2
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung und Zielsetzung der
Untersuchung 2
2. Die Entstehungsgeschichte des Begriffs
2.1. Das Wort
Nihilismus 2
2.2. Die Vorboten des Nihilismusbegriffs im Mittelalter und in den Anfängen der
Neuzeit 3
2.3. Das Wort in seiner Einführung bei
Jacobi 4
2.4. Die Sehnsucht des „Nichts“ in Kunst und Literatur des 18 . und 19
Jahrhunderts 5
2.5. Der Nihilismus-Begriff im frühe 19 Jh. in Hegels Philosophie und dessen Nachwirkung 7
2.6. Nihilismus in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts: Schopenhauer, Turgenjew und
Dostojewski
8
3.Der Nihilismusbegriff bei Nietzsche
3.1. Nietzsches Unterscheidung der Erscheinungsformen des
Nihilismus 9
3.2.Vollständiger und unvollständiger
Nihilismus 12
3
3.3.Verwendung des Nihilismusbegriffs nach
Nietzsche 15
4 Zusammenfassende
Gedanken 16
5 Auswahlbibliographie
17
2
1. Einführung: Rahmen und Zielsetzung der Untersuchung
Nihilismus, in Wörterbüchern und Lexika der heutigen Zeit wird er als Verneinung aller Werte, Ziele, Glaubensinhalte und oft auch als Verneinung der bestehenden Ordnung definiert. Im engeren Sinne ist mit dem Begriff eine dem Anarchismus nahe stehende russische Revolutionsbewegung gemeint.
Mit meiner Themenwahl habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, das Wort Nihilismus in seinen verschiedenen Kontexten darzustellen. Ein weiteres Ziel soll es sein, eine Verbindung zwischen der Begriffsgeschichte des Nihilismus und der heutigen Definition zu finden, um somit Gemeinsamkeiten oder eventuelle Unterschiede herauszuarbeiten. Dabei möchte ich in einem weniger umfassenden Teil die Vorgeschichte des Begriffs beleuchten und anschließend auf die Begriffeinführung in die Philosophie durch Jakobi eingehen. Wichtig ist es mir sowohl den philosophischen, literarischen und religiösen Kontext des Nihilismus` zu erörtern. Besondern Wert werde ich aber auf den philosophischen Rahmen legen und so vor allem Nietzsche und dessen Verbindung zum europäischen Nihilismus ausführlich darstellen.
Aus dem heutigen Blickwinkel betrachtet war es nämlich Friedrich Nietzsche, der dem Begriff zu größerer Popularität verhalf. Spricht man heute vom Nihilismus, dann bleibt die Einordnung in den historischen Gesamtkontext hintergründig, die Gedankenverknüpfung zu Nietzsche ist meist die erste und oft auch einzige welche hergestellt werden kann. Aufgrund dieser Tatsache werde ich mich auch in meiner Arbeit ausführlich mit Nietzsche und seiner nihilistischen Philosophie befassen.
2. Die Entstehungsgeschichte des Begriffs 2.1. Das Wort Nihilismus
Das Wort „Nihilismus“ ist aus dem lateinischen Wort „nihil“ und der Endung „-ismus“ zusammengesetzt. Die Worte „nihil“ oder „nihilum“ haben im Deutschen die Bedeutung von „nicht“ oder „nichts“. 1 „Nicht“ fungiert dabei als Negation des Wortes „etwas“, im gleichen Sinne, wie „niemand“ die Verneinung zu „jemand“ bildet. 2
1 Vgl. M. Riedel 1979, S.371.
2 Ebd.
3
Die Endung „-ismus“ an Worte angehängt, bezeichnet nicht-dingliche Substantive. Oft wird dann ein Glaubenssystem, eine Ideologie oder auch eine geistige Strömung, sei es auf dem Gebiet der Wissenschaft, Geschichte oder Kunst, gekennzeichnet. Ähnlich ist es auch mit der Endung „-ist“, diese ist für den Anhänger des System oder der Ideologie vorbehalten. 3
Das Wort „Nihilismus“ entstammt den mittellateinischen Worten „nichilianista“, also der, „der an nichts glaubt“ und dem Begriff „annihilare“, also dem „vernichten“ und „verneinen“. 4
Die Geschichte des Begriffs erfährt dadurch ihre Kennzeichnung, dass sie in unterschiedliche Entwicklungsphasen zerfällt, welche sich nicht aufeinander beziehen. 5 Die wichtigsten Phasen folgen.
2.2. Die Vorboten des Nihilismusbegriffs im Mittelalter und in den Anfängen der Neuzeit
Der Terminus Nihilismus ist im Mittelalter noch nicht als solcher bekannt. Jedoch zeigen verschiedene Quellen, dass Gedanken zum „Nichts“ und „Sein“ sehr wohl schon in dieser Zeit, wenn nicht schon früher ihren Anfang fanden.
In der hochmittelalterlichen Scholastik, einer Kirchenphilosophie dieser Zeit, tritt der Begriff „annihilatio“, die „Vernichtung“, bei Albertus Magnus, Thomas von Aquin oder Bonaventura als Vorbote zum späteren Nihilismusbegriff in Erscheinung. 6 Dem Wort „annihilatio“ hängt im kosmisch-theologischen Sinne eine negative Bedeutung an, denn die Vernichtungsfähigkeit oder auch der Vernichtungswille soll allein in der Macht des christlichen Gottes liegen. 7 Vernichtungs- und Zerstörungsgedanken des Menschen sind vor diesem Hintergrund ketzerisch.
In diesem Zusammenhang taucht auch die Bezeichnung des „Nihilianismus“ im 12./13. Jahrhundert auf. „Nihilianisten“, in der Bedeutung von „Ketzern“ oder „Andersgläubigen“, werden alle diejenigen von ihren Gegnern genannt, welche Christus als nicht menschlich
3 Ebd., S.372.
4 Ebd., S.373.
5 Ebd., S.374.
6 Ebd., S.375.
7 Ebd., S.375.
4
und daraus folgend als ein „Nichts“ bezeichnen. 8
Im 17. Jahrhundert dann, als die Naturwissenschaft die bisherige Welt der Mystik und des Glaubens zunehmend einnimmt und verdrängt kommt der Weltvernichtungsgedanke erneut auf. Der Vernichtung der „alten Welt“ folgt jedoch keine Weltauflösung, sondern eine Neuschaffung durch die Naturwissenschaft, eine neue Welt der Zahlen und Figuren entsteht. 9
2.3. Das Wort in seiner Einführung bei Jacobi
Aus heutiger Sicht betrachtet gilt der deutsche Philosoph Friedrich Heinrich Jacobi (1743-1819) als Begründer des Nihilismus-Begriffs. 10 Er selbst vertrat gegensätzlich zur reinen Vernunftphilosophie Kants eine Gefühls- und Glaubensphilosophie.
Er führte den Nihilismus-Begriff mit der Bedeutung als radikalster Atheismus ein. 11 Es ist jedoch davon auszugehen, dass Jacobi den Ausdruck nicht selbst bildete, sondern ihn von M. Claudius übernahm, als dieser Jacobis philosophische Position selbst als nihilistisch titulierte. 12 Im Brief den Jacobi darauf folgend an den 1762 geborenen, deutschen Philosophen Johann Gottlieb Fichte schrieb, führte er selbst den Nihilismus-Begriff im Jahre 1799 ein. Er verkündete darin seinen „Standpunkt der absoluten Verneinung“. 13 Er beleuchtet in seinem „Sendschreiben“ an Fichte den Idealismus als zum Nihilismus verführend. 14 Ein Philosophieren im idealistischen Sinne sei so nämlich nur dann möglich, wenn alles außer der Vernunft ins „Nichts“ übergeht. 15 Indem der Idealismus das „Denken“ vom „Sein“ löst, verneint er das „Sein“ und bildet somit die Basis für nihilistische Konsequenzen. 16
Eine Philosophie des Glaubens soll im Sinne Jacobis von der „Entwirklichung des Denkens
8 Ebd., S. 376.
9 Ebd., S. 377.
10 Vgl. F. Stählin 1984, S.9.
11 Vgl. M. Riedel 1979, S.380.
12 Ebd., S. 381.
13 Vgl. F. Stählin 1984, S.9.
14 Vgl. W. Weier 1980, S.31.
15 Ebd.
16 Ebd.
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Tina Kretzschmar, 2003, Die Begriffsgeschichte des Nihilismus in ihren verschiedenen Kontexten. Nietzsches Philosophie des Nihilismus., Munich, GRIN Publishing GmbH
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