mentale Differenz zwischen beiden Verfahren liegt in der Art der Informationsgewinnung bzw. der Datensammlung.
Jetzt erfolgt eine kurze Vorstellung der beiden Forschungsrichtungen, in der die Differenzen und auch die Gemeinsamkeiten deutlicher werden sollen sowie deren Vor-und Nachteile herausgearbeitet werden sollen.
Beginnen wir mit der älteren, nämlich der quantitativen Methode, welche in erster Linie dazu dienen soll, zählbare Eigenschaften oder Ereignisse sozialer Tatbestände zu messen. Das ist die gängige Vorgehensweise der empirischen Sozialforschung (vgl. dazu KROMREY 2006; ATTESLANDER 2000; DIEKMANN 2002 als Klassiker auf diesem Gebiet).
Der quantitativen Forschungsrichtung liegt der kritische Rationalismus zugrunde, welcher vom Philosophen und Wissenschaftstheoretiker Karl R. POPPER (2002) begründet wurde. Klassischerweise besteht der empirische Forschungsprozess aus diesen aufeinander folgenden Schritten, die sich auch manchmal zeitlich überschneiden können:
1. Aufstellung von Theorien bzw. Hypothesen oder Fragestellungen, die im Forschungsverlauf überprüft werden sollen 2. Auswahl der Stichprobe
3. Datenerhebung durch zuvor festgelegte, starre methodische Werkzeuge
4. Verarbeitung, das heißt Auswertung und Analyse der gewonnenen Zahlen
5. Überprüfung der Theorien bzw. Hypothesen oder Fragestellungen (Falsifikation, Widerlegungsversuch)
6. Verwerfung, Modifizierung oder Bestätigung der Theorien bzw. Hypothesen oder Fragestellungen auf der Grundlage der gewonnenen Ergebnisse
Die quantitative Sozialforschung wird bevorzugt in der Markt- und Meinungsforschung, Wahl- und Konsumverhalten oder auch Heiratsverhalten eingesetzt und hat hier eine lange Tradition. Da hier üblicherweise mittels Fragebogen, Telefonbefragung oder Internetumfrage gearbeitet wird, können so relativ schnell Daten größerer Personengruppen erhoben werden.
Die quantitativen Methoden dienen zur Beschreibung sozialer Phänomene und können kausale Erklärungen liefern. Das unterscheidet sie jedoch nicht von qualitativen Verfahren, die dasselbe Ziel verfolgen, aber die Forschungen sind meistens zeitintensiver und müssen sich mit einem kleineren Personenkreis begnügen. Bei quantitativen Forschungsmethoden handelt es sich um standardisierte Verfahren, das heißt, die Forschungsbedingungen sind stets dieselben, was bei qualitativen
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Verfahren nicht immer gewährleistet werden kann. Dadurch ist es möglich, die gewonnenen Informationen in Form von Daten bzw. in Messwerten darzustellen. Ein Vorteil dieses Verfahrens ist das Erreichen einer gewissen Vergleichbarkeit der untersuchten Objekte und die Möglichkeit, die Ergebnisse auch gut statistischmathematisch auswerten zu können. In der Regel geschieht dies computergestützt mithilfe des Statistikprogrammes SPSS, welches sich in der sozialwissenschaftlichen Forschung mittlerweile etabliert hat, obwohl es auch andere Auswertungsprogramme gibt.
Quantitative Verfahrenstechniken sind auf die Einzelpersonenbefragung bezogen meistens weniger aufwendig als qualitative Verfahrenstechniken. Somit ist es einfacher, größere Stichproben zu erfassen. Vorteilhaft ist in diesem Kontext, „Aussagen über Personen treffen zu können, die nicht befragt wurden, aber der vorher definierten Grundgesamtheit angehören.“ (SEIPEL/RIEKER 2003, S. 104) Die Ergebnisse können oftmals leichter generalisiert bzw. auf die Gesamtgesellschaft oder einen Teil der untersuchten Gesellschaft bezogen werden. Deswegen ist diese Methode vor allem bei Studien mit einer großen Stichprobe sehr beliebt. Es gibt mehrere Möglichkeiten (bei beiden Forschungsmethoden), eine geeignete Stichprobe zu gewinnen. Bewährt hat sich die Arbeit mit einer Zufallsstichprobe, denn so lassen sich Verallgemeinerungen bestimmen. Damit können Rückschlüsse auf alle Zugehörigen zu dieser Personengruppe gezogen werden. Man bezeichnet die Arbeit mit dieser Stichprobe als „statistical sampling“ (vgl. SEIPEL/RIEKER 2003, S. 105).
Zur Datenerhebung bedarf es eines geeigneten Verfahrens und die gängigste Methode ist hierbei die Fragebogenerhebung. „Dadurch kommt es zu einer selektiven Erhebung vorab definierter Merkmale, d.h. dass der Erfahrungsbereich durch die versuchte Antizipation der Wirklichkeit stark eingeschränkt ist.“ (SCHWARZ/KAPL 2004) Diese Begrenzungen werden von Vertretern der qualitativen Sozialforschung allerdings bemängelt. Ein Fragebogen ist zwar praktisch, vor allem bei der Auswertung der vordefinierten Antwortmöglichkeiten, aber er hat eben genau diese Grenzen. Es können zwar sowohl geschlossene wie auch offene Fragen gestellt werden, doch die Befragten sind vielleicht „schreibfaul“ oder der dafür vorgesehene Platz reicht nicht aus und so bleiben Informationen außen vor. Deshalb wird an der quantitativen Sozialforschung häufig kritisiert, dass sich der Forscher nicht ausreichend auf die befragte Gruppe einstellen kann. Zwar werden jedem Befragten dieselben Fragen gestellt, aber möglicherweise versteht sie nicht jeder Befragte gleich oder interpretiert sie anders.
Hingegen ist die Möglichkeit, die Ergebnisse mittels stochastischer Verfahren auszuwerten, zu analysieren und graphisch darzustellen, als sehr vorteilhaft zu bewerten. Statistische Tests helfen, die aufgestellten Hypothesen oder Theorien zu überprüfen oder auf die zu Forschungsfragen eine klare Antwort zu finden. Außerdem kann die
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Signifikanz berechnet werden. Es gibt eine ganze Reihe von Auswertungsverfahren und oftmals ist es nicht einfach, das geeignete Instrument bzw. die passende Formel zu finden. Das erfordert präzises Wissen über statistische Verfahrensmöglichkeiten. Steigt man genauer in die Statistik ein, dann können die gewonnenen Daten zum Beispiel mittels Faktoren- bzw. Clusteranalyse oder multidimensionale Skalierung verrechnet werden.
Da bei einer quantitativen Studie von vornherein klar ist, welche und wie viele Daten gewonnen werden sollen, kann eine Überschüttung mit Daten, auch „data overload“ genannt, besser ausgeschlossen bzw. beherrscht werden. Die Materialfülle, die zum Beispiel beim qualitativen Interview entstehen kann, wird bei der Auswertung oftmals zum Problem, denn es kann passieren, dass eine schwer zu überblickende Textmenge entsteht und dann ist eine Zuordnung oder Reduzierung nur schwer möglich (vgl. KUCKARTZ 1990, S. 495) Dafür müssen im Nachhinein oftmals in einem langwierigen Prozess geeignete Kategorien gefunden werden.
Dafür ist das Forschungsvorgehen und der Blick des Forschers ein offenerer und es können vielleicht Details erfasst werden, die im Vorfeld ausgeblendet oder ignoriert wurden, aber interessant sind und das Resultat einer Untersuchung bereichern können.
In der Anfangszeit und auch danach wurde in den empirisch ausgerichteten Sozialwissenschaften lange Zeit nur mit quantitativen Methoden geforscht, was an der ursprünglich vorherrschenden naturwissenschaftlichen Forschungsauffassung lag. Als Gegensatz und wohl aufgrund mangelnder Popularität sowie fehlender repräsentativer Untersuchungen mit qualitativen Forschungstechniken wurde diese Methode jahrzehntelang abgelehnt, denn sie galt als unwissenschaftlich oder sogar als journalistisch bzw. belletristisch. Ihr wurde nämlich vorgeworfen, so genannte „weiche Daten“ zu produzieren und es käme in der Forschung vielmehr auf „harte Zahlen und Fakten“ an. Es gab qualitative Sozialforschung eher vereinzelt, doch in den letzten Jahrzehnten hat diese Methode mehr Akzeptanz in der Soziologie erlebt, so dass zunehmend damit geforscht wurde. Das liegt zum einen an der offeneren Haltung gegenüber der qualitativen Forschung, aber auch an der Unzufriedenheit mit den Ergebnissen der konventionellen quantitativen Forschung.
Häufige Kritikpunkte an der quantitativen Sozialforschung sind der „Messfetischismus“, die Differenz zwischen Methodologie und Forschungsrealität, die Scheinobjektivität der Standardisierung, die Naturwissenschaft als Vorbild, die Betrachtung des befragten Individuums als „Forschungsobjekt“, die Ausblendung des sich möglicherweise ändernden Forschungskontextes und das Produzieren von Messartefakten (vgl. LAMNEK 1995a).
Zusammengefasst kann in aller Kürze festgehalten werden: Die quantitative Methode zielt auf Erklären ab (weniger auf Verstehen), ist nomothetisch, theorie- bzw. hypothesenprüfend und objektiv. Das Vorgehen ist deduktiv. Der Forschungsprozess ist
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Arbeit zitieren:
Sonja Deml, 2009, Qualitative und quantitative Methoden in der sozialwissenschaftlichen Forschung: Widerspruch oder Ergänzung?, München, GRIN Verlag GmbH
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