwicklung des interkulturellen Lernens
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit, 13 Seiten
Der Einsatz literarischer Texte im DaF-Unterricht
Wissenschaftliche Studie, 10 Seiten
Motive und Ziele einer neuen P...
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Seminararbeit, 18 Seiten
Anerkennung der Heterogenität – eine Perspektive zur Entwicklung der ...
Hausarbeit, 17 Seiten
Kristin Reinl's Text Interkulturalität in der Schule ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Kristin Reinl hat den Text Interkulturalität in der Schule veröffentlicht
Kristin Reinl hat einen neuen Text hochgeladen
Interdisziplinarität und Interkulturalität
Beiträge zum Zweiten Internati...
Bernhard Zimmermann
Interkulturalität: Methodenprobleme der Forschung
Beiträge der Internationalen T...
Csaba Földes, Gerd Antos
Interkulturalität und Intertextualität
Elias Canetti und Zeitgenossen
Maja Razbojnikova-Frateva, Hans G. Winter
Schnittstelle Interkulturalität
Beiträge zur Didaktik Deutsch ...
Ulrike Reeg, Pasquale Gallo
0 Kommentare