1.1 Themenwahl / Fragestellung
1.1.1 Motivation
Die Themenwahl ergibt sich aus praktischen Überlegungen im Hinblick auf die schriftliche Prüfung im aktuellen Kurs.
1.1.2 Fragestellung
Ein historischer Vergleich der beiden Disziplinen Sozialpädagogik und
Erziehungswissenschaft soll anhand der im Literaturverzeichnis aufgeführten Texte angegangen werden. Insbesondere wird mich die Fragestellung beschäftigen, in welcher Art sich gesellschaftliche (oder politische) Änderungen auf die genannten Fachrichtungen ausgewirkt haben. Weiter will ich zeigen, dass einerseits die Erziehungswissenschaft ihren Ursprung in theoretischen Ansätzen hat, die Sozialpädagogik auf der anderen Seite praktisch begründet ist. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Professionalisierung entsprechender ‚Gattungen’.
1.2 Aufbau der Arbeit
Einleitend sollen die Begriffe Sozialpädagogik und Erziehungswissenschaft aus heutiger Sicht (thematisch) voneinander abgegrenzt werden. In einer kurzen Zusammenfassung werden sowohl die Geschichte der Sozialpädagogik als auch jene der Erziehungswissenschaft skizziert. Gemeinsamkeiten, bzw. Unterschiede sollen aufgezeigt und erläutert werden. Abschliessend wird die oben dargelegte Fragestellung erläutert.
-3-
2.1 Pädagogik / Erziehungswissenschaft
2.1.1 Pädagogik und Erziehungswissenschaft
Der erst zu Beginn des 20. Jahrhundert (Lenzen, 1994, S. 14) gelegentlich auftauchende Begriff ‚Erziehungswissenschaft’ entzog sich allmählich dem Gebiet der (allgemeinen) Pädagogik, eine Wortschöpfung, welche aus der Antike stammt (ebd. S. 14). In der Funktion waren damit Dienste gemeint, welche zumeist Sklaven zu versehen hatten, nämlich Knaben vornehmer Bürger auf dem Weg von und zur ‚Schule’ vor Übergriffen zu schützen. In der historischen Entwicklung grenzte sich die Erziehungswissenschaft inhaltlich von der Pädagogik durch die Formulierung einer anderen Fragestellung ab. Währenddem die „ältere“ (ebd. S. 14) Pädagogik am ehesten Normen und Werte pädagogischen Handelns betrachtet, wird in der Erziehungswissenschaft vermehrt nach dem ‚Wie’ gefragt. Als Instrument bedient man sich zumeist empirisch-analytischer Methoden (ebd. S. 14). Heute werden die beiden Begriffe synonym verwendet, auch wenn, wie Lenzen betont, das Wort ‚Erziehung’ ein viel grösseres Klientel mit einbezieht, also auch auf ganze Gesellschaftsgruppen angewendet werden kann. Dennoch kann von zwei (Denk-) Traditionen gesprochen werden, welche sich im Idealfall ergänzen.
2.1.2 Geschichte der Pädagogik
Ursprünge einer ‚theoretischen Pädagogik’
Vor dem geschichtlichen Hintergrund der Aufklärung wurde im Jahre 1783 der erste Lehrstuhl für Pädagogik in Halle eingerichtet. Das Gedankengut der Aufklärung fusst auf einem in Grundzügen philosophischen Ansatz, welcher die Vernunft des (einzelnen) Menschen in den Vordergrund stellt und damit hergebrachte Machtstrukturen wie (Bluts-) Adel oder kirchliche Obrigkeiten hinterfragte, in seiner Konsequenz also das ganze herrschende System untergrub. Dies führte dann auch zu politischem und gesellschaftlichem Umdenken, welches in der französischen Revolution einen lauten Höhepunkt fand. Das nunmehr anerkannte Recht auf ‚eigenes Denken’ brachte die eigentlichen Volksschulen
-4-
hervor, welche - in unterschiedlichen Schattierungen - staatlich geprägt waren. Dass damit ein (potenzielles) Steuerungsinstrument geschaffen wurde erkennt Lenzen, der schreibt: „Aus dieser Macht, die in aller Regel bestritten wird, erwächst eine grosse Verantwortung. So ist es nicht gleichgültig, in wessen Händen sich ein Erziehungssystem befindet“ (ebd. S. 15). Als Konsequenz folgte die Verwissenschaftlichung der Pädagogik und damit Theorieansätze, beziehungsweise -hintergründe. Pädagogik wurde erst als Geisteswissenschaft verstanden, deren Verständniskonzeption in der Hermeneutik - ein auf Interpretation (bestehender Tatsachen) bedachter Ansatz - lag. Die junge Fachrichtung war also noch weit davon entfernt, eine eigentlich Erfahrungswissenschaft zu sein, wie auch empirische Ansätze vollends fehlten.
Kritische Erziehungswissenschaft
In der kritischen Erziehungswissenschaft, welche sich Mitte der 1960er Jahre auszugestalten begann, ging es übergeordnet darum, sich von Einflüssen freizumachen, welche als subjektiv zu bezeichnen sind. „Fragen der empirischen Wahrheit dürften nicht mit Wertfragen vermischt werden“ (ebd. S. 28). Dahinter stand (vor allem in Deutschland) die Überlegung, wie Pädagogik gestaltet werden müsse, um Vereinnahmung durch Staat und System zu verhindern. Dies war auch als Kritik an der Hermeneutik gedacht, welche nicht den Wandel, sondern lediglich das bereits Bestehende untersuche und deshalb keine nachhaltige Wirkung entfalten könne (ebd. S. 26).
„Erziehungswissenschaft müsse der Emanzipation des Menschen von überflüssiger sozialer Herrschaft dienen“ (ebd. S. 29) war eine der Aussagen jener Zeit, welche aufzeigt, dass die fachliche Ausrichtung nunmehr weit über das ursprüngliche Gebiet der (individualisierten) Pädagogik hinausging und bereit war, politische Äusserungen zu formulieren. Gleichwohl war es ein ‚Befreiungsprozess’ der Pädagogik, welche sich als eigenständige (unabhängige) Fachrichtung zu etablieren suchte. Wird nun eine klare Begriffstrennung zwischen Pädagogik und Erziehungswissenschaft angestrebt, so kann in diese Zeit, also die späten 1960er Jahre, die ‚Geburtsstunde’ der Erziehungswissenschaft gelegt werden.
Abkehr vom rein theoretischen Modell
Mit der Schulreform der 1970er Jahre in Deutschland geriet die rein theoretische Ausrichtung der kritischen Erziehungswissenschaft ins Wanken. Auch hatte sich die „Kritische Theorie […], jedenfalls in ihrer reinen Form, totgelaufen (ebd. S. 30). In der Folge war die „Spanne
-5-
Arbeit zitieren:
Claude Sturzenegger, 2009, Geschichte der Erziehungswissenschaft und Geschichte der Sozialpädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
Das Konzept und seine Konseque...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Studienarbeit, 30 Seiten
Die Ich-Zustände in der Transaktionsanalyse
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Hausarbeit, 20 Seiten
Kindheit gestern und heute - die Veränderung kindlicher Lebensräume
Soziologie - Kinder und Jugend
Seminararbeit, 21 Seiten
Geschichtliche Entwicklung der Sozialen Arbeit zur Darstellung der Kon...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 17 Seiten
Wie wirken Umweltwissen und Umweltbewusstsein auf das Umweltverhalten?
Hausarbeit, 22 Seiten
Das lebensweltorientierte Konzept nach Hans Thiersch
Lebensweltorientierung - Gesch...
Hausarbeit, 27 Seiten
Eine systematisch-problemgeschichtliche Einführung in die Grundstruktu...
Seminararbeit, 9 Seiten
Gruppenarbeit bei geistig Behinderten
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Unterrichtsentwurf, 5 Seiten
Kinder mit ADHS und ihre Betreuung
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Seminararbeit, 15 Seiten
Formulierung einer Theorie der Medienpädagogik
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Hausarbeit, 21 Seiten
Claude Sturzenegger's Text Geschichte der Erziehungswissenschaft und Geschichte der Sozialpädagogik ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Claude Sturzenegger hat den Text Geschichte der Erziehungswissenschaft und Geschichte der Sozialpädagogik veröffentlicht
Claude Sturzenegger hat einen neuen Text hochgeladen
Abschied von der Interkulturellen Pädagogik
Plädoyer für einen Wandel sozi...
Franz Hamburger
Sozialpädagogik als forschende Disziplin
Theorie, Methode, Empirie
Cornelia Schweppe, Werner Thole
Erziehungswissenschaft und Pädagogik in Frankfurt - eine Geschichte i...
90 Jahre Johann Wolfgang Goeth...
Micha Brumlik, Benjamin Ortmeyer
Einführung in die Geschichte der Erziehungswissenschaft und Erziehungs...
Klaus Harney, Heinz-Hermann Krüger
Schule - Handbuch der Erziehungswissenschaft 3
Handbuch der Erziehungswissens...
Stephanie Hellekamps, Wilfried Plöger, Wilhelm Wittenbruch
Perspektiven für pädagogisches Handeln
Eine Einführung in Erziehungsw...
Elke Nyssen, Bärbel Schön
0 Kommentare