2
INHALT
1. Einleitung 3
2. Der zeitliche Ablauf des "Hundertjährigen Krieges" 4
3. Der Vertrag von Brétigny 1360 7
3.1 Vorgeschichte und Rahmenbedingungen 7
3.2 Inhalt des Vertragswerkes 7
4. Der Vertrag von Troyes. 8
4.1 Vorgeschichte und Rahmenbedingungen 8
4.2 Inhalt des Vertragswerkes 9
5. Vergleich von Troyes und Brétigny 10
5.1 Charakter der Verträge 10
5.2 Konsequenzen und Langzeitwirkung der Verträge 11
5.3 Die Verträge als Ausdruck diplomatischer Kontinuität 12
5.4 Kurze Erwägung möglicher diplomatischer Alternativen 13
6. Resümee - Warum beide Vertragswerke scheitern mußten 14
7. Anhang: Karten 16
7.1 Frankreich nach dem Vertrag von Brétigny 1360 16
7.2 Frankreich nach dem Vertrag von Troyes 1420 16
8. Quellenverzeichnis 17
9. Literaturverzeichnis 17
3
1. Einleitung
Obwohl dem Historiker im Allgemeinen die "ständige Gegenwart des Krieges in der Welt des Spätmittelalters" 1 auffällt, so bleibt doch der so genannte "Hundertjährige Krieg" zwischen England und Frankreich in seiner Art und vor allem wegen der Dauer der Konflikte einzigartig. Er war der "größte zwischenstaatliche Konflikt der Epoche" 2 und zog zu unterschiedlichen Zeitpunkten verschiedenste Akteure wie Päpste oder deutsche Kaiser in seine diplomatischen und militärischen Verwicklungen hinein.
Traditionell versteht man unter dem "Hundertjährigen Krieg" die "era between 1337 and 1450" 3 , wobei sich der Krieg jedoch in mehrere Epochen unterteilen läßt, da die Kampf-handlungen wiederholt durch "a number of peace treaties" 4 und Waffenstillstände unterbrochen wurden.
Es ist interessant, diese Friedensverträge zu untersuchen und sie in den Gesamtzusammenhang der diplomatischen Aktivitäten der Zeit einzuordnen. Als wohl wichtigste Abkommen bieten sich der Vertrag von Brétigny, der 1360 den ersten Abschnitt des Krieges beendete, sowie die Übereinkunft von Troyes von 1420 zur näheren Untersuchung an. Beide entstanden sie in einer Phase des Krieges, die sich durch englische Initiative auszeichnete. Sie lassen daher Schlüsse vor allem auf die englischen Kriegsziele und die Art der Kriegführung zu: "Was the war a feudal, dynastic, national, economic... struggle or was it a stable or fluctuating combination of some or all of these elements?" 5
Ich werde daher dem Charakter der Vertragswerke besondere Beachtung schenken, sie umfassend vergleichen und dabei der Frage nachgehen, warum Troyes und Brétigny vor allem eines gemeinsam haben: Beide Abkommen führten nicht zu dauerhaftem Frieden bzw. zur Beendigung des Krieges.
Um diese Frage hinreichend beantworten zu können, erscheint es angebracht, die Friedensschlüsse in den zeitlichen Rahmen des Krieges einzuordnen, die Verträge jeweils einzeln zu betrachten und zu analysieren, um sie schließlich einander gegenüberzustellen sowie diplomatische Alternativen der Protagonisten zu untersuchen. Hätte es eine Möglichkeit zum stabilen Friedensschluss gegeben und wie war das letztliche Scheitern begründet? Die Literatur- und Quellenlage ist dabei zufrieden stellend, wenn viele Werke auch recht historistische Tendenzen aufweisen, die Kriegshandlungen vorrangig aus Sicht der be-
1 GeorgeHolmes (Hrsg.), Europa im Spätmittelalter, Stuttgart 1993, S. 303.
2 Ebd.
3 Sidney Painter, History of the Middle Ages 284-1500, London 1964, S. 323.
4 Ebd.
5 John Palmer, The War Aims of the Protagonists and Negotiations for Peace, in: Kenneth Fowler (Hrsg.), The
Hundred Years War, London 1971, S. 51-74, S. 51.
4
teiligten Herrscher schildern und sozialgeschichtliche Aspekte außer Acht lassen. Diesen Missstand wird die vorliegende Arbeit in Anbetracht ihrer Kürze nicht beheben können, jedoch in der Darstellung der Konsequenzen der beiden Verträge kurz darauf eingehen.
2. Der zeitliche Ablauf des "Hundertjährigen Krieges"
Der "Hundertjährige Krieg" war "in mehr als einer Hinsicht lediglich eine... Phase einer langwierigen Rivalität zwischen den beiden Reichen" 6 England und Frankreich. Bereits 1259 war der Vertrag von Paris geschlossen worden, der den englischen König für seine Besitzungen in Aquitanien / Guyenne einschließlich der Gascogne gegenüber dem französischen Herrscher "zur Lehenshuldigung verpflichtete." 7 Er war somit - selbst ein König - einem anderen Monarchen zugleich als Vasall untergeben. Eine Konstellation, von der viele Historiker annehmen, dass sie "zwangsläufig Krieg" 8 bedeuten musste. Die englischen Festlandsbesitzungen in Frankreich waren dann auch tatsächlich über Jahrzehnte hinweg ein ständiger Streitpunkt zwischen den beiden Ländern. Zur Eskalation kam es im Mai 1337: "Philip VI of France practically declared war by announcing the confiscation of Gascogny." 9
Die Situation wurde zudem durch einen latenten dynastischen Streitpunkt verschärft. 1328 war der letzte französische König aus dem Haus der Kapetinger, Karl IV, ohne männliche Nachkommen gestorben. 10 Nun erhoben sowohl Edward III von England, der Sohn der Schwester des Verstorbenen, als auch dessen Cousin Philip, Anspruch auf den Thron. Die Franzosen machten letzteren unter Anwendung der "Lex Salica" 11 , die die Vererbung von Thronfolgerechten über eine weibliche Linie ausschloss, zu ihrem neuen König. Edward III gab jedoch - zumindest offiziell - seinen Anspruch auf den französischen Thron nicht auf. So ging es in den folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen vorgeblich immer auch um die französische Krone, vor allem aber um die englischen territorialen Besitzungen in Frankreich, über die England volle Souveränität anstrebte. Die Franzosen waren nicht bereit, diese aufzugeben. Der Konflikt wird dabei gemeinhin als ein einheitlicher Krieg angesehen. "Military equipment and tactics remained essentially unchanged, as did the formal objectives of the two parties." 12 Dennoch läßt er sich in mehrere, in sich relativ abgeschlossene Phasen einteilen, wurde er doch immer wieder durch längere Friedensperioden unterbrochen.
6 Holmes, Europa, S. 303.
7 Ebd.
8 Ebd., S. 304.
9 George Holmes, The Later Middle Ages 1272-1485, London 1962, S. 118.
10 vgl.: Friedrich Baethgen, Deutschland und Europa im Spätmittelalter, Frankfurt / Main 1968, S. 79f.
11 Ebd., S. 79.
12 Painter, S. 323.
5
Die erste Kriegsphase dauerte von 1337 bis 1360. Nach dem französischen Versuch, die Gascogne zu konfiszieren, sowie französischer Unterstützung der aufständischen Schotten versuchte Edward III zunächst, eine "great coalition against the Valois" 13 zusammenzubringen. Er warb dafür die niederländischen Fürstentümer sowie den deutschen Kaiser Ludwig IV an. Dieses sehr kostenträchtige Unternehmen scheiterte jedoch 1341 nach mehreren fruchtlosen Feldzügen. Es gelang Edward jedoch 1340, vor Sluys die Kriegsflotte des Gegners fast völlig zu vernichten, was ihm "complete control of the channel for years to come" 14 garantierte.
An Land kam die Wende, als die Engländer zur Raubzugstaktik mit kleinen Heeren übergingen. 1346 vernichteten sie ein Heer Philips VI durch überlegenen Einsatz von Langbogenschützen vor Crécy - ein wichtiger psychologischer Erfolg, nach dem diese erste Kriegsphase oft benannt wird. 15 Im Juli 1347 nahmen sie Calais ein, und nach einer längeren Phase der Waffenruhe gelang dem Sohn Edwards III, dem so genannten "Black Prince" der entscheidende Sieg gegen die Franzosen bei Poitiers. Dort nahm man viele hohe Adlige des Feindes sowie vor allem König Johann II gefangen. Nach einigen gescheiterten Versuchen Edwards, seine Position durch Einnahme Reims' oder Paris' weiter zu verbessern, gab diese Tatsache den Engländern eine hervorragende Ausgangsposition für den Vertrag von Brétigny, der 1360 das Ende des ersten Kriegsabschnittes markierte. Der gewaltige Landzuwachs der Engländer durch diesen Vertrag wurde allerdings nach Wiederaufnahme des Krieges durch Karl V von Frankreich allmählich zurück gewonnen, so dass sie beim Waffenstillstand von 1375 quasi wieder auf ihre Position von vor 1337 zurückgedrängt waren.
Zur zweiten entscheidende Phase des "Hundertjährigen Krieges" kam es dann erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts, als zum einen in Frankreich der "Herzog von Burgund zu einer selbständigen Kraft" 16 wurde, und nach dem Mord am Herzog von Orléans 1407 in Frankreich quasi Bürgerkrieg zwischen den Häusern Burgund und Orléans herrschte. Zwischen den verfeindeten Parteien stand zunächst der zumeist regierungsunfähige König Karl VI. Zwischen ihm, den Engländern, den Orléans und den Burgundern kam es zu einer komplizierten Diplomatie, die vor allem ab 1413 vom neuen englischen König Henry V initiiert wurde. "The accession of Henry V marked a clean break with the past in Anglo-French relations." 17 Er machte sich die innerfranzösischen Streitigkeiten zunutze, verhandelte "with both sides
13 Maurice Keen, England in the Later Middle Ages. A Political History, London 1973, S. 122.
14 Ebd., S. 132.
15 vgl. Alfred H. Burne, The Crécy War. A Military History of the Hundred Years War from 1337 to the Peace
of Brétigny 1360, London 1955.
16 Christa Dericum (Hrsg.), Burgund und seine Herzöge in Augenzeugenberichten, München 1977, S. 19.
Arbeit zitieren:
Thorven Lucht, 1996, Friedensschlüsse im Hundertjährigen Krieg, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Inszenierung Barcelona - Städtebauliche Entwicklung durch Großveransta...
Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Diplomarbeit, 83 Seiten
Europas Aufstieg zur Wirtschaftsmacht
Warum Europa China überholte
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Seminararbeit, 27 Seiten
Friedensverträge im Hundertjährigen Krieg
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Die Stadtneugründungen Salzgitter und Wolfsburg im Dritten Reich im Sp...
Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Zur Geschichte des Chausseebaus und des damit verbundenen Widerstandes...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Das Winterhilfswerk. Erscheinungsbild und Bedeutung im Sozialsystem de...
Politik - Politische Systeme - Historisches
Zwischenprüfungsarbeit, 27 Seiten
Die athenische Demokratie in der Ära des Perikles
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 44 Seiten
Thorven Lucht's Text Friedensschlüsse im Hundertjährigen Krieg ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Thorven Lucht hat den Text Friedensschlüsse im Hundertjährigen Krieg veröffentlicht
Thorven Lucht hat einen neuen Text hochgeladen
Hofkultur in Frankreich und Europa im Spätmittelalter
La culture de cour en France e...
Christian Freigang, Jean-Claude Schmitt
Fashion and Clothing in Late Medieval Europe - Mode und Kleidung im Eu...
Regula Schorta, Rainer Christoph Schwinges
Frankreich, Burgund und das Reich im späten Mittelalter
Ausgewählte Aufsätze
Heribert Müller, Peter Gorzolla, Gabriele Annas, Christian Kleinert, Jessika Nowak
Stadtadel und Bürgertum in den italienischen und deutschen Städten des...
Reinhard Else, Gina Fasoli
König, Reich und Reichsreform im Spätmittelalter
Enzyklopädie Deutscher Geschic...
Karl-Friedrich Krieger
0 Kommentare