Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung.......................................................................................................................................... 3
2.Sprachtypologie 4
2.1WasverstehtmanunterSprachtypologie?................................................................................................................. 4
2.2MorphologischeSprachtypologiemitFokusaufdemDeutschenundEnglischen...................................................... 7
3.MorphologieoderWortbildung? 11
4.WortbildungsmusterimÜberblick 13
4.1Derivation(derivation)............................................................................................................................... 13
4.2Komposition(compounding) 15
4.3Konversion(conversion) 19
4.4Rückbildung(backHformation) 21
4.5Wortkürzungen(clippings)............................................................................................................................... 22
4.6Wortverschmelzungen(blends)............................................................................................................................... 23
4.7Akronyme(acronyms)undAbkürzungen(abbreviations) 24
5.WeitereMöglichkeitenderWortschatzerweiterung......................................................................... 26
5.1Urschöpfung(wordmanufacture)undCoinage 26
5.2Entlehnung(borrowing)............................................................................................................................... 27
5.3Bedeutungsübertragung(semantictransfer)............................................................................................................ 28
6.AbschlussundZusammenfassung.................................................................................................... 29
7.Literaturverzeichnis......................................................................................................................... 30
7.1Forschungsliteratur............................................................................................................................... 30
7.1.1Buchquellen 30
7.1.2Internetquellen 31
7.2ZitierteBelegliteratur............................................................................................................................... 31
7.2.1Buchquellen 31
7.2.2Internetquellen 32
2
1.Einleitung
„Wortbildung(,)[…]einfaszinierendesmorphologischesPuzzle.“ 1
EinPuzzle.
HHörtmandasWortPuzzle,sodenktmananeinSpiel,genauerein„mechanischesGeduldsspiel“ 2 ,beidem maneinzelneTeilesozusammenfügenmuss,dassdarauseinBildentsteht.Puzzlesgehörenzudenältesten SpielenundsindbisheutebeliebteFreizeitaktivitätenfürdenAlltag.
AusgehendvondiesemPuzzlebegriff,scheintderVergleichausdemobigenZitatnichtnurinderHinsichtzu stimmen,alsdassmanbeiderWortbildungdurchdasKombinierenvonWörternbzw.WortteilenneueWörter schafft,sondernauchindemPunkt,dassmansowohldasPuzzlespiel,alsauchdieWortbildungimalltäglichen Leben antrifft. Es beginnt bereits morgens beim Frühstück mit dem Aufschlagen der Zeitung, welche voll ist vonKomposition,DerivationoderAbkürzungen,undendetabendsmiteinemSatzwie„Schatz,machbittedie Nachttischlampeaus,ichmöchteschlafen“.
Es ist vollkommen egal, über was man sich unterhält, ob über Kuchenrezepte, Computerviren, KindertagesH stättenoderdenWeltfrieden.UndsollteesineinerSprachenochkeinWortfüreinendieserBegriffegeben, sokannerbeiBedarfjederzeitproblemloserfundenwerden,denndiemenschlicheSpracheistdurchdieverH schiedenen Wortbildungsprozesse „fast unbegrenzt produktiv und kreativ“ 3 .Wortbildung kann somit defiH niert werden als „ein Verfahren zur Versprachlichung von Begriffen“ 4 , bei dem Wörter aus „sinnhaltigem Sprachmaterial“ 5 gebildetwerden.
Dass Wörter gebildet werden, unterscheidet sie von einem konkurrierenden Verfahren, dem Phrasem, bei demzurVersprachlichungvonBegriffennichtWörter,sondernPhrasen,alsoWortgruppen,gebildetwerden. DaeinPhrasemeinenBegriffgenausoversprachlichtwieeinWort,konkurrierendiesebeidenVerfahrenzum einen innersprachlich (Schwert des Damokles vs. Damoklesschwert), aber auch intersprachlich (vgl. dt. PerlH mutt,engl.motherofpearl,ital.madreperla). 6
1 Eichinger,LudwigM.:DeutscheWortbildung.EineEinführung.GunterNarrVerlag,Tübingen2000,S.5.
2 http://de.wikipedia.org/wiki/Puzzle(vom14.08.08).
3 Donalies,Elke:BasiswissendeutscheWortbildung.A.FranckeVerlag.Tübingen2007,S.3.
4 ebd.
5 ebd.
6 vgl.ebd.,S.3f.
3
Dass die Wörter bei der Wortbildung aus „sinnhaltigem Sprachmaterial“ gebildet werden, unterscheidet sie vonderUrschöpfung(sieheKapitel5.1),beiderWörterausLautengebildetbzw.urgeschöpftwerden,welche vorhersonochnichtsinnvollzusammengesetztwaren. 7
NachdieserkurzenDefinitionvonWortbildung,solldienachfolgendeArbeitnuneinevergleichendeZusamH menstellung der deutschen und englischen Wortbildungsmuster zum Ziel haben. Zu Beginn steht ein kurzer Exkurs über die Sprachtypologie, welcher dann mit der Beschreibung der morphologischen Sprachtypologie zum eigentlichen Thema, dem Überblick über die einzelnen Wortbildungsmuster der beiden betrachteten Sprachen,überleitensoll. 2.Sprachtypologie
2.1WasverstehtmanunterSprachtypologie?
ZuBeginnsollgeklärtwerden,wasgenaumanunterTypologieimKontextderLinguistikversteht. NachWhaleyverstehtmanunterSprachtypologieinderallgemeinstenBedeutung„[…]theclassificationof languagesorcomponentsoflanguagesbasedonsharedformalcharacteristics” 8 ,alsodasVergleichenundEinH teilen von Sprachen oder Sprachbestandteilen aufgrund bestimmter Merkmale, die Sprachen entweder geH meinsamhabenoderdiesievoneinanderunterscheidet.
Esistwichtig,daraufhinzuweisen,dassTypologiekeineeigenständigeGrammatiktheorieist.ImGegensatzzu funktionaler, kognitiver oder relationaler Grammatik oder zu einem der vielen anderen Systeme, die entwiH ckelt wurden, um zu verdeutlichen wie Sprache funktioniert, hat Typologie das Ziel, sprachübergreifende (crossHlinguistic)MusterundZusammenhängezwischendiesenMusternzuidentifizieren.AusdiesemGrund, sindMethodeundErgebnissetypologischerForschungprinzipiellmitjedergrammatischenTheoriekompatiH bel. 9 Nachdemalsogeradebeschriebenwurde,wasTypologienichtist,sollnungenauererklärtwerden,was mandarunterversteht.InderobengenanntenDefinitionfindensichhierzudreimaßgeblicheAussagen 10 :(a) TypologiebedientsichsprachübergreifenderVergleiche,(b)TypologieklassifiziertSprachenodereinzelneAsH pektevonSprachenund(c)TypologieuntersuchtformaleEigenschaftenvonSprachen.
7 vgl.ebd.,S.4f.
8 Whaley,LindsayJ.:Introductiontotypology.Theunityanddiversityoflanguage.SAGEPublications,ThousandOaksu.a.1997,S.7.
9 vgl.ebd.
10 vgl.ebd.,S.7ff.
4
DieseTeilaussagenwerdennunimFolgendennacheinanderausführlicherbesprochen. (a) TypologiebeinhaltetsprachübergreifendeVergleiche
LetztendlichbasiertjedeArtvontypologischerForschungaufdemVergleichenvonSprachen.Vergleichtman beispielsweisefolgendeSätze
a. ImetthemanwhotaughtyouFrench. b. ThedogwhichlickedCorahasbecomeherfriend. Isentthestorytothenewspaperthatyourmotherowns. 11 , c.
solässtsichdadurchallgemeinableiten,dassenglischeRelativsätzedenSubstantivenfolgen,welchesiemodiH fizieren.DiesistvonBedeutungfürjemanden,derüberdieenglischeSpracheforscht.JedochwärediesesErH gebnisfürdieTypologieunvollständig,dadiesprachübergreifendePerspektivefehlt. BeieinertypologischenHerangehensweiseistvielmehrzuerwarten,einErgebnisderArtzubekommen,dass das Englische typisch dafür ist, Relativsätze nach den Substantiven zu platzieren, die sie näher beschreiben, nachdem Daten über Relativsätze einer repräsentativen Auswahl weltweiter Sprachen erfasst wurden. Erst nachderAuswertungeinersolchenDatenerhebungistesüberhaupterstkorrekt,dasWort„typisch“ineiner Behauptungwie„xisttypischfürSprachey(imVergleichzudenSprachenpundq)“zugebrauchen. EineadäquateAuswahlanSprachenalsForschungsgrundlagezusammenzustellenstellthierbeieinesdermeH thodischenHauptproblemederTypologieforschungdar.
(b) TypologiebeinhaltetentwederKlassifikationvonSprachenoderderenBestandteilen. BeiersteremHderKlassifikationvonSprachenHistdasZieldasEinteilenverschiedenerSprachenalsGanzesin bestimmteKategorien.DiesgeschiehtaufgrundgemeinsamerMerkmale.
BeiderKlassifikationvonSprachbestandteilenistderFokusaufeinepartikuläreKonstruktionderausgewählH tenSprachengerichtet,wiez.B.reflexiveVerben,PlosiveoderDiskurspartikel.DannwerdenineinemweiteH renSchrittdurchEinsatzvonsprachübergreifendenDatenalleTypendiesesspezifischenPhänomensermittelt. Zielisteshier,durchdasHerausarbeitendesAusmaßesanÄhnlichkeitenbzw.AbweichungenbesserzuverH stehen,wieeinbestimmterAspektvonSprachefunktioniert.AußerdembestehtgroßesInteressedaran,heH rauszufinden, ob es Wechselbeziehungen zwischen den verschiedenen Mustern gibt, welche man in einer Sprachefindenkann.
11 Beispielsätzeentnommenausebd.,S.8.
5
Unter die Klassifikation von Sprachbestandteilen fallen z.B. die Wortstellungstypologie oder die morphologiH scheTypologie.
(c) TypologiebeschäftigtsichmitKlassifikation,dieaufformalenEigenschafteneinerSprachegründet. EsgibtverschiedeneArtenanBeziehungenzwischenSprachen,dienennenswertsind.MankannSprachenz.B. aufgrund ihrer genetischen Beziehungen in verschiedene Klassen einteilen. Wäre dies das Anliegen der Sprachtypologie,würdemanalleSprachenzusammenfassen,welchedenselbenUrsprunghabenundkämeso zuverschiedenen„Sprachfamilien“,wiez.B.IndoHEuropäisch,AfroHAsiatischusw. EinweitererGesichtspunktwäredieGruppierungvonSprachennachihrergeographischenLokalisation.Man könnte dann von australischen oder indischen Sprachen usw. reden. Außerdem wäre es möglich, Sprachen nachdemographischenGesichtspunktenzuklassifizieren,z.B.Sprachenmitmehrals100MillionenSprechern usw.
NatürlichsindalldieseKlassifikationsmethodenaufihreArtundWeisenützlichumeinbestimmtesErgebnis zuerzielen,jedochsindsienichtvonderArtMethode,welchersichdieTypologiebedient.TypologenklassifiH zierenSprachenaufgrundvonFormen,ausdenensiebestehen,wiez.B.Morphemen,SyntaxoderGesprächsH strukturen.DieobigenDifferenzierungenbedeutenallerdingsnicht,dassalldieanderenArtenderKlassifikatiH onnichtmitdertypologischenKlassifikationverwandtsind.Whaleymerktz.B.an,dassesoffensichtlichsei, dass zwischen der typologischen und der genetischen Klassifikation eine starke Verbindung bestünde 12 . Um dieszuverdeutlichen,schreibtsie:
„ItisnosurprisethatSpanish[…]andFrench[…]bothhavearticlesthatrevealgenderorthattheybothhavesubH jectagreementmarkedonverbsbecauseweknowthatbothlanguageshaveinheritedthesetraitsfromLatin[…]. Thetypologicalsimilarityofthetwolanguagesisafunctionoftheirgeneticassociation.” 13
FolglichHwenngleichauchdietypologischeKlassifikationeineandereistalsdiegenetische,geographischeund demographischeHkanndietypologischeCharakterisierungvonSprachenstarkdurchdieseanderenFaktoren beeinflusstsein.
12 vgl.ebd,S.12.
13 ebd.
6
2.2MorphologischeSprachtypologiemitFokusaufdemDeutschenundEnglischen
VondenverschiedenenAnsätzen,welcheesinnerhalbderSprachtypologiegibt,sollnundiemorphologische Typologie eingehender betrachtet werden, um damit eine Grundlage für den Vergleich der deutschen und englischenWortbildungzuschaffen.
AufgrundihrermorphologischenEigenschaftenkönnenSpracheninverschiedeneSprachtypeneingeteiltwerH den.DieserAnsatzgehtaufdieklassischemorphologischeTypologiedes19.Jahrhundertszurück. 14 ManunterscheidetzwischensynthetischHflektierenden,synthetischHagglutierendenundanalytischenbzw.isoH lierendenSprachen,wobeidiemeistenSprachendensynthetischenTypenzugeordnetwerdenkönnen. 15 Bei einersynthetischHflektierendenSprachewerdendiePartikel,welchediegrammatischenInformationenbeinH halten und die Relationen im Satz erklären, also die Flexionsmorpheme, direkt an das Wort angehängt. Ein Morphem trägt dabei mehrere Informationen gleichzeitig in sich. Hieraus ergibt sich eine variable WortstelH lung, da die Beziehungen der Konstituenten im Satz eindeutig sind. Dies trifft auf Sprachen mit einem noch weitgehendintaktenKasussystemzu,wiez.B.LateinoderaberauchdasDeutsche.
In der Gruppe der synthetischen Sprachen existieren außerdem die Sprachen, die agglutinierend vorgehen. AuchindensynthetischHagglutinierendenSprachenwerdendieMorphemeandenWortstammangehängt.Ein Morphem trägt dabei allerdings stets genau eine Information in sich, z. B. den Numerus Singular. Steht das WortimGenitivSingular,somussderentsprechendeKasuszusätzlichdurcheinweiteresMorphemgekennH zeichnetwerden,welchesebenfallsandasWortangehängtwerdenmuss.DurchdieseVorgehensweisekann dasWorteindeutigsegmentiertwerden,daeine1:1HBeziehungzwischenFormundBedeutungvorliegt. 16 Das Wort in seiner bestehenden Form hat also definitiv nur eine Bedeutung. Türkisch, Finnisch oder dravidische Sprachenwiez.B.Telugu 17 sindtypischeBeispielefüragglutinierendeSprachen. ZurVeranschaulichungsolldasWortpustakamu(dt.Buch)ausdemTelugudienen:
1)pustakamu(NominativSingular)
2)pustakamukai(DativSingular) 4)pustakamulakai(DativPlural)
14 vgl.Comrie,Bernard:Languageuniversalsandlinguistictypology.Syntaxandmorphology.BasilBlackwellPublisherLimited,Oxford
1981,S.39.
15 vgl.Kortmann,Bernd:Linguistik:Essentials.Anglistik-Amerikanistik.SystemHGebrauch.CornelsenVerlag,Berlin1999,S.85.
16 vgl.Comrie,S.40.
17 TeluguisteineindischeSprache,welchezudensüdHzentralHdravidischenSprachenzähltundimsüdindischenBundesstaatAndhra
Pradeshgesprochenwird.
7
InBeispiel2)erkenntman,dassderDativdurch AnhängendesSuffixesHkaianden NominativSingularentH steht. Beispiel 3) zeigt, dass durch das Suffix Hlu der Plural gebildet wird. In Beispiel 4) zeigt sich schließlich, dassdurchAnhängenbeiderSuffixenacheinanderderDativPluralgebildetwird. EinesolcheeindeutigeSegmentierbarkeitwieimobigenBeispielistbeidenflektierendenSprachenhingegen nicht der Fall, da in einem Flexionsmorphem mehrere Informationen enthalten sind. 18 In einer analytischen bzw.isolierendenSprachehingegenbestehtfastjedesWortnurauseinemMorphem,demWurzelHbzw.BaH sismorphem. 19 EinWortwiez.B.PferdewürdehierbeidurchzweiWörterausgedrücktwerden,einesmitder BedeutungPferd,dasanderemitderBedeutungPlural.EinWortwiespieltewürdedurchdenInfinitivspielen undeinemWortfürdiegrammatischeInformationVergangenheitausgedrücktwerden.
Ein sehr geeignetes Beispiel für radikal analytische Sprachen sind das Chinesische oder das Vietnamesische, dieübermäßigisolierendarbeitenundwederDeklinationnochKonjugationnutzen(völligerFlexionsverlust), dafüraberaufFunktionswörter,einebestimmteSatzstellungoderIntonationzurückgreifen.Diesführtdazu, dasskeineWortformenexistierenundWörterhäufigausnureinemMorphembestehen.AnalytischeSprachen sindsomitalsosehrflexionsarmeSprache.SiebasierenaufderVerwendungvonfreiengrammatischenMorH phemen, wie z.B. Präpositionen, und auf bestimmten Wortstellungsregeln, wie beispielsweise das Englische mitseinerWortstellungSubjektHPrädikatHObjekt.DieseWortstellunghatsichgefestigt,dadasEnglischesich immerweiterinRichtungeineranalytischen/isolierendenSprachebewegtunddasKasussystemerodiertist. DieFlexionsmorphemefehlenalsoweitestgehendunddiesemantischenBeziehungenwürdennichtklarwerH denohneeinefesteWortstellung.Siealleinistes,dieAufschlussüberSubjektundObjektgibt. 20 DiesverdeutH lichtauchdiesesBeispiel:
1)Thewomanatethesalad.HDieFrauaßdenSalat. 2)*Thesaladatethewoman.HDenSalataßdieFrau.
DamanimEnglischenreinformalnichterkennenkann,dassessichbeithesaladinBeispiel2)umeinAkkusaH tivobjekthandelt,kanneinsolcherSatzimEnglischlediglichmitderWortstellungSubjektHPrädikatHObjekt geäußertwerden.DasichdieNominativHundAkkusativformenimDeutschenformalunterscheiden,kannderH selbeSatzhiersowohldurchdieWortstellungSubjektHPrädikatHObjekt,alsauchdurchObjektHPrädikatH Subjektausgedrücktwerden.
18 vgl.Comrie,S.41.
19 vgl.ebd.,S.40.
20 vgl.Kortmann,S.85.
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Nadine Heinkel, 2008, Die Wortbildungsmuster des Deutschen und Englischen im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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