Inhaltsverzeichnis
Ein paar Worte vorweg 3
Der Begriff „Wunderkind“ 4
Die Rolle und Motivation des Vaters. 5
Versuch einer groben Skizze der Persönlichkeit. 5
Die Bildungs- und Konzertreisen, Leopold Mozart als Organisator, Initiator, treibende
Kraft , Reiseleiter und Lehrer. 7
Die Folge: Wunderkinder sprießen wie Pilze aus dem Boden 9
Schlusswort der Autorin. 10
Quellenverzeichnis 11
2
Ein paar Worte vorweg
Mit der Entscheidung, mich mit dem frühen musikalischen Werden des Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart zu befassen, bin ich zwangsläufig beauftragt, mich mit den familialen Verhältnissen in Mozarts direkter Verwandtschaft auseinanderzusetzen.
Nicht zuletzt bedeutet dies für mich die Analyse der Rolle des Vaters Johannes Georgius Leopoldus Mozart, und dessen Beziehung zu seinem Sohn und seiner Tochter Maria Anna Walburga Ignatia, den einzigen von sieben Kindern, die den Eintritt ins Erwachsenenalter erlebt haben, aber auch des Verhältnisses von Bruder und Schwester untereinander.
Während der aufmerksamen Lektüre, der mir zur Verfügung stehenden Sekundarquellen und durch kritische Auseinandersetzung, erschließt sich mir schnell ein recht scharfes Bild von dem ambitionierten, ehrgeizigen, berechnenden Vater, der in Hinblick auf die musikalische Karriere des Wolfgang Amadeus Mozart weniger aufbauende, Geborgenheit spendende Funktion übernommen hatte, sondern vielmehr die antreibende, organisierende Kraft darstellte. Wolfgangs Schwester hingegen war in seiner Kindheit Weggefährtin, die mit ihm die zahlreichen, vom Vater initiierten Konzert- und Bildungsreisen bestritt. Als Mädchen zwar zum Wunderkind erklärt, wurde sie jedoch im Jugendalter nicht mehr weiter durch den Vater in ihrem musikalischen Werden unterstützt, infolgedessen der Aufmerksamkeit des öffentlichen Interesses entzogen, und so in den Schatten ihres jüngeren Bruders gestellt.
In dieser Hausarbeit, werde ich einführend einen kurzen Überblick über die Begrifflichkeit des Wunderkindes vornehmen.
Anschließend werde ich mich mit den Mechanismen beschäftigen, die zum beispiellosen Ruhm der Geschwister Mozart geführt haben. Auch werde ich versuchen zu ergründen, welche Motive den ehrgeizigen Vater bewegt haben, die zweite Hälfte seines eigenen Lebens in allererster Linie der Karriere seines Sohnes zu widmen.
Zudem ist es interessant zu verfolgen, wo die Ursachen für die unterschiedliche Fortentwicklung der beiden Geschwister im Teenageralter liegen.
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An dieser Stelle ist ein kritischer Blick auf die musikgeschichtliche Entwicklung in der Folgezeit vonnöten, um diese mit der persönlichen Entwicklung des Wolfgang A. Mozart und der seiner Schwester, die meist Nannerl genannt wird, in Beziehung setzen zu können.
Auch lässt sich so einschätzen, in welcher Hinsicht die Familie Mozart den weiteren kulturhistorischen Verlauf geprägt hat.
Der Begriff „Wunderkind“
Der Begriff wird zum ersten Mal in einer Schrift von 1595 dokumentarisch erwähnt und definiert, er fungiert in diesem Zusammenhang als Bezeichnung für den „wunderbar geborenen Jesus“ 1 , und zielt in diesem Sinne auf die jungfräuliche Empfängnis des Jesuskindes durch die Mutter Maria ab.
In einem etymologischen Wörterbuch von 1726 dient das Wort als Begriff für geistige Frühreife 2 .
Verschiedene Wörterbücher des 18. Jahrhunderts nutzen den Begriff „Wunderkind“ zur Titulierung eines Kindes, das übernatürliche Wunder vollbringen kann, beziehungsweise an dem Gott wunderbar handelt. 3
Herkömmlicherweise gilt für den Begriff „Wunderkind“ im musikgeschichtlichen Zusammenhang die Definition: Kinder mit geistiger Frühreife. Im Zusammenhang mit den Geschwistern Mozart wird die Verwendung des Wunderkindbegriffs zu deren Lebzeiten stark durch den Vater forciert, der, selbst beeindruckt durch die frühen Fähigkeiten seiner Kinder, die Öffentlichkeit in Konzertanzeigen und Berichten auf seine „Wunderkinder“ aufmerksam machen will. So kündigt er beispielsweise im Zuge einer Londoner Konzertreise im Jahre 1764 an, die Geschwister Mozart seien „das größte Wunder (…), dessen sich Europa und die Menschheit überhaupt rühmen kann.“ 4
1 Stevens, Gerd-Heinz: Das Wunderkind in der Musikgeschichte. Münster 1982, S. .4-7.
2 Artikel „Wunderkind“, in: Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Sprache, hrsg. von Erich Kluge, bearb. von
Walter Mitzka, 21. unveränderte Aufl. Berlin u. New York 1975, S. 869.
3 Artikel „Wunderkind“, in: Deutsches Wörterbuch, hrsg. von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, bearb. Von
Ludwig Sutterlin u.a., Bd.14, Abteilung II, Leipzig 1960, Sp. 1893 ff.
4 Konzertanzeige. London 1764, hier zitiert nach: Jahn, Otto: Wolfgang Amadeus Mozart, Bd. 1, 4. Aufl. Leipzig
1905, S.43.
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Arbeit zitieren:
Lucie Holtmann, 2005, Das Projekt Wunderkind: Wolfgang Amadeus Mozart, München, GRIN Verlag GmbH
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