Unterscheidung vor Augen führt: Einerseits benennt Meyer das sog. Forschungsexperiment als die (o.g.) klassische Methode planmäßiger, zielgerichteter Erforschung naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten. Weitergehend wird die Kategorie der Unterrichtsexperimente benannt, welche sich in Lehrerexperimente /-demonstrationen und Schülerexperimente unterteilt; hiermit sind die oben schon angesprochenen „Versuche“ gemeint, welche dem eng gesteckten Definitionsrahmen des wissenschaftlichen Experimentes nicht vollkommen erfüllen. Die dritte Kategorie nach Meyer ist das Freie Experimentieren/ Tüfteln und Erproben, welche das „entdeckende Lernen“ noch mehr zu betonen scheint, als die beiden Vorangegangenen. Ein prägnantes Beispiel für den Unterricht wäre nach Meyer z.B. der Arbeitsauftrag: Erfinde einen Plattenspieler nach! (Materialien: Schallplatte, Nadel, Filzstift und DIN A4-Blatt). Wie bereits der wissenschaftlich ausgerichtete SU der 60er Jahre betonte, steht auch heute der Erwerb bestimmter Fertigkeiten und methodischer Grundkenntnisse beim Experimentieren im Vordergrund, z.B. Zahlen zu gebrauchen und mit ihnen rechnen, Gegenstände zu klassifizieren, Schlussfolgerungen zu ziehen oder Daten „interpretieren“. Hilbert Meyer weist darauf hin, dass neben diesen kognitiven und manuellen Fertigkeiten, welche die Kinder während des Experimentieren erwerben und anwenden, auch „eine Reihe affektiv-emotionaler Fertigkeiten“ (Mayer, 2005) zu benennen sind: Die Neugierde der Kinder soll befriedigt, sowie die Konzentration der Kinder auf das Wesentliche, die „Sache“, gefördert werden. Die komplexe hierarchische Beziehung zwischen diesen Teilfertigkeiten spielt weitergehend eine signifikante Rolle: So müssen Fertigkeiten wie Messen oder Rechnen erst beherrscht werden, um komplexere Tätigkeiten, wie beispielsweise die Operationalisierung von Fragestellungen, ausführen zu können. Gerade im SU bietet es sich unter der Perspektive eine handlungs- und schülerorientierten Unterrichtes an, Experimente durchzuführen, da Primarstufenschüler einen natürlichen Hang zum „Tüfteln“ und Ausprobieren besitzen und somit eine sehr hohe Motivation bei der Lösung von Problemen an den Tag legen. Die genannte Methode stellt, wie schon oben angesprochen, sehr hohe Anforderungen an die SuS. Wie sieht es nun mit den Anforderungen an das Lehrpersonal aus? Die Vorbereitung von Experimenten im Unterricht ist erfahrungsgemäß sehr aufwendig. Die Beschaffung von (Versuchs-)Materialien oder die Auswahl eines geeigneten Versuches - der Aufwand erscheint immens, jedoch kann der Lehrer im Unterricht in den Hintergrund treten und die SuS ggf. punktuell unterstützen. Das große Defizit vieler Grundschulen besteht in diesem Zusammenhang darin, dass oft nicht die geeigneten Materialien (im gewünschten Umfang) bereitstehen oder Apparaturen und Instrumente nicht vorhanden sind. Hier ist es kein Wunder, dass viele Lehrkräfte vor Versuchen im SuS zurückschrecken, da sie oft alleinverantwortlich für Beschaffung der geeigneten Utensilien sind; oft dürfen aufgrund der Verknappung finanzieller Mittel an den Schulen die Materialien häufig aus eigener Tasche bezahlt werden. Hieran schließt sich der Aspekt an, welche Anforderungen an den Lernraum gestellt werden, um einen SU gewährleisten zu können, dessen essentieller Bestandteil im eigenständigen Probieren und Versuchen der SuS besteht: Es muss genügend Stauraum für diverse Materialien vorhanden sein; jedoch muss mit Blick auf eine zukunftsfähige Schule darauf geachtet werden, dass diese Materialsammlung den SuS immer frei zugänglich ist, um ggf. spontan auftretende Fragen und Probleme sofort experimentell lösen zu können. Zudem wäre es förderlich, eine
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Dirk Feldmann, 2006, Experimente im Sachunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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