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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Hauptteil 3
2. 1 Textkritik 3
2. 2 Literarkritik 5
2. 3 Form- und Gattungskritik (Formgeschichte) 7
2. 3. 1 Formkritik 7
2. 3. 2 Gattungskritik 9
2. 4 Traditionskritik 11
2. 5 Redaktionskritik 15
3. Schluß 16
Literaturverzeichnis 18
2
1.Einleitung
„Da Gott in der Heiligen Schrift durch Menschen nach Menschenart gesprochen hat, muß der Schrifterklärer, um zu erfassen, was Gott uns mitteilen wollte, sorgfältig erforschen, was die heiligen Schriftsteller wirklich zu sagen beabsichtigten und was Gott mit ihren Worten kundtun wollte.“ 1
Zur Erfüllung dieser Aufgabe dient den Exegeten v. a. die historisch-kritische Methode, deren Anwendung seit der „Enzyklika Pius’ XII. ‚Divino afflante Spiritu’ vom Jahre 1943 [...] dem katholischen Exegeten nicht nur erlaubt, sondern zur Pflicht gemacht“ 2 wird.
Die Anwendung dieser Methode erlaubt es, „die heiligen Texte aus der scheinbaren Vertrautheit in jene Fremdheit zu rücken, die es erst möglich macht, die Stimme der Bibel und nicht immer nur die eigene zu hören“ 3 und so „den Text vor der Vergewaltigung durch ein Verstehen, das im Text [...] nur die eigenen Lieblingsideen wiederfindet,“ 4 zu bewahren.
Jedoch ist hiermit auch die Gefahr der Entfremdung zwischen Leser und Text verbunden, die bis zum Versinken der Texte in Bedeutungslosigkeit für den heutigen Leser führen kann: „Zu Gegenständen der Vergangenheit geworden, reden sie nur noch zu dieser und verstummen gegenüber den heutigen Fragen.“ 5 Obwohl also die historisch-kritische Methode „sich als eine sachgerechte und den Texten angemessene Auslegungsform erwiesen“ 6 hat, ist sie „weder vorraussetzungslos noch unveränderlich“ 7 . Sie darf also nicht um ihrer selbst willen betrieben werden; ihr Ziel muß es vielmehr sein, „einen zuverlässigen Weg zu weisen, der zur Begegnung mit
1 II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei Verbum“ (DV), Art. 12 , zitiert nach: RAHNER, Karl/VORGRIMLER, Heribert, Kleines Konzilskompendium. Alle Konstitutionen, Dekrete und Erklärungen des Zweiten Vaticanums in der bischöflich beauftragten Übersetzung, Freiburg i. Br. 1966, 374.
2 Z IMMERMANN, Heinrich, Neutestamentliche Methodenlehre. Darstellung der historisch-kritischen Methode, Stuttgart 7 1982, 17 [Künftig zitiert: ZIMMERMANN, Methodenlehre].
3 STENGER, Werner, Biblische Methodenlehre, Düsseldorf 1987 (= Leitfaden Theologie; 18), 12 [Künftig zitiert: STENGER, Methodenlehre].
4 Ebd., 13.
5 Ebd., 16.
6 STRECKER, Georg; SCHNELLE, Udo, Einführung in die neutestamentliche Exegese, Göttingen 2 1985, 15 [Künftig zitiert: STRECKER-SCHNELLE, Einführung].
7 Ebd., 11 - Dies findet seinen Ausdruck z. B. darin, daß sich im Zuge des ‘linguistic turn’ auch eine sprachwissenschaftliche Herangehensweise an neutestamentliche Texte etabliert hat, vgl. hierzu ZIMMERMANN, Methodenlehre, 267-307. W. Stenger weist aber darauf hin, daß solche neueren Ansätze nicht verabsolutiert und als Alternative zur historischen Kritik angesehen werden dürfen, vgl. STENGER, Methodenlehre, 14.
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Jesus Christus im Neuen Testament führt.“ 8
Mit diesem Ziel als Vorgabe soll in der vorliegenden Arbeit unter Verwendung der historisch-kritischen Methode das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, welches als drittes von vier Gleichnissen Bestandteil der fünften und letzten großen Rede des Matthäus-Evangeliums, nämlich der Rede über die Endzeit (Mt 24, 1 - 25, 46), ist, näher in den Blick genommen werden. Dabei kommen im einzelnen die sechs Schritte Textkritik, Literarkritik, Formkritik, Gattungskritik, Traditionskritik und Redaktionskritik zur Anwendung. Die einzelnen Schritte werden dabei im folgenden kurz vorgestellt und dann anhand des Textes vollzogen. 9
2.Hauptteil
2. 1 Textkritik
Da die Originale der neutestamentlichen Schriften nicht mehr vorhanden sind, ist man auf spätere Abschriften angewiesen. Das Problem besteht aber darin, daß diese Abschriften zahlreiche Textvarianten 10 bieten, die auf beabsichtigte („Verbesserungen“ z. B. aufgrund der dogmatischen Einstellung des Abschreibers) und unbeabsichtigte (z. B. Hörfehler bei ähnlich klingenden Wörtern 11 ) Fehler bei der Vervielfältigung zurückzuführen sind.
Die Aufgabe der Textkritik ist es nun, „ausgehend von den vorhandenen Handschriften, den ursprünglich[en; M.K.] [...] Text des Neuen Testaments zu rekonstruieren.“ 12 Dabei richtet sie ihre Entscheidung, welche Lesart die ursprüngliche ist, nach äußeren und inneren Kriterien. 13
8 ZIMMERMANN, Methodenlehre, 7.
9 Da die Terminologie der einzelnen methodischen Schritte unter Exegeten z. T. sehr unterschiedlich verwendet wird, möchte ich darauf hinweisen, daß ich mich im folgenden weitgehend nach der von AOR Dr. Werner BRACHT (Münster) verwendeten Methodik richten werde.
10 Die vier wichtigsten Texttypen sind: der alexandrinische Text (= „neutraler“ Text), der D-Text (= „westlicher“ Text), der Koine- oder byzantinische Reichstext und der Cäsareatext, wobei die selbständige Existenz des letzteren in der Forschung umstritten ist, vgl. STRECKER-SCHNELLE, Einführung, 29.
11 In den Skriptorien wurde häufig von einer Person um der höheren Effizienz willen der Text einer Gruppe von mehreren Schreibern diktiert.
12 EGGER, Wilhelm, Methodenlehre zum Neuen Testament. Einführung in linguistische und historischkritische Methoden, Freiburg i. Br. u. a., 1987, 46 [Künftig zitiert: EGGER, Methodenlehre] - Die wichtigsten, in Kodexform vorliegenden Handschriften (mit ihren Abkürzungen) sind: der Codex Sinaiticus , 01), der Codex Alexandrinus (A, 02), der Codex Vaticanus (B, 03), der Codex Ephraemi (C, 04) und der Codex Bezae Cantabrigiensis (D, 05). Für die Evangelien vertreten und B den alexandrinischen Texttyp, D den „westlichen“ Text und A den Koine-Text, vgl. EGGER, Methodenlehre, 50f.
13 Zu den einzelnen Kriterien vgl. ZIMMERMANN, Methodenlehre, 43-50.
5
Die Quellenkritik untersucht den Text auf die ihm evtl. zugrundeliegenden schriftlichen Quellen. Speziell für die drei synoptische Evangelien fällt hierunter auch die sogenannte „synoptische Frage“, die sich mit einer möglichen literarischen Abhängigkeit der drei ersten Evangelien voneinander beschäftigt. 26
Die hier zu untersuchende Perikope wird in V. 1 mit dem Wort „2)20“ eingeleitet. Diese „bei Matthäus besonders beliebte und für ihn charakteristische Übergangspartikel“ 27 ist Teil der Einleitungsformel 28 und weißt zugleich auf die 24, 44.50 erwähnte Parusie zurück 29 .
Ebenfalls auf die Parusie verweißt V. 13, der die Einheit abschließt 30 , sie mit der vorausgehenden Einheit, also dem Gleichnis vom treuen und schlechten Knecht (Mt 24, 45-51), verklammert 31 und sie „leitmotivisch in die eschatologische Rede ein[fügt].“ 32 Die Perikope ist also, wie bereits erwähnt, Teil der eschatologischen Rede des Mt-Evangeliums und als solcher „Höhepunkt einer Folge von Parusiegleichnissen, in denen [...] zur Wachsamkeit gemahnt wird. Besonders eng ist die Verbindung zu den beiden Gleichnissen, die [...] den vorausgehenden und den nachfolgenden Platz einnehmen, dem vom Knecht (24, 45-51) und dem von den anvertrauten Talenten (25, 14-30).“ 33 Zur Frage der Einheitlichkeit des Textes ist festzustellen, daß er zwar einige „erzählerische Extravaganzen enthält“ 34 , die aber auf der Ebene von Tradition und Redaktion anzusiedeln und unter den entsprechenden Punkten dieser Arbeit zu behandeln sind. Aber im übrigen enthält „die Geschichte keine Brüche oder Unebenheiten, auch wenn sie alles andere als alltäglich ist.“ 35 Da die Geschichte keine Parallele bei den anderen synoptischen Evangelien hat, gehört sie - auf dem Hintergrund der Zwei-Quellen-Theorie betrachtet - eindeutig zum matthäischen Sondergut. Gnilka weist auf die teils wörtliche Übereinstimmung der VV. 10c-12 mit Lk 13, 25 hin und folgert daraus, daß beide Evangelisten auf eine in Q
26 Vgl. STRECKER-SCHNELLE, Einführung, 50-71.
27 JEREMIAS, Joachim, Die Gleichnisse Jesu, Göttingen 7 1965, 48 [Künftig zitiert: JEREMIAS, Gleichnisse], gegen SAND, Evangelium, 503, der die Überleitungsfunktion des 2)20 bzw. „dann“ hier bestreitet.
28 Vgl. GNILKA, Matthäusevangelium, 346, 348.
29 Vgl. JEREMIAS, Gleichnisse, 48 und SAND, Evangelium, 503.
30 Vgl. LUZ, Evangelium, 467.
31 Vgl. WIEFEL, Wolfgang, Das Evangelium nach Matthäus ( = Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament; I), Leipzig 1998, 427 [Künftig zitiert: WIEFEL, Evangelium].
32 GNILKA, Matthäusevangelium, 348.
33 WIEFEL, Evangelium, 424.
34 LUZ, Evangelium, 467.
35 Ebd., 468.
Arbeit zitieren:
Magnus Kerkloh, 2002, Exegese von Mt 25, 1-13: Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, München, GRIN Verlag GmbH
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