Inhalts- und Tabellenverzeichnis:
1 EINLEITUNG. 1
2 CHARLES TAYLOR: POLITIK DER ANERKENNUNG 2
2.1 INHALTLICHE ZUSAMMENFASSUNG UND VORAUSSETZUNGEN. 2
2.2 DER ZUSAMMENHANG VON ANERKENNUNG UND IDENTITÄT. 2
2.3 POLITIK DES UNIVERSALISMUS UND POLITIK DER DIFFERENZ. 3
2.3.1 Menschenbild. 4
2.3.2 Ziele. 4
2.3.3 Die Politik der allgemeinen Menschenwürde. 5
2.3.4 Modelle liberaler Gesellschaften. 5
2.4 GLEICHWERTIGKEIT VON KULTUREN. 6
3 HABERMAS KRITIK AN CHARLES TAYLOR POLITIK DER ANERKENNUNG
IN DEM KOMMENTAR „AN ERKENNUNGSKÄMPFE IM DEMOKRATISCHEN
RECHTSSTAAT 9
3.1 DER ÜBERFLÜSSIGE LIBERALISMUS 2 10
3.2 ANERKENNUNGSKÄMPFE: PHÄNOMENE UND ANALYSEEBENEN. 12
3.2.1 Feminismus 12
3.2.2 Kulturelle und ethnische Minderheiten. 13
3.2.3 Nationalistische Bewegungen von nationalen Minderheiten. 13
3.2.4 Eurozentrismus 14
3.2.5 Level of Analysis 14
3.3 DIE NEUTRALITÄT DES RECHTSSTAATS 15
3.3.1 Die Bedeutung der Sozialstruktur 17
3.3.2 Die Problematik nationaler Selbstbestimmung 18
3.3.3 Möglichkeiten friedlicher Koexistenz 18
3.4 KOEXISTENZ VS. ARTENSCHUTZ VON KULTUREN. 19
3.5 GRENZEN DER LIBERALEN TOLERANZ. 20
3.5.1 Die zwei Ebenen der Integration. 20
3.5.2 Zusammenhang zwischen den Integrationsebenen und politischer Kultur 20
4 DIE IMMIGRATIONSPOLITIK DER BRD. 22
4.1 DIE ENTWICKLUNG DER EINWANDERUNG IN DIE BRD SEIT 1945. 22
I
4.1.1 Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten sowie der SBZ22
4.1.2 “Gastarbeiter“ 22
4.1.3 Zuzug von Familienangehörigen ausländischer Arbeitnehmer und steigende
Asylbewerberzahlen 23
4.1.4 Aussiedler 23
4.2 DER UMGANG DER BRD MIT IMMIGRANTEN UND ASYLSUCHENDEN 24
4.3 ZUGANGSBEDINGUNGEN 25
4.3.1 Assimilation. 25
4.3.2 Anrecht auf Migration. 25
4.4 DER ASYLKOMPROMISS VON 1993 26
4.5 FAZIT 27
5 SCHLUSS. 28
6 ANHANG. II
7 LITERATURVERZEICHNIS. VIII
8 QUELLENVERZEICHNIS. IX
TABELLE 1: ANZAHL AU SLÄNDISCHER BÜRGER IM BUNDESGEBIET SEIT 1960
V
II
1 Einleitung
Begriffe aus dem Bereich des Multikulturalismus sind heute alltäglich: Ob es um Gastronomie geht, um Musik, Kunst oder um das Bildungswesen - „multikulturelle Gesellschaft“ ist Bestandteil des aktiven Wortschatzes geworden. Was steckt aber hinter diesem Begriff?
Eine Antwort darauf versucht nicht nur die politische Theorie zu finden, auch Philosophie, Soziologie, Kommunikationswissenschaften, Kulturwissenschaften und viele andere Fachbereiche beschäftigen sich mit der Analyse des MultikulturalismuS. Im Gebiet der Politologie ist Charles Taylor einer der etabliertesten und aktivsten Autoren. Sein Vorgehen und seine Lösungsvorschläge sind sowohl philosophisch fundiert als auch umfassend anwendbar, d.h. nicht nur für einen speziellen Problembereich geschaffen. 1 stellt Sein ausführliches Essay „Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung“ einen wertvollen Beitrag zur Debatte über den Umgang mit nationalen Minderheiten, Migration und Diskriminierung dar. Der in der deutschen Ausgabe veröffentlichte Kommentar von Jürgen Habermas mit der Überschrift „Anerkennungskämpfe im demokratischen Rechtsstaat“ bietet außer einer ausführlichen Analyse und Kritik der Taylorschen Positionen a uch interessante Ansätze zur politisch-philosophischen Betrachtung der Situation in Deutschland.
Zu Beginn dieser Arbeit möchte ich daher Taylors Politik der Anerkennung in ihren Grundzügen beschreiben, mit einem Schwerpunkt auf den zwei unterschiedlichen Möglichkeiten, die er in einem liberalen Staat für den Umgang mit Minderheiten sieht. Davon ausgehend möchte ich Habermas` Analyse und Kritik dieses Konzepts erläutern, um dann seine Beschreibung von Anerkennungskämpfen und seine Lösungsvorschläge aufzugreifen. Der vierte Teil enthält eine kurze Betrachtung der Immigrationspolitik in der Bundesrepublik, in der ich überprüfe, inwieweit die Prämissen Habermas` zum Umgang mit Forderungen nach Anerkennung umgesetzt werden. Als letztes folgen schließlich eine Z usammenfassung meiner Erkenntnisse und ein Ausblick auf die mögliche Fortsetzung der Multikulturalismus-Debatte.
1 C. Taylor: Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung. Mit einem Beitrag von Jürgen Habermas. Hg.: Amy Gutman. Frankfurt a. M. 1997.
1
2 Charles Taylor: Politik der Anerkennung
2.1 Inhaltliche Zusammenfassung und Voraussetzungen
Von grundlegender Bedeutung für seine Theorie ist Taylors soziale Konzeption des 2 : Der Mensch ist nur als Menschen, wie er sie auch in anderen Schriften vertreten hat gesellschaftliches Wesen denkbar, erst die Gemeinschaft mit anderen macht ihn zum Menschen. Mit dieser Auffassung stellt er sich klar gegen die klassische liberale Auffassung, die vom Menschen als autonomem Individuum ausgeht.
2.2 Der Zusammenhang von Anerkennung und Identität
Zu Beginn seiner Überlegungen stellt Taylor die These auf, „unsere Identität werde teilweise von der Anerkennung oder Nicht-Anerkennung, oft auch von der Verkennung durch die anderen geprägt, so dass ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen wirklichen Schaden nehmen, eine wirkliche Deformation erleiden kann, wenn die Umgebung oder die Gesellschaft ihm ein einschränkendes, herabwürdigendes oder verächtliches Bild ihrer selbst zurückspiegelt“ (Taylor, 1996: S. 13/14). Des Weiteren definiert er das Verlangen nach Anerkennung als ein menschliches Grundbedürfnis. Um das moderne Interesse an Anerkennung und Identität zu erklären, beschreibt er zunächst die historisch-philosophische Entwicklung heute selbstverständlicher Begriffe wie Identität und Authentizität ein. Für entscheidend hält er dabei der Übergang von der Ehre zur Würde und die seit Ende des 18. Jahrhunderts entstandene Auffassung einer individualisierten Identität.
Den Begriff der Ehre definiert Taylor in Anlehnung an Montesquieu: „Ehre beruht auf Bevorzugung und Besserstellen“ (ebd. S. 15). Ehre ist also mit dem gesellschaftlichen Aufstieg innerhalb der engen vorgegebenen Hierarchien verknüpft. Den modernen Begriff der Würde sieht Taylor als Gegensatz dazu: Würde wird in einem „universalistischen und egalitären“ (ebd. S. 16) Sinne gebraucht und ist wesentlicher Bestandteil der demokratischen Kultur.
2 z.B.: C. Taylor: Negative Freiheit? Zur Kritik des neuzeitlichen Individualismus, Frankfurt a. M. 1988.
2
Für diese Auffassung einer individuellen Identität verwendet Taylor den Begriff „Authentizität“, der sich aus dem Moralitätsempfinden des 18. Jahrhunderts entwickelte und Teil der Subjektivierung der neuzeitlichen Kultur ist. Die entscheidende Formulierung für diese Entwicklung findet Taylor bei Herder: „Jeder Mensch hat ein eigenes Maß“ (ebd. S. 19). Die Idee der Authentizität führte im Rahmen der Entstehung demokratischer Gesellschaften zu einem größeren Selbstbewusstsein im wörtlichen Sinne, das letztlich auch die gesellschaftlichen Rollenmuster in Frage stellte. Im Zusammenhang mit der Authentizität betont Taylor den „dialogischen Charakter menschlicher Existenz“ (ebd. S. 21). Als zentral für diesen Dialog hält er Sprachen im weitesten Sinne, die man sich aneignen müsse. Erst durch ihren Gebrauch könne man in Interaktion mit der Umwelt treten. Die Ausführung dieses Arguments führt Taylor zu der Frage, was Identität sei: Er definiert sie als „Rahmen, in dem unsere Vorlieben, Wünsche, Meinungen und Strebungen einen Sinn bekommen“ (ebd. S. 23). Identität muss zwangsläufig dialogisch sein; wie Kommunikation kann Identität nicht für sich entstehen und fortbestehen. Das Problem der Anerkennung gewinnt im Rahmen dieser Erkenntnisse an weiterer Bedeutung: Anerkennung ist durch die I ndividualisierung der Identität wesentlich weniger selbstverständlich geworden, da die festen sozialen Kategorien, die früher allgemeine Anerkennung garantierten, durch Austausch und Dialog ersetzt wurden. Neu daran ist laut Taylor, dass das „Streben nach Anerkennung scheitern“ (ebd. S. 24) kann.
2.3 Politik des Universalismus und Politik der Differenz
Aus den oben in beschriebenen Entwicklungen leitet Taylor zwei politische Möglichkeiten des Umgangs mit Anerkennung ab; er nennt sie Politik des Universalismus und Politik der Differenz. Beide beruhen auf der Idee der Gleichachtung und weisen daher diverse Gemeinsamkeiten und Überschneidungen auf. Betrachtet man allerdings die unterschiedliche Definition des Begriffs „Gleichrangigkeit“, kann man die Politik der Differenz durchaus als eine logische Weiterentwicklung der Politik des Universalismus bezeichnen.
3
2.3.1 Menschenbild
Unterschiedlich sind auch die Grundideen über den Wert des Menschen, die den beiden Politiken zugrunde liegen: Während die Politik des Universalismus in der Tradition Kants von dem Begriff der menschlichen Würde im Sinne eines allgemeinen menschlichen Potentials zum vernünftigen Handeln ausgeht, ist die Politik der Differenz der Ansicht, das Achtung gebietende am Menschen sei sein Potential, “eine eigene individuelle oder auch kulturelle Identität hervorzubringen und zu definieren“ (ebd. S. 32). Zwei unterschiedliche Forderungen können aus diesen Grundsätzen abgeleitet werden: Erstens die Forderung nach gleicher Achtung für alle und zweitens die nach gleich viel Respekt für verschiedene Kulturen ohne die Möglichkeit einer Wertung. Hier sieht man den gravierenden Unterschied zwischen den beiden Politiken, der sich ja auch schon im Namen entdecken lässt: Gemeinsamkeiten vS. Unterschiede. Im weiteren Verlauf werden wir diesen Unterschied noch deutlicher herausarbeiten.
2.3.2 Ziele
Beide Politiken zielen auf eine Gesellschaft gleichberechtigter Bürger. Während allerdings die Politik des Universalismus diejenigen Eigenschaften zur Grundlage ihrer Überlegungen macht, die allen Menschen gemeinsam sind oder allen Menschen gleichermaßen zustehen, geht die Politik der Differenz davon aus, dass Anerkennung erst durch Anerkennung der Unterschiede zwischen den Menschen erlangt werden kann. „Wir können das, was universell vorhanden ist -jeder Mensch hat eine Identität- nur anerkennen, indem wir auch das, was jedem Einzelnen eigentümlich ist, anerkennen. Die aufs Allgemeine gerichtete Forderung wird zur Triebkraft der Anerkennung des Besonderen.“ (ebd. S. 29).
Die Politik des Universalismus setzt sich für differenzblinde Formen der aktiven Nicht-Diskriminierung ein; ihr Ziel ist „die Angleichung und der Ausgleich von Rechten und Ansprüchen“ (ebd. S. 27). Im Gegensatz dazu nimmt die Politik der Differenz häufig eine Neudefinition des Begriffs Nicht-Diskriminierung vor und fordert ausgehend davon, „die Unterschiede zur Grundlage einer differenzierenden Praktik [zu] machen“ (ebd. S. 30). Die Konfliktlinie zwischen den beiden Politiken verläuft entlang des Umgangs mit Diskriminierung: die aktive Nicht-Diskriminierung der universalistischen Politik muss
4
sich den Vorwurf gefallen lasse, „sie negiere die Identität, indem sie den Menschen eine homogene, ihnen nicht gemäße Form aufzwinge“ (ebd. S. 34), die Politik der Differenz dagegen muss sich gegen den Vorwurf der Diskriminierung verteidigen.
2.3.3 Die Politik der allgemeinen Menschenwürde
Um näher auf die Problematik dieser beiden Konzepte einzugehen, umreißt Taylor kurz den Zusammenhang zwischen der Abhängigkeit von anderen und einem hierarchischen System, wie ihn auch Rousseau herstellt. Dazu erläutert er Rousseaus Grundgedanken, dass Abhängigkeit nicht nur politischer, finanzieller usw. Natur sein kann, sondern auch aus dem „Bedürfnis nach der wohlwollenden Meinung anderer“ (ebd. S. 36) entstehen kann. Dies ist allerdings nur möglich, solange es ein System der Bevorzugung gibt. Daraus folgt nun die paradoxe Situation, dass „die Einzelnen über ungleich viel Macht [verfügen], aber alle […] gleichermaßen voneinander abhängig“ (ebd. S. 36) sind. Die Lösung hierfür findet Taylor in Rousseaus Vorstellungen einer idealen Republik: Gleichheit, Gegenseitigkeit und Einmütigkeit im Wollen führen zu einer Gleichheit in der gegenseitigen Wertschätzung, die ihrerseits die Einmütigkeit im Wollen bedingt. Die Hauptproblematik der Rousseauschen Politik der allgemeinen Menschenwürde sieht Taylor vor allem darin, dass die von ihm geforderte Einmütigkeit des Wollens eine „rigorose Ausschließung jeder Rollendifferenzierung“ (ebd. S. 42) fordert und die Abhängigkeit vom allgemeinen Willen zum wichtigsten Instrument, um zweiseitige Abhängigkeitsbeziehungen zu vermeiden macht. Dies lässt an Tyrannei in all ihren Formen denken.
2.3.4 Modelle liberaler Gesellschaften
Die Frage, ob jede Politik des Universalismus und der allgemeinen Menschenwürde in einer derartigen Homogenisierung enden müsse, führt Taylor zu anderen universalistischen Liberalismusmodellen, die „die allgemeine Freiheit von den anderen Elementen der rousseauschen Dreiheit“ (ebd. S. 43) trennen und eine Rechtsgleichheit für alle Bürger zum Ziel haben. Der Vorwurf, der diesen Formen des universalistischen Liberalismus häufig gemacht wird, lautet, sie seien nicht in der Lage, Differenzen und Besonderheiten anzuerkennen. In ihrer restriktivsten Interpretation von Rechtsgleichheit
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Arbeit zitieren:
Katharina Bläsing, 2003, Jürgen Habermas, Charles Taylor und die deutsche Zuwanderungspolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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