Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. Der Eisenerzmarkt 2
2.1 Allgemeiner Überblick 2
2.2 Marktabgrenzung 4
2.2.1 Sachliche Abgrenzung 4
2.2.2 Räumliche Abgrenzung 5
2.3 Marktzutrittsschranken, Marktteilnehmer Marktkonzentration des Eisenerzmarktes 9
2.3.1 Marktzutrittschranken 9
2.3.2 Marktteilnehmer 10
2.3.3 Marktkonzentration 12
3. Simulierte Fusionen mit einem Cournot Modell 16
3.1 Ausgangslage für die Simulation von Fusionen 16
3.2 Anwendung des Cournot-Modells auf die Eisenerzindustrie 18
3.2.1 Annahmen für die Analyse simulierter Fusionen 19
3.2.2 Ausgangswerte für die Simulation von Fusionen 21
3.3 Ergebnisse der Fusionen von Rio Tinto/North Ltd. und Vale/Caemi 22
3.3.1 Fusion von Rio Tinto mit North Ltd. 22
3.3.2 Fusion von CVRD (Vale) mit Caemi 25
4. Simulierte Fusionen mit der Event Studie 28
4.1 Hintergrund zur Event Studie 29
4.2 Neoklassische und "Managerial" Theorien 29
4.2.1 Neoklassische Theorie 30
4.2.2 "Managerial" Theorie 31
4.2.3 Mögliche Effekte einer Fusion 32
4.3 Methode der Event Studie 33
4.4 Ergebnisse der Event Studie 35
5. Auswirkungen der Eisenerzmarktkonsolidierung auf die nachgelagerten Industrien 38
5.1 Entwicklung des Eisenerzpreises 38
5.2 Das Dilemma der Stahlindustrie 39
6. Fazit 41
7. Literaturverzeichnis 43
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis
Abbildung 1: Weltproduktion Eisenerz nach Daten der UNCTAD 3
Abbildung 2: Fusionen in der Bergbauindustrie nach Ericsson 16
Tabelle 1: LIFO und LOFI Testergebnisse nach R. Lundmark und L. Warell 8
Tabelle 2: Die größten Eisenerzförderer 1990 (basierend auf Daten der UNCTAD) 10
Tabelle 3: Die größten Eisenerzförderer 2008 (UNCTAD) 11
Tabelle 4: Anteil der weltweit größten Eisenerzförderer (UNCTAD) 13
Tabelle 5: Anteil an dem auf dem Seeweg gehandelten Eisenerz (UNCTAD) 15
Tabelle 6: Situation vor der Fusion (1999) nach R. Lundmark L. Warell 23
Tabelle 7: Simulierte Fusion von Rio Tinto / North Ltd. (R. Lundmark L.Warell) 24
Tabelle 8: Situation vor der Fusion (2000) nach R. Lundmark L. Warell 26
Tabelle 9: Simulierte Fusion von CVRD/ Caemi (R. Lundmark L. Warell) 27
Tabelle 10: Hypothesen und ihre Effekte bei Fusionen nach L. Warell 32
Tabelle 11: Die abnormale Rendite der betroffenen Firmen 35
Tabelle 12: Kumulierten Renditen 37
Tabelle 13: Die größten Stahlunternehmen (2006) nach O. Budzinski F. Kohl 39
1. Einleitung
Durch die Lektüre eines Spiegel Artikels vom 08.06.2009 bin ich zu meiner Bachelorthesis gekommen. Mit der Überschrift "Stahlindustrie warnt vor Konzentration" wird in diesem Artikel auf die Gefahren für die deutsche Stahlindustrie hingewiesen, sollte es zu einer Zusammenlegung des Eisenerzgeschäftes der beiden Konzerne Rio Tinto und BHP Billiton kommen. Interessant für mich an diesem Artikel war weiterhin, dass das neue Joint Venture zusammen mit einem weiteren Konzern (Vale) zwei Drittel des Marktes beherrscht, sollte die geplante Fusion genehmigt werden. Damit liegt die mögliche Marktbeherrschung der genannten Unternehmen im Eisenerzmarkt um zwanzig Prozent höher als die Marktanteile der OPEC auf dem Ölmarkt. Dabei steht normalerweise die OPEC im Mittelpunkt der Medien, wenn es um Marktbeherrschung eines Rohstoffmarktes und damit verbundenen hohen Preise geht. Über die Unternehmenskonzentration auf anderen Rohstoffmärkten wird bei weitem nicht so ausführlich berichtet.
Doch nun ist die Frage, wie denn der Ist-Zustand auf dem Eisenerzmarkt ist. Wie kann das Produkt Eisenerz sachlich und räumlich abgegrenzt werden? Die drei größten Firmen auf dem Eisenerzmarkt sind nun bereits bekannt, aber wie heißen die anderen Unternehmen und wie groß ist deren Anteil am Gesamtmarkt? Diese wichtigen Fragen und deren Antworten werden im zweiten Kapitel beantwortet, durch das vor allem ein allgemeiner Eindruck vom Eisenerzmarkt gegeben werden soll.
Im dritten Kapitel wird sich mit dem Thema Fusionen auf dem Eisenerzmarkt intensiver auseinandergesetzt. Wie sich Fusionen auf die Preise und die Wohlfahrt auswirken, soll anhand bereits abgeschlossener Fusionen gezeigt werden. Die Fusionen von Rio Tinto mit der North Ltd. (2000) und CVRD (heutige Vale) mit Caemi (2001) sollen auf der Grundlage des Cournot Modells erklärt werden.
Eine weitere Methode für die Simulation von Fusionen und deren Auswirkungen ist die "Event Study". Diese Methode wird im vierten Kapitel, angelehnt an die geplante Fusion von BHP Billiton und Rio Tinto, dargestellt. Durch diese Simulation lassen sich mögliche Folgen bei einer Fusion erkennen.
Dies sind Folgen, die vor allem für die Stahlindustrie und deren nachgelagerten Industrien von Interesse sind. Welche Auswirkung die zunehmende Unternehmenskonzentration auf dem Eisenerzmarkt für die Stahlindustrie hat, wird im fünften Kapitel thematisiert.
2. Der Eisenerzmarkt
In dem nun folgenden Kapitel wird ein allgemeiner Überblick über den Rohstoff Eisenerz mit einer damit verbundenen sachlichen und räumlichen Marktabgrenzung gegeben. Nach diesem Darauf aufbauend wird die Entwicklung des Eisenerzmarktes der letzten Jahre und die zunehmenden Fusionen innerhalb des Marktes beschrieben.
2.1 Allgemeiner Überblick
Eisenerz ist eine Mischung aus chemischen Verbindungen von Eisen mit nicht-eisenhaltigem Gestein. Dadurch kann der Eisengehalt der verschiedenen Fundorte höchst unterschiedlich sein. So hat das Eisenerz, welches in Brasilien und Australien entdeckt und gefördert wird einen hohen Eisengehalt, während das Eisenerz aus China einen deutlich geringeren Eisengehalt aufweist. Diese drei genannten Länder haben das weltweit größte
Eisenerzvorkommen der Welt. 1
Abgebaut wird es auf zwei verschiedenen Methoden. Entweder wird der Rohstoff in große Brocken oder als Feinerz abgebaut, bevor es entweder in großen Brocken, als feines Erz oder
als Pellets verkauft wird. 2 Dabei wird das Eisenerz vor allem in großen Brocken gefördert, da die Nachfrage nach diesem Rohstoff zu 99% aus der Stahlindustrie kommt. Diese benötigt
den Rohstoff als Brocken oder das zu Pellets gepresste Feinerz. 3
1 Vgl. Robert Lundmark, Linda Warell (2007): S.2.
2 Vgl. Robert Lundmark, Linda Warell (2007): S.2-3.
3 Vgl. Robert Lundmark, Linda Warell (2007): S.3.
Von 1990 bis 1999 lag die g die weltweite Eisenerzproduktion immer kn
bei 894,6 Mt. 5 Weltproduktion von 900 Million illionen Tonnen (Mt). Im Jahr 1999 lag sie bei 89 Im Zeitraum von 2002 bis 2008 s 2008 ist die Weltproduktion enorm gestiegen un gen und hat 2008 einen
on über 1700 Mt erreicht. Dabei fällt auf, dass sic vorläufigen Spitzenwert von üb sich die Produktion im asiatischen Raum (vor allem allem in Indien und China) mehr als verdreifacht ifacht hat. China ist mit einer Produktion von 366 Mt. . der weltweit größte Förderer von Eisenerz enerz. Damit liegen die Chinesen sogar vor Australien, ralien, welches jahrelang der Spitzenreiter des w des weltweiten Abbaus
von Eisenerz war. 6 Doch auch der australische Ra he Raum (Ozeanien) und Amerika haben ihre Pr hre Produktion steigern können, wie in der Grafik (Ab ist die Produktion von ik (Abb.1) erkennbar ist. Dem gegenüber ist die Eisenerz in Europa und Afrika a a auf einem relativ konstanten Niveau geblieben blieben.
4 Vgl. UNCTAD (2009): S.7.
5
Vgl. Robert Lundmark, Linda Warell
6 Vgl. UNCTAD (2009): S.7.
2.2 Marktabgrenzung
Nun ist aber die Frage, wie der relevante Markt für Eisenerz aussieht und wie er sich abgrenzen lässt. Dabei werden hier eine räumliche und eine sachliche Abgrenzung vorgenommen, damit die Marktmacht der einzelnen Unternehmen auf dem Eisenerzmarkt festgestellt werden kann. Dafür ist es wichtig herauszufinden, ob es Substitute (sachliche Abgrenzung) zum Rohstoff Eisenerz gibt und welche Gebiete (räumliche Abgrenzung) zu dem relevanten Markt gehören.
2.2.1 Sachliche Abgrenzung
Nach Ansicht der Europäischen Kommission handelt es sich beim Eisenerz um einen einzigen
Markt, der alle Formen des Eisenerzes, egal ob Pellets, Feinerz oder große Brocken, umfasst. 7 Damit widerspricht die Kommission vielen Interessengruppen, die der Ansicht sind, dass Pellets, Feinerz und Erzbrocken je einen relevanten Markt für sich darstellen. Hauptargument für diese Sichtweise ist, dass die Substitutionsmöglichkeiten zwischen diesen verschiedenen Eisenerzen stark eingeschränkt sind. Ein Wechsel von z.B. Pellets zu Feinerz würde die
Effektivität eines Stahlwerkes mindern. 8 Auch sind, nach Ansicht diverser Interessengruppen, viele Minen nicht in der Lage, Eisenerzbrocken zu fördern, bzw. verfügen nicht über die nötigen Maschinen für die Pressung des Feinerzes zu Pellets, da hierfür große finanzielle
Investition notwendig sind. 9
Ein weiterer Streitpunkt ist die Frage, ob z.B. für den europäischen Stahlmarkt das weltweit geförderte Eisenerz zu dem relevanten Markt gehört oder nur das auf dem Seeweg transportierte Eisenerz. Gehört also nur "Seefrachteisenerz" zum relevanten Markt oder doch alles Eisenerz, egal ob Feinerz, Pellet, Eisenerzbrocken oder "Seefrachteisenerz"? Hauptargument für einen geteilten Markt in "Seefrachteisenerz" und "Resteisenerz" ist, dass der Seeweg die einzige Möglichkeit für Europa ist, um an den Rohstoff zu kommen, da viele Länder, die Eisenerz fördern (z.B. Australien, Brasilien) in Übersee liegen und der interkontinentale Weg des "Resteisenerzes" (gefördert z.B. in China oder Russland) nach
7 Vgl. Europäische Kommission (2000): S.3.
8 Vgl. Robert Lundmark, Linda Warell (2007): S.5.
9 Vgl. Robert Lundmark, Linda Warell (2007):S.5.
Europa oft nicht möglich ist. 10 Ein Grund hierfür ist der enorme Eigenbedarf der Länder an Eisenerz und Stahl.
Die Kommission hat mit ihrem Beschluss verdeutlicht, dass es für sie keinen geteilten Markt für "Seefrachteisenerz" oder "Resteisenerz" gibt. Somit existiert nach Ansicht der Europäischen Kommission nur ein Markt für den Rohstoff Eisenerz und nicht viele
verschiedene, voneinander getrennte Märkte. 11
Klassische Substitute, wie z.B. die Margarine zur Butter sind hier auch nicht vorhanden, da vor allem die Stahlindustrie als Hauptnachfrager von Eisenerz zur Stahlherstellung nicht zu z.B. Aluminium wechseln kann. Die Definition des Eisenerzmarktes, wie sie die Kommission in ihrem Beschluss im August 2000 festgelegt hat, umfasst alle Formen des Eisenerzes ohne
Unterscheidungen. 12
2.2.2 Räumliche Abgrenzung
Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, um eine räumliche Abgrenzung vorzunehmen und damit den relevanten, geographischen Markt zu definieren. Zum einen ist es möglich, den Markt mit Hilfe des Preises abzugrenzen oder aber die andere Alternative, mit Hilfe von
"Shipments" Daten eine räumliche Abgrenzung vorzunehmen. 13
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten einen Preistest durchzuführen. Dieser Preistest besteht zum einen darin, die Korrelation der Preise betrachtet oder zum anderen, die Geschwindigkeit der Angleichung zu schätzen. Das Problem des Preistests in diesem Fall ist aber, dass der Preis für Eisenerz jedes Jahr neu verhandelt wird. Eine Korrelation der Preise hier durchzuführen ist damit nicht sinnvoll, da durch diesen jährlich ausgehandelten Preis die tatsächliche Marktnachfrage und das Marktangebot nicht ausreichend wiedergegeben
werden. 14
Ebenso ist es schwierig, einen korrekten Preis von der Verkäuferseite zu erfahren, da die Produzenten verschiedene Preise von verschiedenen Kunden verlangen. So verlangen die
10 Vgl. Europäische Kommission (2000): S.3.
11 Vgl. Europäische Kommission (2000): S.3.
12 Vgl. Europäische Kommission (2000): S.3.
13 Vgl. Robert Lundmark, Linda Warell (2005): S.11.
14 Vgl. Robert Lundmark, Linda Warell (2005): S.11.
brasilianischen Produzenten (z.B. Vale) von ihren europäischen Kunden andere Preise als von
ihren Kunden aus Asien. 15
Einer der am meisten verwendeten Tests zur Bestimmung des relevanten räumlichen Marktes ist der "Shipment" Test, also ein Test der Handelsströme. Im Gegensatz zu den verschiedenen Preistests beruht der "Shipment" Test auf quantitativen Daten. Der Test stammt aus dem Jahr 1973 und wurde von den beiden Wissenschaftler Elzinga und Hogarty entwickelt, die ihm auch den Namen EH-Methode gaben. Diese Bezeichnung wird auch im Folgenden
verwendet. 16
Die Hauptannahme dieser Methode ist, dass Regionen, die statistisch signifikant miteinander handeln, demselben relevanten Markt angehören. Fehlen diese signifikanten Handelsströme, so werden zwei separate Märkte angenommen. Um nun festzustellen, ob verschiedene Regionen zum selben geografischen Markt gehören, werden zwei Tests durchgeführt. Zum
einen der LIFO und zum anderen der LOFI Test. 17 LIFO bedeutet "Little in from Outside" und LOFI "Little out from inside". Mit dem LOFI Test wird untersucht, ob "nur geringe
Mengen der lokalen Produktion aus dem betrachteten Raum herausfließen." 18
Die LOFI Quote berechnet sich wie folgt:
Verkäufe der Produzenten im Untersuchungsgebiet an Konsumenten in dem Gebiet Verkäufe der Produzenten im Untersuchungsgebiet an alle Konsumenten
Die Quote bezieht sich auf die Angebotsseite und gibt an, wie groß der Verkauf der Produzenten an die Konsumenten im selben Gebiet ist. Ist diese Quote hoch, ist jene Lieferung an die Konsumenten außerhalb des Gebietes gering und es wird ein
"abgeschlossenes Marktgebiet angenommen." 19 Ist nun aber die Verbleibsquote gering, die Lieferung der Produzenten in andere Gebiete also hoch, so wird angenommen, dass es sich
15 Vgl. Robert Lundmark, Linda Warell (2005): S.12
16 Vgl. Robert Lundmark, Linda Warell (2005): S.12
17 Vgl. Robert Lundmark, Linda Warell (2005): S.12
18 Vgl. Hermann Kallfass (1996): S.10
19 Vgl. Hermann Kallfass (1996): S.10
Arbeit zitieren:
Robin Schierle, 2009, Fusionen auf den Rohstoffmärkten, München, GRIN Verlag GmbH
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