Mario Hartmann / SS 2008 / Neue Tendenzen der Aus- und Weiterbildung / Abstimmung 3
von Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrplänen. Ein ordnungspolitisches Procedere.
I. Einleitung
Die Debatte um die Vergleichbarkeit und Vereinheitlichung der europäischen Bildungssysteme trägt zu einer intensiven Überprüfung der einzelnen Bildungssysteme in den EU-Staaten bei. Das deutsche Ausbildungssystem hat sich über Jahre bewährt. Dennoch ist die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden in der BRD in diesem Jahr erheblich angestiegen. Um für Ausbildungsplätze zu werben, müssen Politiker bei den Unternehmen hausieren gehen. Das duale Ausbildungssystem hat gerade in diesem Jahr gezeigt, dass es in konjunkturell schwachen Jahren, in Bezug auf die Zahl der Ausbildungsplatzangebote, sehr anfällig sein kann.
Wird das duale System in 10 Jahren noch existieren? Falls ja, so wie bisher oder sind tiefgreifende Veränderungen notwendig? Falls nein, wie sehen die Alternativen aus? Das duale System der Berufsausbildung ist Gegenstand einer kontroversen Auseinandersetzung geworden. Ob es in den nächsten Jahren, so wie es gegenwärtig strukturiert ist, noch Bestand haben wird, kann in dieser Hausarbeit sicherlich nicht geklärt werden. Dennoch möchte ich einen kleinen Einblick über den Status quo und das Szenarium der Abstimmung von Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrplänen innerhalb des Systems wiederspiegeln.
Hat ein bedeutender Wandel der Rahmenlehrpläne und bei deren Umsetzung in vergangenen Jahren stattgefunden? Gehören Frontalunterricht, streng abgegrenzte Unterrichtsfächer und stupides Fachwissen der Vergangenheit an? Inwieweit die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz (KMK) Einklang und Akzeptanz bei der Umsetzung in den Schulen gefunden haben, ist zu hinterfragen. Durch die Umstrukturierung der Rahmenlehrpläne ist es dennoch aus meiner Sicht mehr denn je notwendig, die Lerninhalte mit denen der Ausbildungsverordnungen abzustimmen und eventuell zu korrigieren. Welche gesetzliche Grundlage beruht auf dieser Abstimmung? Welche Institutionen sind an ihr beteiligt?
Die Wirtschaft befindet sich in einem stetigen Wandel. „Während gestern die Computerbranche boomte, kann es heute schon der Dienstleistungssektor sein“. Der Arbeitsmarkt muss mit seiner Bildungsstruktur relativ schnell auf diesen Wandel reagieren können. Die Ansprüche an das Humanvermögen steigen stetig. Flexibilität und Mobilität sind mehr gefragt denn je. Kann ein solches ordnungspolitisches Konstrukt von
Mario Hartmann / SS 2008 / Neue Tendenzen der Aus- und Weiterbildung / Abstimmung 4
von Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrplänen. Ein ordnungspolitisches Procedere.
Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrplänen so schnell auf diesen Wandel reagieren? Ist es in dieser Form sinnvoll?
Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich einen kleinen Beitrag zur Klärung dieser Fragen leisten. Dennoch sind sie zu komplex und umfangreich, um sie in dieser Arbeit letztendlich beantworten zu können.
Mario Hartmann / SS 2008 / Neue Tendenzen der Aus- und Weiterbildung / Abstimmung 5
von Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrplänen. Ein ordnungspolitisches Procedere.
Das duale Ausbildungssystem umfasst die schulische und betriebliche Berufsausbildung. Diese beiden Systeme ergänzen sich gegenseitig, um sowohl einen Praxis-, als auch einen Theoriebezug der Auszubildenden herzustellen. Aus verfassungsrechtlicher Sicht sind die Länder für die Ordnung der schulischen und der Bund für die betriebliche Berufsausbildung zuständig.
Die Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrpläne werden, unbeschadet von den gesetzlichen Zuständigkeiten, nach einem festgelegten Verfahren abgestimmt. 1 Das dezidierte Abstimmungsverfahren der beiden Berufsausbildungselemente wird in einem der folgenden Teile dieser Hausarbeit noch näher erläutert. Der Rahmenlehrplan gliedert sich in folgende Elemente:
Die Teile eins bis drei sind bei allen Rahmenlehrplänen gleich. Die Teile vier und fünf sind je nach Ausbildungsberuf unterschiedlich gestaltet.
Die Lernfelder sind nach Ausbildungsjahren gegliedert und umfassen folgende Elemente:
Die Bezeichnung des Lernfeldes kann je nach Ausbildungsberuf unterschiedlich sein. Das Lernfeldkonzept wird in dem folgenden Abschnitt noch ausführlicher beschrieben. Lernziele beschreiben das angestrebte Ergebnis (z. B. Kenntnisse, Fertigkeiten, Verhaltensweisen), über das ein Schüler am Ende des Lernprozesses bzw. Lernfeldes verfügen soll. Sie sind nicht nach bestimmten Kategorien geordnet oder systematisiert.
1 vgl. Benner, Hermann, Ordnung der staatlich anerkannten Ausbildungsberufe, Berlin und Bonn 1996, S. 78
Mario Hartmann / SS 2008 / Neue Tendenzen der Aus- und Weiterbildung / Abstimmung 6
von Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrplänen. Ein ordnungspolitisches Procedere.
Lerninhalte bezeichnen die fachlichen Inhalte, durch deren unterrichtliche Behandlung die Lernziele erreicht werden sollen.
Zeitrichtwerte geben an, wie viel Unterrichtsstunden zum Erreichen der Lernziele innerhalb eines Lernfeldes einschließlich der Leistungsfeststellung vorgesehen sind.
Das Lernfeldkonzept
„Lernfelder sind durch Zielformulierungen beschriebene thematische Einheiten. Sie sollen sich an konkreten beruflichen Aufgabenstellungen und Handlungsabläufen orientieren. Sie sollen handlungs- und prozessorientiertes Unterrichten und Prüfen begünstigen. Indem die Berufsschule solche beruflichen Handlungsabläufe didaktisch aufbereitet, werden auch fachwissenschaftliche Anteile in den Erklärungszusammenhang des Lernfeldes mit einbezogen (...) Die Strukturierung des Rahmenlehrplans nach Lernfeldern soll nicht nur ganzheitliches Lernen anregen, sondern auch ganzheitliche handlungsorientierte Prüfungen“ 2 .
Bisher wurden Rahmenlehrpläne als bundesweite Vorgaben für die Landeslehrpläne vorrangig nach fachsystematischen Gesichtspunkten in so genannten Lernbereichen organisiert. Aktuelle Rahmenlehrpläne orientieren sich hingegen vor allem an betrieblichen Handlungsabläufen und zielen auf die Ganzheitlichkeit der Lernprozesse ab. Diese Veränderung führte zu einer neuen Strukturierung der Rahmenlehrpläne in Lernfelder.
Das Lernfeldkonzept gibt eine didaktische Struktur von Lernzielen und Inhalten vor, die das Ziel einer ganzheitlichen und handlungsorientierten Ausbildung im Berufsschulunterricht fördern soll. Die unterrichtliche Planung geht hierbei nicht von fachsystematischen Inhaltskatalogen aus, sondern verfolgt das gemeinsame Ziel beider Lernorte, dass Jugendliche am Ende eines Ausbildungsabschnitts berufliche Handlungsabläufe beherrschen. Für die unterrichtliche Umsetzung wurden die Handlungsabläufe didaktisch reflektiert und entsprechende Lernfelder gebildet. Mit dieser konzeptionellen Aufbereitung wird der Berufsschulunterricht stärker an die Erfahrungswelt der Auszubildenden angelehnt. Lernen in Lernfeldern geht über die reine Vermittlung von Fachkompetenz hinaus. Im Sinne der Ganzheitlichkeit werden zusätzliche Kompetenzen, wie Methoden-, Sozial- und Individualkompetenz, stärker ins Zentrum gerückt. Lehrerinnen Lehrern und an den Schulen
2 Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland IIB 1: Handreichungen für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der KMK für den berufsbezogenen Unterricht in, der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe, Bonn, .199,6, S. 20f.
Arbeit zitieren:
Mario Hartmann, 2008, Abstimmung von Ausbildungsverordnungen und Rahmenlehrplänen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Evaluation von Lehr- und Lernprozessen als Beitrag zur Entwicklung der...
Examensarbeit, 142 Seiten
Das Beurteilungssystem der Bielefelder Laborschule
Seminararbeit, 19 Seiten
Evaluation von Handlungskompetenz im Politikunterricht am Beispiel der...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Examensarbeit, 47 Seiten
Die Europäische Union und der Nahostkonflikt:
Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Hausarbeit, 21 Seiten
Ländervergleich: Schweden - De...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit, 15 Seiten
Abschlussprüfungen herkömmlicher und neuüberarbeiteter Ausbildungsordn...
Seminararbeit, 21 Seiten
Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz - Die größte Reform des deutsche...
Bachelorarbeit, 41 Seiten
Grundzüge der Hinzurechnungsbesteuerung im Sinne des AStG
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Seminararbeit, 30 Seiten
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit, 14 Seiten
Sicherung von Krediten, Kreditsicherheiten
Entwicklung einer Lernsituatio...
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Examensarbeit, 88 Seiten
Leistungsmessung und -bewertung in der Schule
Referat (Ausarbeitung), 9 Seiten
Interesse und Lernmotivation bei benachteiligten Jugendlichen in der b...
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Diplomarbeit, 81 Seiten
Das schwedische Bildungssystem - und warum es funktioniert.
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Ökonomisches Alltagswissen und schulisches Vorwissen und deren Berücks...
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Hausarbeit, 21 Seiten
Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit, 12 Seiten
Kompetenzmessung an Berufsschulen
Grenzen und Reichweiten
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Diplomarbeit, 105 Seiten
Ein Thesenpapier
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Wissenschaftlicher Aufsatz, 11 Seiten
Das dreigliedrige Schulsystem der Bundesrepublik im Spannungsfeld der ...
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Seminararbeit, 26 Seiten
Der Einsatz von Neuen Medien in der Schule am Beispiel des WebQuest-Mo...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 21 Seiten
Mario Hartmann's Text Abstimmung von Ausbildungsverordnungen und Rahmenlehrplänen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Mario Hartmann hat den Text Abstimmung von Ausbildungsverordnungen und Rahmenlehrplänen veröffentlicht
Mario Hartmann hat einen neuen Text hochgeladen
Ausgewählte Schriften zu Wahlen und Abstimmungen
Condorcet, Reinhard Zintl, Carolin Stange, Joachim Behnke
Musterlösungen und Gestaltungs...
Tobias Aubel, Christoph Görisch, Katrin Haghgu, Bernd J. Hartmann, Thorsten Kingreen, Bodo Pieroth
0 Kommentare