Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Verschiedene Erwerbstypen: Gemeinsamkeiten und Unterschiede. 4
2.1 Monolingualer Erstspracherwerb 4
2.2 Bilingualer Zweitspracherwerb 5
2.3 Zweitspracherwerb 5
2.4 Früher und später Zweitspracherwerb. 6
3. Kritische Periode oder Reifungshypothese: Auffassungen und Erklärungsansätze. 6
3.1 Grundlagen und Entstehung der Hypothesen. 6
3.2 Myelinationsprozess und seine Auswirkung auf den Spracherwerb. 7
3.3 Ergebnisse der Untersuchungen 8
4. Argumente gegen die Annahme der Kritischen Periode 9
5. Schlussbetrachtungen 12
6. Bibliografie 13
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1. Einleitung
Eines der spannendsten, aber auch umstrittensten Themen der Spracherwerbsforschung ist der Einfluss des Alters auf das menschliche Sprachvermögen. Der Ausgangsbefund ist dabei nach allgemeiner Meinung relativ klar: Ein Kind erreicht bei dem Erlernen seiner Muttersprache den „perfekten“ Endzustand, wobei unter „Perfektion“ verstanden wird, dass sich sein eigenes Sprachverhalten von dem seiner Umgebung nicht wesentlich unterscheidet (Klein/Dimroth 2003: 138). Das Erlernen geschieht bei Kindern spielerisch, nur durch Kontakt mit dem sprachlichen Input in verschiedenen kommunikativen Situationen, ohne dass ihnen die sprachlichen Regeln von jemandem erklärt werden (Dimroth/Haberzettl 2008: 1). Es ist auch nicht selten der Fall, dass Kinder nicht nur ihre Muttersprache, sondern mehrere Sprachen perfekt erlernen, wobei es bei den Erwachsenen eher eine seltene, wenn überhaupt mögliche, Ausnahme ist (Dimroth/Klein 2007: B6).
Die Frage, warum Kinder bei dem Erlernen der Zweitsprache erfolgreicher als Erwachsene sind, bildet ein sehr wichtiges Forschungsthema für die Sprachwissenschaftler und Psychologen und treibt sie seit langem um. Es muss auch erwähnt werden, dass sich die Forschung dabei nicht mit dem gesteuerten Zweitspracherwerb in der Schule, sondern mit dem ungesteuerten Zweitspracherwerb in den Immersionssituationen beschäftigt (Dimroth 2007: 115). Bei diesem Prozess müssen Lerner in ihrem Alltag vieles ohne Hilfe herausfinden: Welche Laute kommen in der Sprache vor, wo Wörter anfangen und aufhören und was sie bedeuten, wie mehrere Wörter zu komplexeren Ausdrücken zusammengesetzt werden können und wie sich die Formen der Wörter verändern. Kinder, die einen ausreichenden Input in der Zielsprache haben, lernen es meist schnell und problemlos. Die Aufgabe der Forschung ist herauszufinden, wie sie dabei vorgehen, welche sprachlichen und außersprachlichen Eigenschaften sie nutzen, wann dieser Prozess als abgeschlossen gelten kann, und warum Erwachsene das alles viel schlechter können (Dimroth/Klein 2007:B6). Manche Wissenschaftler beantworten die Frage, warum Kinder bei dem Zweitspracherwerb viel erfolgreicher als Erwachsene sind, damit, dass „sich jüngere Kinder in einer zeitlich begrenzten Entwicklungsphase befinden, in der das Gehirn für den natürlichen Spracherwerb noch besonders rezeptiv ist“ (Dimroth/Haberzettl 2008: 1). Nur in dieser Phase, einer sogenannten Kritischen Periode, kann ein bestimmter Reiz aus der Umgebung optimal verarbeitet werden. Wenn dieser Reiz aber zu spät kommt, ruft er nicht mehr dieselbe Reaktion hervor. Gegen diese biologische Erklärung gibt es aber in der heutigen Forschung eine Reihe gewichtiger Einwände (Dimroth/Klein 2007:B6).
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Die vorliegende Arbeit hat die Untersuchung der Hypothese der Kritischen Periode zum Ziel. Dabei sollen folgende Aspekte beleuchtet werden: Als Erstes werden verschiedene Erwerbstypen im Vergleich zu dem Zweitspracherwerb beschrieben, um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen. Im Weiteren wird es genauer auf die Hypothese der Kritischen Periode und ihre Erklärungsansätze eingegangen. Anschließend werden die Argumente dargestellt, die diese Hypothese widerlegen sollen.
2. Verschiedene Erwerbstypen: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Um die möglichen Veränderungen, die die menschliche Spracherwerbsfähigkeit im Verlauf der kindlichen Entwicklung durchmacht, erfassen und verstehen zu können, benötigt man einen Bezugspunkt und eine Vergleichsgröße. Meisel schlägt vor, den monolingualen Erstspracherwerb zu benutzen, um im Vergleich mit den anderen Erwerbstypen festzustellen, welche Auswirkungen die vermuteten Veränderungen haben, d.h. welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Sprachgebrauch der Lerner zu beobachten sind (2007: 94). Im Folgenden werden die Ergebnisse dieses Vergleichs und die Überlegungen dazu dargestellt.
2.1 Monolingualer Erstspracherwerb
Der monolinguale Erstspracherwerb (L1-Erwerb) zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er üblicherweise als immer erfolgreich und als im Verlauf uniform charakterisiert wird. Unter „Erfolg“ wird in diesem Fall verstanden, dass die grammatische Kompetenz von allen Kindern (außer in pathologischen Fällen) vollständig erworben wird, wobei ihre Intelligenz, Persönlichkeit, ihre soziale Umgebung usf. keine Rolle spielen. Der L1-Erwerb gelingt den Kindern ganz einfach, ohne spezielle Anleitung oder Belehrung, nur mithilfe des sprachlichen Inputs. Der Erwerbsverlauf ist dabei durch bestimmte Phasen, die bei allen Lernern immer chronologisch unveränderlich ablaufen gekennzeichnet (Uniformität des Verlaufs). Von den oben genannten Tatsachen ausgehend wird angenommen, dass von dem kognitiven System des Menschen für die Verarbeitung von Sprache spezifische Mechanismen bereitgestellt werden. „Der Erwerb und die Verarbeitung von Sprache machen also - nicht nur, aber auch - von bereichspezifischen, d.h. sprachspezifischen kognitiven Prozessen Gebrauch“ (Meisel 2007: 95).
Durch die linguistische Analyse wird auch gezeigt, dass sich die
Organisationsprinzipien, die die Grundlage der sprachlichen Äußerungen bilden, nicht nur auf lineare Abfolge, sondern auch auf hierarchische Strukturen beziehen (Meisel 2007: 94-96).
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Arbeit zitieren:
Kateryna Buzun, 2009, Hypothese der Kritischen Periode, München, GRIN Verlag GmbH
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