Albert- Ludwigs- Universität Freiburg Deutsches Seminar 1
Hauptseminar: Schreiben in Wirtschaft und Wissenschaft WS 2000/ 2001 Referentin: S. Wesp
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Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Probleme beim Schreiben
2.1 Die Ursachen
2.1.1 Der/Die StudentIn
2.1.2 Die Hochschule
2.1.3 Die Struktur der Wissenschaft
2.2 Die Schreibprobleme
2.2.1 Die Konzeptbildung
2.2.2 Die Wissenschaftssprache
2.2.3 Die Textzusammenfassung
2.2.4 Die Konventionen des Zitierens und Verweisens
2.2.5 Psychische Schwierigkeiten
3. Schreibhilfe an der Hochschule
3.1 Das Schreiblabor
3.2 Das Kompass- Projekt
3.3 Individuelle Hilfe: ein Vorschlag
3.4 Schreibhilfe in der Literatur
4. Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Mit dem Schritt an die Hochschule ändert sich für den angehenden Studierenden einiges. Nicht nur, daß er sich in einem recht anonymen Massenbetrieb befindet, in dem das Individuum nicht mehr wirklich auffällt; auch die Art, wie man sich durch das Studium arbeitet und schließlich am Ende vielleicht doch kurz „auffällt“, wenn man gut genug ist, ist eine völlig neue: Der größte Teil der eigenen Leistung wird durch die selbständige Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten unter Beweis gestellt.
Trotzdem haben Studierende nur selten die Möglichkeit, sich das entsprechende Handwerkzeug dafür zuzulegen, obwohl ein sicherer und selbstverständlicher Umgang damit von ihnen erwartet wird. Die Fähigkeit zu schreiben scheint als natürliche Fähigkeit mißverstanden. Des weiteren sind die Hochschüler mit einer großen Zahl unterschiedlichster wissenschaftlicher Literatur konfrontiert und wissen nicht so recht, woran sie sich orientieren sollen, weder in punkto „Vorbildtexte“, noch bezüglich der Quellensuche. Die Folge sind Schwierigkeiten beim wissenschaftlichen Schreiben in den verschiedensten Ausprägungen. „Prävention“ durch Einführungskurse oder Schreibübungen wird durch die Hochschulen noch viel zu wenig initiiert. Dazu kommt, daß sich viele Studierende ihrer Probleme überhaupt nicht bewußt sind. Zwar registrieren sie, daß sie Hemmungen haben, ihre Arbeit zu beginnen oder mit dem Zeitplan nicht zurecht kommen. Sie nehmen das jedoch als gegeben hin und verschleppen damit ihre Schreibschwierigkeiten. Daß es sich hierbei oft um die Symptome von Schreibproblemen handelt, wird viel zu selten im Verlauf des Studiums wahrgenommen. So kommt es vor, daß sogar Doktoranden noch einmal ganz von vorne anfangen und ihre Schreibprobleme aufarbeiten müssen, weil sie sich beispielsweise einem für ihr Verständnis dominanten, allgemeingültigen Sprachstil angepaßt haben und sich aus einem für sie rätselhaften Grund vor schier unlösbare Aufgaben gestellt fühlen. Ich möchte in dieser Arbeit die Entstehung verschiedener Schreibprobleme aufzeichnen. Dabei werde ich auch zeigen, daß an den Hochschulen auf seiten der Lehrenden wie auch auf seiten der Lernenden noch immer viel zu wenig über die Wissenschaften selbst und die entsprechenden Konventionen, die wiederum die wissenschaftlichen Texte beeinflussen, reflektiert wird. Sprachbeherrschung wird noch viel zu oft als gegeben angenommen und somit als selbstverständlich vorausgesetzt, der Umgang mit wissenschaftlicher Arbeit
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behandelt wie eine konstante Größe. Die Studierenden sind deshalb weitgehend auf ihre Imitationen von wissenschaftlichen Arbeiten angewiesen um weiterzukommen. Um zu zeigen, daß sich in den letzten Jahren jedoch auch einiges getan hat, werde ich über eine Tagung zu diesem Thema kurz berichten sowie Projekte vorstellen, die sich den Diskurs über wissenschaftliches Schreiben zur Aufgabe gemacht haben. Des weiteren werde ich weitere Lösungsmöglichkeiten kurz umreißen.
2. Probleme beim Schreiben
Daß Schreiben nicht immer Spaß macht oder nicht immer einfach ist, ist eine Erfahrung, die jeder schon einmal irgendwann gemacht haben dürfte. Das kann daran liegen , daß man gerade keine Lust hat, etwas zu schreiben. Oder das Thema gefällt einem nicht. Doch was ist, wenn man motiviert ist und eine Idee hat, die man zu Papier bringen möchte, aber man schafft es einfach nicht? Man weiß nicht, wie man beginnen soll oder man bricht immer wieder an der selben Stelle frustriert ab, weil diese - egal wie man sie schreibt- immer schlecht klingt. Was hier wie eine kurze Blockade erscheint, kann zu einem andauernden, belastenden Problem für Studierende werden.
Mit welchen Schwierigkeiten werden Studierende angesichts der Aufgabe, eine wissenschaftliche Arbeit zu erstellen, konfrontiert? Wodurch werden diese überhaupt verursacht? Welche Rolle spielt dabei die fachliche Komponente, welche die emotionale? Dies glit es in dem folgenden Kapitel zu klären.
2.1 Ursachen
Sprachbeherrschung entscheidet im Hochschulbetrieb in hohem Maße über Erfolg und Mißerfolg. Jedes Schreibproblem kann deshalb dramatische Ausmaße für den Einzelnen annehmen. Um diese Probleme lösen zu können und vielleicht neue präventive Projekte ins Leben zu rufen, bedarf es zuerst einer Auseinandersetzung mit den Ursachen. Wie kommt es zu Schreibproblemen?
Im folgenden möchte ich drei Ausgangspositionen aufzeigen, die Schreibblockaden begünstigen. Ich bitte zu berücksichtigen, daß die einzelnen Punkte sich dabei zum Teil gegenseitig beeinflussen und nicht immer scharf zu trennen sind. Da der Fokus auf die
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Schreibprobleme der Studierenden gerichtet ist, werde ich im folgenden die Ursachen ihrer Blockaden am ausführlichsten besprechen.
2.1.1 Der/Die StudentIn
Wenn der Studierende zum ersten Mal mit der Aufgabe konfrontiert wird, selbständig eine wissenschaftliche Arbeit in einem vorgegebenen zeitlichen und formalen Rahmen zu verfassen, fühlt sich dieser möglicherweise vor ein unlösbares Rätsel gestellt. In der Schule werden die zu Unterrichtenden nicht oder nur kaum auf die Anforderungen im Studium vorbereitet. Zwar müssen die Schüler Aufsätze oder Essays verfassen, jedoch entsprechen diese nicht dem Umfang einer wissenschaftlichen Hausarbeit. Die Folge ist, daß viele Studierende ungenügende Schreibstrategien besitzen. Individuelle Schreibprobleme können auf diese Weise in die Anonymität der Hochschule „verschleppt“ werden. Des weiteren sind die Anforderungen einer wissenschaftlichen Arbeit an der Universität nicht interdisziplinär gültig und somit im Voraus an der Schule vermutlich nur schlecht vermittelbar. Doch darüber werde ich im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch kurz berichten 1 . Die Studierenden wissen oft nicht, welche Leistung von ihnen erwartet wird. Sie kennen die entsprechenden formalen und inhaltlichen Konventionen nicht, denen ihre Arbeit genügen muß, und sie wissen nicht welche Arbeitsschritte notwendig sind. So verzetteln sich viele Studierende schon bei der Quellensuche und lesen möglicherweise viel zu viel. Dabei verlieren sie den Überblick und wissen nicht so recht, was sie wie „aufs Papier bringen“ sollen. Manche beginnen vielleicht gar nicht erst mit ihrer Arbeit, während andere zu früh mit dem Schreiben beginnen und später frustriert ihre Arbeit abbrechen, weil sie merken, daß ihre Arbeit nicht so „klingt“ wie eine wissenschaftliche. Es kann sogar vorkommen, daß überhaupt kein Versuch, die Arbeit zu erstellen, vorgenommen wird, was eine extreme Form der Schreibblockade wäre. Die Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit wird somit als unlösbares Problem erlebt und birgt deshalb ein hohes Frustrationspotential. Ein weiterer Faktor, der Schreibprobleme begünstigt, ist die Anonymität, die der Hochschulbetrieb mit sich bringt. Viele Studierende fragen sich angesichts überfüllter Seminare, ob ihre Hausarbeit und die individuellen Probleme, welche diese für sie mit sich bringt, überhaupt jemanden interessieren, der sich mit dem Thema bereits bestens auskennt.
1 Siehe hierzu auch 2.1.3
Arbeit zitieren:
Sandra Wesp, 2001, Probleme beim wissenschaftlichen Schreiben, München, GRIN Verlag GmbH
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