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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Aufbau 4
2. Pfandleiher - Luise - Neumann
2.1. Inhaltliche Eigenheiten anhand der Personen 5
2.2. Lebenseinstellungen 5
3. „Der expressionistische gescheiterte Mensch zieht sich in
seine Wunschwelt zurück oder sucht den Tod, gerade weil er
an seiner Umwelt verzweifelt und in ihr nicht mehr leben will.“ 10
4. Sprache im neusachlichen Volksstück 13
Fazit 16
Literaturverzeichnis 18
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Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit dem Volksstück Nebeneinander von Georg Kaiser. Das Volksstück entstand 1923. Für diese Arbeit wurde Nebeneinander der sechsbändigen Sammlung von Kaisers Werken, herausgegeben von Walther Huder, entnommen. 1 Kaiser gilt als Schriftsteller des Expressionismus, obwohl seine Werke nur zu einem Drittel expressionistisch sind. 2 „Den Utopien der Expressionisten wurde zunehmend ab ca. 1920 die `objektive` Wirklichkeit, dem expressionistischen Pathos ein sachlicher, um Exaktheit bemühter Stil entgegengesetzt.“ 3 Das Volksstück Nebeneinander gehört zur „Neuen Sachlichkeit.“ Während die Betrachtungsweise der Wirklichkeit vom Autor eine sachliche ist, enthält jedoch die Figur des Pfandleihers expressionistische Züge. Im Volksstück prallen expressionistisch und sachlich veranlagte Figuren aufeinander. Am Ende unterliegen die beiden dem Expressionismus zugewandten Personen. Im ersten Kapitel wird die besondere Gliederung des Stücks in Bezug auf Szenenfolge und Personen dargestellt. Kapitel zwei schildert zuerst die inhaltlichen Eigenheiten anhand der drei wichtigsten Figuren in Nebeneinander: In 2.1. wird der ungewöhnliche und unerwartete Verlauf der Handlung kurz umrissen. Anschließend nimmt das Kapitel 2.2. eine eingehende Betrachtung der Lebenseinstellung von Pfandleiher, Luise und Neumann unter dem Aspekt der Problembewältigung vor. Das Kapitel geht den Fragen nach, welche Vorfälle von welcher Figur überhaupt als schwierig angesehen werden und wo die jeweilige Lebenshaltung die Personen hinführt. Dem gescheiterten expressionistischen Menschen - dem Pfandleiher- wendet sich das dritte Kapitel zu: Wie gestaltet sich das Zusammentreffen mit anderen Menschen seiner Zeit? Die Entscheidung des Pfandleihers, Selbstmord zu begehen, ist ebenso Gegenstand dieses Kapitels wie der vorangegangene Einsatz desselben, den Selbstmord von Luise zu verhindern. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der Sprache im neusachlichen Volksstück Nebeneienander. Exemplarisch werden Mittel dargestellt, die eine besondere Art, die Wirklichkeit zu sehen, mit sich bringen.
Alle folgenden Zitate aus Nebeneinander sind kursiv gesetzt.
1 Walther Huder (Hg.), Georg Kaiser. Werke. Zweiter Band. Stücke 1918 - 1927. (Frankfurt a. M. / Berlin / Wien 1971).
2 Vgl. Manfred Kuxdorf, Die Suche nach dem Menschen im Drama Georg Kaisers (Bern 1971), S. 141.
3 Horst Dieter Schlosser, dtv-Atlas zur deutschen Literatur (München 7 1996), S. 244.
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1. Aufbau
Das Volksstück Nebeneinander besteht aus fünf Akten. Jeder Akt teilt sich in drei Szenen. Zu Beginn eines Aktes erscheinen immer der Pfandleiher und seine Tochter. Danach wechselt das Geschehen zum Ort der Schleuse, wo Luise die wichtigste Rolle spielt. Die Schlußszene jeden Aktes bildet der Wohnraum Borsigs. Hier ist Neumann Hauptagierender. Während der Ort der jeweils ersten Szene eines Aktes immer ein anderer ist (Pfandleihe, Pension Elvira, Kasino, Polizeirevier, Pfandleihe), verlaufen die zwei folgenden Szenen immer in der Schleuse beziehungsweise in Borsigs Wohnzimmer. Steffens bezeichnet Nebeneinander als „rhythmisiertes Stationendrama“. 4 Die drei verschiedenen Szenen innerhalb eines Aktes sind nicht miteinander verbunden, sie verlaufen „nebeneinander“. Nur eine Begegnung zwischen zwei Personen - die sonst in einen eigenen Handlungsverlauf eingebunden sind - dem Pfandleiher und Neumann, ereignet sich im ersten Akt in der Pfandleihe. Die drei parallel verlaufenden „Geschichten“ besitzen jede eine Hauptperson: Pfandleiher, Luise, Neumann. Diese scheinen nur durch Neumanns Brief, den der Pfandleiher und Luise kennen, eine zukünftige Verbindung zu haben. Eine solche Verbindung oder Zusammenkunft der Hauptpersonen kommt aber nicht zustande. Es existiert jedoch eine dem Geschehen des Volksstücks vorangegangene Beziehung zwischen Luise und Neumann. Obwohl die nebeneinander ablaufenden Szenen eigene Hauptpersonen haben, kommt dem Pfandleiher insgesamt die größte Aufmerksamkeit zu: Seine Rolle nimmt den größten Raum des Stückes ein. Mit seiner Person geschieht etwas Außergewöhnliches, den anderen Figuren Neumann und Luise (besonders ab viertem Akt) Entgegengesetztes.
4 Vgl. Wilhelm Steffens, Georg Kaiser (Velber bei Hannover 1969), S. 84.
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2. Pfandleiher - Luise - Neumann
2.1. Inhaltliche Eigenheiten anhand der Personen
Wie schon am Ende des letzten Kapitels angedeutet verläuft das Leben des Pfandleihers in eine andere Richtung als das von Neumann und Luise. Alle erleben zwar einen Einschnitt negativen Inhalts, der ihr Leben verändert - Luise verliert Neumann, Neumann ist „blank“, wie er selbst sagt 5 und der Pfandleiher findet den von Neumann nichtabgesendeten, scheinbar für Luise lebenswichtigen Brief - aber einzig der Pfandleiher überwindet ihn nicht. Die Erwartungen des Lesers können nun folgendermaßen aussehen: Luise wird Selbstmord begehen, falls der Pfandleiher sie oder Neumann nicht findet. Neumann führt entweder „krumme“ Geschäfte oder kann dem sozialen Abgrund nicht mehr entkommen. Für den Pfandleiher scheint es nichts Existenzbedrohendes zu geben. Doch noch im ersten Akt ändert sich das Bild der Personen. Luise lebt. Sie ist aufs Land zu ihrer Schwester gereist, um sich zu erholen. Aus dem Dialog zwischen Luise und ihrer Schwester wird deutlich, daß Luises Gedanken an einen Freitod der Vergangenheit angehören, wenn sie sagt: Jetzt mach` ich`s euch billiger! Ich lebe - das verringert den Aufwand. 6 Sie hat eine Abschrift von Neumanns Brief erhalten. Dieser hatte das Abhandenkommen bemerkt und ihr eine Abschrift zugeschickt. Neumann hat einen Geschäftspartner gefunden und beredet mit ihm seine Ideen. Nur der Pfandleiher geht Wege, die sich nicht ins gesellschaftliche Umfeld der „Geschichte“ einfügen. Er fühlt sich verpflichtet, den in Neumanns Jacke gefundenen Brief zu übermitteln und hält starr daran fest. Seine Gedanken kreisen nur noch um den Brief und um Luise. So wird er zum Außenseiter und besiegelt damit auch das Schicksal seiner Tochter, die ihn ständig begleitet.
2.2. Lebenseinstellungen
Pfandleiher und Neumann werden zu Beginn des Geschehens als Geschäftemacher dargestellt. Menschen, die ihren letzten Besitz versetzen müssen und den Pfandleiher aufsuchen, lassen diesen kalt. Eine auf ihn einredende Frau mit ihrem Bettzeug kann ihn nicht dazu bewegen, ihr einen
5 Vgl. Huder, Georg Kaiser. Werke. Zweiter Band, S. 290.
6 Ebd. S. 287.
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Arbeit zitieren:
MA Angela Exel, 1998, Neue Sachlichkeit im Volksstück "Nebeneinander" von Georg Kaiser, München, GRIN Verlag GmbH
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