Die hohe Aufmerksamkeit, die den Währungskrisen in den letzten Jahren sowohl aus der Wissenschaft als auch aus der Öffentlichkeit widerfährt, kann als ein Beweis für die große Bedeutung dieses Themas für das internationale Finanzsystem gesehen werden. Auch vor dem Hintergrund der heutigen Finanzkrise sind Warnungen bezüglich der Stabilität einiger fixierter, aber auch flexibler, Währungen, sowie Bemühungen der jeweiligen Regierungen zur Verteidigung ihrer heimischen Währungen zu finden. Ziel dieser Seminararbeit ist es, einen Überblick über die Konzepte der drei Währungskrisenmodellgenerationen zu geben, wobei der Schwerpunkt auf den ersten beiden Generationen liegt. Im Kapitel 2 werden wichtige Währungskrisen seit dem Zusammenbruch des Bretton Woods Systems sowie die parallele theoretische Entwicklung der Generationen der Währungskrisenmodelle dargestellt. Danach wird die erste Modellgeneration im Kapitel 3 anhand des Beispiels von Flood und Garber (1984) näher beschrieben. Das Kapitel 4 widmet sich der Erläuterung der zweiten Modellgeneration mit Hilfe des Modells von Obstfeld (1996). Anschließend wird die akademische Debatte zwischen den Vertretern der beiden Generationen über den richtigen Erklärungsansatz im Kapitel 5 geschildert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Währungskrisen und die theoretische Entwicklung der Währungskrisenmodelle
3. Modelle der ersten Generation
3.1 Modell von Flood & Garber (1984)
3.2 Implikation und Kritik
4. Modelle der zweiten Generation
4.1 Modell von Obstfeld (1996)
4.2 Implikation und Kritik
5. Die Debatte: Sind Währungskrisen selbsterfüllend?
6. Fazit
7. Appendix
7.1 Mathematische Herleitung des Modells von Flood & Garber (1984)
7.2 Mathematische Herleitung des Modells von Obstfeld (1996)
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit gibt einen wissenschaftlichen Überblick über die Konzepte der verschiedenen Modellgenerationen zur Erklärung von Währungskrisen. Der Fokus liegt dabei auf der theoretischen Entwicklung von Modellen, die ausgehend von fundamentalen ökonomischen Ungleichgewichten bis hin zu selbsterfüllenden Erwartungen der Akteure reichen, um den Ursprung und den Verlauf solcher Krisen nachvollziehbar zu machen.
- Grundlagen und Definitionen von Währungskrisen
- Analyse der ersten Modellgeneration (Flood & Garber)
- Analyse der zweiten Modellgeneration (Obstfeld)
- Die Debatte um selbsterfüllende versus fundamentale Krisenursachen
- Mathematische Herleitung der Krisenmodelle
Auszug aus dem Buch
3.1 Modell von Flood & Garber (1984)
Das grundlegende makroökonomische Modell unterstellt ein kleines Land und setzt eine geltende Kaufkraftparität voraus. Die Zentralbank hält beschränkte Fremdwährungsreserven, welche zur Verteidigung der Wechselkursfixierung eingesetzt werden. Die privaten Haushalte besitzen jedoch keine ausländischen Währungen. Die nominale Nachfrage nach der inländischen Währung hängt von dem inländischen Preisniveau und dem inländischen Zinsniveau ab, während das nominale Angebot sich aus den Fremdwährungsreserven der Zentralbank sowie der inländische Kreditmenge zusammensetzt.
Die zentrale Annahme der Modelle erster Generation ist eine zu dem Ziel der Wechselkursfixierung inkompatible Fiskal- und Geldpolitik. Dies findet sich in dem Modell als ein konstantes Wachstum der inländischen Kreditmenge wieder. Der spezifische Prozess lässt sich beispielsweise als Spiegelbild eines auf exzessive Staatsausgaben zurückgehenden Budgetdefizits, das monetär finanziert wird, interpretieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Währungskrisen ein und legt das Ziel der Arbeit fest, einen Überblick über die Modellgenerationen zu geben.
2. Währungskrisen und die theoretische Entwicklung der Währungskrisenmodelle: Das Kapitel erläutert die historische Entwicklung und die verschiedenen Kategorien der Krisenmodelle seit dem Zusammenbruch von Bretton Woods.
3. Modelle der ersten Generation: Hier wird das Modell von Flood und Garber (1984) vorgestellt, das Krisen durch eine inkompatible Fiskal- und Geldpolitik bei fixen Wechselkursen erklärt.
3.1 Modell von Flood & Garber (1984): Detaillierte Darstellung der theoretischen Annahmen und Gleichungen dieses Modells.
3.2 Implikation und Kritik: Kritische Reflexion der Stärken und Schwächen der ersten Generation, insbesondere bezüglich der perfekten Vorhersehbarkeit.
4. Modelle der zweiten Generation: Dieses Kapitel führt die zweite Generation ein, welche die Handlungsoptionen der Regierung und das Potenzial für multiple Gleichgewichte betont.
4.1 Modell von Obstfeld (1996): Erläuterung des Modells von Obstfeld, das die Rolle der sogenannten Escape-Clause bei der Entscheidung über den Wechselkurserhalt beleuchtet.
4.2 Implikation und Kritik: Diskussion der Bedeutung endogener Politikreaktionen und der Schwachstellen dieses Erklärungsansatzes.
5. Die Debatte: Sind Währungskrisen selbsterfüllend?: Darstellung der kontroversen Diskussion über die Rolle von Fundamentaldaten versus Markterwartungen bei der Entstehung von Krisen.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der drei Modellgenerationen und Ausblick auf die Notwendigkeit zukünftiger Forschung zur Verbesserung der Prognosefähigkeit.
7. Appendix: Beinhaltet die mathematischen Herleitungen der im Hauptteil behandelten Modelle.
7.1 Mathematische Herleitung des Modells von Flood & Garber (1984): Schrittweise Herleitung der zentralen Gleichungen des Flood-Garber-Modells.
7.2 Mathematische Herleitung des Modells von Obstfeld (1996): Herleitung der Verlustfunktion und der Schwellenwerte für das Modell von Obstfeld.
Schlüsselwörter
Währungskrise, Wechselkursfixierung, Flood & Garber, Obstfeld, Modellgenerationen, Spekulative Attacke, Markterwartungen, Fundamentaldaten, Escape-Clause, Multiple Gleichgewichte, Zentralbank, Fremdwährungsreserven, Kreditmenge, Geldpolitik, Finanzsystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine theoretische Analyse der verschiedenen Generationen von Währungskrisenmodellen, die entwickelt wurden, um den Ausbruch und die Dynamik von Währungskrisen zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Übergang von fixen zu flexiblen Wechselkursen, die Rolle der staatlichen Fiskal- und Geldpolitik, spekulative Attacken und der Einfluss der Markterwartungen auf das Stabilitätsgefüge einer Währung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen strukturierten Überblick über die Konzepte der Modellgenerationen zu geben und den wissenschaftlichen Diskurs zwischen den Vertretern der verschiedenen Ansätze darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Modellanalyse unter Verwendung mikroökonomischer und makroökonomischer Grundlagen (wie z.B. Kaufkraftparität und Zinsparität) sowie eine vergleichende Literaturdiskussion verwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die erste Modellgeneration (Flood & Garber) und die zweite Modellgeneration (Obstfeld) detailliert analysiert, ihre mathematische Fundierung erläutert und kritisch hinterfragt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe wie Währungskrise, spekulative Attacke, selbsterfüllende Erwartungen, multiple Gleichgewichte und Fundamentaldaten beschreiben den Kern der Arbeit am besten.
Was unterscheidet die zweite von der ersten Modellgeneration?
Die erste Generation fokussiert auf exogene Politikfehler und fundamentale Ungleichgewichte, während die zweite Generation die Regierung als optimierenden Akteur sieht und Markterwartungen einbezieht, die zu multiplen Gleichgewichten führen können.
Wie definiert Obstfeld die „Escape-Clause“?
Die Escape-Clause beschreibt einen Schwellenwert für stochastische Schocks, bei deren Überschreiten die Kosten der Verteidigung eines fixen Wechselkurses so hoch werden, dass die Regierung den Wechselkurs aufgibt.
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- Yao Chen (Author), 2009, Währungskrisenmodelle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141225