Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Von der Souveränitätsmacht zu Biomacht 3
2.1. Der Eintritt des Lebens in die Geschichte - Die Geburt der Biomacht 4
2.2. Die Abwertung des Todes 5
3. Das Organigramm der Biomacht. 6
3.1 Die disziplinäre Technologie der Macht 7
3.2. Die Institution Gefängnis - Die Modernisierung der Bestrafungstechnologie 7
3.3. Die regulierende Technologie der Macht. 8
3.4. Das Sexualitätsdispositiv. 10
4. Fazit 11
5. Literatur- und Quellenverzeichnis 12
2
1. Einleitung
Der Begriff der Biomacht - beziehungsweise Biopolitik - geht auf den französischen Philosophen und Historiker Michel Foucault zurück. Sowohl in seiner Vorlesung am Collège de France im Jahr 1976 1 als auch in seinem Buch Sexualität und Wahrheit - Der Wille zum Wissen von 1977 beschäftigt sich Foucault erstmals eingehend mit einer Transformation der souveränen Machtstrukturen zu einer modernen Machtform, die sich durch eine „Vereinnahmung des Lebens“ 2 und die „Verstaatlichung des Biologischen“ 3 auszeichnet. Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine systematische Darstellung Foucaults Begriff der Biomacht. Für das Verständnis derselben ist es notwendig, zunächst einen Rückblick auf die klassische Theorie der Souveränität zu geben und anhand derer die einzelnen Transformationen und Veränderungen hin zur Biomacht aufzuzeigen, wobei das souveräne Recht über Leben und Tod und die anschließende Abwendung der Macht vom Tod eine übergeordnete Rolle spielen sollen.
Im weiteren Verlauf sollen die beiden die Biomacht auszeichnenden Machttechnologien erläutert werden. Dabei stehen ihre jeweiligen Wirkungsmechanismen, ihre Angriffspunkte sowie ihre institutionelle Lokalisierung im Mittelpunkt. Abschließend soll kurz auf die Bedeutung der Sexualität innerhalb des modernen Machtgefüges der Biomacht eingegangen werden, zumal Foucault der Sexualität eine herausragende Stellung als „Scharnier“ zwischen beiden Machttechnologien zuteilt. 4 Obwohl Foucault sich in seinem Buch Sexualität und Wahrheit - Der Wille zum Wissen ausgiebig mit der Bedeutung der Sexualität im Zusammenhang mit der Biomacht auseinandersetzt, würde die Darstellung Foucaults diesbezüglicher Überlegungen den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
2. Von der Souveränitätsmacht zu Biomacht
Aus der patria potestas, dem Privileg des männlichen Familienoberhauptes im antiken Rom, uneingeschränkt über das Leben sämtlicher Familienmitglieder und dem seiner Sklaven zu verfügen, leitete sich nach Foucault das grundsätzliche Recht der Souveränitätsmacht über Leben und Tod ab. 5
1 Vgl. Foucault (1999), Vorlesung vom 17. März 1976
2 Foucault (1999), S. 1
3 Ebd., S. 1
4 Vgl. Foucault (1977), S. 173
5 Vgl. im Folgenden Foucault (1977)
3
Im Gegensatz zur römischen patria potestas verfügte die souveräne Macht nach den klassischen Theoretikern jedoch über kein absolutes Recht über Leben und Tod; vielmehr erschöpft es sich in einem indirekten Recht über Leben und Tod und war bedingt durch die Verteidigung des Souveräns oder die Sicherung seines Überlebens. Im Falle einer äußeren Bedrohung fiel dem Souverän das Recht anheim, seine Untertanen in den Krieg zu schicken und deren Tod damit in Kauf zu nehmen. War jedoch seine eigene Existenz bedroht oder wurden seine Gesetze verletzt, stand es dem Souverän zu, im Verhängen der Todesstrafe eine direkte Macht auf das Leben auszuüben.
Aufgrund der Tatsache, dass das Recht des Souverän über das Leben im Grunde darauf begrenzt war, von seinem Recht zu Töten Gebrauch zu machen oder nicht, stellte das Recht über Leben und Tod ein „asymmetrisches Recht“ 6 dar.
„Er [der Souverän] offenbart seine Macht über das Leben nur durch den Tod, den zu verlangen er imstande ist. Das sogenannte Recht über Leben und Tod ist in Wirklichkeit das Recht sterben zu machen und leben zu lassen.“ 7
Die souveräne Macht definierte sich hauptsächlich „[...] als Abschöpfungsinstanz, als Ausbeutungsmechanismus, als Recht auf Aneignung von Reichtümern, als eine den Untertanen aufgezwungene Entziehung von Produkten, Gütern, Diensten, Arbeit und Blut [...]“ 8 . Ihre Wirkungsmechanismen waren also größtenteils repressiver Natur und kulminierten in dem Recht des Souveräns, sich des Lebens zu bemächtigen und es gegebenenfalls auszulöschen, was nach Lemke den „Extrempunkt einer Macht, die im Wesentlichen als Zugriffsrecht funktionierte“ 9 symbolisiert.
2.1. Der Eintritt des Lebens in die Geschichte - Die Geburt der Biomacht
Im Laufe des 17. Jahrhunderts setzte eine entscheidende Transformation der herrschenden Machtmechanismen ein. 10 Es war dies der Augenblick, den Foucault als den „Eintritt des Lebens in die Geschichte“ 11 bezeichnete, eine bedeutende historische Zäsur, die sich mittels Relativierung und Reformulierung souveräner Machtmechanismen bemerkbar machte. Förderlich für diesen Prozess, in dem Leben als Angriffspunkt politischer Strategien auftauchte, waren zweifelsohne die industriellen und landwirtschaftlichen Fortschritte sowie „das wachsende medizinische und wissenschaftliche Wissen über den menschlichen
6 Ebd., S. 162
7 Ebd., S. 162
8 Ebd., S. 162
9 Lemke (2007), S. 49
10 Vgl. im Folgenden Foucault (1977)
11 Ebd., S. 169
4
Arbeit zitieren:
Viktor Witte, 2009, Michel Foucault – Die Biomacht, eine neue Machtstruktur, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die FPÖ - ein 'typisch österreichisches' Phänomen?
Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Isaiah Berlin: Positive und negative Freiheit
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 19 Seiten
Gezielte Tötung von Terroristen?
Rechtliche Vorgaben zur Präven...
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Essay, 14 Seiten
Stärken und Schwächen der Lernfeldkonzeption im Vergleich zur Fächersy...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Seminararbeit, 14 Seiten
Bildungs- und Kompetenzstandards in der Berufsausbildung
Bildungs- und Kompetenzstandar...
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hausarbeit, 16 Seiten
Viktor Witte's Text Michel Foucault – Die Biomacht, eine neue Machtstruktur ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Viktor Witte hat den Text Michel Foucault – Die Biomacht, eine neue Machtstruktur veröffentlicht
Viktor Witte hat einen neuen Text hochgeladen
Michel Foucault: Beyond Structuralism and Hermeneutics
Hubert Freyfus, Hubert L. Dreyfus, Michel Foucault
MICHEL FOUCAULT Y LA VISOESPACIALIDAD: ANALISIS Y DERIVACIONES
Nuevos usos de su "caja de her...
Rodrigo Hugo Amuchástegui
0 Kommentare