Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Zum thematischen Aufbau von Liangyou (m) 4
2.1 Einleitendes zum Aufbau. 4
2.2 Fotoberichte. 5
2.2.1 Politische Berichterstattung in Bildern 6
2.2.2 Kunst- und Kulturbetrachtungen 9
2.3 Textbeiträge. 14
2.4 Anzeigen und Werbetexte 18
3. Fazit 20
4. Literaturverzeichnis. 21
2
1. Einleitung
In dem Buch Global Shanghai von Jeffrey N. Wasserstrom, beschreibt der Autor an einer Stelle, dass das 1926 in Shanghai erstmals erschienene Magazin Liangyou 1 (m) in einer Zeit auftrat, in der die Liebesbeziehung zwischen der chinesischen Bevölkerung Shanghais und den Filmen aus Hollywood zu einem Massenphänomen wurde und in der auch lokale Filmproduktionen großen Anklang zu finden begannen. Ferner vermerkt er, dass in dieser Phase Menschen mit Geld anfingen sich für festliche Tanzveranstaltungen und Jazzmusik zu interessieren. Sie trugen westliche und japanische Kleidung und tummelten sich in Cafés (Wasserstrom 2009, S.70). Wasserstrom sieht das monatlich erscheinende Magazin Liangyou in dieser Hinsicht nicht nur als ein Produkt jener neuen kosmopolitischen Strömung, sondern auch als einen aktiven Mitgestalter dieses zeitgeschichtlichen Phänomens. Dies ist freilich einer der hervorstechendsten Aspekte, wenn man Liangyou durchblättert. Der weltgewandte Charakter wird durch englischsprachige Sätze an vielen Stellen hervorgehoben, die immer wieder in die Texte und Anzeigen eingestreut werden. Auf zahllosen Abbildungen sieht man die Menschen einer Oberschicht in westlichen Anzügen oder in westlich anmutenden Uniformen (siehe Yuan Shikai auf Seite 3 der Ausgabe von 1927, um nur eines von unzähligen Beispielen zu nennen).
Unterstrichen wird diese Ausrichtung noch durch weitere periodische Veröffentlichungen des Liangyou Verlages, wie etwa durch die Filmzeitschrift Der Silberne Stern (Í Yinxing) oder durch die Sportzeitung Die Welt des Sports (Óñaú Tiyu shjie), welche die verschiedenen angesagten Themengebiete noch vertiefend behandelten.
Diese Aspekte liegen meines Erachtens jedoch an der Oberfläche dessen, was durch die Publikation dieser Magazine vermittelt wurde. Blickt man tiefer, so lassen sich bei Liangyou sicher noch komplexere Diskurse feststellen. So betrachtet William Shaefer in seinem Artikel Shanghai Savage beispielsweise, verschiedene Publikationen der Republikzeit unter dem Aspekt einer Konstruktion von barbarischen und modernen Gesellschaften (Schaefer 2003, S. 93). Seiner Meinung nach eröffnet unter anderem auch Liangyou eine Dialektik zwischen wild und modern
1 Der Begriff Liangyou lässt sich mit guter oder guter Freundschaft übersetzen. Der englische Untertitel The young companion - der junge Gefährte - verweist auf diese Bedeutung, wenngleich jung in dem chinesischen Terminus nicht impliziert ist.
3
bei der Darstellung von Menschen und Gesellschaften außerhalb Chinas, um vorrangig die Shanghaier Bevölkerung - da sie den Großteil der Leserschaft darstellten - in diesem Spektrum zu verorten. Es wird somit ein ethnisches und kulturelles Koordinatensystem entworfen, in dem man den Rezipienten dieser Publikationen einzutragen versucht.
Dies geschah meines Erachtens nicht aus der Überzeugung heraus, dass die eigene Kultur eine Überlegenheit ausstrahlte 2 , sondern aus der tiefen Unsicherheit schwerwiegender gesellschaftlicher Brüche, die kennzeichnend für die Republikzeit zwischen 1911 und 1949 waren. Identitätskonstituierende Elemente, welche die Zeitschrift im Sinne Wasserstroms transportiert und die verschiedene Modeströmungen mit gestaltete, überdecken zum Teil die im Land vorherrschende Unordnung - ganz im chinesischen Sinne - in jener Phase. So geht es im Folgenden darum, verschiedene Beiträge einer Ausgabe von Liangyou zu betrachten und im Spiegel der geschichtlichen Entwicklung in China zu diskutieren.
2. Zum thematischen Aufbau von Liangyou (m)
2.1 Einleitendes zum Aufbau
Auf der Vorderseite der ersten Ausgabe von Liangyou vom 30. Mai 1927 befindet sich - wie bereits auch auf dem ersten Exemplar des Magazins - eine junge und hübsche chinesische Frau, mit einem verträumten und in sich versunkenen Blick. Während die Erstausgabe in ihrer Aufmachung noch etwas spartanisch wirkt, so ist die spätere Publikation mit zeichnerisch dargestellten nackten Frauen- und Männerkörpern reich verziert. Das Emblem zweier sich zugewandter Schwäne am rechten Bildrand, soll eine innige Freundschaft symbolisieren was auch der Begriff Liangyou impliziert.
Unmittelbar darüber findet sich in großen und modernen Zeichen der Schriftzug m (Liangyou). Neben der Erwähnung der Ausgabe und des Preises findet sich auch ein englischer Titel - The young companion - der junge Gefährte. Während die chinesischen Schriftzeichen noch die Übersetzung guter Gefährte zulassen würde, so ist der Begriff des jungen nicht darin enthalten. Der englische Titel transportiert
2 Die großen Kolonialmächte agierten im Bezug auf andere Gesellschaften mit der Einstellung absoluter Überlegenheit. So liefern beispielsweise eine Vielzahl ethnologischer Werke aus jener Zeit ein beredtes Zeugnis von dieser Haltung ab, welche die westlichen Gesellschaften als höchste gesellschaftliche Entwicklungsstufe ansahen.
4
somit noch zusätzlich den Verweis auf die moderne und jugendliche Ausrichtung des Magazins. Zudem wurde der englische Satz The most attractive and popular magazine in China - das attraktivste und populärste Magazin in China - hinzugefügt, der sich unmittelbar über dem englischen Titel befindet. Dies soll zusätzlich die Exklusivität des Magazins unterstreichen.
Letztendlich gibt eine Spalte auf der rechten Seite noch einen Überblick über den Inhalt. Dieser ist aufgeteilt in Bildberichte (o) und Textbeiträge (eÐ), wobei erkenntlich wird, dass die Fotobeiträge einen wesentlich größeren Raum einnehmen, und die somit sicher auch Sinnbild für die moderne Ausrichtung sein sollen. Es ist die Bewegung hin zu einem in dieser Zeit vergleichsweise neuen Medium, womit man die Welt in einer anderen Weise darzustellen vermag, als die bei dem geschriebenen Wort der Fall ist.
Auf der Folgeseite ist ein Überblick über die verschiedenen Magazine des Liangyou Verlages, wie die bereits erwähnten Yinxing (Silberner Stern) und Tiyu Shijie (Sportwelt). Zudem findet sich hier mit Yishujie ($¡ú) - der Kunstwelt - noch ein weiterer Titel.
Auf Seite 1 noch vor dem Inhaltsverzeichnis ist eine weitere chinesische Frau, ganz im Stile einer Filmschauspielerin der Zwanziger Jahre, die den Leser mit einem lasziven Blick betört. Ihre Unterschrift auf dem Foto legt die Vermutung nahe, dass sie einen gewissen Grad der Berühmtheit hatte. Daneben steht in Siegelschrift der Zeitschriftentitel Liangyou.
Seite 2 enthält das chronologische Inhaltsverzeichnis, während links daneben mit Everyday Flashlight eine amerikanische Marke für Taschenlampen beworben wird.
2.2 Fotoberichte
Dem folgt nun ein erster Block - Seite 1 bis 10 - mit Berichten, in denen die Fotografie ganz im Vordergrund steht. Ihnen ist gemein, dass die jeweiligen Beiträge unter einer Überschrift zusammengefasst sind. Unter, beziehungsweise neben dem Foto befindet sich eine kurze Beschreibung dessen, was zu sehen sein soll. Kurze Erläuterungen in Form eines Artikels sind zum Teil beigefügt. Nehmen wir bei dieser Berichterstattung die Seite 10 heraus, welche Landschaftsbilder von Parks mit blühenden Blumen zeigt, und die dem Leser unter der Überschrift Unser Monat Mai (C¼×¬v) den schönen Frühling in China näher
5
zu bringen versucht, so transportieren die anderen Beiträge eine andere, politische Nachricht.
2.2.1 Politische Berichterstattung in Bildern
Der einleitende Bericht trägt den Titel Die nicht vergessene Schande unseres Landes (Àg). Die Bilder zeigen zum einen Versammlungen am 5. Mai, womit man der Erniedrigung durch Japan gedachte, welches die Unterzeichnung des 21 Punkte Abkommens 3 mit sich brachte. Zum anderen werden die zentralen politischen Figuren dieses Ereignisses bildlich aufgeführt, während die Forderungen am Seitenende im Einzelnen genannt werden.
Dem folgt eine Gedenkseite für einen Revolutionär der Guomindang Namens Chen Yingshi (^e). Neben einem Porträt von Chen, ist er unter anderem auch auf einem Foto mit einem lachenden Chiang Kai-Shek (©Ó¼) zu sehen. Ein Kurzabriss der wichtigsten Lebensstationen Chens findet sich wieder am Seitenende. Irritierend ist an dieser Stelle erstmals eine äußerst positive Darstellung der Guomindang, allem voran die Fotografie Chiang Kai-sheks, in Anbetracht der geschichtlichen Ereignisse zu jener Zeit. Überlegt man sich, dass Letzterer am 12. April - etwa sechs Wochen vor der Veröffentlichung dieser Bilder und vielleicht vier bis fünf Wochen vor Redaktionsschluss - eine Zerschlagung der sozialistisch geführten Shanghaier Gewerkschaften veranlasst hat, bei der vermutlich einige Tausende umgebracht wurden (Eastman 1986, S.132), so entsteht hierbei meines Erachtens ein verzerrtes Bild hinsichtlich der Situation in Shanghai und im Land. Wie verheerend diese Aktion tatsächlich war, unterstreicht eine zitierte Aussage in Eastmans Ausführungen zu den Vorfällen: Under no previous regime in modern times had Shanghai known such a reign of terror (zit. nach Eastman 1986, S.132).
Fast zynisch mutet es dann an, wenn sich auf Seite 8 der Ausgabe dann ein Bericht mit dem Titel Die Heiligkeit der Arbeit (¿dT·) finden lässt. Neben Feierlichkeiten zum Tag der Arbeit am 1. Mai, wird auch ein Bild gezeigt, auf dem die bewaffneten Truppen der Shanghaier Handelsvereinigung bei einer Übung zu sehen sind. Die dargestellte Gruppe gleicht allerdings eher einem recht willkürlich
zusammengewürfelten Haufen in gewöhnlicher Straßenkleidung.
3 Die Forderungen wurden im Januar 1915 von der japanischen Botschaft an Yuan Shikai übersandt. Zentral war hierbei, dass Yuan Shikai den japanischen Einfluss in der Mandschurei, in der Inneren Mongolei und in Shandong anerkennen musste (Gernet 1997, S. 528). Die Abtretung dieser Regionen wurde als große Schande empfunden.
6
Arbeit zitieren:
Mike Bernd, 2009, Geschichtlichkeit und Modernität in einem Magazin aus der Republikzeit (1912-1949) , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Mike Bernd's Text Geschichtlichkeit und Modernität in einem Magazin aus der Republikzeit (1912-1949) ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Mike Bernd hat den Text Geschichtlichkeit und Modernität in einem Magazin aus der Republikzeit (1912-1949) veröffentlicht
Mike Bernd hat einen neuen Text hochgeladen
Gesellschafts-Transformation im 21. Jahrhundert
Ein neues Konzept sozialen Wan...
Rolf Reißig
The Cambridge History of China: Volume 12, Republican China, 1912 1949...
John King Fairbank, Denis Twitchett
The Cambridge History of China, Volume 13: Republican China 1912-1949,...
John King Fairbank, Albert Feuerwerker
0 Kommentare