RWTH Aachen Germanistisches Institut Fachbereich Neuere Deutsche Literaturgeschichte Proseminar III: Musil-Interpretationen Sommersemester 2002
HAUSARBEIT:
INHALTSVERZEICHNIS
Seite
1. Einleitung 3
2. Was ist Geistesgeschichte? 3
2.1 Definition und Entstehungsgeschichte 3
2.2 Beispiele: Die geistesgeschichtliche Methode in der Sprachwissenschaft und in der
Verslehre 5
2.3 Strukturuntersuchungen in der Geistesgeschichte 5
2.3.1 Die stammeskundliche Strukturforschung 6
2.3.2 Die Erforschung der formalen Struktur 6
2.3.3 Die ideengeschichtliche Strukturforschung 6
2.3.4 Die Strukturpsychologie 7
2.3.5 Die problemgeschichtliche Strukturforschung 7
3. Ein Beispieltext für die geistesgeschichtliche Methode: Monika Fick: Gebärden der
Seele. Maurice Maeterlincks „Philosophie des Unbewußten“ 8
3.1 Zusammenfassung des Beispieltexts 8
3.2 Inwiefern geht Monika Fick in diesem Text nach der geistesgeschichtlichen Methode vor? 11
3.3 Kritik am Beispieltext 12
4. Kritik an der Geistesgeschichte 12
5. Fazit 13
Literaturangabe 14
2
1. Einleitung
In dieser Hausarbeit soll die geistesgeschichtliche Methode vorgestellt werden. Zuerst möchte ich den Begriff definieren und ein paar Grundzüge, die für diese Methode charakteristisch sind, darstellen. Im zweiten Teil folgt die Vorstellung eines Beispieltextes, der sich mit philosophischen Schriften Maurice Maeterlincks beschäftigt. Zum Schluss werde ich noch Kritikpunkte an dem Beispieltext und an der Geistesgeschichte anführen.
2. Was ist Geistesgeschichte?
2.1 Definition und Entstehungsgeschichte
Die Bezeichnung >Geistesgeschichte< mag ein wenig irreführend sein. Geistesgeschichte bezieht sich nicht etwa auf die Geschichte eines oder des Geistes, sondern vielmehr auf den Geist, der den verschiedenen Gebieten der Geisteswissenschaften zu jeweils bestimmten Zeiten zugrunde liegt und sie bestimmt. Zu erforschen sind „allgemeine, zeitlose Gesetze des Geistes, verbunden mit speziellen Ausformungen der historischen Bedingtheit“ 1 . Wilhelm Dilthey (1833-1911) wollte die Geisteswissenschaften deutlich von den Naturwissenschaften unterschieden wissen. Geisteswissenschaften sind nach Dilthey Philosophie, Bildende Kunst, Musik, Geschichte, Nationalökonomie, Rechts- und Staatswissenschaften, Psychologie, Religions- und Literaturwissenschaften. Besonders in letzterer hat sich die Geistesgeschichte ausgebreitet. Wilhelm Dilthey ist der wohl bedeutendste Vertreter der Geistesgeschichte. Im Jahre 1906 erschien seine Schrift „Das Erlebnis und die Dichtung“, welche die geistesgeschichtliche Methode eingeleitet haben soll. Allerdings gab es auch schon vorher geistesgeschichtliche Ansätze in der Literaturwissenschaft und in der Philosophie. So sprach schon Hegel von einem Geist, der die Welt bestimme und Herder nannte seinen Text „Journal meiner Reise“ 1769 eine „Geschichte der menschlichen Seele“. Rudolf Hayms Schrift „Die romantische Schule“ von 1870 trug
1 Maren-Grisebach, Manon: Methoden der Literaturwissenschaft. 2. veränd. u. erw. Auflage München: Francke
1970. Im Folgenden werde ich abkürzen mit: Maren-Grisebach. S. 27.
3
den Untertitel „Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Geistes“. Der erste, der das Wort „Geistesgeschichte“ angewandt hat, war allerdings Friedrich Schlegel 2 .
Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert hin entstand die Geistesgeschichte in Konkurrenz zum Positivismus. Die Positivisten meinten, durch die Ansammlung von Fakten und deren Auswertung in naturwissenschaftlicher Art, auch literarische Werke erklären zu können. Für sie gab es keine Unterscheidung von Natur- und Geisteswissenschaften, bzw. sie versuchten, die Wissenschaften, die dann von Dilthey als Geisteswissenschaften bezeichnet wurden, durch ihre Angleichung an die Naturwissenschaften zu rechtfertigen. Das war für Wilhelm Dilthey, der eine enge Freundschaft zu dem Hauptvertreter des Positivismus, Wilhelm Scherer, pflegte, falsch. Er manifestiert: „Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir“ 3 Das bedeutet, dass der Interpretierende keiner strengen Methode folgen, sondern sich auf seine Intuition, eigene Erfahrungen und Gefühle verlassen solle. Die Geistesgeschichte befasst sich mit der Menschheit an sich und mit gesellschaftlichgeschichtlicher Wirklichkeit. Hinter jedem Werk stecke eine Idee, die erfasst und dargestellt werden soll. Diese Tätigkeit allein sei schon eine Kunst.
Die Dichtung wird von den Geistesgeschichtlern als eine Ganzheit angesehen, die außerhalb der Realität ihre eigene Welt bildet. In dieser Welt könne der Leser seine im Alltag unerfüllt bleibenden Sehnsüchte befriedigen.
Das Subjekt ist ein zentraler Punkt in der Geistesgeschichte. Vom Schriftsteller z. B. wird eine eigene, besondere Sprache geradezu erwartet. Für die Geistesgeschichtler ist v. a. die Metaphorik ein äußerst wichtiges Mittel, um die Individualität eines Schriftstellers heraus zu stellen. Das Werk eines Dichters ist laut der Theorie der Geistesgeschichte für die Menschen von immenser Bedeutung, weil er für sie die Vorgänge des Lebens erkenne. Der Dichter beobachte die Menschenwelt um ihn herum und nur er vermöge auf Grund seiner Begabung, seiner Einfühlsamkeit, ihre Grundzüge und ihren Sinn zu erkennen. Diese Erkenntnisse gebe er den Menschen in Form seines Dichtens wieder. Der Dichter ist für die Geistesgeschichtler eine Art
2 Kluckhohn, Paul. Artikel „Geistesgeschichte“. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. 2.Aufl. Berlin: Walter de Gruyter 1958.
3 Dilthey, Wilhelm: Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie (1894). In: Nohl, Hermann (Hrsg.): Wilhelm Dilthey, Die Philosophie des Lebens (1961), S. 136.
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Arbeit zitieren:
Paula Hesse, 2002, Geistesgeschichte, München, GRIN Verlag GmbH
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