Demokratie: Wissenschaft als Prinzip
In der Politik sind Menschen vertreten, die grundsätzlich Erklärungen glauben schenken, die nicht so, wie sie es gerne hätten, praktiziert werden. Politiker sind unzufriedene Menschen, sonst würden sie das gemeinschaftliche Leben nicht gestalten wollen. In der Demokratie sprechen wir von konkurrierenden Parteien: ,,Ihrer Struktur nach sind sie Körperschaften öffentlichen Rechts und Kampforganisationen. Das zwingt sie an sich bereits in eine dogmatische Richtung.’’ 2 Nur, indem konkurrierende Wahrheitsansprüche geltend gemacht werden, kann Politik der demokratischen Idee gerecht werden: Den Wille des Volkes zu vertreten. Eben weil dieser Wille ein utopisches bzw. irreales Konstrukt ist, muss der Zweifel über allen politischen Diskussionen thronen können. Thront er, herrscht Demokratie. Damit der Zweifel thronen kann, muss es für einen als Problem im politischen Diskurs thematisierten Sachverhalt mehrere Erklärungen bzw. Lösungen geben 3 . Damit ist die erste Aufgabe des politischen Beraters gefunden: Seine Aufgabe ist es, mindestens eine alternative Lösung für die politische Partei zu finden. Es geht dem demokratischen Politiker immer darum, die Gesellschaft zu verbessern. Gesellschaftliche Probleme sind also Grundnahrungsmittel der Politik. 4 Eine weitere Aufgabe des politischen Beraters ist es also gesellschaftliche Probleme politisch zu definieren, damit der Politiker sie gemäß seiner Ideologie artikulieren kann. Der in Fußnote 2 beschriebene Reibungsfall tritt heutzutage in hoher Frequenz auf, da Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen beanspruchen, Teil der Wissensgemeinschaft zu sein. Das ist das politische Dilemma der Meinungsfreiheit: Angehörige der unterschiedlichsten Kulturen/ Religionen fordern, dass ihre Interessenbereiche problematisiert werden. Doch welches Problemfutter bekommt der eigenen Partei (am besten)?
Der wissenschaftliche Experte
Einer dieser Fordernden ist der Forscher. Die Herausforderung, die er dem demokratischen Politiker stellt, besteht darin, dass er oftmals tatsächlich kein Angehöriger der Wissensgemeinschaft ist. Dennoch kann er für das Fortbestehen der Gemeinschaft von immenser Bedeutung sein: Er tut nämlich das, was ein Wissender nie freiwillig tun würde: er
2 Karl Mannheim: Ideologie und Utopie, S.34
3 Ein Sachverhalt wird genau dann zum Problem, wenn streitende Personen oder Gruppen für ihn unterschiedliche Erklärungen beanspruchen und angeben, die unterschiedlichen Erklärungen würden ein Koexistieren gemessen an scheinbar gemeinsamen Bedürfnissen unmöglich machen. Hier wird der Einfluss der jeweils dominierenden Dogmatik im individuellen Handeln deutlich: Würden sich die Erklärungen ausschließen so würde permanente vertikale Mobilität herrschen: Der andere unternähme immer einen aus der eigenen Perspektive notwendigen Schritt (Bedürfnis), jedoch auf eine Art und Weise, die für den jeweils anderen im wahrsten Sinne des Wortes nicht infrage kommt. Eben weil das Handeln des anderen aber den Bereich des Möglichen überschreiten würde, würde der Betroffene seine radikale Wissensumwandelung gar nicht merken (das ist Inhalt der mannheimschen vertikalen Mobilität). Es ist allein der moralisch-dogmatische kategorische Wissensanspruch, der zur Annahme führt, ein Koexistieren sei unmöglich. (Ohne Dogmatik als Praxis müsste gesellschaftliches Miteinander als ,,Kultur’’ im Sinne von konstantem Verhalten demnach unmöglich sein, ausgenommen der Möglichkeit eines menschfremden Impetus.)
4 Ein Politiker, der sich nicht im Kern um gesellschaftliche Probleme kümmert, ist per definitionem kein demokratischer Politiker. Allerdings ist diese - undemokratische - Politikerform äußerst selten: Gerade persönliche Absichten, lassen die Integrität des Politikers in die Wissensgemeinschaft vermuten, indem sie Widerspruch provozieren. Natürlich kann die Integrität des Politikers faktisch dennoch nicht vorhanden sein: Der Politiker ist trotz der auf Reaktion zielenden Botschaften der Bürger nicht Angehöriger der Wissensgemeinschaft; möglicherweise verfolgt er - wie zum Beispiel Adolf Hitler - aus dem Blickwinkel der Gemeinschaft nicht vorstellbare Ziele.
Arbeit zitieren:
Raphael Hoffmann, 2008, Vier Schritte zum ,,wissenschaftlichen Experten'', München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Raphael Hoffmann hat den Text Vier Schritte zum ,,wissenschaftlichen Experten'' veröffentlicht
Raphael Hoffmann hat einen neuen Text hochgeladen
Experten und Politik: Wissenschaftliche Politikberatung in geschichtli...
Stefan Fisch, Wilfried Rudloff
Wissenschaftliche Arbeiten. Schritt-für-Schritt zu Diplomarbeit und Di...
So gelingt Ihre Arbeit schnell...
Gerald Fränkl
The Cambridge Handbook of Expertise and Expert Performance
K. Anders Ericsson, Neil Charness, Paul J. Feltovich
Development of Professional Expertise: Toward Measurement of Expert Pe...
K. Anders Ericsson
Wissenschaftliches Arbeiten für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler
Claus Ebster, Lieselotte Stalzer
Wissenschaftliche[s] Arbeiten mit Word 2007
Word als Werkzeug für Seminar-...
Markus Hahner, Wolfgang Scheide, Elisabeth Wilke-Thissen
0 Kommentare