1936, im Jahr als er politisch bei der Frente Popular sehr aktiv ist, bricht in Spanien der Bürgerkrieg aus. Sein Bruder Manuel, welcher in Huesca von 1932 - 1934 als Bürgermeister im Amt tätig war, wird im August 1936 von den spanischen Nationalisten erschossen. Dieses bittere Ereignis war ausschlaggebend für seinen Roman Réquiem por un campesino español. Pacos Erschießung ist die literarische Darstellung des Schicksals seines Bruders. Aber nicht nur einer seiner insgesamt 9 Geschwister werden ermordet. Auch seine zwei Brüder Saturnio und Antonio, und seine Ehefrau Amparo werden noch im selben Jahr hingerichtet. Diese grauenvollen Schicksalsschläge lassen ihn das Land verlassen. Er reist zunächst nach Paris und später mit seinen Kindern nach New York ins Exil. Von dort aus reist er alleine weiter nach Mexiko, wo er sich weiter seinen Schriften widmet.
1953 erscheint in Mexiko dann die erste Version von Réquiem por un campesino español. Jedoch nicht unter diesem Titel, sondern zunächst unter Mosén Millán. Erst 7 Jahre später erscheint das Werk schließlich unter dem bis heute aktuellen Titel Réquiem por un campesino español, bis dato allerdings erst in Mexiko. Weitere Veränderungen wurden am Text nicht vorgenommen, ausschließlich der Titel wurde umbenannt. Auffällig ist, dass Sender weder zuvor, noch danach ein späteres Werk zweimal unter verschiedenen Titeln veröffentlichte!
Aus Angst vor einem Prozess in Spanien bleibt er schließlich bis 1975 im Exil. Erst dann kehrt er für kurze Zeit aus dem Exil zurück und veröffentlicht sofort nach dem Tod des Diktators Franco Réquiem por un campesino español und El lugar de un hombre in Spanien. Im Jahre 1980 erlangt er die spanische Staatsbürgerschaft wieder, kehrt jedoch nicht wieder nach Spanien zurück und von Übersee aus publiziert Ramón Sender weiter bis er schließlich am 15. Januar 1982 in seiner Residenz in San Diego an einem Herzinfarkt stirbt.
Ramón Sender lebte ein äußerst von Literatur geprägtes und beeinflusstes Leben. Schon früh entdeckte er dafür seine Leidenschaft, was sich unschwer an seinen auffallend viel publizierten Schriften erkennen lässt. Sein politisches Engagement brachte ihn für einige Zeit ins Gefängnis und führte schließlich zu seiner Ausreise ins Exil nach Übersee. Die Zensur in seinem Heimatland Spanien ließ dortige Veröffentlichungen nach freiem literarischen Willen nicht zu. Dafür stehen besonders die beiden Werke Réquiem por un campesino español und El lugar de un hombre. Sobald er die Möglichkeit sah seinem Publikum die Werke bereitzustellen, veröffentlichte er sie umgehend.
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Réquiem por un campesino español - Textanalyse III.
Der Text und seine Handlung:
Der „Bürgerkriegsroman“ 1 Réquiem por un campesino español , geschrieben von Ramón José Sender, handelt von einer Totenmesse, die einem spanischen Bauernsohn namens Paco (el del Molino) gilt. Er wurde ein Jahr zuvor von den spanischen Nationalisten erschossen. Die Totenmesse wird von seinem Priester und Verräter Mosén Millán, welcher ihm letztlich den Tod bringt, gehalten.
Vor allem seine Knappheit machen den Kurzroman, der mehr oder weniger hundert Seiten umfasst 2 , äußerst attraktiv. Er schildert Pacos gesamtes Leben und dessen „entscheidenden Momente“ 3 . Diese werden anhand von 6 der insgesamt 7 Sakramente der Katholischen Kirche dargestellt. Beginnend mit seiner Taufe wird weiter seine
Erstkommunion, dann die Firmung, später seine Hochzeit, dann seine Beichte und schließlich seine „Letzte Ölung (...) [,die] das letzte Glied in der Kette von Mosén Milláns Erinnerungen [sind]“ 4 in chronologischer Reihenfolge aufgeführt.
Der Text behandelt vordergründig das Thema Schuldfrage, jedoch wird es nicht direkt gelöst. Es ist vielmehr der Priester Mosén Millán, der sich durch den Verrat Pacos an die Faschisten seiner Schuld bewusst geworden ist und verliest nun die Totenmesse um gleichzeitig seine Seele zu erlösen und die Feinde büßen zu lassen. „Ahora yo digo en sufragio de su alma esta misa de réquiem, que sus enemigos quieren pagar.“ 5 Jedoch stellt sich die Frage, ob der Priester tatsächlich alleine oder ob er überhaupt für den Tod Pacos verantwortlich ist. Heydenreich wagt hierzu die These und behauptet: „Gewiß, er gibt Pacos Versteck preis, aber er verrät es nicht.“ 6 Schließlich sind es die Faschisten, die Paco am Ende erschießen. Sie wissen, dass Paco ihrem Lager nicht treu, jedoch zu etwas fähig ist, das dem Regime schaden könnte. Er stellt für sie eine Bedrohung dar. Deshalb sind sie dabei das Dorf „zu säubern“ 7 . Durch seine erfolgreiche Karriere hat er es von einem einfachen Bauernsohn
1 Saulheimer, Patrick, Nachwort, S.122.
2 Die Seitenzahlen variieren je nach Edition und Verlag des Romans.
3 Saulheimer, Patrick, Nachwort, S. 122.
4 Heydenreich, Titus, Ramón José Sender, Réquiem por un campesino español, S.391.
5 Sender, Ramón, José, Réquiem por un campesino español, S.110.
6 Heydenreich, Titus, Ramón José Sender, Réquiem por un campesino español, S.403.
7 Sender, Ramón, José, Réquiem por un campesino español: „Estamos limpiando el pueblo, y el que no está con nosotros está en contra“, S.94.
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zum politisch engagierten Bürgermeister des Dorfes geschafft. Er hat keine Angst mit den Reichen und Abgeordneten in Verhandlungen zu treten. Und geht an die oberste Instanz um seine Pläne, den Menschen in den cuevas zu helfen, zu erreichen. 8
Hintergründig behandelt der Text die politische Lage „des blutigen Konflikts zwischen den >beiden Spanien<“ 9 - der Dos Españas. In der Zweiten Republik spitzen sich die politischen Umstände dermaßen zu und es kommt schließlich zum Bürgerkrieg. Sein Ende geht über in eine Diktatur, die dann bis 1975 andauerte.
„Opposed to the extreme Left and extreme Right, many politically moderate men and women supported the Republic, desiring only one law and order under a competent and democratic government. They lamented the trend towards political polarization and the concomitant violence that 10
came with it.“
Heimliche Erschießungen und ständige Angriffe nicht nur auf Abgeordnete, sondern auf Bürger finden statt. Aber wer sind die Schuldigen? Auf welcher Seite steht vor allem die Kirche, als all dies Entsetzliche geschieht? Und genau das macht Sender in seinem Werk deutlich.
Ganz im Gegenteil zu Paco steht Mosén Millán, der fast ausschließlich den gesamten Roman hindurch seine Augen geschlossen hält. Sieh der Realität ins Auge! So lautet ein Sprichwort, das der Autor hier sehr klar dargestellt hat. Der Autor verdeutlicht, dass sich der Priester seiner Schuld bewusst ist, da er der Realität nicht ins Auge schauen kann. Dies zeigt seine Ängstlichkeit und seine Feigheit. Erst bei Pacos Erschießung erkennt er, was er ausgelöst hat: „El sacerdote (...) con los ojos muy abiertos“. 11 Auch das Versteck Pacos verrät er „contestó bajando la cabeza. Era una afirmación.“ 12 ohne dem cinturión direkt in die Augen zu schauen. Der Priester - der Verräter -, dessen letzte Tat für „dos duros“ 13 mit Judas 14 verglichen wird, welcher auch Jesus am Ölberg verriet. Den Vergleich zur Bibel hat Sender durch die Umgebung ähnlich dargestellt. Auch in dem Roman ist es ein Berg, wo sich
8 Vgl., Sender, Ramón, José, Réquiem por un campesino español, S.79.
9 Heydenreich, Titus, Ramón José Sender, Réquiem por un campesino español, S.398. 10 Anderson, James, Maxwell, The Spanish Civil War, S.19.
11 Sender, Ramón, José, Réquiem por un campesino español, S.107.
12 Ebd., S.95.
13 Saulheimer, Patrick, Nachwort, S.133.
14 Vgl., Ebd., S.402.; Sender, Ramón, José, Réquiem por un campesino español, S.182; Saulheimer, Patrick, Nachwort, S.133.
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Paco versteckt hält, in „las Pardinas“ 15 . Mosén Millán befindet sich nicht in der Realität und repräsentiert somit einen unsicheren Status quo. Er wird schließlich durch die letzten Worte Pacos durch ihn selbst seines Todes beschuldigt: „ Él me denunció..., Mosén Millán, Mosén Millán...“ 16
Die Totenmesse bildet den Rahmen um die eigentliche Handlung - Pacos Leben. Sie ist demnach als Rahmenhandlung zu betrachten. Die Erinnerungen des Priesters Mosén Millán an Pacos Leben und dessen größten und bedeutendsten Episoden innerhalb dieser Rahmenhandlung bilden die Binnenhandlung, die retrospektiv geschildert wird. Gegen Ende des Romans gehen die beiden Handlungen fast ineinander über. 17 Der Text ist fortlaufend und ohne Absätze geschrieben. Auffällig ist außerdem, dass der Text nicht in Kapitel unterteilt ist. In der Binnenhandlung überwiegt der allwissende Erzähler und der personelle Erzähler ist in der Innensicht allwissend, er erzählt aus seiner eigenen Perspektive heraus. Durch die im Roman vom Messdiener gesungenen Romancen finden Abweichungen statt, da der Erzähler hierdurch Informationen innerhalb der Rahmenhandlung preisgibt.
Die räumliche Eingrenzung des Romans:
Die Rahmenhandlung findet in der Sakristei des Dorfes statt, in der die Totenmesse gehalten wird. Hierauf wird der Leser bereits auf der ersten Seite aufmerksam gemacht: „La sacristía olía a incienso.“ 18 Weitere Orte werden in der Rahmenhandlung nicht näher beleuchtet, außer „La sacristía tenía dos ventanas que daban al pequeño huerto da la abadía.“ 19 Und „Al fondo del atrio se veía la plaza de la aldea (...).“ 20 Der Leser erfährt lediglich, dass es Fenster gibt, durch die man in den kleinen Garten der Abtei schauen kann und dass vor den Türen der Sakristei ein Dorfplatz liegt.
Im Gegensatz zur Rahmenhandlung erfährt der Leser räumlich betrachtet wesentlich mehr durch die innere Handlung, durch die Erinnerungen Mosén Milláns. Entscheidende Orte sind hier vor allem las cuevas 21 , wo Paco das Leid der Menschen erfahren muss, das ihm schließlich seine Lebenssichtweise ändern lässt. El carasol, der Ort im Dorf, an dem die
15 Sender, Ramón, José, Réquiem por un campesino español, S.97.
16 Ebd., S.107.
17 Vgl., Ebd., S.108-110.
18 Ebd., S.5.
19 Ebd., S.5.
20 Ebd., S.100.
21 Vgl., Ebd., S. 37ff.
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Arbeit zitieren:
Joachim Golly, 2009, Zu Ramón José Senders "Réquiem por un campesino español", München, GRIN Verlag GmbH
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