Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Hauptteil. 4
2.1 Wahrnehmung vs. Ereignisse. 4
2.2 Der Held als inetto 6
2.3 Das Schreiben 8
3. Schlussbemerkungen. 11
Bibliographie. 12
Prim ärliteratur: 12
Sekund ärliteratur: 12
Abgerufene Internetquellen: 12
2
1. Einleitung
Nach Goethe ist die Moderne ein eher moralisch-psychologischer als ein historischer Begriff, der sich durch die Freiheit und das Wollen definiert. Kennzeichnend, als das Charakteristikum der Literatur in der Moderne, ist der Bezug auf sich selbst. Diese Selbstreferenz ist das Resultat der historischen Entwicklungen, wie z. B. der Aufklärung, der Menschenrechte, der Industrialisierung, durch welche der Mensch zum alleinigen Fundament des Lebens wird. Als Konsequenz der durch die Differenzierung der Gesellschaft sich ergebenen Freiräume der Selektion, die der persönlichen Entscheidung des Einzelnen überlassen und ihm nicht mehr vorgeschrieben sind, wird der Mensch zum Maß aller Dinge. Die Problematik besteht darin, dass diese neu erworbene Freiheit mit Eigenverantwortung und existenzieller Angst verbunden ist, da nun alle Rechtfertigung vom Mensch und nicht mehr von einem Gott ausgeht.
Dieser Paradigmenwechsel beeinflusst die Art und Weise der Repräsentation der Wirklichkeit in der Literatur- immer wichtiger wird die Darstellung der menschlichen Innenwelt und der subjektiven Wahrnehmung gegenüber der Darstellung von Außenwelt, was die interne Fokalisierung zu einer typisch modernen Form der Wahrnehmungsdarstellung macht. 1 Eine grundlegende Wandlung hat sich nicht nur in den Erzähltechniken, sondern auch in der Thematik der Inhalte vollzogen. Der nun zentrierte Subjekt ist widersprüchlich, unzuverlässig, gelangweilt bis zur Apathie und grundsätzlich durch l’inetto geprägt(Antiheld?). Mit der Abkehr von der traditionellen epischen Erzählform, die ein Wissen vom Ende des erzählten Geschehens voraussetzt, wird im Zusammenhang der Krise des Romans unter anderem das Erzählen an sich problematisiert. Die traditionelle Autorfunktion ändert sich radikal, denn der moderne Autor weiß seinem Leser kein Rat geben, was die Moral der Geschichte im Epos konstituiert. Der Zweck des Schreibens an sich wird selbsttherapeutischen Natur und dient oft der Flucht von der Realität. Darauf, inwieweit La coscienza di Zeno den Anforderungen der literarischen Moderne bezüglich der eben angesprochen Veränderungen entspricht, wird in den folgenden Kapiteln näher eingegangen.
1 Metzler Lexikon
3
2. Hauptteil
2.1 Wahrnehmung vs. Ereignisse
In La coscienza di Zeno dominiert die Erlebnisebene über die Ereignisebene, “die Unmittelbarkeit wird verdrängt, die Handlungshemmungen geben den Raum frei für eine komplizierte Selbstanalyse“ 2 des Haupthelden und Ich-Erzählers- Zeno Cosini. In den Momenten der Reflexion des zurückschauenden Erzählers über seine vergangenen Handlungen und über die Handlungen der anderen wird immer wieder deutlich, dass er jede Art metaphysischen Glaubens negiert und die Bestimmung des Lebens im Tod erschöpft sieht. […] Auch in manchen Überlegungen Zeno Cosinis ist der Gedanke von der Sinnlosigkeit des Lebens in nuce erkennbar. […] Alle Handlungen Zenos sind in ihrer Willkür und Widersprüchlichkeit letztlich ein Ausdruck dieses Gedankens und dienen allein dazu, die Bestimmungslosigkeit des Daseins zu überspielen. 3
Das Denken, Reflektieren, Explizieren von Denkexperimenten tritt in La coscienza di Zeno an die Stelle der Handlung. Der geistige Prozess rückt Geschehnisabläufe an die marginale Stelle.
In diesem Zusammenhang eignet sich die Psychoanalyse hervorragend, um diese
revolutionären Inhalte zu verwirklichen. Jedoch, weist Italo Svevo ab, seinen Roman der psychoanalytischen Lehre zu verdanken, da er sie schon bei seinen früheren Werken anwandte, bevor Freuds Psychoanalyse überhaupt veröffentlicht war. Außerdem, fügt Italo Svevo hinzu, dass zu dem Zeitpunkt unheimlich viele der Psychoanalyse verwandten Gedanken hervortreten, was die Psychoanalyse epochenspezifisch macht. 4 Die Anwendungen der Psychoanalyse als einer Therapie, die eine Krankheit nur verschlimmert, sind Gegenstand der Svevoschen Ironie. Dies wird aus folgenden Zeilen vom Schluss des letzten Kapitels deutlich:
delle altre malattie la vita e sempre mortale. Non sopporta
cure. 5
2 Wuthenow, Ralph-Rainer: “Wiener fin de siecle in Triest? Zur Position Italo Svevos“. In: Italo Svevo. Ein Paradigma der europäischen Moderne. Hg. v. Rudolf Behrens u. Richard Schwaderer. Würzburg: Königshausen u. Neumann 1990. S.71-80, S. 75.
3 Zaiser, Rainer: “Zur Frage nach der Modernität von Italo Svevos ‘La coscienza di Zeno’”. In: Italienisch 44 (2000). S. 16-33, S. 21-22
4 Galle, Roland: “Wissenschaft und Kunsterfahrung. Zum Verhältnis von Romanform und Psychoanalyse in Svevos ‘La Coscienza di Zeno’”. In: Aspekte des Erzählens in der modernen italienischen Literatur. Hg. v. Ulrich Schulz-Buschhaus u. Helmut Meter. Tübingen 1983. S.125-142.
5 Svevo, Italo: La coscienza di Zeno. Frankfurt am Main: Zweitausendeins 12007, S. 1166-1168
4
Arbeit zitieren:
Lorianna Sarbailowa, 2009, 'La coscienza di Zeno' - ein moderner Roman, München, GRIN Verlag GmbH
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