- II -
INHALTSVERZEICHNIS
A. EINFÜHRUNG 1
B. GOETHES FARBENLEHRE IN DER SZENE „ANMUTIGE GEGEND“ 1
I. Die Szene „Anmutige Gegend“ 1
1. Einordnung in das Gesamtwerk. 1
2. Inhalt 2
3. Eine kurze Szenenanalyse 2
a) Gliederung, Figuren und Ort der Handlung 2
b) Metrik 2
c) Die Szene als Bindeglied 3
II. Goethes Farbenlehre contra Newtons Farbenlehre 4
1. Newtons Farbenlehre 4
2. Goethes Farbenlehre 5
a) Die Naturlehre 5
b) Das Experiment 5
c) Die Bestandteile des Lichts 6
d) Theologie, Farbe und Licht 6
III. Die Darstellung von Goethes Farbenlehre in der Szene 7
1. „Auch Farb an Farb klärt sich los vom Grunde “ (Vers 4692) 7
2. Der Regenbogen 8
3. „Am farbigen Abglanz haben wir das Leben“ (Vers 4726) 9
C. FAZIT 10
LITERATURVERZEICHNIS 12
1
A. Einführung
Als Schriftsteller, jedoch nicht als Wissenschaftler ist Goethe bekannt. In der Szene „Anmutige Gegend“ greift er Elemente aus seiner Farbenlehre auf. In dieser Arbeit soll untersucht werden, an welchen Stellen Goethes Farbenlehre in der Szene „Anmutige Gegend“ zu erkennen ist und wie diese Stellen zu interpretieren sind. Dafür möchte ich zu Beginn die genannte Szene untersuchen, wobei eine Einordnung in das Gesamtwerk, sowie eine kurze Inhaltsangabe und eine kurze Analyse der Szene nicht fehlen dürfen. Anschließend wird auf die Farbenlehre Goethes, aber auch Newtons eingegangen werden, denn nur so kann die Szene richtig verstanden werden. Es soll aufgezeigt werden, an welchen Stellen Elemente der Farbenlehre in der „Anmutige[n] Gegend“ und wie diese interpretiert werden können. Auf Grund der vorgegebenen, begrenzten Seitenzahl der Arbeit kann keine Vollständigkeit, besonders in der ganzheitlichen Analyse der Szene, sowie in der Naturauffassung und Theorie der Farbenlehre von Goethe, erwartet werden. Es gibt sicher noch viel mehr anzuführen, auf was ich aber in der Kürze nicht eingehen kann.
B. Goethes Farbenlehre in der Szene „Anmutige Gegend“
I. Die Szene „Anmutige Gegend“
1. Einordnung in das Gesamtwerk
Die Szene „Anmutige Gegend“ stellt die erste Szene des „Faust II“ von Johann Wolfgang Goethe dar, welche um 1828 entstanden ist. Diese Szene „Anmutige Gegend“ ist mit der darauffolgenden Szene „Kaiserliche Pfalz“ als Vorbereitungsakt der Helenahandlung anzusehen. 1 Interessant ist dabei das zeitliche Gefälle, was in der Entstehung der unterschiedlichen Szenen zu erkennen ist. Goethe fertigte bereits 1797 bis 1800 seine Entwürfe zum „Faust II“ an, die Skizzen zur ersten Szene entstanden aber erst 1825, also 25 Jahre später.
Die Szene „Anmutige Gegend“ steht als Brückenszene zwischen „Faust I“ und „Faust II“, der Leser stellt an diese Szene den Anspruch, dass in ihr an Vorangegangenes angeknüpft und Neues eingeführt wird.
1 Eibl, Karl. S. 196f.; Kobligk, Helmut. S. 5f.
2
2. Inhalt
Faust liegt „auf blumigen Rasen gebettet, ermüdet, unruhig, schlaf suchend“ 2 , um ihn herum schweben der Luftgeist Ariel und seine Geisterschar. Sie bereiten Faust den Schlaf des Vergessens und verschwinden bei dem geräuschvollen Aufgehen der Sonne, durch das Faust erwacht. Er ist nach seinem Erwachen voll neuer Energie und möchte sofort wieder zum Höchsten Streben, als er Richtung Sonne blickt. Doch die grellen Strahlen der aufgehenden Sonne blenden ihn und so muss er seinen Blick wieder auf die Erde richten, wo er einen Wasserfall sieht, über dem sich ein Regenbogen wölbt. In diesem sieht er den Spiegel des „[…] menschliche[n] Bestreben[s]“ (Vers 4725) und er erkennt an dessen „[…] farbigen Abglanz […] das Leben“ (Vers 4727).
3. Eine kurze Szenenanalyse
a) Gliederung, Figuren und Ort der Handlung
Die Szene lässt sich in zwei Teile gliedern. In dem ersten Teil (Vers 4612 - 4678) berichten die Geister, also der Luftgeist Ariel und seine Geisterschar von Fausts Heilschlaf. In dem zweiten Teil warnt Ariel seine Geisterschar vor dem herannahenden Aufgang der Sonne (Vers 4666 - 4678). Daran schließt sich der zweite Teil (Vers 4679 - 4727), in dem der wiedererwachte Faust seinen Erkenntnismonolog hält. Faust sieht in die Sonne, muss sich aber von dieser auf Grund der Helligkeit abwenden, daraufhin wendet er seinen Blick auf die Erde. Faust durchläuft einen Prozess der Veränderung, er erkennt, dass die einzelnen Fragmente des unbegreiflichen Lebens das Göttliche offenbaren, das der Mensch im direkten Anblick nicht begreifen kann.
Die bereits genannten Figuren sind die einzigen Handelnden in dieser Szene, die, wie der Titel bereits aussagt, sich in einer bezaubernden Gegend befinden. Dieser Ort wird von Faust noch näher als Alpenpanorama beschrieben, als Faust spricht: „Hinaufgeschaut! - Der Berge Gipfelriesen verkünden schon die feierlichste Stunde; […].“ (Vers 4695f) und später hinzufügt: „Jetzt zu der Alpe grüngesenkten Wiesen […]“ (Vers 4699).
b) Metrik
Die rhythmischen Gestaltungen der Verse wechseln sich in der Szene in regelmäßiger Folge ab. Nach einer lyrischen Gesangsstrophe 3 (Vers 4613 - 4620), die aus einem vier taktigen Trochäus besteht und im Kreuzreim geschrieben ist, verfällt Ariel in einen dramatischen
2 Goethe, Johann Wolfgang. Faust der Tragödie zweiter Teil. S. 3.
3
Sprechvers 4 (Vers 4621 - 4633). Dieser Vers besteht, anders als die erste Gesangsstrophe, aus einem Jambus und freien Rhythmen, außerdem besteht keine Bindung der Strophen und die letzte Verszeile wurde verkürzt. Anschließend folgt wieder eine lyrische Strophe (Vers 4634 - 4665),vom Geisterchor gesungen. Diese Verse besitzen dieselbe Metrik, wie die erste lyrische Gesangsstrophe. Ariel spricht daraufhin eine Strophe (Vers 4666 - 4678), die eine Vermischung des Sprech- und des Liedverses darstellt. Sie enthält den vier taktigen Trochäus und somit den gleichmäßigen Rhythmus der bereits zweimal vorhandenen lyrischen Gesangsstrophe, andererseits ist keine strophische Bindung vorhanden, wie in den dramatischen Sprechversen. Ariels Strophe folgt Fausts Terzinen-Monolog (Vers 4679 - 4727), einem dramatischen Sprechvers der den fünf-taktigen Jambus enthält. Hier wird eine Verbindung zwischen dem Faustmonolog und den Sprechversen Ariels hergestellt, metrische Elemente des Faust-Monologs sind bereits in Ariels Strophen zu finden. Anfangs singt Ariel noch in einer lyrischen Gesangsstrophe, was ein Gefühl des Schwebens beim Zuhörer hervorruft. Die Geister stehen über dem Menschlichen. Als Ariel jedoch den Elfen sagt, was sie für Faust tun sollen, sich also inhaltlich Faust zuwendet, sinkt er in den irdischen Sprechton ab, den auch Faust, der Mensch, nutzt. Die Geister besingen danach den „Läuterung - und Erneuerungsvor- gang“ 5 ,der mit Faust geschehen soll, wieder in ihrem lyrischen Gesang, womit deutlich wird, dass sie in ihrer Welt bleiben. Vor Fausts Monolog spricht Ariel abermals in Sprechversen und nutzt dabei die metrische Form, die auch Faust in seinem Monolog verwendet. Somit leitet Ariel fließend zu dem Sprechen des Menschen über. Der Monolog Fausts beendet die Sze- ne„Anmutige Gegend“.
c) Die Szene als Bindeglied
Die Funktion der Szene besteht darin, die Verbindung von „Faust I“ zum „Faust II“ herzustel- len.Diese Brückenfunktion der Szene wird jedoch nicht inhaltlich sichtbar. Durch den Schlaf hat Faust alles bisher Geschehene vergessen, damit er handlungsfähig bleibt. Aber trotz des Bruches auf der Handlungsebene bleiben die beiden Faustteile miteinander verbunden, da Bilder und Motive von Goethe so gewählt werden, dass sie an bereits vorangegangene Handlungsabschnitte anknüpfen und deren Motivik wieder aufnehmen. Karl Eibl bezeichnet dieses Phänomen als „erinnernde Dopplung“ 6 . Deutlich wird diese Annahme unter anderem in der Regieanweisung vor dem Vers 4613, in der von Äolsharfen, die Ariel bei dessen Gesang begleiten, die Rede ist. Das Motiv der Äolsharfen ist bereits in der „Zueignung“ des „Faust I“ zu
3 May, Kurt. S. 12.
4 May, Kurt. S. 12.
5 May, Kurt. S. 12.
Arbeit zitieren:
Sabine Holzfuß, 2008, Goethes Faust - Darstellung der Farbenlehre in der Szene "Anmutige Gegend", München, GRIN Verlag GmbH
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