Universität Potsdam Institut für Germanistik Abteilung: Literaturwissenschaft
Seminar: C. F. D. Schubart: Sturm und Drang in Württemberg Sommersemester 2001 Hausarbeit zum Thema:
Absolutismus und
Öffentlichkeit:
Zeitung, Nachricht, Zensur
Sebastian Krüger
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Absolutismus und Öffentlichkeit 4
2.1 Entstehung der literarischen Öffentlichkeit 4
2.2 Die Zeitungsentwicklung bis in den Abso
lutismus und ihre gesellschaftlichen Folgen 6
2.3 Die Zensur 12
3. Der Wandel des Mediums Zeitung 14
4. Bibliographie
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1. Einleitung
Die hier vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Thematik des Absolutismus und der Öffentlichkeit und liegt dem Seminar „Christian Friedrich Daniel Schubart: Sturm und Drang in Württemberg“ zu Grunde. Dem Untertitel zu Folge werde ich mich eingehend mit der Zeitung des 18. Jahrhunderts befassen. Ich werde und muss allerdings auch, um die Problematik möglichst umfassend darzustellen und zu analysieren, die Geschichte und Entstehungsbedingungen des Mediums Zeitung beleuchten. Ferner werde ich die interessante Parallele zu der heutigen Mediengesellschaft ziehen und mögliche Unterschiede bzw. auch Gemeinsamkeiten versuchen aufzudecken und zu explizieren. Dabei soll der Öffentlichkeitsdiskurs sowie die mühsame Entwicklung der Pressefreiheit nicht zu platzsparend behandelt werden. Allerdings soll C. F. D. Schubart und seine „Deutsche Chronik“ dabei nur am Rande tangiert werden. Bei der Menge an Literatur und bei dem bis heute andauernden Streit über die inhaltliche Definitionsproblematik versteht es sich, dass die Arbeit keinen Anspruch der Vollständigkeit genießen kann.
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2. Absolutismus und Öffentlichkeit
2.1 Entstehung der literarischen Öffentlichkeit
Medien bestimmen die Öffentlichkeit und die Öffentlichkeit entscheidet wiederum das Medium. In der heutigen Zeit, dem „medialen Zeitalter“, sind Internet und Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Sie sind die diktierenden Leitmedien unserer Zeit. Sie informieren, unterhalten, kommentieren, argumentieren, berichten und bilden Meinungen. Aber diese Eigenschaften würden in Anfängen auch zutreffen, wenn wir die Zeit etwa 500 Jahre zurückdrehen würden. Zu dieser Zeit begann sich die Flugschrift als immer wichtiger werdendes Organ der Meinungsäußerung herauszukristallisieren. Die
Flugschriften sind auch deswegen von unserem Interesse, da sie, wie wir später noch untersuchen werden, die Vorläufer der Zeitung darstellen.
Die eigentliche Entstehungsgeschichte der Flugschriften beginnt aber eigentlich schon viel früher. In der Antike ließ man in arrangierten Dialogen Persönlichkeiten dieser Zeit verspotten. Wie auch heute noch erfreuten sich diese satirischen Schriften großer Beliebtheit. Doch bis ins Mittelalter hinein gab es das entscheidende Problem der Verbreitung. Oft wurden die Informationen, Geschichten und auch Gerüchte vorgelesen und dann mündlich weitergegeben. Erst mit der Erfindung des Buchdrucks wurde die Flugschrift als mediales Instrument wahrgenommen und gebraucht (vgl. Schwitalla 1999, S. 1, 46ff.). Auch Ablassbriefe, Spottblätter, amtliche Verordnungen und Lieder wurden verbreitet, Geschichten über Wunderheilungen, Kriegsnachrichten, Informationen über die Pest bis hin zu wollüstigerotischen Darstellungen waren hauptsächliche Inhalte, die sich dann erst im Kontext der Reformation und u. a. auch durch Martin Luthers Einfluss hin zur politischen Literatur entwickelten.
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Die einfache Herstellung, die Spontaneität und Aktualität der meist mehrblättrigen Schriften, ermöglichten einen vorher nie da gewesenen Boom (vgl. Bentzinger 1992, S. 9). Erhalten konnte man diesen Lesestoff an öffentlichen Plätzen. Oft auch brachten die Drucker die Flugschriften selbst unter die Leute. Gar nicht selten lasen sie, wo Not am Mann war, die Inhalte selbst vor, da die Alphabetisierung der Massen gerade erst einzusetzen begann.
Neben der Erfindung des Buchdrucks ist der entscheidende Faktor im Bezug auf die Entstehung der literarischen Öffentlichkeit doch wohl der, dass dem vorherrschenden Latein die deutsche Volkssprache ebenbürtig gegenüber gestellt wird. Dieser Aspekt ist ohne Martin Luther nicht zu beleuchten. Durch seine zahlreichen Reisen und Unterhaltungen mit Gelehrten und Laien hat Luther sich zum einen seine eigene sprachlich-kommunikative Kompetenz enorm
ausgeprägt. Zum anderen gab er mit der Übersetzung des Neuen Testaments (seinem Evangelium) dem Volk eine eigene Identitäts-grundlage, die gleichbedeutend mit einer Rangerhöhung des Volkes war.
Davor konnten sie zu keiner Zeit in einen Diskurs eintreten, da ihnen die Kompetenz fehlte, die lateinischen Schriften zu lesen oder gar zu interpretieren und zu kritisieren. Nun aber rückt die breite Masse des Volkes in das mediale Rampenlicht dieser Zeit. Die soziale Einschränkung durch das Latein oder die Kirche war dabei sich aufzulösen. Eine neue und vor allen Dingen große Leserschicht musste nun von den Autoren berücksichtigt werden. Das taten sie und stießen auf einen Rezipientenkreis bzw. auf ein Auditorium, das die Inhalte der verschiedenen Publikationen wie ein Schwamm in sich aufsaugte, aber auch erstmalig in der Lage war diese Schriften zu reflektieren (vgl. Hohendahl 2000, S. 8ff.). Ein erster wichtiger Aspekt bei der Determinierung des Öffentlichkeitsbegriffs, auch bietet dieser Exkurs eine gute Grundlage im Hinblick auf die Zeitungsentwicklung.
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Sebastian Krüger, 2001, Absolutismus und Öffentlichkeit: Zeitung, Nachricht, Zensur, Munich, GRIN Publishing GmbH
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