Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Sprachsituation im 17. Jh. 3
3. Begriffsklärungen 4
4. Die Ursachen der Fremdworteinlagerung
in die dt. Sprache 5
5. Die Fruchtbringende Gesellschaft 7
a. Anliegen der Fruchtbringenden Gesellschaft 8
b. Wirken und Bedeutung
der Fruchtbringenden Gesellschaft 8
6. Kaspar Stieler „Zeitungs Lust und Nutz“10
7. kulturpatriotische vs. puristische
Sprachkultivierung 12
8. Fazit 14
9. Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Sprachkultivierung bzw. Spracharbeit im 17. Jh. unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses der Fruchtbringenden Gesellschaft auf diese.
Zunächst soll in einem ersten Abschnitt die Situation und der Status der dt. Sprache zu Beginn des Jahrhunderts dargestellt werden, da hier der Ausgangspunkt für die Gründung der Fruchtbringenden Gesellschaft, im weiteren FG genannt, liegt. Hierbei soll insbesondere der starke Einfluss des Latein und Französisch auf die Entwicklung der Muttersprache dargelegt und die Ursache für die Fremdwortübernahme aus diesen Sprachen untersucht werden. Vorweg werde ich eine kurze Erläuterung des Fremd- bzw. Lehnwortbegriffs geben. Im folgenden Abschnitt werde ich mich dann der Entstehung der FG und ihrer Absichten zuwenden, die sich im Wesentlichen auf die Pflege der deutschen Sprache und die Erhaltung der deutschen Tugend beziehen. Indem ich mich hernach mit dem konkreten Wirken, den Erfolgen, der Vielseitigkeit der Spracharbeit sowie der Bedeutung der Fruchtbringenden für die dt. Sprache eingehender beschäftige, sollen die abstrakten Ziele verdeutlicht werden. Daran anschließend werde ich auf Kaspar Stieler und seiner „Erklärung derer in den Zeitungen gemeiniglich vorkommenden fremden und tunklen Wörter“ aus seinem Werk „Zeitungs Lust und Nutz“ zu sprechen kommen und diese unter dem Gesichtspunkt der Stichwortauswahl näher analysieren. Vor meiner Abschlussbetrachtung werde ich noch einen Blick auf die Forschungsdebatte über die Begrifflichkeiten Kulturpatriotismus, Sprachkultivierung und Sprachpurismus werfen, wobei ich mich insbesondere auf die Standpunkte von Peter von Polenz und Alan Kirkness beziehen werde, deren verschiedene veröffentlichte Bücher und Forschungsschriften ich für das Verfassen dieser Arbeit überwiegend genutzt habe.
2. Die Sprachsituation im 17. Jh.
Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation war seit dem frühen 17. Jh. eine aristokratisch-bildungsbürgerliche Bewegung zu beobachten, die sich eine bewusste und gezielte Kultivierung der deutschen Sprache zum Ziel gesetzt hatte. Grund für diese Bewegung war die stetige Zunahme von Mehrsprachigkeit und
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Sprachmischung, der so genannten Sprachmengerey und die Variantenvielfalt in der geschriebenen und gesprochenen Sprache.
Die Epoche der absolutistischen Fürstenherrschaft war sehr hinderlich für die Ausprägung einer einheitlichen dt. Sprache, denn durch das stark zersplitterte Reich in souveräne Landesfürstentümer, existierte kein nationalstaatlicher Mittelpunkt, welcher Grundlage für die Vereinheitlichung gewesen wäre. Zudem war der Aufstieg der bildungsbürgerlichen Schicht - anders als in den übrigen westlichen Staaten Europas - stärker beschränkt und der Kampf für die Kultivierung der Muttersprache zur angesehenen Literatursprache o. ä. konnte erst fast ein Jahr-hundert später einsetzen. Zum dritten erschwerte das Hinzukommen des Französischen, als prestigeträchtige Oberschichtensprache, zu dem alteingesessenen Bildungsmonopol des Lateins, die Ausprägung gesellschaftlichen und kulturellen Ansehens des Deutschen. 1
Diese Situation hatte die bereits erwähnte Sprachkultivierungsbewegung zur Folge. Träger dieser Auflehnung gegen den enormen Fremdspracheneinfluss auf die Volkssprache waren Gelehrte, Poeten, Grammatiker und kulturpatriotisch eingestellte Sprachgesellschaften, auf welche ich im Folgenden noch näher eingehen werde.
3. Begriffsklärungen
Bevor ich die Frage aufgreifen werde, wie die Fremdwörter in die deutsche Sprache gelangten, möchte ich die Termini Fremdwörter, Lehnwörter und Entlehnungen vorweg kurz unterscheiden. Unter Entlehnung versteht man
„Vorgang und Ergebnis der Übernahme eines sprachlichen Ausdrucks aus einer Fremd-
sprache in die Muttersprache, meist in solchen Fällen, in denen es in der eigenen Sprache
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keine Bezeichnung für neu entstandene Sachen bzw. Sachverhalte gibt.“
Die Forschung ist allg. der Annahme, dass von der prestigehöheren zur prestigeniedrigeren Sprache hin entlehnt wird. Dieses Phänomen kommt durch Sprach-und Kulturkontakt zustande, worauf ich im Punkt 3 näher eingehen werde. Lehnwörter definiert H. Bußmann im weiteren Sinn als Oberbegriff für Fremdwörter, bei denen keine oder nur eine geringe Sprachassimilierung vorgenommen wurde, im engeren Sinn als das Ergebnis einer sprachlichen Entlehnung, bei der
1 Vgl. Polenz, Peter von: Deutsche Sprachgeschichte, , Bd. II, 1994. S. 1.
2 Bußmann, H.: Lexikon der Sprachwissenschaft, 1990, S. 213.
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ein Wort aus einer Gebersprache in eine Nehmersprache übernommen wird, wobei das übernommene Wort in seiner Flexion, Lautung und Schriftbild vollständig an den allg. Sprachgebrauch der Quellsprache angepasst wird. 3 Die Definition von Fremdwort lautet nach H. Bußmann wie folgt:
„aus einer fremden Sprache in die Muttersprache übernommener sprachlicher
Ausdruck (meist zugleich mit der durch ihn bezeichneten Sache), der […] sich nach Lau-tung, Orthographie und Flexion (noch) nicht in das graphemische bzw. morphophonemi-
sche System der Sprache eingepasst hat.“ 4
Die Begriffe fremd und heimisch werden bei A. Kirkness noch einmal verdeutlicht, wenn er als fremd alle Elemente bezeichnet, „die nicht zum heimischen Wortgut, zum Erbgut im Deutschen gerechnet werden“ 5 und als heimisch alle Elemente gelten, die germanischen Ursprungs sind oder die
„entlehnt worden waren, bevor sich ein sprachlicher Begriff deutsch herausgebildet hatte,
und die seit den ersten schriftlichen Zeugnissen des Deutschen in alt- und frühmittelhoch-
deutscher Zeit - bis etwa 1150 - überliefert sind.“ 6
Nachdem die Begriffsklärung vollzogen ist, stellt sich nun die Frage nach den Ursachen des beträchtlichen Ausmaßes des Fremdsprachengebrauchs und den Auswirkungen in Deutschland im 17. Jahrhunderts, welche ich im Folgenden darlegen möchte
4. Die Ursachen der Fremdworteinlagerung in die dt. Sprache Warum hat es eine Sprache nötig, fremdes Wortgut aufzunehmen? Die Hauptmotive hierbei sind wohl die Entlehnung eines Wortes mit der Sache, wegen dem Status, der einem bestimmten Sachbereich zugeordnet ist und auch aufgrund von großem wirtschaftlichen und politischen Einfluss bestimmter Länder auf andere Länder und deren Sprachen.
In der althochdeutschen Zeit hat die deutsche Sprache viele fremde Bestandteile, der lateinischen Sprache entstammend, in sich aufgenommen. Die Römer brachten den Germanen ihre Kultur und ihren christlichen Glauben. Die vielen fremden Begriffe, die die Übernahme der neuen Gedanken mit sich brachte, übernahm die deutsche Sprache. Da man diese fremden Wörter meist nicht aus Büchern, son- 3 Bußmann,H.: Lexikon der Sprachwissenschaft, 1990, S. 444., vlg. http://www.uni-koeln.de/phil-
fak/ifl/asw/studium/material/serzisko/FremdLehn.pdf
4 Ebd. S. 253.
5 http://www.ids-mannheim.de/ll/fremdwort/pdf/kirkness77lemm.pdf
6 Ebd.
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Arbeit zitieren:
Sarah Böhme, 2009, Spracharbeit im 17. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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