1. Einleitung
„Video killed the Radiostar. Pictures came and broke your heart“ (The Bugles, 1981). Als dieser Song 1981 zum ersten Mal mit einem dazu passenden Video über den neugegründeten Sender MTV ausgestrahlt wurde, konnte noch niemand ahnen, welche Ausmaße das sogenannte „Musikfernsehen“ einmal auf die moderne Kultur haben würde. Mittlerweile ist es eines der erfolgreichsten Fernsehformate weltweit und erreicht nach eigenen Angaben 508 Millionen Haushalte in 179 Ländern.
Dabei beschränkt sich „Music Television“, oder kurz MTV heute nicht mehr auf das ursprüngliche Konzept ausschließlich Videoclips zu präsentieren, sondern besteht zu einem Großteil aus diversen Lifestyle- und Unterhaltungsformaten. Seit den 90ern setzt der Sender auf Authentizität und Jugendlichkeit, dies wird nicht nur in den Inhalten, sondern auch in der Machart von Clips und Sendungen deutlich. Dieser sogenannte „MTV-Style“ prägt durch die große Popularität des Senders sowohl das Medienkonsumverhalten der Rezipienten, als auch die Medienlandschaft allgemein.
Er zeichnet sich besonders durch Geschwindigkeit in der Montage und Improvisation beziehungsweise Spontanität aus (Relinger S.8 f).
In der folgenden Hausarbeit werde ich mich damit beschäftigen, wie die besonderen Stilelemente von MTV auch im Hollywoodkino zum Einsatz kommen. Dabei werde ich mich auf den Regisseur Tony Scott und seine Filme seit „Top Gun“ (1986) konzentrieren und insbesondere am Film „Man on Fire“ (2004) die verschiedenen Videoclip-Elemente in Scotts Werken herausarbeiten. Zum Vergleich werde ich einzelne Stilelemente anhand einiger Clipbeispiele verdeutlichen, die besondere Machart der heutigen Musikfernsehformate vorstellen und diese dann mit dem postklassischen Hollywoodkino und besonders den Werken Scotts vergleichen. Dabei werde ich auch auf die besondere Funktion der Eigenwerbung, besonders im Falle der Videoclips und des postklassischen Hollywoodkinos, eingehen und unter diesem Aspekt Scotts Motivation, einen eigenen Stil zu kreieren, genauer erläutern.
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2. Ästhetik
2.1 Videoclipästhetik
Eine feste, wissenschaftliche Definition des Begriffs „Videoclipästhetik“ gibt es bis heute nicht: „[…] obwohl wir uns momentan keineswegs am Beginn des Videoclips als kulturellem Phänomen befinden, stehen die Theorien zu seinem Verständnis doch noch ganz am Anfang“ (Vgl. Keazor / Wübbena, S. 13). Die Schwierigkeit einer genauen Definition besteht besonders darin, dass Musikvideos genau wie die Musik selbst von Genre zu Genre unterschiedliche Merkmale aufweisen. Um grundlegende Attribute dieses Mediums aufzuzeigen, ist es daher sinnvoll, sich an die am häufigsten vertretenen Genres, also Rock, Pop und neuerdings auch Hip-Hop, zu halten. Für eine weiterführende Analyse empfehle ich Hausheer / Schönholzer: „Visueller Sound“.
Ganz knapp beschrieben ergibt sich die Ästhetik eines Videoclips aus sehr temporeichen Bildern, die „Sex und gute Laune, Jugend, Reichtum, Freizeit, kurzum Glück und Wohlbefinden“ (Vgl. Hausheer / Schönholzer, S.12) vermitteln sollen. Dabei, spielen neben der hohen Bildfrequenz von 20 Schnitten pro Minute oder mehr vor allem ungewöhnliche Kameraperspektiven und das Spiel mit künstlichem Licht und Effekten eine große Rolle. Es sollen in möglichst kurzer Zeit möglichst viele optische Reize, sogenannte „Eyecatcher“, erzeugt werden, die beim Zuschauer einen positiven Effekt hervorrufen (Vgl. Hausheer / Schönholzer, S.12).
Dies gelingt vor allem durch die Verwendung immer neuer Techniken und den Bruch mit bestehenden Konventionen. Da Videoclips in erster Linie als Werbung für den Künstler und sein Produkt dienen sollen, ist alles erlaubt was dazu beitragen kann die Verkaufszahlen zu erhöhen. In der Regel stehen dabei natürlich die Künstler im Vordergrund. Betrachtet man den ersten von MTV ausgestrahlten Clip zu „Video killed the Radio star“ von den Bungles (1981), sieht man schon dort, schnell wechselnde Einstellungen und scheinbar spontane Kamerabewegungen. Keyboarder Geoff Jones und Sänger Trevor Horn sind dabei immer wieder in Großaufnahmen und wechselnden Räumlichkeiten zu sehen. Um sie herum schwebt eine unbekannte Frau in einer Röhre auf und ab, Fernseher explodieren, und Horn ist immer wieder als Einblendung zu sehen. Alles zielt also darauf ab, den Zuschauer durch Attraktionen vor dem Bildschirm zu halten. Natürlich bietet es sich an, Schnittfolgen und Bildwechsel dem Rhythmus der Musik anzupassen, um so das Auditive auch visuell erlebbar werden zu lassen. Wiederholungen der Bilder können dabei eine wichtige Rolle spielen, da sie , „werden sie
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zusammen mit dem Soundtrack gehört, Kohärenz zwischen scheinbar unverbundenen Bildern und Bildsequenzen entstehen“ lassen (Vgl. Hausheer, S. 187). Die Verbindung von Farb- und Beleuchtungswechsel zu entsprechendem Rhythmus wurde schon 1987 in Princes Clip zu „Sign O’The Times“ angewendet und taucht immer wieder als stilistisches Mittel auf. In diesem Clip kommt ebenfalls die neuartige Technik von Texteinblendungen der gesungenen Wörter zum Einsatz. Seither sind diese Einblendungen ein oft verwendeter Reiz, wie zum Beispiel in Neneh Cherry’s „I’ve got you under my skin“ (1990) und auch aktueller im Clip zu „The good Life“ von Kanye West (2007). Für all diese Effekte wird bei der Produktion die Computertechnik herangezogen, durch die ein Großteil der stilgebenden Elemente erst möglich wurde. Multiple Split-Screens, Bild-in-Bild Techniken, Comic-Looks und ähnliches, wie sie allesamt in Eminems „Without Me“ (2000) zu finden sind oder wesentlich aufwendigere Verfahren, wie das Morphing von Gesichtern, populär geworden durch Michael Jacksons Clip zu „Black or White“ (1998), gehören zum viel genutzten Werkzeug der Videoclipregisseure (Vgl. Hausheer, S. 43 f) und sind somit als Merkmale der Videoclipästhetik zu bezeichnen.
2.2 Ästhetik von Hollywoodfilm und Musikfernsehformaten
Natürlich gibt es, wie beim Film, große Unterschiede zwischen Videos und Regisseuren. Namenhafte Regisseure wie Chris Cunningham, Mark Romanek oder Bille Woodruff, haben in ihren Beiträgen zum Musikvideogenre immer wieder gezeigt, dass mit diesem Medium auch kunstvoll umgegangen werden kann. Dabei griffen sie nicht nur auf „ein Repertoire literarisch und kunstgeschichtlich überlieferter Bilder und Mythen zurück“ (Vgl. Hausheer / Schönholzer, S.23), sondern auch auf Methoden des Hollywoodkinos. Stop-Trick-Verfahren wie in Cunninghams Arbeit zu „Only you“ von Portishead (1998), Unsichtbare Schnitte und gerahmte Bilder. Dazu das Spiel mit Kunst und Architektur, zum Beispiel in Romaneks Clip „The perfect drug“ (1992) von den Nine Inch Nails. Oft sind diese Konzept-Videos sehr aufwendig produziert und heben sich von der Masse der typischen MTV-Clips ab. Dort gehen sie jedoch aus genau diesem Grund oft unter oder werden ins Nachtprogramm verbannt. Diese Regisseure wandern nach und nach zum Kino ab und überlassen damit die Produktion den kleineren Firmen (Vgl. Keazor / Wübbena, S. 12). MTV stört sich daran nicht, denn ein Großteil der Sendezeit wird nicht mehr von Musikvideos, sondern von selbstproduzierten Fernsehformaten gefüllt. In ihrer Machart an die Videoclips angelehnt, sind sie maßgeblich für den zu Beginn bereits erwähnten MTV-Style
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Arbeit zitieren:
Dustin Schmidt, 2009, MTV-Stilelemente in den Filmen von Tony Scott, München, GRIN Verlag GmbH
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