Das ewige Eis der Polkappen unserer Erde war schon immer ein Magnet für viele Abenteurer und Entdecker aus aller Herren Ländern. Schon im Jahre 1909 verkündete der US-Amerikaner Robert Peary, dass er als erster Mensch den Nordpol erreicht habe. Dieser, unter Historikern, äußerst strittige Erfolg löste einen ersten großen Wettlauf zum nördlichsten Punkt unserer Erde aus. Viele Abenteurer folgten, die, angestachelt vom angeblichen Erfolg Pearys, sich auf die beschwerliche und gefährliche Reise zum Pol begaben. In den folgenden Jahren gab es viele Menschen, die von sich behaupteten nun wirklich als Erster einen Fuß auf den Nordpol gesetzt zu haben. Nicht wenige allerdings bezahlten diese Jagd nach dem Ruhm mit dem Tod. Als wissenschaftlich einwandfrei bewiesen gilt bis heute jedoch nur der Überflug des Nordpols durch die Abenteurer Umberto Nobile, Roald Amundsen und Lincoln Ellsworth im Jahre 1926 (vgl. Seidler, 2009, S. 23f).
Einundachtzig Jahre später, im August 2007, startete mit der russischen Expedition „Arktika 2007“ die bis heute letzte große Polarexpedition. Doch diese diente nur untergeordnet dem Patriotismus oder gar dem Heldentum. Denn: Das oben schon erwähnte „ewige Eis“ des Nordpolarmeeres wie auch das der Antarktis taut und legt damit in nicht all zu ferner Zukunft den Blick auf, wie die meisten Wissenschaftler vermuten, knapp ein Drittel der weltweit vorhandenen Öl- und Gasvorkommen und verschiedene andere Rohstoffe frei (s. 1.3 Ausbeutbare Rohstoffe).
Diese Arbeit soll einen Überblick auf eines der heikelsten politischen wie auch umwelttechnischen Themen unserer Zeit geben, von dem viele Experten sogar behaupten, dass sich in diesem Konflikt genug Zündstoff für eine Neuauflage des Kalten Krieges verberge.
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1. Das arktische Gebiet
1.1 Geographische Bedingungen
Die Region des arktischen Gebietes wird heute über klimatische und vegetationsgeographische Kriterien definiert. So kommt es, dass teilweise große Teile der Anrainerstaaten, Russland, USA, Kanada, Norwegen, Island und Grönland (Dänemark), geographisch gesehen, zum arktischen Gebiet gehören (vgl. Anlage 1). In dieser Arbeit wird jedoch der Fokus vor allem auf dem Nordpolarmeer liegen, da dieses der eigentliche Streitpunkt der Anrainerstaaten ist. Das Nordpolarmeer, das durch die 5 großen oben genannten Anrainerstaaten begrenzt wird hat eine Fläche von 13 Millionen km 2 und hat seine tiefsten Stellen im sog. Nordpolarbecken. Dieses Becken, das an seiner tiefsten Stelle 5450m tief ist, ist am Meeresboden von verschiedenen Bergrücken durchzogen. Der größte und umkämpfteste Bergrücken ist der Lomonossowrücken, von dem später noch oft die Rede sein wird. Der Nordpol bzw. das Nordpolarmeer ist entgegen der oft verbreiteten Meinung keine feste Landmasse sondern lediglich ein Meer, das teilweise ganzjährig von Eis bedeckt ist. Das arktische Gebiet ist mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von -15 Grad eine der unwirklichsten Regionen der Erde. Aber dieser Zustand könnte sich bald ändern.
1.2 Die Auswirkungen des Klimawandels
Die Arktis heizt sich doppelt so schnell auf wie der Rest der Erde. Dies stellte die US-Wetterbehörde NOAA in ihrem Klimabericht im Herbst 2008 fest. Dies hat weitreichende Auswirkungen u. a. auf das Meereis und den nun tauenden Permafrostboden. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, steigt der Meeresspiegel durch das tauende Meereis allerdings nicht an, da das Eis schon eine seiner Masse entsprechende Menge Wasser verdrängt und somit, wenn es taut, kein zusätzliches Wasser in das Meer gelangt. Das stetig weiter tauende Gletschereis wiederum erhöht den Meeresspiegel jedoch sehr wohl. Der schlimmste Fall, so vermuten einige Experten, der durch vermehrte Süßwasserkonzentration im Meer eintreten könnte, wäre das Versagen des Golfstroms, der als „Heizung“ Europas dient. Die heutige Arbeitsweise des nordatlantischen Stroms funktioniert in etwa so:
Arktische Winde kühlen das aus dem Süden einströmende Wasser ab und es kommt zu Meereisbildung. Durch die erhöhte Salzkonzentration sinkt das nun schwerere Wasser vor Grönland und Island in die Tiefseeregionen ab und fließt zurück Richtung Äquator. Gleichzeitig strömt warmes Oberflächenwasser aus dem Süden nach und bringt so gemäßigtes Klima nach Europa. Falls nun zu viel warmes Süßwasser von den Gletschern abschmilzt, verringert sich die
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Meereisbildung und das Wasser ist weder kalt noch schwer genug um absinken zu können. Folge: Der Motor kommt zum Erliegen (vgl. Anlage 2). Ein weiteres Problem, das wir heute schon beobachten können, ist der sog. Albedo-Effekt. Das Wort Albedo leitet sich vom lateinischen Wort „albus“ für „weiß“ ab. Beim Albedo-Effekt trifft das aus dem All kommende Sonnenlicht auf das weiße Eis der Arktis und wird zu ca. 70-80 % wieder reflektiert. Experten sprechen hierbei von einem Albedo von 0,7 - 0,8. Somit hält sich die Arktis sozusagen selber kühl. Nun aber taut das Eis des Nordpolarmeeres in atemberaubender Geschwindigkeit und das dunkle Meerwasser tritt an seiner Stelle. Wasser hat allerdings nur ein Albedo von 0,07 d.h., das Meer wirft nur 7 % der eingestrahlten Energie wieder zurück. Dies wiederum hat zur Folge, dass sich erst das Meer selber aufheizt und danach die Atmosphäre. Trifft mehr Sonnenlicht auf die Oberfläche verdampft auch mehr Meerwasser, was in der Atmosphäre auch als Klimagas agiert und somit die Erde weiter aufheizt. Ein Teufelskreis.
Bei allen Horroreszenarien, die der Klimawandel in der Arktis auslöst oder noch auslösen wird, bezweifeln viele Experten aber immer noch den Einfluss des Menschen auf dieses Phänomen. Ihr Hauptargument hierbei ist, dass sich diese Region schon immer aufgewärmt aber auch wieder abgekühlt hat. Dies belegen auch Studien verschiedener Glaziologen, die festgestellt haben, dass das Polarmeer vor 40 Millionen Jahren 10-15 Grad warm war. Aber angesichts der Tatsache, dass der Mensch in den letzten 250 Jahren ungefähr genauso viel CO2 in die Atmosphäre gepumpt hat wie in den gesamten 800000 Jahren davor und dass diese Klimaerwärmung wie wir sie jetzt erleben die gravierendste seit 5000 Jahren Erdgeschichte ist, lässt diese These mehr als fragwürdig erscheinen.
1.2.1 Das schmelzende Meereis
Das arktische Meereis entsteht größtenteils an den Küsten Sibiriens. Von dort aus treibt es durch den Transpolardrift einmal von Ost nach West (vgl. Anlage 3). Diese Reise des Eises dauert mehrere Jahre. Wissenschaftler sprechen bei der Zusammensetzung des Eises von einjährigen bzw. von mehrjährigen Eis. Auf seinem Weg nach Westen ist das Eis mehren Wetterlagen ausgesetzt. Eis, das die Jahreszeiten und die Oszillation, die später noch erklärt wird, übersteht, wird als mehrjähriges Eis bezeichnet. Das dünnere, weniger widerstandsfähige Eis, als einjähriges. Neben den Jahreszeiten, die dem Eis auf seinem Weg schwer zusetzen, gibt es noch ein anderes Phänomen, das ebenfalls durch den Klimawandel beeinflusst wird. Die Rede ist hierbei von der sog. Oszillation. Hierbei muss zwischen negativer und positiver Oszillation unterschieden werden. Beide wechseln sich in einem Rhythmus von ca. 10 Jahren regelmäßig ab. Bei der negativen Oszillation befindet sich in den Wintermonaten ein Hochdruckgebiet über der Arktis, das für kühlere Winter in Europa sorgt. Gleichzeitig wird der sog. Beaufortwirbel verstärkt (vgl. Anlage 3), was dazu führt, dass das Eis länger in der kälteren Zone bleibt und somit letztendlich die Eiskappe wächst.
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Bei der positiven Oszillation gibt es in der Arktis erwartungsgemäß wärmere Winter. Dafür sorgen zu einem großen Teil Westwinde, die warme Luft vom Atlantikraum nach Nordeuropa und Sibirien bringen. Dies hat zur Folge, das der Transpolardrift verstärkt wird und das Eis auf den Atlantik gedrückt wird, wo es sehr schnell schmilzt. In dieser Zeit verringert sich die Eisdecke drastisch. So geschehen im Jahr 2007, als durch positive Oszillation und begünstigende Wetterumstände die Arktis über eine Million Quadratkilometer an Eis verlor. Normal sind ca. 100000 Quadratkilometer. Durch den Klimawandel und das damit ver-bundene immer wärmer werdende Weltklima werden die Erholungsphasen für das arktische Eis leider immer kürzer sodass in Zukunft wohl die positive Oszillation die Überhand gewinnen wird. Erste Messungen der Eisdicke haben außerdem ergeben, dass sich diese um knapp die Hälfte verringert hat. Dies bedeutet, dass im Nordpolarmeer wesentlich mehr einjähriges Eis als mehrjähriges existiert. Wieslaw Maslowski von der Naval Postgraduate School in Monterey hat mithilfe einer Computersimulation errechnet, dass die Arktis schon im Jahr 2013 komplett eisfrei sein könnte. Das Bemerkenswerte an Maslowskis Studie ist, dass er die besonders schlechten Eisjahre, nämlich 2005 und 2007 nicht einmal mit eingerechnet hat (Seidler, 2009, S. 72-82).
1.2.2 Die tauenden Permafrostgebiete
Eine weitere Folge des Klimawandels könnte dazu führen, dass Straßen, Eisenbahnstrecken, Pipelines usw. nur noch im Winter nutzbar sein könnten. Hierbei ist die Rede von den tauenden Permafrostgebieten. Durch das oben erwähnte schmelzende Meereis tauen die meist an den Küsten liegenden Permafrostgebiete. Schon jetzt bekommen wir diese Folge des Klimawandels deutlich vor Augen geführt. So stehen an Russlands Küsten in vielen Gebieten Bäume schief und es bilden sich auffällig runde Schmelzwasserseen. Dies ist dem sog. Thermokarst geschuldet. Hierbei sinkt die Oberfläche des Dauerfrostbodens durch den Volumenverlust ab und das Schmelzwasser kann nirgendwohin abfließen. Ein weit größeres Problem, das durch den tauenden Permafrost ausgelöst wird ist das im Eis eingeschlossene Kohlendioxid. Einige Experten schätzen, dass im Eis 750-950 Gigatonnen des gefährlichen Treibhausgases existieren. Dies ist mehr als im Moment in der gesamten Erdatmosphäre vermutet wird. Der Grund für diese enorme Anreicherung an Kohlendioxid sind die Pflanzen. Die Pflanzen entziehen der Atmosphäre mit Hilfe von Photosynthese große Mengen an Kohlendioxid. Wenn die Pflanzen absterben, versinken sie im Boden und beginnen sich zu zersetzen. Da es aber im Dauerfrostboden zu kalt ist, wird dieser Prozess gestoppt. Taut nun der Boden auf, geht die Zersetzung weiter und es werden schlagartig riesige Mengen an Kohlendioxid freigesetzt. Zusätzlich zu Kohlendioxid kommt auch noch ein weit gefährlicherer Klimakiller auf den Plan. Die Rede ist hierbei von Methangas. Sollten die gesamten Methan-gasvorkommen der Permafrostgebiete auf einmal freigesetzt werden, würde sich der Methangehalt in der Atmosphäre um 1200 % erhöhen! Was dies für das Erdklima bedeutet möchten sich die meisten Klimaforscher nicht einmal vorstellen.
Aber bei allen Hiobsbotschaften, die bekannt gegeben werden, gibt es auch gute Nachrichten. In Kanada wurde 2007 ein 750000 Jahre altes Permafrostge-
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biet gefunden, das mehrere Klimawandel überstanden hat. Dieses Beispiel zeigt den Menschen wieder deutlich, wie wenig wir über unser Klima wissen. Bleibt nur zu hoffen, dass unsere Vorstellungen vom Verlauf des Klimawandels deutlich übertrieben sind.
1.3 Ausbeutbare Rohstoffe
Durch die in 1.2 beschriebenen Folgen des Klimawandels ist in nur wenigen Jahren zu erwarten, dass das arktische Gebiet im Sommer fast vollständig eisfrei sein wird. Dieser Aspekt und die Tatsache, dass sich die Preise für Öl und Gas zusehends erhöhen, führt dazu, dass sich die Förderung für die großen Energiekonzerne wieder lohnt. Allerdings ist das arktische Gebiet mit seinen 550 sicher existierenden Öl- und Gasfeldern, die in einer Wassertiefe von weniger als 500 Metern liegen, geologisch gesehen noch weitgehend unerforscht. Laut Aussage von Robert Scott, Geologe an der Universität von Cambridge, sind die entnommenen Gesteinsproben von fast überall nördlich des Polarkreises zwar äußerst vielversprechend, allerdings nach Schätzungen Scotts noch zu jung, als dass sich unter ihnen Erdöl verbergen könnte. Die seiner Meinung nach aussichtsreichsten Gebiete sind die Barentsee (Norwegen/Russland), die Nordküste Alaskas (USA), das Mackenzie-Delta (Kanada) und die Jamal-Halbinsel (Russland) (vgl. Karte des arktischen Gebietes in der Anlage 1). Eine erste öffentlich zugängliche Schätzung des gesamten Öl- und Gasvorkommens nördlich des Polarkreises bietet das „Circum-Arctic Resource Appraisal (Cara)“. Diese Statistik wurde vom amerikanischen geologischen Institut erstellt und bedient sich weitgehend schon vorhandener Messdaten aus West-norwegen und dem nördlichen Teil der Nordsee. Da dieses Gebiet viele geologische Parallelen zu den noch weitgehend nicht vermessenen Gebieten der Arktis aufweist, konnte damit eine erste Hochrechnung erstellt werden. Laut Cara lagern im arktischen Gebiet ca. 90 Milliarden Barrel unentdecktes Öl. Dies entspricht 13 % des unentdeckten Öls weltweit. Mehr als die Hälfte davon wird nördlich von Alaska, im Kanadabecken und in Ostgrönland (Dänemark) vermutet.
Interessanter noch als Öl, sind die vermuteten reichen Gasvorkommen der Arktis. 47,3 Billionen Kubikmeter und zusätzlich 44 Milliarden Barrel Flüssiggas werden vor allem im Westsibirischen Becken (Russland), in der östl. Barentsee (Norwegen/Russland) und abermals nördlich von Alaska vermutet. Diese Zahlen entsprechen 30 % des unentdeckten Gasvorkommens der Erde. Zusätzlich zu Öl- und Gas wird Methanhydrat (Im Eis eingeschlossenes Methangas) in einer Menge von 2,41 Billionen Kubikmeter vermutet. Diese Menge entspricht ca. dem Jahresbedarf an Methangas der gesamten Erdbevölkerung. (Circum-Arctic Resource Appraisal, U.S Geological Survey, 2008) Dies sind aber immer noch nicht alle Rohstoffe um die es sich für die Konkurrenten zu kämpfen lohnt. Neben Gold, Silber und Platin lagern auch seltene Stoffe wie Gallium, Indium und Tellur, die vor allem in der Halbleitertechnik eingesetzt werden, in der Arktis. Richtet man den Blick in den Nordpazifik, stößt man auf Vorkommen von Mangan, Nickel, Kupfer und Erz die zusammen über 8,5 Milliarden Tonnen wiegen würden.
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Die Aubeutung der Öl- und Gasreserven, ist mit den heutigen technischen Möglichkeiten allerdings äußerst bedenklich. Dies zeigt sich vor allem am Beispiel des Snohvit (übersetzt: Schneewittchen)-Gasfeldes in Norwegen. Dieses in 300 Meter Tiefe liegende Gasfeld wird durch eine sich komplett am Meeresgrund befindende Anlage abgebaut. Das Projekt, das im September 2007 in Betrieb genommen und von mehreren ausländischen Sponsoren finanziert wurde (u.a. mit 3 % von dem Deutschen Unternehmen RWE/Dea), sollte ursprünglich eine Gasmenge im Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar jährlich fördern. Tatsächlich ist die geförderte Gasmenge allerdings wesentlich geringer. Zusätzlich zu diesem Problem mussten über zwei Jahre mehrere Umbaumaßnahmen mit Gesamtkosten von 11 Milliarden Dollar vorgenommen werden. Während der Umbaumaßnahmen konnte allerdings kein Gas mehr aufgefangen werden, was dazu führte, dass der überflüssige Rohstoff in einer 130 Meter hohen Flamme, die sogar noch von der Raumstation ISS gesehen werden konnte, verfeuert wurde. In nur zwei Monaten wurden so über 3,5 Millionen Tonnen des gefährlichen Treibhausgases CO2 in die Atmosphäre geschleudert (Seidler, 2009, S. 128-131). Der norwegische Umweltminister Erik Solheim kommentierte diese Umweltverpestung folgendermaßen: „Wie soll ich da noch appellieren, weniger autofahren oder Strom sparen?“ (Seidler, 2009, S.131)
1.4 Besitzansprüche
Wie die Zahlen und Fakten im Punkt 1.3 eindrucksvoll beweisen, ist der Kampf um die arktischen Gebiete und die damit einhergehenden notwendigen Anstrengungen, für die betroffenen Länder äußerst lohnenswert. Im Folgendem soll also die Frage geklärt werden, welche völkerrechtlichen Instrumente den fünf Anrainerstaaten zur Verfügung stehen, um ihre Gebietsansprüche im Nordpolarmeer durchsetzen zu können.
1.4.1 Rechtliche Lage
Sieht man den Kampf um die arktischen Gebiete aus Sicht der reinen Völkerrechtslehre, ist die Angelegenheit schnell vom Tisch. Im Jahre 1609 erklärte der Niederländer Hugo Grotius, zuerst anonym, in seiner Schrift „Mare Liberum“ (übs. Freies Meer) alle Nationen als gleichberechtigt, was die Nutzung der offenen See betraf. Sein Landsmann Cornelis van Bynkershoek führte zusätzlich noch eine 3-Meilen-Zone vor den Küsten ein. Dies entsprach der früheren Reichweite von Kanonen. Als diese Grundsätze im 18 Jhd. offiziell anerkannt wurden war der Begriff der Hoheitsgewässer geboren. Außerdem gilt bis heute die offene See als Erbe der Menschheit. Wie kommt also der Kampf um die arktischen Gebiete zustande? Hauptverantwortlich hierfür ist das UNO-Seerechtsabkommen, das seit 1994 in Kraft ist und von fast allen Anrainerstaaten der Arktis, außer den USA, ratifiziert wurde. In diesem Abkommen sind verschiede- ne Grundsätze enthalten wie zum Beispiel:
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- Das nationale Küstenmeer umfasst 12 Seemeilen (ca. 22,2 km). In diesem Gebiet hat der jeweilige Küstenstaat das absolute Hoheitsrecht, muss aber Schiffen anderer Nationen das Recht der „friedlichen Durchfahrt“ gewähren, solange diese sich an die Regeln des Völkerrechts und die Gesetze des Küstenstaates halten.
- Die wirtschaftliche Nutzung darf innerhalb der „Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ)“ erfolgen. Diese erstreckt sich von der Niedrigwasserlinie bis zu 200 Seemeilen (ca. 370 km) in das Meer hinein. Dieses Gebiet gehört zwar nicht direkt zum Staatsgebiet, so muss der Küstenstaat z.B. den Bau von Pipelines oder das Überfliegen dulden, aber der Staat hat alle Rechte auf eventuelle Ressourcen wie Fisch, Öl, Erzvorkommen, Gas usw.
(www.bgr.bund.de Bundesanstalt für Rohstoffe und Geowissenschaften) Doch selbst wenn auf einer Landkarte des arktischen Gebietes alle Ausschließliche Wirtschaftszonen der Anrainerstaaten eingezeichnet werden, bleibt immer noch ein großes Gebiet, das laut diesem Abkommen und wie schon oben erwähnt zum Erbe der Menschheit gehört. Doch hierfür gibt es natürlich auch ein Hintertürchen. Dieses Hintertürchen nennt sich der „erweiterte Festlandsockel“. Im Artikel 76 Abs. 3 des UNO-Seerechtsabkommens wird der Festlandsockel als die „unter Wasser gelegene Verlängerung der Landmasse des Küstenstaates“ bezeichnet. Die äußere Grenze des Festlandsockels bzw. Kontinentalschelfs liegt bei 200 Meilen. In Ausnahmefällen kann jedoch ein erweiterter Festlandsockel beantragt werden. Hierbei muss, einfach gesprochen, nachgewiesen werden, dass sich ihre Landmasse über die 200 Meilen Grenze hinweg fortsetzt. Der Artikel 76 hat aber auch viele Gegner, wie z. B. den Kieler Seerechtler Uwe Jenisch. Er sieht das Hauptproblem in der oft sehr vagen Formulierung des Artikels. „Demnächst könnten die Isländer versuchen, die Gewässer bis ins Südpolarmeer für sich zu beanspruchen - nur weil ihre Insel auf dem Mittelatlantischen Rücken liegt.“ (Seidler, 2009, S.55). Zuständig für die Entscheidungen über einen Erweiterten Festlandsockel ist die im UNO-Hauptquartier sitzende Festlandsockelkommission (Commission on the Limits of the continantel shelf). Die Mitglieder der CLCS sind oft hochmotivierte und erfahrene Fachleute, aber auch desinteressierte und ahnungslose Bürokraten, die von ihren Regierungen auf einen einigermaßen prestigeträchtigen Uno-Job entsorgt werden mussten. (Seidler, 2009, S.57) Der Grund, warum diese Kommission trotz ihrer wichtigen Aufgabe wenig in der Öffentlichkeit steht, ist, dass die meisten Entscheidungen und Arbeiten normalerweise im Geheimen stattfinden. Dafür sorgt ein spezielles fünfköpfiges Geheimhaltungskomitee. Diese Maßnahme ist der Sorge vor möglichen Konflikten zwischen militärischer Geheimhaltung und wirtschaftlichem Interesse geschuldet. Der deutsche Polarforscher Wilfried Jokat kritisiert dies auf das Schärfste: „Im Klartext bedeutet das: Die Experten der CLCS verhandeln über wichtige Teile der Welt, ohne dass sie irgendjemanden über ihre Arbeit rechenschaftspflichtig wären oder ihre Entschlüsse im Nachhinein auch nur im Ansatz nachvollziehbar wären.“(Seidler, 2009, S.62)
Doch die Kommission war keinesfalls untätig. So hat sich Australien nach 15 Jahren akribischer Vermessungen des Meeresbodens im Pazifik, Indik und im Südpolarmeer, im April 2008 über 2,5 Mio. km 2 neue Landmasse freuen kön- nen. Wer also bei der CLCS vorstellig werden will, sollte besser gut vorbereitet
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sein. Dies hat auch Russland schmerzhaft erfahren müssen, als ihr Antrag im Jahr 2001 aufgrund der schlechten Qualität der Daten abgelehnt wurde und sie gebeten wurden später einen neuen Antrag einzureichen. Jedem Anwärter stehen prinzipiell zwei Berechnungsverfahren zur Verfügung. Diese Verfahren heißen Distanzformel und Sedimentdickenformel. Dabei steht es dem jeweiligen Land frei, welche sie einsetzen bzw. ob sie die Formeln gemischt anwenden. Das Gebiet, das mit der Distanzformel eingefordert werden kann, beginnt am Fuß des Kontinentalabhangs (Stelle mit dem stärkstem Gefälle am Meeresgrund) und erstreckt sich 60 Seemeilen (ca. 111 km) in das offene Meer hinaus.
Bei der zweiten Berechnungsformel, also der Sedimentdickenformel, liegt die Grenze an dem Punkt, an dem die Sedimentdicke am Ozeanboden gerade noch ein Prozent der Entfernung vom Fuß des Kontinentalabhangs beträgt. Diese Formel wird häufig in tieferen Ozeanbereichen angewendet (Seidler, 2009, S. 63). Das Interessante dabei ist, dass beide Berechnungsarten natürlich zu zwei unterschiedlichen Ergebnissen führen. Soweit die Theorie, allerdings ist es in der Praxis wesentlich komplizierter. Der kanadische Geowissenschaftler Ron McNab schätzt, dass die Sedimentdicke zu bis zu 10 % falsch berechnet wird (Seidler, 2009, S.63). Des Weiteren existieren zwei weitere Regelungen:
- Die Außengrenze des erweiterten Festlandsockels darf nicht mehr als 350 Seemeilen (ca. 650 km) von der Küste entfernt sein. Oder (meist besser):
- Die Außengrenze darf nicht mehr als 100 Seemeilen (ca. 185 km) von der 2500m-Tiefengrenze liegen.
Auch hier bleibt es dem einfordernden Staat überlassen, welche Regel er anwendet. Aber um alles noch komplizierter zu machen gibt es auch hier wieder Ausnahmen. Im Artikel 76 des UNO-Seerechtsübereinkommens ist, neben der Definition des Festlandsockels und des erweiterten Festlandsockels, auch festgehalten, dass kein Staat Anspruch auf unterseeische Bergrücken und Tiefseeboden erheben kann. Diese Regelung gilt aber nur für Bergrücken und Tiefseegebiete, die Teil der ozeanischen Kruste sind. Auf Bergrücken und Tiefseegebiete, die Teil der kontinentalen Kruste sind, kann sehr wohl Anspruch erhoben werden. In diesem Fall kommt ausschließlich die erste der oben beschriebenen Regelung zur Anwendung, also dass die Außengrenze nicht weiter als 350 Seemeilen von der Küste entfernt sein darf. Liegt nun ein Bergrücken oder Tiefseegebiet aber auf der ozeanischen Kruste, gibt es auch hier ein Hintertürchen wie der sich dafür interessierende Staat doch noch zu seinen Gebieten kommen kann. Hierbei gilt das „Konstrukt der unterseeischen Erhebung“. Das heißt, dass der Staat nachweisen muss, dass es sich bei dem Bergrücken nicht um einen Bergrücken handelt, sondern lediglich um eine unterseeische Erhebung. Geht eine Forderung dieser Art bei der CLCS ein, gilt immer das oft vorteilhaftere Prinzip der 100 Seemeilen von der 2500m-Tiefengrenze. So hat Russland im Jahre 2001 erfolglos versucht mit ihren Untersuchungen den Lomonossowrücken (vgl. Anlage 1) für sich zu gewinnen.
Die Staaten haben allerdings nicht ewig Zeit um ihre Anträge bei der CLCS ab- zugeben. Die Faustregel besagt, dass jeder Staat nach der Ratifizierung des
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UNO-Seerechtsübereinkommens 10 Jahre Zeit hat, seinen Antrag auf eine Erweiterung seines Festlandsockels abzugeben. Hierbei reicht es jedoch den Nachweis zu erbringen, dass an einem dementsprechenden Antrag gearbeitet wird. Bisher liegen von Russland, Dänemark, Kanada und Norwegen schon derartige Nachweise vor. Aber auch die USA arbeiten an ihrem Antrag, können diesen aber, wie schon oben erwähnt, erst abgeben, wenn sie das Abkommen unterzeichnet haben.
1.4.2 Forderungen
Mit einem kleinen Gipfeltreffen wollte Dänemark im Grönländischen Städtchen Ilulisat im Mai 2008 eine Art arktischen Friedensgipfel inszenieren. Die Lage des Örtchens hätte nicht prestigeträchtiger ausfallen können. So gibt doch der benachbarte Ilulisat-Gletscher jährlich 20 Millionen Tonnen seines Eises in den Atlantik ab. Geladen waren alle Anrainerstaaten der Arktis, also die USA, Kanada, Russland, Norwegen und natürlich Dänemark, das die Interessen von Grönland vertritt. Der offizielle Sinn des Treffens war selbstverständlich die friedliche Aufteilung der Arktis. Was aber eigentlich im Vordergrund dieses Treffens stand, war die gegenseitige Versicherung der Staaten, dass kein Interesse an einem Schutzvertrag für das arktische Gebiet in Form des Antarktisvertrages besteht. Der Antarktisvertrag sorgt dafür, dass, zumindest bis zum Jahr 2041, die Ressourcen der Antarktis nicht unkontrolliert ausgebeutet werden. Viele Na-turschutzorganisationen, wie z. B. Greenpeace, forderten einen derartigen Schutzvertrag auch für die Arktis. Nun müssen sie allerdings erkennen, dass es so einen Vertrag definitiv nicht geben wird. Dies erkannte auch Greenpeace-Sprecher Mike Townsley: „Es ist klar, was passiert. Sie nutzen die Gesetze des Seerechts, um die Rohstoffe unter sich aufzuteilen, aber sie ignorieren die Gesetze des gesunden Menschenverstandes - dass die fossilen Brennstoffe den Klimawandel antreiben.“ (Seidler, 2009, S. 165)
Im Folgenden sollen die einzelnen Interessenten bezüglich des arktischen Gebietes und deren Anstrengungen bzw. Forderungen näher beleuchtet werden. Denn durch die Tatsache, dass die UN-Festlandsockelkommision kein Mandat besitzt um die überlappenden Gebietsforderungen zu klären, ist und bleibt der Kampf um die Polarregion vor allem ein politisches Problem.
1.4.2.1 USA
„Wenn es ein Fünf-Nationen-Rennen um den Nordpol gibt, dann sind wir jetzt gerade Fünfter“ (Seidler, 2009, S.166) beklagte Gene Brooks, Admiral der US-Küstenwache im August 2008. Diese Feststellung ist nicht übertrieben. Tatsächlich sind die USA im Rennen um die arktischen Gebiete im Moment sehr weit abgeschlagen. Dabei hätte der größte Verbraucher von fossilen Brennstoffen die Öl- und Gasvorkommen der Arktis bitter nötig. Im Jahr 2008 importierten die Vereinigten Staaten insgesamt 65 % ihres Öl- und Gasverbrauchs aus dem Ausland. Und eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht. So leeren sich die
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einstmals riesigen Ölfelder in Alaska. Die meisten davon gelegen in der sog. North Slope, einem kleinen Küstenstreifen bei Alaska, die bis vor wenigen Jahren knapp ein Fünftel des amerikanischen Ölbedarfs deckten. Wie ernst die Lage langsam wird, zeigt, dass die Ölfirmen ConocoPhillips und RoyalDutchShell für Bohrrechte in der rusischen Tschutschkensee im Frühjahr 2008 insgesamt 2,6 Milliarden US-Dollar auf den Tisch legten. Dieses Geld kann entweder ein Gradmesser für die Attraktivität dieses Gebietes oder für pure Verzweiflung sein, hat man dieses Gebiet doch schon 2005 akribisch vermessen und als nicht wirtschaftlich eingestuft. Auch was die Marine für die Arktis anbelangt, so sind die USA mehr als dürftig ausgestattet. Die amerikanische Marine, die so groß ist wie die 17 nächstkleineren nationalen Flotten zusammen, besitzt gerade einmal 3 Eisbrecher, die zu Einsätzen in der Arktis in See stechen könnten. Davon sind zwei aus Altersgründen im Wartezustand in Seattle. Aber es ist keine große Besserung in Sicht. Die US-Regierung bewilligte für 2009 gerade einmal 30 Millionen Dollar für die notwendigsten Instandhaltungsmaßnahmen. Will man aber in Washington bei dem arktischen Spiel auf Augenhöhe zum Beispiel zu seinem ärgsten Konkurrenten Kanada sein, wären vermutlich über 1,5 Milliarden Dollar notwendig. Dazu kommt noch, dass die Bauzeit für einen Eisbrecher im Minimum 8-10 Jahre beträgt. Die technischen Probleme der USA sind aber immer noch nicht der Hauptgrund dafür, dass sie im Fünf-Nationen-Rennen so weit abgeschlagen sind. Der Knackpunkt ist, dass die USA das UNO-Seerechtsabkommen noch nicht unterzeichnet haben. Wir erinnern uns: Man kann nur Gebietsansprüche stellen, wenn das Abkommen unterzeichnet ist. Der einzige Grund dafür ist, dass einige Senatoren befürchten, die USA könnte an Souveränität einbüßen, wenn sie sich z.B. dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg oder der Internationalen Meeresboden-Behörde in Jamaika unterwerfen müssten. Bezüglich der Forderungen der USA wird aber wahrscheinlich kein Weg an der Unterzeichnung des Vertrages vorbeiführen. Die genauen Gebietsforderungen der USA sind im Moment noch weitgehend unbekannt. Mal ist die Rede von 450000 km 2 , mal von sogar 1,2 Millionen km 2 . Letzteres würde einem Gebiet von der dreifachen Fläche des Bundesstaates Kalifornien entsprechen. Bei der Ausfertigung ist den Amerikanern die Genauigkeit der Daten extrem wichtig, schließlich will man nicht dasselbe Debakel wie die Russen im Jahre 2001 erleben. So brach der Eisbrecher „Healy“ in den letzten 7 Jahren fünf Mal in das arktische Meer auf um dort Daten zu sammeln und dies mit Erfolg: Die Wissenschaftler stellten fest, das der Kontinentalabhang 100 Seemeilen (ca. 190 km) von der Küste Alaskas entfernt liegt. Dies übertrifft die meisten Schätzungen bei Weitem und macht die USA damit zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten im Kampf um die arktischen Gebiete.
1.4.2.2 Kanada
Die Kanadier haben naturgemäß ein sehr enges Verhältnis zur Arktis. Schließlich wird diese ja schon in der Nationalhymne erwähnt: „Dies ist der wahre Norden, frei und stark“ und etwa 40 % des kanadischen Staatsgebietes (ca. die Fläche Europas) liegt in der Arktis. Allerdings ist diese Region des Hohen Nordens sehr schwach besiedelt. Die meisten Kanadier leben im Süden des Lan- des an der Grenze zur USA. Doch Kanada ist um seine Souveränität im Hohen
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Norden stark besorgt. Dies stellt auch Kanadas Premierminister Stephen Harper fest: „Kanada hat seine Souveränität viel zu lange viel zu leicht genommen.“ (Seidler, 2009, S. 180). So wurden die abgelegenen Gebiete Kanadas nördlich des 60 Breitengrades nur vereinzelt im Sommer von kanadischen Patrouillenbooten befahren. Doch in einer Rede im Herbst 2007 stellte der kanadische Premier einige Änderungen vor, die die kanadische Präsenz wieder herstellen sollen. In diesem Rettungsplan sind 6-8 neue Patrouillenboote, ein neuer großer Eisbrecher im Wert von 720 Millionen Dollar, verschiedene Militärcamps im Norden Kanadas und ein arktischer Tiefwasserhafen an der Nordspitze der Baffin Island enthalten. Zusätzlich sollen künftig Inuit als Ranger eingesetzt und als Vorposten für das kanadische Militär agieren. Des Weiteren existiert seit Kurzem ein 100 Millionen kanadische Dollar schwerer Unterstützungsfond, der eine vollständige Kartierung der arktischen Bodenschätze möglich machen soll. Als wäre das noch nicht genug, hat die Regierung in Ottawa für die Jahre 2008 und 2009 weitere 40 Millionen kanadische Dollar bewilligt um Messungen in den arktischen Gewässern durchzuführen. Eine dieser Missionen führten die Kanadier zusammen mit Dänemark durch, um zu zeigen, dass der Lomonossow-Rücken mit dem Nordamerikanischen Kontinent verbunden ist und nicht mit dem Eurasischen. Als das für Kanada und Dänemark durchaus positive Ergebnis im August 2008 auf dem Geologenkongress in Oslo vorgestellt wurde, behaupteten die Russen allerdings, dass sie genügend Anhaltspunkte hätten um das genaue Gegenteil zu beweisen. Kanadas Forderungen gehen sogar so weit, dass sie auch nicht vor der russischen Seite des arktischen Meeres zurückschrecken. Dies bestätigt auch Jacob Verhoef, Direktor des Geological Survey of Canada: „Das Sammeln von Daten auf der anderen Seite des Pols gehört zwar nicht zu unseren wichtigsten Prioritäten, wir könnten uns aber durchaus entscheiden ein paar zusätzliche Daten dort zu sammeln.“ (Seidler, 2009, S. 185).
Kanada schwimmt im Moment definitiv auf einer Erfolgswelle im Kampf um die arktischen Gebiete. Eine weitere Expedition diesmal an der Seite der USA bescherte Kanada einen weiteren Freudentaumel. Die Messungen, die am Mackenzieriver gemacht wurden, haben ergeben, dass sich die Sedimente dort weit in den Norden und damit auf Kanadisches Anspruchsgebiet erstrecken. Fasst man alle Forderungen der Kanadier zusammen, so ergibt sich eine schier unglaubliche Zahl von 1,75 Millionen km 2 . Dieser Wert entspricht ca. der dreifachen Fläche Frankreichs. Doch das Ende der Fahnenstange ist für Kanada immer noch nicht erreicht. Weitere Messungen werden folgen, schließlich hat das zweitgrößte Land der Erde noch bis 2013 Zeit, seinen Antrag bei der UNO abzugeben.
1.4.2.3 Grönland/Dänemark
„Das ist ein großer Tag in der gemeinsamen Geschichte von Grönland und Dänemark. Wir müssen das grundlegende Eigentumsrecht der Grönländer an den Ressourcen des Landes beschützen und unser Recht, das Land wieder selbst zu steuern, sichern.“ verkündete der grönländische Regierungschef Enoksen stolz, als das grönländische Volk mit einer überwältigenden Mehrheit von 75,5 % die ehemalige dänische Kolonie zum Teil selbständig gemacht hatte. Mit die-
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ser Wahl geht die bis dato von Dänemark kontrollierte Polizei und Justiz vollständig in grönländische Hand über. Allerdings ist diese Teilautonomie teuer erkauft worden. Bis heute hat Grönland eine jährliche Zahlung von 430 Millionen EUR von Dänemark erhalten. Diese Subventionen werden vermutlich in Zukunft wesentlich geringer ausfallen. Denn für jede Krone, die Grönland mit Rohstoffeinnahmen verdient, reduziert sich die Zahlung von Dänemark um jeweils 50 Öre. Diese Regelung gilt jedoch erst ab einer Einnahmegrenze von 10 Millionen. Sollte es in ferner Zukunft irgendwann zu dem unwahrscheinlichen Fall kommen, dass Grönland 800 Millionen EUR aus Rohstoffverkäufen einnimmt, müsste Dänemark theoretisch gar nichts mehr zahlen und Grönland wäre voll und ganz selbstständig. Dieses Ziel rückt jedoch mit jedem weiterem Jahr in unerreichbare Entfernung. Dies ist nicht nur den nicht sprudelnden Öl-und Gasquellen zu verdanken, sondern vor allem der desaströsen Finanzlage Grönlands. Für das Jahr 2009 muss Grönland mit einem Haushaltsdefizit von mehr als 40 Millionen Euro rechnen - Tendenz steigend. Das grönländische Bruttoinlandsprodukt beträgt lediglich zwei Drittel vom dänischen Wert. Hinzu kommt, dass Grönland eine mehr als siebenfach höhere Selbstmordrate als die einstigen Kolonialherren hat und die Bevölkerung mit 12 Litern reinen Alkohol pro Kopf einen der Spitzenplätze in Sachen Alkoholgenuss belegt. Diesen Missstand bemerkt zum Beispiel auch der frühere grönländische Diplomat Finn Lynge: „Niemand kann einen unabhängigen Staat auf exzessives Trinken aufbauen“.
Die Haupteinnahmequelle Grönlands ist bis heute der Fischfang und der Tourismus. Doch neben den Hoffnungen auf das große Geld aus Öl und Gas wächst auch die Landwirtschaft immer mehr. Dies ist ein positiver Effekt des Klimawandels. Durch das Abtauen der Gletscher und Eismassen Grönlands wird immer mehr fruchtbares Weide- und Anbauland freigegeben, was dazu führt, dass Bilder von Kartoffelackern umgeben von imposanten Gletschern um die Welt gehen. Doch die größte Hoffnung der Grönländer ist und bleibt nach wie vor die Förderung von Öl, Gas und Zink. Für einen Boom in diesen Sektoren der grönländischen Wirtschaft gab es noch vor wenigen Jahren genügend Anzeichen. Mehrere Minen wurden von internationalen Konzernen eröffnet und in Nuuk (Hauptstadt Grönlands) rieb man sich die Hände, gab man doch täglich mehr und mehr Bohr- und Ausgrabungslizenzen aus. Doch dank der Finanz-und Wirtschaftskrise wurde der Großteil der Minen und Bohrungen wieder still gelegt, da diese in Zeiten der Krise nicht wirtschaftlich genug waren. Aber auch schon in früheren Jahren, wie z. B. 1970 wurde in Grönland schon nach Öl gebohrt. Allerdings ohne großen Erfolg.
Ohnehin ist die Existenz von Öl und Gas in Mengen, die eine kommerzielle Förderung lohnenswert machen würde, mehr als fragwürdig. In einem Bericht aus Jahr 2000, der von der USA angefertigt wurde, wurde Grönland zwar eine mögliche Existenz von 117 Milliarden Barrel Öl und Flüssiggas bescheinigt, allerdings nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 %. In einem aktuelleren Bericht aus dem Herbst 2007 wurden diese Zahlen wieder deutlich nach unten korrigiert. In diesem geht man nur noch von 31 Milliarden Barrel Öl und Gas aus. Dieses Mal jedoch mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 %. Die Chance Grön-lands auf das große Geld vor der eigenen Haustür liegt also bei fifty-fifty. Ein weiteres Problem ist die problematische Ausbeutung dieser Gebiete. Ein Problem stellt das Treibeis da, dass trotz des Klimawandels eine unberechenbare Gefahr für sämtliche Bohrversuche darstellt. Des Weiteren sind einige Gebiete Grönlands Schutzgebiete von enormer Größe. Der Northeast Greenland Natio-
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nal Park zum Beispiel umfasst ein Gebiet von der dreifachen Fläche Norwegens.
Im Vergleich zu Kanada stellt Dänemark nur relativ kleine Gebietsansprüche. Insgesamt handelt es sich dabei um eine Fläche von 180000 km 2 . Jedoch wird Dänemark bis zum Jahre 2014 noch 7 weitere Expeditionen zur Vermessung des Meeresbodens starten und eventuell seine Gebietsansprüche weiter ausweiten. Ein erster Schritt in diese Richtung war die dänisch-kanadische Expedition zum Lomonossow-Rücken. Auch hier wird Dänemark versuchen ein Stück vom dem eventuell großen Lomonssow-Kuchen abzubekommen. Ein Konflikt zwischen Dänemark und Kanada steht also ins Haus, falls der Lomonossow-Rücken wirklich auf der amerikanischen Platte liegt. Viele Experten sind jedoch von der Rechtmäßigkeit der Gebietsforderung der Dänen nicht überzeugt. „Die Dänen überinterpretieren ihre Daten“ wettert der deutsche Polarforscher Winfried Jokat, während Lawrence Lawyer von der University of Texas bemerkt, das Projekt beruhe „eher auf Wunschdenken als auf Geologie“ (Seilder, 2009, S.199).
1.4.2.4 Norwegen
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern sind die Forderungen Norwegens nicht reiner Geld- bzw. Machtgier geschuldet, sondern einem wesentlich pragmatischeren Grund. Schätzungsweise 38 % des gesamten Staatseinkommens und ca. 60 % des norwegischen Börsenmarktes kommen aus der nationalen Öl-und Gasindustrie. Damit nimmt Norwegen einen Platz unter den Top-Ten der internationalen Rohstoffproduzenten ein. Allerdings betreibt Norwegen einen regelrechten Raubbau an der Natur. Der schwedische Energieforscher, Kjell Aleklett von der Universität Uppsala schätzt, dass es wahrscheinlich kein Land gibt, dass im Verhältnis zu seinen Reserven schneller Öl- und Gas fördert als Norwegen. Des Weiteren schätzt Aleklett, dass die norwegischen Ölreserven spätestens im Jahr 2030 komplett erschöpft sein werden. Diese Annahme ist keineswegs übertrieben, so verkündete Bente Nyland vom norwegischen Ölministerium schon 2006: „Die bequem zu fördernden Ölfelder sind schon alle leergepumpt. Wo wir jetzt ranmüssen wird es kompliziert.“ (Seidler,2009,S.200“) Die Erweiterung der norwegischen Gebiete im Hohen Norden dient also in erster Linie der Sicherung des Wohlstandes für die nächsten Generationen. Will man im Kampf um die arktischen Gebiete ein Ranking erstellen, so müsste man Norwegen in vielerlei Hinsicht an die erste Position stellen. So hat sich im Land der Fjorde schon eine ganze Industrie gebildet, die die internationale Öl-und Gasförderung außerhalb der norwegischen Grenzen vorantreibt. Hierzu zählen zum Beispiel Designer für Öl- und Gasplattformen, Reedereien, die sich auf den Transport der wertvollen Güter spezialisiert haben, Werften usw. Zusätzlich entschloss sich die Regierung in Oslo dazu, die beiden größten Ölkonzerne zusammenzuschließen. Hierbei handelt es sich um Statooil und Norsk-Hydro, die jetzt zusammen einen ernst zu nehmenden Konkurrenten zu dem russischen Gasriesen Gazprom geschaffen haben. Des Weiteren hat Oslo in einem jüngst herausgegebenen Regierungsschreiben verkündet, die Arktikflotte weiter auszubauen. So wurden bis heute schon fünf 130m lange Fregatten ge- kauft von denen die letzte 2010 in Betrieb genommen wird. Sie dienen vor allem
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dazu, mehr Präsenz in der von Norwegen und Russland beanspruchten Barentsee zu zeigen. Dieses Gebiet spielt auch eine große Rolle in dem schon 2006 eingereichten Antrag auf Gebietserweiterung. Generell finden sich im Antrag der Norweger, der insgesamt 248000 km 2 umfasst, einige Überschneidungen, vor allem mit den Forderungen von Russland, Dänemark (diesmal im Auftrag der Farör-Inseln) und Island. Während man sich mit Dänemark und Island bereits auf eine Lösung in manchen Konfliktgebieten geeinigt hat, herscht mit Russland bis heute weitgehend Funkstille. Und eine schnelle Einigung ist nicht in Sicht, geht es doch bei dem Streit um ein riesiges Gebiet von 41000km 2 . Ein weiteres Problem ist, dass in dem besagten Gebiet eine riesige Gasblase ge-funden wurde. Dieser Fakt macht die Situation noch komplizierter, denn: Je länger der Streit dauert, umso knapper werden die Rohstoffvorkommen der Erde und umso wertvoller das Streitgebiet - Ein Teufelskreis. Aber es gibt auch Lichtblicke. Norwegen und Russland haben sich darauf geeinigt, dass die Gasblase nicht angebohrt wird, solange nicht geklärt ist, wie das Gebiet aufgeteilt werden soll. Zusätzlich wurde ein Abkommen geschlossen, in dem beide Länder in Kooperation treten, was die Suche nach Öl und Gas in der Barentsee anbelangt. Letzteres hat Russland aber wahrscheinlich nur akzeptiert, weil sie nicht über das von Norwegen über die Jahre angehäufte Know-How verfügen.
Wie viel Norwegen von seinen Forderungen letztendlich durchsetzen kann, ist fraglich, da zum einem die Barentsee nicht der einzige Konfliktpunkt mit Russ-land ist und zum anderen der norwegische Schelf nicht so weit in den Norden hinaufreicht wie erhofft. Aber an diesem Punkt kommt Spitzbergen ins Spiel, von dem die Norweger behaupten, dass die Inselgruppe mit der norwegischen Landmasse verbunden ist. Diese Behauptung wird allerdings von den Russen in Frage gestellt, die ihrerseits ebenfalls Anspruch auf die Insel erheben. Diese Insel könnte zu einem Pulverfass im Kampf um die arktischen Gebiete werden (s. Kap. 1.5).
1.4.2.5 Russland
Russland hat ein ähnlich schizophrenes Verhältnis zur Arktis wie Kanada. So ist es nicht verwunderlich, dass Russland schon früh Forderungen bezüglich des Nordpolarmeeres geltend gemacht hat. Schon 1926 beanspruchte Russland eine Fläche von der Ostgrenze Norwegens bis zur Beringstraße für sich, die im Norden nur vom Nordpol begrenzt wurde. Die Forderungen Russlands sind also keine großen Überraschungen. Dies bestätigt auch Antolij Kolodkin, Richter am internationalen Seegerichtshof: „Es entsteht jetzt manchmal der Eindruck, wir haben uns das gerade erst ausgedacht.“ (Seidler, 2009, S. 216). Zur Zeiten der Sowjetunion war Russland für den Kampf im Hohen Norden bestens gerüstet. Schon früh siedelten sie viele Bürger, zumeist auch unter Zwang, in den unwirklichen Norden des Landes um und hatten eine 42 Schiffe starke, mit Eisbrechern, Patrouillenboote usw. ausgestattete Arktikflotte. Doch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion blieb das Geld aus Moskau aus und die Marine des Landes verwahrloste zusehends. Später mussten sogar für umgerechnet 35000 Mark pro Mann Touristen mit den mächtigen Eisbrechern zum Nordpol geschifft werden um wenigstens Geld für Instandhaltungsarbeiten zu bekom-
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men. Doch Russland erstarkt wieder und hat mit der Unterzeichnung des UNO-Seerechtsabkommens 1997 einen wichtigen Schritt getan um polartechnisch gesehen wieder auf die Beine zu kommen. Als die Russen im Jahre 2001 als erstes Land überhaupt eine Gebietsforderung in der Arktis über 1,2 Millionen km 2 stellten, wurden auch die heutigen Konkurrenten wieder auf die einstige Weltmacht aufmerksam. Nicht zuletzt, weil einige Gebietsforderungen gefährlich nahe an ihr eigenes Territorium heranreichten. Zahlreiche Nationen protestierten damals lautstark. Allen voran die USA, Japan und Norwegen, die befürchteten, dass Gebiete, die sie selbst für interessant erachteten, ihnen vor der Nase weggeschnappt werden würden. Als jedoch die Festlandsockelkommision dem Antrag wegen mangelnder Qualität der Daten nicht zustimmte, war das Aufatmen seitens der Anrainerstaaten Russlands groß. Seitdem sammelt Russland weiter fleißig Daten um nicht nochmal eine derartige Demütigung erleben zu müssen. Überhaupt ist das Interesse Russlands an der Arktis nicht nur wirtschaftlicher Natur. Vielmehr geht es Russland um das Prestige wieder eine Polarmacht und Seemacht zu sein. Dies ist nicht verwunderlich, wenn man die Vorkommen an Öl und Gas betrachtet, die Russland jetzt schon sicher besitzt:
- die Barentsee: Hohe Gasvorkommen, auch wenn noch nicht geklärt ist, wie viel sich Russland davon mit Norwegen teilen muss - die Petschorarsee, ein Gebiet südöstlich der Barentsee - die Karasee, zwischen den Inselgruppen Nowaja Semlja und Sewernaja Semlja gelegen
Dazu kommen noch enorme Öl- und Gasreserven auf dem Festland. Russland, so schätzen Experten, hat auf seinem Festland die zweitgrößten unentdeckten Ölvorkommen weltweit. Was Gas anbelangt liegt der Wert sogar auf Platz eins. Allerdings ist Russland auf die Ausbeutung der schwer zugänglichen Rohstoffe extrem schlecht vorbereitet. Neben dem Mangel an nötigen Geräten wie moderne Bohrschiffe, ausreichende Häfen, Förderanlagen usw., die zum Großteil an ausländische Investoren vermietet sind, fehlt es den Russen zusätzlich noch an Know-How. Das quasi halb-staatliche Gasunternehmen Gazprom rechnet mit ca. 80 Milliarden Dollar Kosten um allein den Mangel an passendem Gerät zu beheben. Eine Investition, die ohne ausländische Investoren fast unmöglich erscheint. Doch eben diese Investoren werden von dem russischen Großmachtgehabe und den entsprechenden Gesetzen abgeschreckt. So hat der Kreml 2008 ein Gesetz erlassen, in dem er sich bei Ausbeutung des russischen Schelfs die alleinige Kontrolle zusichert. Ohnehin dürfen auf dem russischen Schelf nur Firmen operieren, die mindestens zu 50 % russisch sind. Das Verhalten Russlands ist also paradox. Einerseits versucht der Kreml internationale Investoren zu locken, die dringend benötigtes Geld in die Staatskassen spülen um wenigstens theoretisch in der Lage zu sein, die schwer zu erreichenden Gebiete der Arktis auszubeuten. Andererseits verschreckt er fast alle Investoren durch pure Eitelkeit und Dirigismus. Zusätzlich verhalten sich die Russen beim Thema Konflikte (z.B.: mit Norwegen) sehr ungestüm. In den letzten Jahren flossen alleine 35,4 Milliarden Dollar in den Aufbau von Militär in der Arktis. Dieser Wert ist zwar nur ein Zehntel dessen, was die USA an jährlichen Militäraus- gaben verbuchen, aber die Tatsache, dass 2008 alleine 80 russische Patrouil-
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lenflüge über der Arktis stattfanden und dass der Kreml für das nächste Jahr 20-30 Flüge pro Monat verkündet hat, lässt bei vielen Anrainerstaaten und damit bei den Investoren langsam Bedenklichkeit entstehen.
1.5 Aktuelle und zukünftige Konflikte
Fasst man alle Fakten zusammen, lässt sich sagen, dass die Lage im Hohen Norden ein enormes Konfliktpotential zwischen den einzelnen Rivalen im Kampf um die arktischen Gebiete birgt. Blickt man in die Vergangenheit, lässt sich leicht erkennen, dass es eine vergleichbare Situation noch nicht gegeben hat. Noch nie wurde ein Ozean so schnell erschlossen und zum Mittelpunkt derartiger politscher Auseinandersetzungen. War das Nordpolarmeer im Kalten Krieg quasi bedeutungslos, so ist es heute, im Zuge der Rohstoffknappheit und der sich wieder erholenden Weltwirtschaft, zu einem der explosivsten, politischen wie auch ökologischen Konfliktherde unseres Planeten geworden. Ein interessanter Fakt dabei ist, dass Staaten, die normalerweise gute Beziehungen zu einander pflegen, bei diesem Kampf im Hohen Norden sich als Konkurrenten gegenüber stehen. In der Arktis kämpft also jeder für sich allein. Allen voran Russland das mit Patrouillenflügen, Marinemanövern, Raketentests usw. vor den Augen der NATO, versucht, Stärke zu beweisen und damit bewusst die Situation weiter verschärft.
In diesem Kapitel soll auf die gegenwärtigen und evtl. zukünftigen Konflikte zwischen den fünf Arktis-Anrainerstaaten eingegangen werden, wobei der Konflikt zwischen Norwegen und Russland die größte Gefahr birgt und somit auch im Mittelpunkt dieses Kapitels steht.
1.5.1 Aktuelle Konflikte
Russland - Norwegen
Wie schon im Kapitel 1.4.2.4 erwähnt, dreht sich der Hauptstreitpunkt zwischen Russland und Norwegen um die Inselgruppe Spitzbergen (vgl. Anlage 1). Völkerrechtlich gesehen ist Spitzbergen ein Kuriosum. So legt der 1920 geschlossene Spitzbergen-Vertrag fest, dass 40 Nationen das Recht haben dort zu leben, solange sie selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Der eigentliche Streitpunkt jedoch ist, dass Spitzbergen unter norwegischer Verwaltung steht und Norwegen eine 200 Meilen große allgemeine Wirtschaftszone um die Insel gezogen hat, mit der Begründung, dass Spitzbergen auf norwegischer Landmasse liege. Der Protest Russlands ließ, wie befürchtet, nicht lange auf sich warten. Leistet sich Russland doch seit dem Jahre 1919 einen Außenposten auf der 1200 km vom Nordpol entfernten Inselgruppe. Die Rede ist hierbei von Barentsburg. Das 300 Seelen große Städtchen diente in Sowjetzeiten überwiegend dem Kohleabbau. Allerdings, seit das Geld aus Moskau nicht mehr fließt und der Kohleabbau rückläufig ist, verfällt die Stadt zusehends. Der eigentliche
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Grund, warum Russland immer noch an Spitzbergen festhält, sind die von russischen Experten vermuteten Öl- und Gasreserven, der noch von Norwegen regierten 200-Meilen-Zone auf die Russland aufgrund seiner langen Präsenz auf der Inselgruppe ebenfalls Anspruch erhebt.
Dies ist aber nicht der einzige Streitpunkt um Spitzbergen. Im Jahr 1977 hat Norwegen verschiedene Fischerei-Schutzzonen ausgerufen um Überfischung zu vermeiden. Diese Schutzzonen werden allerdings bis heute von Russland nicht akzeptiert. Wie sehr sich der Konflikt zwischen Russland und Norwegen zuspitzen kann, zeigt der Fall des russischen Fischers Walerij Jaranzen: Ein norwegisches Patrouillenboot hatte den Fischer vorerst wegen Fischen mit zu kleinmaschigen Netzen angehalten. Als jedoch die Männer der norwegischen Küstenwache sein Boot betraten, fuhr der Fischer mit Volldampf Richtung Osten. Als er schließlich mit den zwei Norwegern russisches Gebiet erreicht hatte, wurde er von einer Armada aus russischen Schlachtschiffen empfangen und in seiner Heimat als Held gefeiert. Dieses Beispiel zeigt gut, wie sehr sich Russland und seine Bevölkerung gegen die norwegische Hoheit in den Gewässern um Spitzbergen sträuben. Die zunehmenden Machdemonstrationen und die damit einhergehende Unverfrorenheit Russlands lässt bei den Norwegern langsam ernsthafte Sorgenfalten auftauchen und ein Gefühl der Bedrohung entstehen. So blickte man mit Sorge auf den Georgienkonflikt und auch die 2008 verkündete russische Arktisstrategie verhieß nichts Gutes: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Kampf um Rohstoffe mit militärischen Mitteln geführt [werden (de)] wird“ (Seidler, 2009, S. 262).
USA - Kanada
Bei dem Konflikt zwischen den USA und Kanada, geht es um eine 24000 km 2 große Zone in der Beaufortsee. Eine baldige Lösung dieses Problems ist höchstwahrscheinlich nicht in Sicht, da auf beiden Seiten im Moment Funkstille herscht und keine Partei sich für Verhandlungen bereit erklärt. So befindet sich dieser Konflikt seit den Siebzigern im Stillstand. Auf Nachfrage des Geologen George Newton von der University of Louisiana nach dem aktuellen Stand der Verhandlungen verkündete das U.S Geological Survey nur: „Die Kanadier kennen unsere Telefonnummer“ (Seidler, 2009, S. 176).
1.5.2 Zukünftige Konflikte
USA - Kanada
Bei diesem zweiten Konflikt der beiden Nachbarländer ist der Streitpunkt die Nordwestpassage. Diese Schifffahrtsroute bietet Schiffen, sobald die Arktis im Sommer eisfrei ist, die Möglichkeit eine äußerst lohnenswerte Abkürzung über das Polargebiet zu nehmen und so bis zu 4200 km Strecke, die normalerweise durch den Panamakanal verläuft, zu sparen. Der Konflikt entsteht dadurch, dass Kanada die Strecke als internes Gewässer ansieht, während die USA, mit
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Schützenhilfe der EU, die Strecke als internationale Wasserstrecke deklariert. Wann eine Lösung dieses Konflikts eintritt, ist fraglich, da auch hier die Fronten verhärtet sind.
Russland - Norwegen
Der zweite Streitpunkt von Russland und Norwegen bezieht sich auf die schon in 1.4.2.4 erwähnte Barentsee. In der sog. „Grauen Zone“, die sich über insgesamt 41000 km 2 erstreckt, kommt neben der ungeklärten Grenzlinie erschwerend hinzu, dass sich unter dem Meeresboden eine riesige Gasblase verbirgt, die den Konflikt weiter anheizt. Wie schon oben erwähnt, existiert aber mittlerweile eine norwegisch-russische Übereinkunft, dass die Gasblase nicht angebohrt werden darf, solange nicht festgelegt ist, wem das Gebiet gehört. Jedoch ist davon auszugehen, dass sich der Konflikt zwischen den beiden Öl- und Gasgiganten mit zunehmender Rohstoffknappheit weiter verschärft.
Russland - Kanada
Obwohl ein Konflikt dieser beiden, geographisch gesehen sich gegenüberliegenden Staaten, teilweise absurd erscheint, ist dieser Streitpunkt nicht zu vernachlässigen. So haben sowohl Russland also auch Kanada Ansprüche auf den Nordpol erhoben. Kanada hat sogar angekündigt, dass ein Sammeln von Daten jenseits des Pols, also auf russischer Seite, nicht ausgeschlossen ist.
Russland - Dänemark
Der letzte, heute schon abzusehende Konfliktherd, ist gleichzeitig der Unwahrscheinlichste. Eine überschneidende Gebietsforderung von Dänemark und Russland am Nordpol. Wenngleich Dänemark angekündigt hat, dass sie sehr wohl auch Daten am Pol sammeln werden und gegebenenfalls auch Ansprüche darauf erheben, wird diese Forderungen von den meisten Geologen eher als Wunschdenken interpretiert.
Werden alle aktuellen und zukünftigen Konflikte zusammen betrachtet, fällt auf, dass im Kampf um die arktischen Gebiet, an Russland kein Weg vorbei führt. Diese Tatsache ist an erster Stelle dem Fakt geschuldet, dass Russland auf-grund seiner schieren Größe und geographischen Lage, im „Great Game“ privilegiert ist. Inwieweit diese Vormachtstellung Russlands Einfluss auf das weltpolitische Klima bzw. das Klima zwischen Russland und dem Westen nehmen wird, bleibt abzuwarten. Es ist allerdings zu hoffen, dass Russland sich seiner enormen Verantwortung, im Bezug auf einen Neubeginn des Kalten Krieges, bewusst ist und die Geduld, zum Beispiel der NATO, nicht zu sehr strapaziert.
2. Die Antarktis
2.1 Geographische und klimatische Bedingungen
Im Gegensatz zum Nordpolarmeer ist die Antarktis, wie der Namensunterschied schon vermuten lässt, eine feste Landmasse. Diese erstreckt sich im Sommer auf ca. 21,2 Millionen km 2 und im Winter aufgrund der weiter vereisenden Schelfgebiete auf bis zu 30 Millionen km 2 . Insgesamt 90 % der festen Landmasse der Antarktis ist ganzjährig mit bis zu 4000 Meter dickem Eis überzogen und speichert so 75 % der weltweiten Süßwasserreserven. Die ganzjährige Vereisung des Kontinents ist angesichts der unwirtlichen klimatischen Verhältnisse nicht verwunderlich. So schwanken die Temperaturen zwischen -3 Grad Celsius an den Küsten und bis zu -88,3 Grad Celsius im Landesinneren. Die Anrainerstaaten, wenn diese so genannt werden dürfen, sind Argentinien (Feuerland), Chile, Australien, Neuseeland und Südafrika. Der Grund warum der Begriff Anrainerstaaten in Anführungszeichen gesetzt werden muss, ist einfach. Keiner dieser Staaten liegt näher als 1500 km am antarktischen Kontinent. Der sechste Kontinent ist vielmehr von verschiedenen Meeren umgeben. Hierzu zählen die Amundsensee, die Bellingshausensee, die Davissee, das Rossmeer und das Weddell-Meer. (s. Anlage 4)
Ein weiterer Unterschied zur arktischen Region im Norden unseres Planeten ist, dass die Antarktis keine Eingeborenen beherbergt. Trotzdem leben in der Antarktis ganzjährig bis zu 4115 Menschen. Diese sind vorwiegend Wissenschaftler, die in einer der zahlreichen Forschungsstationen der Antarktis arbeiten. Insgesamt gibt es in der Antarktis Forschungsstationen von über 26 verschiedenen Nationen, die sich verschiedenen Forschungsgebieten wie Geologie, Geophysik, Meteorologie, Glaziologie usw. widmen. Aber der wohl gravierendste Unterschied ist, dass die Antarktis das größte Schutzgebiet unserer Erde darstellt, geregelt im sogenannten Antarktisvertrag. Dieser Vertrag, der von den meisten Naturschutzorganisationen auch für die Arktis gefordert wird, beschert der Antarktis einen Sonderstatus, der im Folgenden näher beleuchtet werden soll und der Grund ist, warum die Antarktis in dieser Arbeit wie auch im weltpolitischen Geschehen eine eher untergeordnete Rolle spielt.
2.2 Sonderstatus Antarktis
Der Antarktisvertrag dessen Hauptziele, die Wahrung des ökologischen Gleichgewichts, die Förderung der internationalen Kooperation und die Unterstützung der wissenschaftlichen Forschung sind, ist 1961 in Kraft getreten und hatte sein ursprüngliches Ende im Jahre 1991. Zum Glück wurde der Vertrag rechtzeitig verlängert und schützt vorerst bis zum Jahre 2041 die Antarktis vor Ausbeutung ihrer Rohstoffe und die damit einhergehende Zerstörung ihrer Natur. In den Jahren 1964 bis 1991 kamen zu den oben genannten 3 Hauptzielen noch meh-
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rere Unterverträge hinzu. Hierzu zählen die Verträge zur Erhaltung der Flora und Fauna, Erhaltung der antarktischen Robben, Schutz der lebenden Meeresschätze und das Umweltschutzprotokoll.
Bei allen vorbildlichen Entwicklungen und Kooperationen im Rahmen des Antarktisvertrages gibt es jedoch auch Ausnahmen. So haben Frankreich und Australien das 1989 vorgeschlagene Übereinkommen zur Regelung der Tätigkeiten im Zusammenhang mit mineralischen Ressourcen bis heute nicht unterzeichnet. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass beide Länder Besitzansprüche in der Antarktis hegen und sich durch ein solches Übereinkommen nicht in die Karten schauen lassen möchten. Generell lassen viele Vertragsstaaten, allen voran Großbritannien, Argentinien, Chile, Norwegen, Australien, Neusee-land und Frankreich, trotz dieses Vertrages, ihre Forderungen in der Antarktis nicht aus den Augen. Vielmehr sehen sie diese als „eingefroren“ an. Doch dazu später mehr. Der Grund warum die Staaten an ihren Forderungen festhalten, ist, wie könnte es auch anders sein, die Jagd nach den zahlreichen Rohstoff-vorkommen der Antarktis. Zahlreiche Experten vermuten, dass sich unter dem antarktischen Eis ca. 45 Milliarden Barrel Öl und 115 Billionen Kubikmeter Flüssiggas befinden. Hinzu kommen noch große Vorkommen anderer Rohstoffe, wie zum Beispiel Titan, Chrom, Eisen, Kupfer, Kohle, Uran sowie Gold (www.bga.bund.de, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe).
Anhand dieser enormen Vorkommen und dem Fakt, dass die Rohstoffvorkommen der Erde langsam zur Neige gehen, ist es mehr als fraglich, ob der Antarktisvertrag in seiner jetzigen Form wirklich noch bis zum Jahre 2041 Bestand hat. Denn auch beim Antarktisvertrag gibt es wie bei den meisten Übereinkommen, die von den Staaten unter sich ausgehandelt wurden, ein Hintertürchen: Die Konsultativtagungen. Hierbei muss als Erstes zwischen Vertragsstaaten und Konsultativstaaten mit Stimmrecht unterschieden werden. Um Konsultativstaat zu werden, muss sich der jeweilige Staat, sofern er nicht an der Gründung des Vertrages beteiligt war, durch spezielles Engagement in der Antarktis auszeichnen. Dies kann zum Beispiel der Besitz von mehreren Forschungsstationen in der Antarktis sein. Die jährlich stattfindenden Konsultativtagungen dienen offiziell dem Zweck der Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und dem Umweltschutz. Allerdings kann auch über Änderungen oder Zusatzbeschlüsse für den Antarktisvertrag abgestimmt werden. Es ist also nicht auszuschließen, dass der Vertrag in nicht allzu ferner Zukunft gelockert wird und somit der Streit über die schon oben erwähnten Gebietsansprüche wieder „aufgetaut“ wird.
2.3 Gebietsforderungen
Die Gebietsforderungen in der Antarktis sind, ganz im Gegensatz zum arktischen Gebiet, oftmals nicht wissenschaftlich belegt sondern eher geschichtlicher Natur. Dies zeigt sich vor allem an den Forderungen der europäischen Länder wie Großbritannien, Norwegen und Frankreich. Hierbei beziehen sich die Briten auf Entdeckungen aus dem 19 Jahrhundert, die Franzosen auf die Entdeckung und Besitzergreifung im Jahre 1840 und Norwegen auf das erste Hissen einer Flagge auf dem sechsten Kontinent. Die Konkurrenten die, verständlicherweise, die Gebietsforderungen der europäischen Staaten nicht aner- kennen sind Argentinien, Chile, Australien und Neuseeland.
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Argentinien und Chile berufen sich hierbei auf Messungen, die ergeben haben, dass die Antarktis mit dem Südamerikanischen Festland verbunden sei. Australien und Neuseeland argumentieren mit dem Fakt, dass sie natürliche Anrainerstaaten der Antarktis sind. Sollte der Streit um Gebiete der Antarktis wirklich in nicht allzu ferner Zukunft ausbrechen, hätten vermutlich Argentinien und Chile, aufgrund der gesammelten wissenschaftlichen Daten, mit großem Abstand die besten Karten. Ernsthafte Gebietsforderungen sind allerdings, wie schon erwähnt, in der nächsten Zeit nicht zu befürchten, da zumindest theoretisch die Antarktis noch bis 2041 ein Schutzgebiet ist und damit jeglicher Raubbau an Natur- und Bodenschätzen verboten ist.
Der Antarktisvertrag schützt die Antarktis noch bis zum Jahre 2041, daher ist es äußerst schwierig, für die Antarktis einen Ausblick zu gewähren, ohne sich in Spekulationen zu verlieren. Aus diesem Grund, wird auch im letzten Punkt dieser Arbeit, die Zukunft der Arktis im Mittelpunkt stehen. Die Zukunft des arktischen Gebietes ist äußerst umstritten. Glaubt man der norwegischen Beratungsfirma Econ Pöyry und wagt einen Blick in das Jahr 2030, wird sich die Szenerie vermutlich wie folgt entwickeln: In dem mittlerweile so gut wie eisfreien Nordpolarmeer, belauern sich Kriegsschiffe und U-Boote verschiedener Nationen. Darunter die Nordamerikanische Union unter der Führung der USA, eine inzwischen gewachsene Europäische Union und ein wieder erstarktes Russland, vermutlich mit Schützenhilfe von China. Aufgrund der weiter verschärften Lage im Nahen Osten haben sich die führenden Industrienationen nach Alternativen Ölquellen umgesehen und diese in der Arktis gefunden. Das Problem hierbei ist jedoch, dass sich jede Nation nur auf Lieferungen aus den eigenen Gebieten verlassen kann. Die EU bezieht ihr Öl- und Gas aus den neuen Mitgliedsstaaten Norwegen und Grönland, Russland liefert Rohstoffe nach Westen aber gleichzeitig auch nach China, was internationale Spannungen auslöst und die USA beuten die Vorkommen in Alaska aus. Eines hat sich also im Hohen Norden nicht verändert: In der Arktis kämpft jeder für sich allein.
Diese, unter dem Namen „Arctic Shipping 2030“ veröffentlichte und vom norwegischen Schifffahrtsverband in Auftrag gegebene Studie, ist aber nur ein mögliches Szenario. Allerdings fällt auf, dass bei vielen veröffentlichten Studien, die sich mit der Zukunft des arktischen Gebietes beschäftigen, sich ein gemeinsames Ende abzeichnet. Auffällig viele enden mit einem „Great Arctic War“, einem großem arktischen Krieg (Seidler, 2009, S. 263ff). Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Ende allein dem Pessimismus der Autoren geschuldet ist, die derartige Vorhersagen entwickeln.
Eine Tatsache ist allerdings nicht von der Hand zu weisen: Wer physische Ge- walt in der Arktis ausüben kann, der dominiert sie auch (Seidler, 2009, S.266).
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Literaturverzeichnis
Seidler, 2009 Seidler C.: Arktisches Monopoly, 2009 Roland, 2009 Roland N.: Antarktis: Forschung im ewigen Eis, 2009 USGS, 2008 Circum-Arctic Resource Appraisal, 2008 Zeitungen und Zeitschriften: Der Stern, 08/2009 Stern: Lebensraum Antarktis Das Parlament, 22.06.2009 Begehrte Schätz unterm Eis National Geographic, 2005 Abenteuer Arktis, Leben am Nordpolarmeer Internetseiten: UNO-Seerechtsabkommen:
http://www.bgr.bund.de/nn_335070/DE/Themen/MeerPolar/Meeresforschung/S eerecht/seerecht__node.html?__nnn=true (Zugriff: 22.06.2009 14:30 UHR)
Antarktis:
http://www.antarktis-station.de/antarktis/index.php (Zugriff: 18.09.2009 18:00 UHR)
http://www.antarktis-station.de/antarktis/antarktisvertrag/index.php (Zugriff: 19.09.2009 17:00 UHR) Circum-Arctic Resouce Appraisal: http://pubs.usgs.gov/fs/2008/3049/ (Zugriff: 15.07.2009 14:20 UHR) Bilder: Anlage 1:
http://dic.academic.ru/pictures/dewiki/73/Ibca_gebco_comp_cover.jpg Anlage 2:
http://wetterjournal.files.wordpress.com/2009/08/e0417_rospxg2004005002001. jpg Anlage 3:
http://www.amap.no/mapsgraphics/files/main-sources-of-icebergs-and-common-iceberg-drift-trajectories-the-main-ice-circulation-pattern-foll.jpg Anlage 4:
http://blackmaps.files.wordpress.com/2009/03/antarctica-map.jpg
Arbeit zitieren:
David Eichhorn, 2009, Der Kampf um die Rohstoffe der Arktis und Antarktis, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
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