Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 4
2. GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK. 4
2.1 GESCHICHTLICHE FOLGEN 6
2.1.1 Folgen in der Mongolischen Volksrepublik. 6
2.1.2 Folgen in der Inneren Mongolei. 9
3. KONSTRUKTION VON IDENTITÄT UND NATION 10
3.1 IDENTITÄT UND GEDÄCHTNIS. 11
3.1.1 Kontinuitätsbrüche 13
3.2 DIE NATION UND NATIONALISMUS 15
4. IDENTITÄTSDIFFERENZIERUNG IN DER MONGOLEI. 16
4.1 IDENTITÄTSKONSTRUKTIONEN IN DER MONGOLEI 16
4.1.1 Abstammung als identifikatorisches Merkmal. 17
4.2 IDENTITÄTSKONSTRUKTIONEN IN DER INNEREN MONGOLEI 19
5. SCHLUSS 21
LITERATURVERZEICHNIS 22
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1. Einleitung
In der folgenden Ausarbeitung befasse ich mich mit dem Begriff der Identität im Bezug auf die Mongolei. Hierbei berufe ich mich hauptsächlich auf die Monographie von Uradyn E. Bulag: Nationalism and hybridity in Mongolia. Bulag -aus der Inneren Mongolei stammendunternahm eine einjährige Feldforschung in der unabhängigen Mongolei in den Jahren von 1991 bis 1992. In seiner Niederschrift befasst er sich eingehend mit einer radikalen und rasanten Neuordnung der mongolischen Gesellschaft weg vom sozialistischen Internationalismus, hin zu einem mongolischen Nationalismus zu Zeiten des Post-Sozialismus. Ferner untersucht er die Auswirkungen dieser Neuordnung im Bezug auf seine Heimat- die autonome Region Innere Mongolei-, bzw. auf die dort lebende Minderheit der Inneren Mongolen, die etwa 10% der dort lebenden Bevölkerung ausmacht. Zunächst möchte ich nach einem kurzen geschichtlichen Abriss über die Entstehung der von mir behandelten Gebiete (die Mongolei und die Innere Mongolei als Teil Chinas) versuchen, den Begriff der Identität zu beleuchten. Anschließend sollen Mechanismen untersucht werden, die zur Konstruktion von Identität beitragen. Dies soll anhand von Beispielen aus Bulags Monographie veranschaulicht werden. Darauf basierend möchte ich zeigen, dass der Prozess der Aneignung von Identität ein gruppendynamischer Vorgang ist, der sich sowohl aus der Aneignung von Geschichte in immer neuen Interpretationen, als auch aus neuen Erkenntnissen und deren Interpretation konstituiert. Die daraus entstehenden Narrative, so hoffe ich darlegen zu können, sind eingebettet in aktuelle historische Vorgänge und resultieren somit unmittelbar aus einem „Volksempfinden“ gegenüber aktuellen Ereignissen und Entwicklungen. Das heißt, Identität beinhaltet vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges. Das Zukünftige leitet sich hierbei aus der Interpretation von den beiden erstgenannten ab. Somit ist die Aneignung von Identität ein kultur- und gesellschaftsspezifischer Vorgang, der in seiner Gesamtheit nur schwer zu erfassen ist.
2. Geschichtlicher Überblick
Da ein ausführlicher Überblick über die geschichtlichen Ereignisse der Region der Mongolei und der Inneren Mongolei den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würden, kann ich nur in aller Kürze darauf eingehen. Dennoch versuche ich die für das Thema relevanten Punkte zu schildern. Bis zum Jahr 1206 n.Chr. lebten auf dem Gebiet der Mongolei verschieden nomadisierende Gruppen, die Chinggis Khan zu einem Nomadenstaat vereinigen konnte. Er nannte den errichteten Staat Mongol Uls (Mongol nation) (Bulag 1998: 11). Nach der
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Errichtung eines Großreiches und der Herrschaft unter Anderem über Russland und China zerfiel das Reich nach und nach. Zunächst wurde es aufgeteilt in einzelne Teilreiche. Im 17. Jahrhundert wurden einige mongolische Gruppen unter die Kontrolle der Mandschukaiser gebracht. 1636 eroberten die Mandschuren zunächst das Gebiet der Inneren Mongolei, 1691 brachten sie das Gebiet der Äußeren Mongolei unter ihre Kontrolle (administrative Einheiten). Die Äußere Mongolei wurde im Gegensatz zu der Inneren Mongolei nur indirekt beherrscht. So signifikant wie die Kolonialadministration in der Mongolei, war die Konvertierung sowohl Innerer als auch Äußerer Mongolen zum Tibetischen Buddhismus (Bulag 1998: 12). 1911 endete die Herrschaft der Manschu (Qing- Dynastie) in China, wodurch die Äußere Mongolei die Unabhängigkeit erlangen konnte. Es entstand ein theokratischer Staat mit einem lamaistischen Führer (Bogd Gegeen Khan). 1919-21 besetzten die Chinesen erneut das Gebiet der Mongolei und verlangten die Aufgabe der Autonomie. 1921 erlangte die Mongolei schließlich eine formale Unabhängigkeit mit Hilfe der sowjetrussischen Roten Armee. 1924 wurde die Äußere Mongolei zur Mongolischen Volksrepublik, dem zweiten kommunistischen Staat nach der Sowjetunion (Bulag 1998:12). Dadurch wurde eine folgenreiche Veränderung der mongolischen Gesellschaft eingeleitet: Mongolian independence from China was established by a huge sacrifice, by a process of complete transformation from what is diagnosed as a feudal society to a socialist one. Consolidation of a socialist system meant eradication of “feudal elements” (Bulag 1998: 13).
Im Rahmen dieses gesellschaftlichen Umbaus kam es nun in den dreißiger- Jahren zu zahlreichen Konflikten und Spannungen. Zunächst kam eine Welle des Red Terror aus Russland, bei dem Mönche und die männliche Bevölkerung einiger Volksgruppen (Barga, Burjaten, Tschachar) nahezu ausgelöscht wurden (Bulag 1998: 14). 1939 kam es dann zu Auseinandersetzungen zwischen Japanern, die die Innere Mongolei besetzt hielten, und einer mongolisch-sowjetischen Armee. Somit standen sich Mongolen der Inneren Mongolei und der benachbarten Volksrepublik gegenüber. Die mongolisch- sowjetische Armee siegte, wodurch die Beziehung beider Staaten zu einer „eisernen Freundschaft“ (Bulag 1998: 14) weiter vertieft wurde. Im Jahr 1947 wurde die Innere Mongolei zu einer an der Peripherie befindlichen autonomen Region der Volksrepublik China. Zu Beginn der sechziger- Jahre führten Petitionen nicht anerkannter Minderheiten in China zur Einführung eines Kategoriensystems, dass zunächst aus 53 Untergruppen bestand, welches letztlich in den späten Siebzigern auf 56 Subgruppen erweitert wurde (Mathieu 2003: 5). Ab 1961 kam es mit russischer Hilfe in der mongolischen Volksrepublik zu einem rapiden Wandel der
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Gesellschaft weg von der monokulturellen Viehzucht, hin zu einer industrialisierten Agrarwirtschaft. Die Folge war eine rapide Urbanisierung, wodurch mittlerweile 85% der mongolischen Bevölkerung in städtischen Siedlungen leben (Bulag 1998: 15). Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1989 setzte in der Mongolei ein Demokratisierungsprozess ein, der zu einer ersten freien Wahl im Sommer 1990 führte. 1992 wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Der Name des Staates wurde in Mongol Uls (Mongolei) geändert und eine neue Flagge wurde eingeführt (Bulag 1998: 18).
2.1 Geschichtliche Folgen
Die Trennung der beiden mongolischen Regionen wurde bereits im 17. Jahrhundert vollzogen. Dies und die unterschiedlichen Regierungsformen der Mandschurischen Kaiser in den mongolischen Gebieten führten zu einem ersten Traditionsbruch im Bezug auf eine Neuordnung der mongolischen Gesellschaft:
The Manchu annexation of Mongolia in the seventeenth century resulted in a reorganisation of Mongolian society....Banner boundaries were fixed; these fiefdoms belonged to different feudal lords, and the residents were not allowed to go beyond the pasture of the banner....This must have led to the destruction of exogamy. Kinship schemes cannot be considered without reference to their political, demographic, or economic implications. The Manchus were only too aware of what kinship alliances between major Mongol groups would mean (Bulag 1998: 124)
Radikalere und umfassendere Veränderungen vollzogen sich dann im 20. Jahrhundert, dennoch sei anzumerken, dass zum ersten Mal Grenzlinien zwischen mongolischen Gruppen gezogen wurden, die keine Heiratsallianzen mehr mit ihren Nachbarn mehr zuließen.
2.1.1 Folgen in der Mongolischen Volksrepublik
In der mongolischen Volksrepublik entfernte man sich unter russischem Protektorat zunehmend von der traditionellen Wirtschaftsmethode des nomadischen Pastoralismus, wodurch sich auch das traditionelle Verwandtschaftssystem aufzulösen begann. An deren Stelle traten Kollektive (negdel)- nach sowjetischem Vorbild- wodurch sich die Bevölkerung neu ordnete:
Arbeit zitieren:
Mike Bernd, 2006, Konstruktion von Identität am Beispiel der Inneren Mongolei , München, GRIN Verlag GmbH
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