Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Wer war Martin Luther King jr.? 4
2.1 Martin Luther King und sein Glaube 6
2.2 Bildungsweg - intellektuelle Grundlagen seines politischen Weges. 7
2.2.1 Henry D. Thoreau - Ungehorsam als Pflicht 7
2.2.2 Walter Rauschenbusch - religiöser Kampf um soziale Gleichheit 8
2.2.3 Mahatma Gandhi - Gewaltlosigkeit als Mittel sozialer Macht. 9
3 Der richtige Mann zur richtigen Zeit 10
3.1 Rosa Parks und der Busboykott - Martin Luther King zwischen Beruf und Berufung
10
3.2 Soziales Kapital. 12
3.2.1 Erbe, Begabung und Überzeugung. 13
3.2.2 Attentate und Anschläge - Prüfungen des Glaubens und des Charakters. 15
3.3 Wofür stand Martin Luther King 16
4 Der Marsch auf Washington und die Geburtsstunde eines Traums - Martin Luther
King auf dem Zenit 18
5 Die Antipode? - Malcom X und der Weg der „black power“ 18
6 Die letzten Jahre - Hatte er zuviel gewollt? 20
7 Ehrungen, Wirkung und Vermächtnis. 22
8 Fazit 25
9 Literatur: 28
2
1 Einleitung
„Er war ein Neger, aber weiß wie Schnee und rein war seine Seele.
Er wurde getötet von Weißen mit schwarzen Seelen. Als ich’s erfuhr traf mich die gleiche Kugel.
Ihn tötete die Kugel, doch mich gebar sie neu, gebar mich als einen Neger.“ 1
Dieses Gedicht des russischen Dichters Jewgenij Jewtuschenko über Martin Luther King jr. verdeutlicht die weltweite Ausnahmerolle, die er im konfliktreichen 20. Jahrhundert einnahm. In einer Phase, in der die Welt jederzeit mit der Gefahr eines nuklearen dritten Weltkrieges konfrontiert wurde und Amerika kurz vor einem durch Rassendiskriminierungen hervorgebrachten Bürgerkrieg stand, predigte dieser schwarze Pfarrer aus Atlanta den Frieden in der Welt. In einer Ära der Gewalt predigte er die Gewaltlosigkeit; in einer Phase des Krieges sprach er vom Frieden; in einer Zeit, in der nationalstaatliche Interessen im Vordergrund standen, wurde er zu einem der ersten Weltbürger. 2 „In einer Zeit, in der sich die Rüstungsspirale immer schneller drehte, während im eigenen and Gewalt und Ungerechtigkeit zunahmen, verkörperte King eine mutige Alternative.“ 3
Martin Luther King wurde in den nur 13 Jahren, in denen er politisch wirkte, zu einer Ikone im Kampf um Gerechtigkeit und Gleichheit. Die Bedeutung seiner Person erstreckte sich dabei weit über den Kampf um die Gleichberechtigung der Schwarzen in Amerika hinaus. Er entwickelte sich von dem Pfarrer einer kleinen Kirche in Alabama zu einem der Welt weit angesehenen Verfechter des Friedens und zu einem der bedeutendsten ideologischen Führer einer ganzen Generation.
Dieses Bild des charismatischen Führers, der für Gleichheit und Gerechtigkeit kämpfte, ist es, das das heutige Bild Martin Luther Kings prägt. Das Ziel dieser Arbeit jedoch ist es, hinter den Mythos Martin Luther King zu blicken und zu fragen, wie und warum er in diese bedeutende Position kommen konnte und wie er sie ausfüllen konnte.
Immerhin war Dr. King, als er - während des Busstreiks in Montgomery - erstmalig eine führende Rolle in der Bürgerrechtsbewegung einnahm, ein 26 jähriger Theologe am Anfang seiner beruflichen Laufbahn. Trotzdem riskiert er in seinem jungen Alter sowohl seine Karriere
1 zitiert: Jewgenji Jewtuschenko, nach: Presler, Gerd, Martin Luther King, Jr., Hamburg, 2005, S. 108.
2 zitiert: E.C. Blake, nach: Presler, Martin Luther King, Jr., S. 151.
3 Deats, Richard, Martin Luther King. Traum und Tat. Ein Lebensbild, London u.a., 2001, S. 13.
3
als auch sein Leben und nimmt die Wahl zum Sprecher der Bewegung mit den Worten: „Einer muss es machen, und wenn ihr es mir zu traut, dann bin ich bereit.“ 4 Wer war dieser Mann, der es schaffte, so nachhaltig im Gedächtnis der Menschen zu bleiben? Warum wurde ausgerechnet er zum Anführer der Bürgerrechtsbewegung? Welche Ideen vertrat er und wie unterschied er sich von anderen Bürgerrechtlern? Welchen Einfluss hatte er wirklich auf die Menschen und inwieweit wirkte er auf die Geschichte? Diese Fragen sind es, die im Verlauf dieser Arbeit geklärt werden sollen, um am Ende ein objektives und greifbares Bild des Pfarrers, Bürgerrechtlers und Intellektuellen Martin Luther King zeichnen zu können.
Um hinter den Mythos Martin Luther King blicken zu können, ist es notwendig, zu allererst seinen Lebensweg zumindest umrisshaft zu skizzieren. Einen besonderen Stellenwert wird dabei die Frage einnehmen, welche Ideen ihn bei seiner Entwicklung beeinflusst haben. Selbstverständlich müssen ebenso wie die Person King, auch der zeitliche Kontext und die äußeren Umstände, die auf ihn wirkten und ihn an die Spitze der Bürgerrechtbewegung führten, beachtet werden.
Es soll sich jedoch nicht um eine biografische Aufarbeitung des Lebens von Martin Luther King und dem historischen Kontext, in dem er wirkte, gehen, sondern um ein Portrait seiner Person und seines Wirkens. Eine solche Darstellung seiner Person, seines Schaffens und seinem Charakter ist allerdings wohl ohne persönliche Bindung zu dieser Person nahezu unmöglich. Aus diesem Grund werde ich mich vordergründig auf Zitate und Reden von King und seiner Zeitgenossen stützen, um darzustellen, wie er sich selbst sah, wie er seine Zeit wahrnahm und wie seine Zeit ihn wahrnahm.
2 Wer war Martin Luther King jr.?
Martin Luther King jr. wurde 1929 in eine gut situierte Pfarrersfamilie hineingeboren. Mit seinen zwei Geschwistern Christine und Alfred Daniel wuchs er relativ wohl behütet auf und nahm schon früh am Leben in der Kirchengemeinde, in der er Kirchenlieder sang, teil. Er galt als sehr selbstständig, aber auch als sehr sensibel.
Besonders deutlich zeigt sich die extreme Sensibilität des jungen Martin Luther King an zwei Selbstmordversuchen im Alter von 12 Jahren. Anlass dafür waren ein Unfall seiner Großmutter und ein halbes Jahr später ihr Tod. Es lässt sich zwar nicht absolut klären, welche
4 Zitelmann, Arnulf, ‹‹Keiner dreht mich um››. Die Lebensgeschichte des Martin Luther King, Weinheim u.a.,
2003, S. 68.
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Gründe ihn zu diesen extremen Reaktionen verleiteten, jedoch spricht einiges dafür, dass er sich in einer, durch Rassendiskriminierung ausgelösten, Identitätskrise befand. 5 Zwar wuchs er, wie bereits erwähnt, vergleichsweise behütet auf, dem alles durchsetzenden Rassismus in den USA zu dieser Zeit konnte er sich jedoch nicht entziehen. In der Literatur über das Leben Martin Luther Kings lassen sich einige Beispiele finden, in denen er, schon in jungen Jahren, mit Rassismus konfrontiert wurde. Ein besonders prägendes Erlebnis war für ihn die Heimfahrt nach seinem Sieg in einem Rhetorikwettbewerb, als ihn der Busfahrer beschimpfte, weil er nicht für die zugestiegenen weißen Passagiere Platz machte und ihn letztlich dazu Zwang die 90 Meilen lange Rückfahrt zu stehen. Rückblickend sagte King über dieses Erlebnis, dass er diese Nacht nie vergessen werde und weder vorher noch später jemals wieder so wütend gewesen sei. Als Folge dieser Ereignisse rang er in seiner frühen Kindheit, als er erstmals mit den Rassendiskriminierungen in den USA selbst konfrontiert wurde, mit dem Hass. Es sei eine Zeit gewesen in der er voller Wut und Abscheu gegen alle Weißen, die von diesem ungerechten System profitierten, war. 6
Martin Luther King lebte jedoch den in ihm vorhanden Hass gegen das weiße Amerika nie aus, sondern führte seit dieser Zeit einen inneren Kampf. Er begann sich seiner Hautfarbe zu schämen und wurde sich dem Gefängnis seiner Hautfarbe immer bewusster. Er vollzog eine innere und äußere Wandlung, die das spätere Bild Kings deutlich mitbestimmen sollte.
So legte er beispielsweise seit dieser Zeit verstärkten Wert auf seine äußere Erscheinung und gab sein Geld für teure Anzüge, Krawatten und Schuhe aus. Darüber hinaus versuchte er sich vermehrt durch seine rhetorischen Fähigkeiten und elegantes Auftreten hervorzutun. 7 Während seines ersten Studienjahres in Crozer spitzte sich Kings innerer Kampf erneut zu. Obwohl es innerhalb des Crozer Colleges zu keinen rassendiskriminierenden Vorfällen kam und das Verhältnis zwischen den schwarzen und weißen Studenten gut war, kämpfte Martin Luther weiter gegen das Klischeebildes des Schwarzen in Amerika an. „Ich hatte ständig das typische weiße Negerbild vor Augen, wonach ein Neger dauernd zu spät kommt, lärmt und ständig lacht, dreckig und ungepflegt ist, und ich habe mich eine Weile schrecklich angestrengt, anders als das Klischee zu sein“, sagte er rückblickend über diese Zeit. 8 Sein innerer Kampf projizierte sich nun mehr und mehr nach außen, Martin Luther
5 Zitelmann, Keiner dreht mich um, S. 24.
6 Waldschmidt-Nelson, Britta, Martin Luther King, Malcom X, Frankfurt am Main, 2002, S. 37.
7 Zitelmann, Keiner dreht mich um, S. 25.
8 zitiert: Martin Luther King, nach: Zitelmann, Keiner dreht mich um, S. 43.
5
King wurde zur Antipode des im weißen Amerika herrschenden Stereotypenbildes des Schwarzen.
Ein weiteres prägendes Ereignis in Kings Leben ist die Beziehung mit einer Weißen, während seines Studiums in Crozer. Nachdem sie der Leiter der Universität eindringlich auf die Folgen ihrer Beziehung hinwies, beschlossen sie sich zu trennen. Ein Vorfall der King erneut zum Hadern mit seiner Hautfarbe brachte und - nach den Vorfällen mit seiner Großmutter - womöglich endgültig zu einem gestörten Verhältnis zu schwarzen Frauen führte. 9 Ob es dieses gestörte Verhältnis wirklich gab, lässt sich nur schwer eruieren, jedoch lassen sich solche Behauptungen immer wieder in der Sekundärliteratur finden und bereits John A. Williams, einer der ersten King Biografen, führte das Zitat einer hellhäutigen Freundin von Martin Luther an, die meinte: „Martin hat oft gesagt, er sei bereit, für die Schwarzen zu kämpfen und zu sterben, er könne aber ums Verplatzen an einer Schwarzen nichts Schönes finden!“ 10
Vergleicht man diese Seite Martin Luther Kings mit dem Bild, das heute geblieben ist, scheint es sich beinahe um zwei verschiedene Personen zu handeln. Zum Einen den charismatischen Führer der Bürgerrechtsbewegung und überzeugten Theologen, zum Anderen den unsicheren Jungen der nie aufhören konnte sich selbst zu beweisen. Obgleich die beschriebenen Ereignisse psychisch stark zusetzten und ihn in die Rollen des Antiklischees hineinzwangen, sind es doch auch vor allem diese - oft vergessenen - Erlebnisse, die ihn zu dem brillanten Rhetoriker, glaubwürdigen Vorkämpfer für Gerechtigkeit und überzeugten Theologen machten, der im Gedächtnis der Welt blieb.
2.1 Martin Luther King und sein Glaube
Einen Weg, aus der inneren Krise, in die Martin Luther King in seiner Jugend geraten war, fand er in seinem christlichen Glauben. Alle seine Überzeugungen und seine Ideen für eine bessere Welt waren tief verwurzelt in der Religion. „Die Kirche ist mein Leben“, schrieb er einmal in einem Artikel. 11
Er war Baptist und stand demnach mit seinem Glauben in der Tradition der reformerischen Evangelisten. Die afroamerikanische Baptistengemeinde schaffte es, sich eine eigene Tradition und einen eigenen Charakter zu schaffen. Die Predigten zeichneten sich vor allem durch gefühlsbetonte Rhetorik aus und die reagierten direkt auf die Worte des Predigers. Es wurden Chöre genutzt und Bibelgeschichten „phantasievoll“ nacherzählt, um das Evangelium
9 Zitelmann, Keiner dreht mich um, S. 47.
10 Zitelmann, Keiner dreht mich um, S. 47.
11 King, Der Traum vom Frieden, S. 6.
6
den Gläubigen zu vermitteln. 12 Diese Tradition sollte auch Martin Luther King prägen, der es vermied Reden abzulesen, um stärker die Emotionen der Hörer ansprechen zu können. Man kann die Rolle der Religion für King kaum überschätzen, es war nicht nur die Grundlage seines Wirkens, sondern das Fundament seines ganzen Lebens. Seine Frau Coretta Scott brachte die Bedeutung des Glaubens für ihren Mann mit den Worten: „Die innere Mitte, aus der mein Mann gelebt hat, war sein Glaube an Gott“ 13 , auf den Punkt. Er selbst betonte oft, dass er bereits in dritter Generation Baptistenprediger sei und dass es das sei, was sein Wesen ausmache. Die Religion sollte die Basis von Kings Handeln und Denken werden, während sein Bildungsweg ihm die Werkzeuge aufzeigen sollte, um seine Ideen zu verwirklichen. Martin Luther sagte dazu selbst: „Christus lieferte den Geist und die Motivation, Gandhi steuerte die Methode bei“ 14 .
2.2 Bildungsweg - intellektuelle Grundlagen seines politischen Weges
Martin Luther Kings Verständnis des Evangeliums allein sollte nicht ausreichen, um seinen Weg zu gehen. Es war das Studium der Theologie und der Sozialwissenschaften, das seine Überzeugungen festigte und ihm die Mittel für seinen späteren Kampf zuwies. Martin Luther King erhielt zwar für die damalige Zeit, vor allem für einen schwarzen Amerikaner, eine gute Ausbildung in Crozer, allerdings erreichte gerade die theologische Fakultät im Vergleich zu europäischen Standards kein angemessenes Niveau. Insgesamt ging die Auseinandersetzung mit vielen Denkern nicht über die Vermittlung von Handbuchwissen hinaus. 15 Daher konnte das Studium nur ein Grundlagenwissen vermitteln. Das soll allerdings nicht heißen, dass das Studium keine Wirkung auf King hatte. Es sind vor allem drei Männer aus verschiedenen Bereichen auszumachen, die King in seinem Denken und Handeln beeinflussten. Dabei handelt es sich um den Sozialwissenschaftler Thoreau, den Theologen Rauschenbusch und den indischen Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi.
2.2.1 Henry D. Thoreau - Ungehorsam als Pflicht
Henry Davids Thoreau Buch „Über die Pflicht zur Ungehorsamkeit gegen den Staat“ sollte Martin Luther Kings Lebensweg den entscheidenden Stoß geben. Thoreau sprach sich offen für jede Form des Boykotts gegen einen ungerechten Staat aus. Er ging dabei so weit, dass er von jedem Bürger forderte gegen ungerechte Gesetzte zu verstoßen, da sie sich sonst zu Helfershelfern eines ungerechten Systems machen würden. Es war ein klares Bekenntnis zum
12 Deats, Martin Luther King, S. 24.
13 zitiert: Coretta Scott King, nach: Deats, Martin Luther King, S. 7.
14 zitiert: Martin Luther King, nach: Deats, Martin Luther King, S. 7.
15 Zitelmann, Martin Luther King, S. 45f..
7
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Steffen Schröder, 2007, Martin Luther King jr. – Der Mythos eines Traumes, München, GRIN Verlag GmbH
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