AS: Das elisabethanische England 04.12.2008
Laura Schiffner
Gerüchte um Elisabeths Liebschaften gab. Männer wie Dudley, Hatton und Essex durften die Königin in ihren Privatgemächern besuchen. Interessant ist der Unterschied zweier Verhältnisbetrachtungen: Elisabeth und ihr engster Kreis von Günstlingen sowie Elisabeth und der Privy Council. Zu den Günstlingen zählten Dudley, Hatton, Essex und Raleigh. Letzterer brachte der Königin u. a. teure Geschenke von seinen Seefahrten mit. Er gehörte zwar zum Kreis der Günstlinge, saß aber nicht im Privy Council. Dudley, Hatton und Essex waren als besondere Günstlinge zu betrachten. Cecil und Walsingham zählten nicht zu ihren Günstlingen, obwohl Cecil ihr engster Berater und Freund war.
Die Bezeichnung Günstlinge schließt auf den ersten Blick jedenfalls nicht jene aus, zu denen Elisabeth keine erotische Beziehung unterhielt. Meiner Meinung nach müsste es noch eine weitere Differenzierung in der Begriffsanwendung geben. Günstlinge können auch solche sein, denen Elisabeth auf einer rein freundschaftlichen Ebene zugetan war und auf die sie nicht verzichten konnte. So gab es einige Herren, die Elisabeth auf Grund ihrer Art und Intelligenz imponiert haben, ohne dass die Königin in eine weibliche Sehnsucht verfiel, was ja ohnehin schon selten der Fall war - aus Angst, die Liebe könnte sie beherrschen. Insofern würde ich den Begriff Favoriten für diejenigen wählen, denen Elisabeth erotisch zugeneigt war. Die wichtigste Rolle im Kreis der Favoriten spielte Robert Dudley, zu dem sie ein sehr enges (sexuelles?) Verhältnis pflegte, der ihr aber oft nicht seine eigene Ansicht mitteilte, sondern den Standpunkt, den die Königin am ehesten vertreten würde.
Ganz anders verhielt sich Cecil, der Elisabeths engster Berater und Vertrauter war. William Cecil hatte eine ähnliche Auffassung in politischen und geistlichen Fragen wie Elisabeth. Er war ein überzeugter Protestant und versuchte den Katholizismus zu verdrängen; zum Einen zur Legitimation seiner Königin, zum Anderen aus persönlich religiösen Gründen. Cecil war Elisabeths wichtigster Berater in allen politischen Angelegenheiten. Er wurde von Elisabeth zum Ersten Staatssekretär ernannt und erfüllte Aufgaben, die eigentlich nur einem Monarchen, also der Königin, zugestanden hätten. Daran kann man das uneingeschränkte Vertrauen der Königin erkennen. Meiner Ansicht nach hatte er die Aufgaben auch zur Legitimation Elisabeths übertragen bekommen. Er wäre also der König in Elisabeth. Als Konstante der Tudor - Herrschaft war er ebenso eine Legitimation für Elisabeth, da Cecil bereits am Hof lebte. Insofern bedingte sich ihre Macht in jedem Fall gegenseitig, auch wenn Cecil immer die klare Machtpositionierung zwischen der „gesalbten Königin“ und dem „höchsten Diener eines Staates“ (Klein, J. (2004): S. 25.) bewusst war. Ein anderer Grund für diese Stellung Cecils war, dass er bereits unter Heinrich VIII. für den Duke of Somerset als Berater gedient hat und später auch die Aufsichtsperson der jungen Elisabeth war. Er diente also kontinuierlich unter englischen Monarchen (Heinrich VIII., Elisabeth I.) und hatte Erfahrung in politischen Angelegenheiten. Elisabeth benötigte eine solche Vertrauensperson.
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Laura Schiffner
Aus dem Glauben, die Liebe würde sie blind beherrschen, forderte dieser Mensch ihren Verstand, der sie seit ihrer Jugend kannte. Deutlich wird das auch in einem Schreiben aus dem Jahre 1558: „Dieses Urteil habe ich von Euch, dass Ihr durch keinerlei Geschenk korrumpiert werdet und dass Ihr dem Staat treu sein werdet, und dass Ihr ohne Rücksicht auf meinen eigenen Willen mir den Rat geben werdet, den Ihr für den besten haltet.“ (Black, J. B. (1994): The Reign of Elizabeth, S. 8.) Es muss auch erwähnt werden, dass Cecil sehr wohl Geschenke von der Königin annahm. Auch wenn diese als Dank für sein Tun und nicht als Bestechung gemeint waren, lässt dies den Schluss zu, dass Elisabeth Cecil an sich binden wollte. Aber eine Liebe zwischen Cecil und Elisabeth wäre vermutlich allein auf Grund des Altersunterschiedes nie zustande gekommen. Cecil war außerdem als Erster Staatssekretär für sämtliche Maßnahmen militärischer Art zuständig wie z. B. für Kriegsschiffe, Besatzungen und Munition. Elisabeth war eine Frau und wäre als Befehlshaber nicht respektvoll behandelt worden. Das Frauenverständnis im 16. Jahrhundert besagte, dass eine Frau heiraten musste, um mündig zu werden, wobei dann der Ehemann zum Vormund wurde. Eine Frau würde also nicht allein entscheiden können, da sie wegen der unkontrollierbaren Wutausbrüche, des Weinens und Jammerns nicht prädestiniert genug war. John Knox, ein überzeugter Calvinist, erklärte zur Frauenrolle, dass diese zur Schwachheit, Gebrechlichkeit, Ungeduld und Torheit verdammt seien. „…Wenn die Frau über den Mann herrsche, so sei das eine Beleidigung Gottes…“ (Neale, J. E. (1936): S. 75.). Und gerade das Militär, das für sein Land kämpft, hielt es für außerordentlich schlecht, dass eine unmündige Frau -Elisabeth war ja nicht verheiratet - das (weitere) Vorgehen des Militärs bestimmen sollte. So konnte ein respektvoller Staatsmann im Namen der Königin das Militär leiten, ohne dass dieses eine ablehnende Haltung gegenüber seinem Befehlshaber entwickelte.
Im Gegensatz zu Cecil spielten die Favoriten - oder Günstlinge - wie Robert Dudley, Christopher Hatton und Essex (Robert Devereux) bei Elisabeth eine andere Rolle. Zu ihnen fühlte sich die Königin sexuell und körperlich hingezogen. Dudley leistete ihr oft Gesellschaft, beriet sie und war wohl ihr Liebhaber, was jedoch auf Spekulationen beruht. Auch er hat von Elisabeth teure Geschenke und Titel erhalten. Ob dies nun aus reiner Zuneigung erfolgte oder ob ihn Elisabeth an sich binden wollte, ist nicht geklärt. Meiner Ansicht nach, kommen beide Thesen in Betracht. Fest steht, dass sie ihn dadurch kontrollieren konnte. Wichtig festzuhalten bleibt auch, dass Cecil ihm nie ganz vertraute. Robert Dudley war wie Cecil ein überzeugter Protestant. Er musste sich immer gegen seine Familiengeschichte verteidigen. Sein Vater versuchte mit Lady Jane Grey, die mit Dudleys Bruder Guildford verheiratet war, eine Gegenkandidatin zu Maria Tudor aufzustellen. Der Versuch misslang, was dazuführte, dass alle drei Beteiligten hingerichtet und Robert Dudley im Tower eingesperrt wurden. Das Misstrauen Cecils gegenüber Dudley scheint also berechtigt gewesen zu sein, denn schließlich hätte Dudley sich für eine Verschwörung gegen Elisabeth
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Arbeit zitieren:
Laura Schiffner, 2008, Der engste Kreis um Elisabeth I von England, München, GRIN Verlag GmbH
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