Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Political systems in general and in comparison

Nachrichtendienste als Regierungsinstrument

Zwischen gouvernementaler Steuerung und rechtsstaatlicher Kontrolle

Title: Nachrichtendienste als Regierungsinstrument

Term Paper , 2009 , 16 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Philipp Ebert (Author)

Politics - Political systems in general and in comparison
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„Die Kenntnis der Götter- und Geisterwelt wird durch das Orakel erlangt; naturwissenschaftliche Informationen können durch Erfahrung gewonnen werden; die Gesetze des Universums lassen sich durch mathematische Schlüsse beweisen. Doch die Pläne des Gegners sind einzig durch geheime Agenten und nur durch sie zu ermitteln.“
Heute, zwanzig Jahre nach Ende des Kalten Krieges stellt sich die Frage, ob diese Annahme des chinesischen Philosophen Sun Zi aus der Zeit um 500 v. Chr. stimmt. Lassen sich moderne Nachrichtendienste als Regierungsinstrumente identifizieren? Wie verhält es sich mit nachrichtendienstlicher Tätigkeit in einem demokratisch verfassten Staat, namentlich der Bundesrepublik Deutschland?
Interessant scheint der Gegensatz zwischen zwei Grundsätzen: auf der einen Seite muss nachrichtendienstliche Arbeit geheim bleiben. Nur so können Quellen geschützt, Informationen verwertet und Bedrohungen minimiert werden. Aber gerade nach der Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, die von zwei totalitären Diktaturen geprägt war, ist es fraglich, wie ungezügelt Geheimdienstarbeit walten darf. Wie weit dürfen Grundrechte eingeschränkt werden, um Sicherheit zu erlangen. Zahlt unsere Gesellschaft für die erlangte Sicherheit einen hohen Preis - den Preis der Rechtsstaatlichkeit? Die Feststellung Karl Loewensteins mahnt: „Unkontrollierte Macht aber ist ihrem Wesen nach böse.“
Wem obliegt die Steuerung, d.h. die Auftragserteilung und die Verantwortung für nachrichtendienstliches Handeln in Deutschland? Welche Mechanismen gibt es, ausgreifendes nachrichtendienstliches Handeln zu beschränken, Kontrolle der Bürger zu kontrollieren und zu beschränken? Wird nachrichtendienstliche Effizienz und Handlungsfähigkeit geopfert, um Kontrolle zu ermöglichen?
Dieses Spannungsfeld zwischen erforderlicher Geheimhaltung und nachrichtendienstlicher Effizienz auf der einen sowie notwendiger Machtverschränkung und demokratischer, transparenter und rechtsstaatlicher Kontrolle auf der anderen Seite will diese Arbeit beleuchten.
Diese Arbeit soll die angesprochenen Aspekte nicht normativ betrachten, auch kann sie nur eine Untersuchung auf Grundlage der Verfassung und der Gesetze darlegen. Darüber zu berichten, inwieweit die Realität davon abschweift bleibt jenen vorbehalten, die unmittelbar mit der Materie betraut sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nachrichtendienste als Regierungsinstrument

3. Aufgabenfelder der Nachrichtendienste in der Bundesrepublik Deutschland

4. Steuerung der Nachrichtendienste

a. Die Steuerung der einzelnen Dienst

i. Das Bundesamt für Verfassungsschutz

ii. Der Militärische Abschirmdienst

iii. Der Bundesnachrichtendienst

b. Koordination der Arbeit der Nachrichtendienste

c. Zwischenfazit

5. Kontrolle der Nachrichtendienste

a. Parlamentarische Kontrolle

i. Plenum, Ausschüsse, Abgeordnete

ii. Das Parlamentarische Kontrollgremium

iii. Die G 10-Komission

iv. Das Vertrauensgremium im Haushaltsausschuss

v. Gremium nach Art. 13 Abs. 6 GG

b. Sonstige Kontrollinstitutionen

i. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz

ii. Der Bundesrechnungshof

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der notwendigen Geheimhaltung nachrichtendienstlicher Tätigkeit einerseits und der demokratischen, rechtsstaatlichen Kontrolle dieser Dienste in der Bundesrepublik Deutschland andererseits. Ziel ist es zu analysieren, wie Steuerung und Kontrolle in diesem Bereich realisiert sind und inwieweit das Parlament sowie die Öffentlichkeit in den Steuerungsprozess integriert sind.

  • Struktur und Steuerung der deutschen Nachrichtendienste (BfV, MAD, BND)
  • Die Rolle des Kanzleramtes bei der Koordination der Nachrichtendienste
  • Parliamantäre Kontrollinstanzen wie das PKGr und die G 10-Kommission
  • Kontrollmechanismen durch den Datenschutzbeauftragten und den Bundesrechnungshof
  • Legitimität und Transparenz geheimdienstlicher Kontrolle im Rechtsstaat

Auszug aus dem Buch

3. Aufgabenfelder der Nachrichtendienste in der Bundesrepublik Deutschland

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) dient sowohl als Koordinationsstelle für die Landesämter für Verfassungsschutz als auch als eigenständig arbeitende Sicherheitsbehörde. Seine Aufgaben sind gemäß § 3 I Verfassungsschutzgesetz der Schutz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Bund und Ländern sowie der Schutz von Verfassungsorganen mit nachrichtendienstlichen Mitteln.

Der Militärische Abschirmdienst (MAD), amtliche Langform: Amt für den Militärischen Abschirmdienst, ist auf nachrichtendienstliche Tätigkeiten im Bereich der Bundeswehr beschränkt. Er ist weiterhin auf rein defensive Aufgaben festgelegt. So hat er vor allem die militärische Geheimhaltung und die Sicherheit des Personals der Bundeswehr sowie ihrer Einrichtungen, Gegenstände und Anlagen sicherzustellen. Die Beschaffung von Informationen über andere Militärs im Ausland obliegt dem BND.

Anders als MAD und BfV ist der Bundesnachrichtendienst (BND) nicht auf die Arbeit im Inland, sondern auf die Arbeit im Ausland festgelegt. Seine Aufgaben sind „[die] nachrichtendienstliche Auslandsaufklärung durch Beschaffung und Auswertung von Informationen auf außenpolitischem, wirtschaftlichem, rüstungstechnischem und militärischem Gebiet; die Aufklärung der gegnerischen Nachrichtendienste [...]; die Erledigung sonstiger nachrichtendienstlicher Aufträge des Bundeskanzleramtes und der Bundesregierung im Ausland; die Spionageabwehr innerhalb des Bundesnachrichtendienstes[...]“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen der Geheimhaltungsnotwendigkeit moderner Nachrichtendienste und den demokratischen Kontrollanforderungen in der Bundesrepublik ein.

2. Nachrichtendienste als Regierungsinstrument: Dieses Kapitel erläutert die Rolle der Nachrichtendienste als Werkzeuge der Bundesregierung zur Gefahrenabwehr und Informationsbeschaffung für außenpolitische Belange.

3. Aufgabenfelder der Nachrichtendienste in der Bundesrepublik Deutschland: Es werden die spezifischen Zuständigkeitsbereiche und Aufgaben von BfV, MAD und BND voneinander abgegrenzt.

4. Steuerung der Nachrichtendienste: Hier wird detailliert dargestellt, wie die Dienste durch die Bundesregierung und das Kanzleramt gesteuert und koordiniert werden.

5. Kontrolle der Nachrichtendienste: Das Kapitel bietet einen umfassenden Überblick über die parlamentarischen und sonstigen Kontrollgremien, die den Geheimdiensten gegenüberstehen.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Effektivität der parlamentarischen Kontrolle sowie die Problematik des gouvernementalen Informationsmonopols.

Schlüsselwörter

Nachrichtendienste, Bundesnachrichtendienst, Bundesamt für Verfassungsschutz, Militärischer Abschirmdienst, parlamentarische Kontrolle, Geheimhaltung, G 10-Kommission, Rechtsstaatlichkeit, gouvernementale Steuerung, Demokratie, Informationsmonopol, Geheimdienstkoordinator, Kontrollgremium, Datenschutz, Haushaltsrecht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Nachrichtendienste in Deutschland gesteuert werden und welchen Kontrollmechanismen sie unterliegen, um den Anforderungen eines demokratischen Rechtsstaates gerecht zu werden.

Welche Nachrichtendienste stehen im Fokus?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die drei Nachrichtendienste des Bundes: das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), den Militärischen Abschirmdienst (MAD) und den Bundesnachrichtendienst (BND).

Was ist das zentrale Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu beleuchten, wie das Spannungsfeld zwischen notwendiger Geheimhaltung für die Effizienz der Dienste und der geforderten transparenten, demokratischen Kontrolle durch das Parlament gelöst wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Der Autor führt eine Untersuchung auf Grundlage der geltenden Verfassungsordnung und der relevanten gesetzlichen Bestimmungen durch.

Welche Rolle spielt das Parlament bei der Kontrolle?

Das Parlament übt Kontrolle primär durch Gremien wie das Parlamentarische Kontrollgremium (PKGr) und die G 10-Kommission aus, wobei die Beteiligung der Abgeordneten an der Steuerung begrenzt ist.

Was charakterisiert die Schlussfolgerung der Arbeit?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Nachrichtendienste in Deutschland stark eingehegt sind, obwohl die Steuerung fest in der Hand der Bundesregierung und Ministerialbürokratie verbleibt.

Warum wird die Kontrolle der G 10-Kommission als so wichtig hervorgehoben?

Die G 10-Kommission ist deshalb zentral, weil sie als parlamentarisch bestelltes Organ grundrechtseinschränkende Maßnahmen genehmigen oder verbieten kann, was eine wichtige Schranke gegenüber exekutiver Willkür darstellt.

Inwieweit sind die Finanzen der Dienste transparent?

Finanzielle Transparenz wird durch das Vertrauensgremium im Haushaltsausschuss und die Prüfungen des Bundesrechnungshofes gewährleistet, wodurch die Dienste keine völlig unkontrollierte „Black Box“ bleiben.

Welche Rolle spielt der Datenschutzbeauftragte in diesem Kontext?

Er fungiert als zusätzliche Kontrollinstanz, die Bürger vor unzulässiger Datenspeicherung schützt und bei Verstößen Druck durch öffentliche Berichterstattung ausüben kann.

Können Bürger die Nachrichtendienste direkt kontrollieren?

Nein, die unmittelbare Kontrolle der Nachrichtendienste durch die Öffentlichkeit oder den direkten Rechtsweg ist weitgehend ausgeschlossen; die Kontrolle erfolgt stellvertretend durch demokratisch legitimierte Volksvertreter.

Excerpt out of 16 pages  - scroll top

Details

Title
Nachrichtendienste als Regierungsinstrument
Subtitle
Zwischen gouvernementaler Steuerung und rechtsstaatlicher Kontrolle
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Kanzlerdemokratie? Die Kanzler von Adenauer bis Merkel und ihre Regierungen
Grade
2,3
Author
Philipp Ebert (Author)
Publication Year
2009
Pages
16
Catalog Number
V140342
ISBN (eBook)
9783640484102
ISBN (Book)
9783640484256
Language
German
Tags
Politische Systeme Politisches System der Bundesrepublik Deutschland Nachrichtendienste Parlamentarische Kontrolle gouvernementale Steuerung rechtsstaatliche Kontrolle Regierungsinstrumente
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philipp Ebert (Author), 2009, Nachrichtendienste als Regierungsinstrument, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140342
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  16  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint