Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis IV
Anhangsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VIII
Tabellenverzeichnis IX
1 Einleitung 1
2 Demographischer Wandel 6
2.1 Bevölkerungsstand 6
2.2 Bevölkerungsentwicklung 7
2.2.1 Sinkende Geburtenrate 7
2.2.2 Steigende Lebenserwartung 8
2.3 Bevölkerungsvorausberechnung 8
2.4 Wirtschaftliche Relevanz 10
2.4.1 Konsumenten 10
2.4.2 Produkte und Dienstleistungen 11
2.4.3 Beschäftigung 12
2.4.4 Globalisierungstendenzen 13
3 Definitionen und Betrachtungsweisen des Alters 15
3.1 Physische Perspektive 15
3.2 Psychische Perspektive 17
3.3 Sozio-ökonomische Perspektive 18
3.4 Perspektive des Marktes 19
4 Merkmale der „neuen“ Alten 20
4.1 Sozio-demographische Merkmale 20
4.1.1 Alter und Geschlecht 20
4.1.2 Gesundheit und Wohlbefinden 21
4.1.3 (Aus-)Bildung 22
4.1.4 Lebenseinstellung und Verhaltensmuster 24
4.2 Ökonomische Merkmale 25
4.2.1 Einkommen 27
4.2.2 Vermögen 30
4.2.3 Konsumverhalten 32
4.3 Sportbezogene Merkmale 34
4.3.1 Sportengagement 34
4.3.2 Sportarten und Motive zum Sporttreiben 37
4.3.3 Wahl der Sportanbieter 39
4.3.4 Nachfrage von Sportangeboten 40
4.3.5 Ausgaben im sportbezogenen Kontext 42
II
Inhaltsverzeichnis
Exkurs : Sportengagement im Lebenslauf -
Besonderheiten und Schwierigkeiten der Lebensspannenforschung 45
5 Theoretische Grundlagen 48
5.1 Ökonomische Nachfragetheorie 48
5.1.1 Theoretische Ansätze zur Erklärung der individuellen Nachfrage 48
5.1.2 Besonderheiten im Sport 49
5.2 Alter und Geschlecht als Einflussfaktoren auf die ökonomische Nachfrage
im Sport - eine konstruktivistische Perspektive 51
5.2.1 Konstruktion von Alter 51
5.2.2 Konstruktion von Geschlecht 53
5.2.3 Konstruktion von Alter und Geschlecht im Sport. 54
6 Zielsetzung und Fragestellung 58
7 Methodik 60
7.1 Auswahl der Untersuchungsgruppe 60
7.2 Datenerhebungstechnik 61
7.3 Fragebogenkonstruktion 62
7.3.1 Erste Überlegungen 63
7.3.2 Aufbau 64
7.3.3 Layout 68
7.3.4 Prüfung 69
7.4 Datenerhebung 70
7.5 Datenerfassung und -analyse. 71
7.5.1 Zusammenfassung und Neubildung von Variablen 71
7.5.2 Inferenzstatistische Auswertung 74
8 Beschreibung der Stichprobe 76
8.1 Sozio-demographische Daten der befragten Personen 76
8.2 Sportengagement und Einstellung zum Sport im Alter 80
9 Prüfung der Forschungsfragen 85
9.1 Forschungsfrage I 85
9.2 Forschungsfrage II 93
9.3 Forschungsfrage III 97
10 Interpretation der Ergebnisse im theoretischen Kontext 100
11 Resümee 112
Literaturverzeichnis 114
Anhang 124
III
Abkürzungsverzeichnis
€ Euro Abb. Abbildung BMFSFJ Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend destatis Deutsches Statistisches Bundesamt DIA Deutsches Institut für Altersvorsorge DIW Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DM Deutsche Mark DOSB Deutscher Olympischer Sportbund e.V. eingetragener Verein ebd. ebenda EK Einkommen et al. et alia f folgende (singular) ff folgende (plural) FfG Forschungsgesellschaft für Gerontologie HH Haushalt HLYE Healthy Life Years Expectancy i. w. S. im weiteren Sinne MGSFF Ministerium für Gesundheit mind. mindestens N Anzahl NRW Nordrhein-Westfalen o.V. ohne Verlag RKI Robert-Koch-Institut S. Seite Tab. Tabelle vgl. vergleiche WHO World Health Organization z.B. zum Beispiel zit. n. zitiert nach
IV
Anhangsverzeichnis
Tabelle 1 Vergleich des kalendarischen Alters älterer Menschen in Köln mit dem körperlich und geistig gefühlten Alter, differenziert nach Geschlecht (N=559) ....... 124
Tabelle 2 Persönliche Einschätzung des allgemeinen Gesundheitszustands älterer Menschen in Köln, differenziert nach Alter (N=556) ........................................... 124
Tabelle 3 Durchschnittliches Haushalts-Nettoeinkommen älterer Menschen in
Köln, differenziert nach Geschlecht (N=197) ..................................................... 124
Tabelle 4 Motive zum Sporttreiben älterer Menschen, differenziert nach
Geschlecht (N=362) ...................................................................................... 124
Tabelle 5 Altersstruktur der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=315) ...... 125
Tabelle 6 Haushaltsgröße der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=317) ... 125
Tabelle 7 Familienstand der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=315) ...... 125
Tabelle 8 Familienstand der Stichprobe, differenziert nach Alter und Geschlecht
(N=312) ...................................................................................................... 125
Tabelle 9 Schulbildung der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=306) ....... 126
Tabelle 10 Schulbildung der Stichprobe, differenziert nach Alter (N=300) ............. 126
Tabelle 11 Akademische Ausbildung der Stichprobe, differenziert nach
Geschlecht (N=108) ...................................................................................... 126
Tabelle 12 Berufliche Ausbildung der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht
(N=180) ...................................................................................................... 126
Tabelle 13 Kaufkrafttypen der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=198) ... 127
Tabelle 14 Berufstätigkeit der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=310) ... 127
Tabelle 15 Berufstätigkeit der Stichprobe, differenziert nach Alter (N=307) ........... 127
Tabelle 16 Vermögensbesitz der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht
(N=161) ...................................................................................................... 127
Tabelle 17 Am häufigsten betriebene Sportarten der Stichprobe (N=310) .............. 128
Tabelle 18 Am häufigsten betriebene Sportarten der Stichprobe, differenziert
nach Geschlecht (N=310) ............................................................................... 128
Tabelle 19 Bevorzugte Organisationsformen der Stichprobe, differenziert nach
Geschlecht (N=318) ...................................................................................... 128
Tabelle 20 Bevorzugte Organisationsformen der Stichprobe, differenziert nach
Alter (N=315) ............................................................................................... 129
V
Tabelle 21 Sportintensität der Stichprobe, differenziert nach Alter (N=313) und
Geschlecht (N=316) ...................................................................................... 129
Tabelle 22 Sportbiografie der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=317) .... 129
Tabelle 23 Einstellung zu Sport im Alter innerhalb der Stichprobe (N=313) ............ 130
Tabelle 24 Überprüfung des Zusammenhangs zwischen den Einflussfaktoren
Bildung und Einkommen (N=306) .................................................................... 130
Tabelle 25 Sportbezogene Gesamtausgaben der Stichprobe, differenziert nach
Geschlecht (N=312) ...................................................................................... 131
Tabelle 26 Sportbezogene Gesamtausgaben der Stichprobe, differenziert nach
Alter (N=309) ............................................................................................... 132
Tabelle 27 Sportbezogene Gesamtausgaben der Stichprobe, differenziert nach
Alter und Geschlecht (N=309) ......................................................................... 132
Tabelle 28 Sportbezogene Gesamtausgaben der Stichprobe, differenziert nach
Kaufkraft (N=196) ......................................................................................... 133
Tabelle 29 Sportbezogene Gesamtausgaben der Stichprobe, differenziert nach
Kaufkraft und Geschlecht (N=196) ................................................................... 133
Tabelle 30 Ausgaben für die Gesamtheit aller Sportgüter der Stichprobe, differenziert nach Organisationsform (nicht kommerziell vs. kommerziell) und
Geschlecht (N=244) ...................................................................................... 134
Tabelle 31 Ausgaben für Sportgeräte und -ausstattung der Stichprobe, differenziert nach Organisationsform (nicht kommerziell vs. kommerziell) und
Geschlecht (N=68) ........................................................................................ 134
Tabelle 32 Sportbezogene Ausgaben der Stichprobe, differenziert nach
Sportbiografie (N=312) .................................................................................. 135
Tabelle 33 Am häufigsten betriebene Sportarten der Stichprobe, differenziert
nach Geschlecht (N=310) ............................................................................... 135
Tabelle 34 Am häufigsten betriebene Sportarten der Stichprobe, differenziert
nach Alter (N=310) ....................................................................................... 136
Tabelle 35 Am häufigsten betriebene Sportarten der Stichprobe, differenziert
nach Kaufkraft (N=193) ................................................................................. 136
Tabelle 36 Durchschnittliche Kosten für die jeweilige Organisationsform ............... 136
Tabelle 37 Kaufkraftverteilung der Stichprobe, differenziert nach
Organisationsform (nicht kommerziell vs. kommerziell) (N=175) .......................... 137
Tabelle 38 Intensität des Sportengagements der Stichprobe, differenziert nach Organisationsform (nicht kommerziell vs. kommerziell) (N=272) .......................... 137
VI
Tabelle 39 Am häufigsten betriebene Sportarten der Stichprobe, differenziert
nach Sportbiografie (N=310) .......................................................................... 137
Fragebogen Seite 1 ....................................................................................... 138
Fragebogen Seite 2 ....................................................................................... 139
Fragebogen Seite 3 ....................................................................................... 140
Fragebogen Seite 4 ....................................................................................... 141
VII
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Altersaufbau der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2006 .......................... 7
Abb. 2 Bevölkerungsstand 2006 und Bevölkerungsentwicklung in Deutschland für
die Jahre 2025 & 2050 ...................................................................................... 9
Abb. 3 Konsumanteile der unter 50-Jährigen und über 50-Jährigen in 2005 &
2035 ............................................................................................................. 11
Abb. 4 Entwicklung des Jugend- und Altenquotienten von 1950 bis 2050 ............... 13
Abb. 5 Schulische Bildung von Frauen und Männern, differenziert nach Alter ........... 23
Abb. 6 Durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen in Ein-Personen-Haushalten, differenziert nach Alter und Geschlecht (N=1.317) ............................. 29
Abb. 7 Geldvermögen der Privathaushalte, differenziert nach Alter ......................... 31
Abb. 8 Verwendung des verfügbaren Einkommens privater Haushalte im 1. Halbjahr 2003, differenziert nach dem Alter des/der
Haupteinkommensbeziehers/-bezieherin. ........................................................... 34
Abb. 9 Regelmäßiges Sportengagement von Frauen und Männern (mind.
1x/Woche Sport, differenziert nach Alter ............................................................ 35
Abb. 10 Veränderung des regelmäßigen Sportengagements von Frauen &
Männern 1985 & 2005, differenziert nach Alter ................................................... 36
Abb. 11 Käuferreichweite der Sportartikelnachfrage, differenziert nach Alter ........... 43
Abb. 12 Familienstand älterer Menschen, differenziert nach Geschlecht (N=312) ...... 77
Abb. 13 Anteil der jeweiligen Kaufkrafttypen, gesamt und differenziert nach
Geschlecht (N=195) (p=0,003) .......................................................................... 79
Abb. 14 Bevorzugte Organisationsformen älterer Menschen, differenziert nach
Alter (N=315) ................................................................................................. 82
Abb. 15 Sportbiografie älterer Menschen, differenziert nach Geschlecht (N=317) ...... 83
Abb. 16 Sportbezogene Gesamtausgaben im Vergleich zu Weber et al. (1995),
differenziert nach Alter ................................................................................... 87
Abb. 17 Sportbezogene Gesamtausgaben älterer Menschen, differenziert nach Geschlecht (p=0,006) und Alter (p=0,023) (N=309) ............................................. 88
Abb. 18 Gesamtausgaben für Sportschuhe, -textilien und -geräte im Vergleich zu Breuer & Schlesinger (2007), differenziert nach Alter ........................................... 90
Abb. 19 Sportbezogene Gesamtausgaben älterer Menschen, differenziert nach
Sportbiografie (N=312) .................................................................................... 98
VIII
Tabellenverzeichnis
Tab. 1 Schulbildung der Stichprobe, differenziert nach Alter und Geschlecht
(N=303) ........................................................................................................ 78
Tab. 2 Bevorzugte Organisationsformen (nicht kommerziell vs. kommerziell) der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=274) und Alter (N=271) .................... 83
Tab. 3 Sportbezogene Ausgaben, differenziert nach Organisationsform (N=312) ....... 95
IX
1 Einleitung
Unsere Gesellschaft ist gezeichnet durch die Auswirkungen des demographischen Wandels. Hinter diesem Begriff steht jedoch nicht nur eine Verschiebung des Altersdurchschnitts nach oben. Vielmehr birgt die dahinter stehende Bevölkerungsentwicklung neben einschneidenden gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen auch einen komplexen Werte- und Lebenswandel der beteiligten Individuen in sich. Dass dem Sport innerhalb dieser Entwicklung eine zentrale Rolle zukommt, zeigt sich an dem wachsenden Gesundheits- und Fitnessbewusstsein der nachfolgenden (Senioren-)Generationen, die Gesundheit als einen Wert betrachten, für den der Sport einen großen Beitrag leisten kann (vgl. Cirkel et al., 2004, S. 58).
Doch trotz dieses als sicher geltenden Prozesses, werden in nahezu allen Marktbereichen die jungen Verbraucherinnen und Verbraucher nach wie vor als die zentrale Zielgruppe angesehen. Dabei verfügt die ältere Generation über eine sehr hohe Kaufkraft, die demografisch bedingt in den kommenden Jahren noch zunehmen wird (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 5). Daher gilt es, wie in allen Sektoren der Wirtschaft, auch für den Sport, die ökonomischen Potenziale der Älteren zu erkennen und den Markt für Produkte und Dienstleistungen im Alter weiter bzw. neu zu entwickeln.
Ziel und Methodik der Arbeit
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die sportbezogene Güternachfrage 1 aktiver Menschen über 55 Jahren. Dabei ist als zentrale Thematik die Frage nach der tatsächlichen Ausgabenhöhe, die Ältere im Rahmen ihres Sportengagements zu verzeichnen haben, anzusehen. Weiterhin ist es von besonderem Interesse für welche Produkte und Dienstleistungen sie diese Ausgaben tätigen.
Um valide Aussagen über das Konsumverhalten 2 dieser Menschen treffen zu können, müssen jedoch auch deren spezifischen Charakteristika berücksichtigt werden. Schließlich unterscheidet sich die Altersgruppe 55plus hinsichtlich ihrer Voraussetzungen, Eigenschaften und dem daraus resultierenden Verhalten nicht nur deutlich von den entsprechenden Merkmalen anderer Zielgruppen. Darüber hinaus sind die Akteurinnen und Akteure auch innerhalb dieses Alterssegments als sehr heterogen zu bezeichnen.
1 Als wirtschaftliche Güter werden materielle und immaterielle Mittel zur Befriedigung von menschlichen Bedürfnissen bezeichnet (vgl. Hadeler, 2000, Bd. 3, S. 1367). Die Nachfrage beschreibt das “Streben der Wirtschaftssubjekte,
Güter i.w.S. zu erwerben“ (vgl. Hadeler, 2000, Bd. 5, S. 2191).
2 Unter Konsum versteht man den „Verbrauch und/oder die Nutzung (Gebrauch) materieller und immaterieller Güter durch den Letztverwender“ (vgl. Hadeler, 2000, Bd. 4, S. 1797)
1
Die Ursachen hierfür beruhen auf einer Vielzahl unterschiedlicher Determinanten soziologischer sowie ökonomischer Art. Im ersten Teil der Arbeit wird daher der aktuelle Forschungsstand auf dem Gebiet Alter und Altern vor dem Hintergrund dieser beiden wissenschaftlichen Disziplinen dargestellt. Weiterhin sollen aber auch die neu gewonnen Erkenntnisse des empirischen Teils unter diesen Aspekten betrachtet werden. Zur Interpretation der Ergebnisse werden jeweils geeignete theoretische Modelle aus den beiden Fachrichtung herangezogen, die mögliche Erklärungsansätze für das konstatierte Konsumverhalten bieten.
Aufbauend auf diesen grundsätzlichen Überlegungen werden im Laufe der Arbeit folgende Fragestellungen beantwortet:
1. Wie hoch sind die gesamten sportbezogenen Ausgaben aktiver älterer Menschen und für welche Produkte und Dienstleistungen tätigen sie diese Ausgaben im Sport? 2. Unterscheiden sich die Ausgaben älterer Menschen für Sport in Abhängigkeit von der Organisationsform, in der sie aktiv sind? 3. Hat der sportbiographische Hintergrund älterer Menschen Auswirkungen auf deren Konsumverhalten im Sport?
Zur Beantwortung dieser Fragen wurde im Rahmen der vorliegenden Diplomarbeit eine empirische Untersuchung in Form einer schriftlichen Befragung mit mehr als 300 Kölnerinnen und Kölner über 55 Jahren durchgeführt, die in organisierter Form sportlich aktiv sind. Um ein möglichst breites Spektrum dieser Älteren abzudecken, wurden dazu verschiedene Institutionen ausgewählt, die Sportangebote für die Altersgruppe 55plus in ihrem Programm offerieren. In Anlehnung an die formulierten Forschungsfragen fand die anschließende Auswertung sowie die statistische Prüfung der dabei erhobenen Daten konsequent unter den Aspekten Geschlecht, Alter, Bildung und Einkommen statt. Diese Analyse wurde weiterhin auch für die Merkmale Organisationsform und Sportbiografie vorgenommen, die im Bereich Sport als spezifische Einflussfaktoren anzusehen sind. Durch dieses Vorgehen sollte eine detaillierte Betrachtung der erhobenen Daten unter zentralen sozio-ökonomischen Gesichtspunkten gewährleistet werden.
2
Relevanz des Themas
Der demographische Wandel sowie die daraus resultierenden Folgen gehören zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu den wichtigsten Themen unserer Gesellschaft. Dabei stellt neben der „Bevölkerungsabnahme“ die „Alterung“ der Gesellschaft die zentralste Veränderung dieses Umbruchs in Deutschland dar (vgl. Hartmann, 2007, S. 1). Als Ursache dieser Entwicklung spricht die Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V. (2007, S. 10) von einer „dreifachen Alterung der Gesellschaft“: 1) der prozentuale Anteil der älteren Bevölkerung nimmt zu, 2) die Anzahl der älteren Menschen nimmt zu, 3) die Anzahl hochaltriger Menschen nimmt deutlich zu.
Das längere Leben ist nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit einer längeren Phase des Leidens an chronischen Erkrankungen und Funktionseinbußen. Der Kohortenvergleich des Alterssurveys 3 demonstriert, dass „nachfolgende Kohorten tatsächlich mit weniger Krankheiten ins Alter kommen als früher Geborene“ (vgl. BMFSFJ, 2005b, S. 5). Dieser Trend wird zusätzlich untermauert von den deutschen Kennzahlen der „Beschwerdefreien Lebenserwartung in Europa“ die von der European Commission (2005, S. 18) veröffentlicht wurden. Demzufolge leben derzeit sowohl Männer als auch Frauen in Deutschland bis zu ihrem 65. Lebensjahr ohne größere körperliche Funktionseinschränkungen oder Gebrechen. Neben diesem verbesserten Gesundheitszustand verfügt die Altersgruppe 55plus aber auch in anderen Bereichen über sehr gute Ressourcen. Zum einen steht ihnen durch den allmählichen Eintritt ins Rentenalter ein deutlich größeres Zeitkontingent zur Verfügung als es innerhalb der erwerbstätigen Bevölkerung der Fall ist. Zum anderen kann ihre finanzielle Lage durchaus als gut bezeichnet werden. So bewegt sich das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen für die Gesamtheit dieser Altersgruppe auf dem Niveau des Bundesdurchschnitts, bei den jüngeren Alten liegt es sogar deutlich über diesem Wert (vgl. BMFSFJ, 2005a, S. 1). Hinzu kommen beträchtliche Barvermögen, über die weit mehr als 80% aller Haushalte 4 mit Älteren verfügen, sowie ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Immobilienbesitz (62%) (vgl. MGSFF NRW, 2002, S. 4). Für die Wirtschaft von besonderer Bedeutung werden diese Zahlen vor dem Hintergrund, dass parallel zu der zunehmend finanziell besseren Lage, eine abnehmende Sparquote älterer Haushalte zu erkennen ist. Aus diesem Trend kann somit geschlussfolgert werden, dass das „Mehr“ an finanziellen Mitteln überwie- 3 DerAlterssurvey wurde erstmals im Jahr 1996 in einer Zusammenarbeit der Freien Universität Berlin und der Katholischen Universität Nijmegen durchgeführt. Das Deutsche Zentrum für Altersfragen griff diesen Ansatz auf und
führt seither mit Mitteln des BMFSFJ Untersuchung regelmäßig eine umfassende Untersuchung der Menschen im
mittleren und höheren Erwachsenenalter durch (vgl. BMFSFJ, 2005d).
4 Ein Haushalt ist ein „soziales Gebilde, das ein oder mehrere Personen mit einheitlicher Willensbildung umfasst. Er stellt die Planungs- und Entscheidungseinheit beim Erwerb von Einkommen dar, und zwar als Anbieter der
Faktorleistungen Arbeit, Kapital und Boden oder Unternehmensleistung.“ (vgl. Hadeler, 2000, Bd. 3, S. 1421)
Ebenso obliegt ihm die Verwendung von Einkommen zum Kauf von Gütern (Konsum) sowie zur Vermögensbildung
(Sparen)
3
gend für den Konsum von Gütern und Dienstleistungen verwendet wird (vgl. ebd., S. 20).
Dass diese Faktoren auch für den Konsum von Produkten und Dienstleistungen im Sport eine zentrale Rolle spielen, verdeutlichen die mit dem Alter steigenden Konsumausgaben für Freizeit (vgl. Cirkel et al, 2004, S. 23). Dabei nimmt sportliche Betätigung auch für die Menschen über 55 mittlerweile einen hohen Stellenwert ein, wenn es um die Gestaltung ihrer Freizeit geht. So stellt nach Breuer (2002, S. 62) „sportliches Engagement heute keineswegs mehr eine ausschließliche Beschäftigungsform junger Menschen dar“. Die klassische Altersnorm der Inaktivität verliert damit immer mehr an Handlungsrelevanz (vgl. ebd., S. 76f) und an ihre Stelle tritt zunehmend ein Bewusstsein des „Aktiven Alterns“ (vgl. Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, 2007, S. 22).
Doch trotz dieser gesellschaftlichen und individuellen Entwicklungen richtet sich der überwiegende Teil der auf dem Markt angebotenen Produkte und Dienstleistungen noch immer vorrangig an junge Kunden (vgl. Reidl, 2007, S. 34, Cirkel et al., 2004, S. 49). Dass der Sportmarkt hier keine Ausnahme darstellt, spiegelt sich in der insgesamt wenig fortgeschrittenen Bezugnahme sportwissenschaftlicher Publikationen zu den Konsumausgaben dieser Altersgruppe wider. Dabei liegen gerade in den Bereichen, die für den Sportsektor von besonderer Relevanz sind - nämlich Gesundheit, Wellness und Fitness sowie in der aktiven Freizeitgestaltung - mitunter die größten, bislang noch ungenutzten wirtschaftlichen Chancen, die sich unserer Gesellschaft mit dem demographischen Wandel bieten (vgl. Cirkel, 2004, S. 47; Reidl, 2007, S. 250f; Breuer, 2002, S. 68; Haimann, 2005, S. 26f; Erlinghagen, 2003, S. 5).
Aufbau der Arbeit
Um die Bedeutungsrelevanz der Altersgruppe 55plus für den Sport und die Wirtschaft sowie die Hintergründe dieser Thematik zu verstehen, sollen im Anschluss an dieses einleitende Kapitel zunächst die Kernelemente des demographischen Wandels, wie er sich für Deutschland darstellt, skizziert werden.
Teil drei dieser Arbeit widmet sich dann der begrifflichen Definition des Alters in Form einer Differenzierung der unterschiedlichen Betrachtungsweisen dieses Phänomens. Die Merkmale, welche die sogenannten „neuen“ Alten auszeichnet, werden im vierten Kapitel vorgestellt. Dabei soll der Blick auf diese vielfältigen Charakteristika nicht nur aus soziologischen Gesichtspunkten stattfinden sondern ebenfalls aus einer ökonomischen Perspektive erfolgen. Darüber hinaus geht dieser Teil auch auf die sportbezoge-
4
nen Merkmale der untersuchten Gruppe älterer Menschen sowie die entsprechende Angebots- und Nachfragesituation auf dem Sportmarkt ein.
Die mehrdimensionale Herangehensweise an die Thematik dieser Arbeit erfordert auch für den theoretischen Hintergrund die Betrachtung aus diesen Perspektiven. So stehen sowohl in der Soziologie als auch in der Ökonomie jeweils grundlegende, theoretische Modelle zur Verfügung, die mögliche Ansätze zur Erklärung der sportbezogenen Nachfrage liefern. Sie sollen daher im folgenden fünften Kapitel ausführlich vorgestellt werden.
Den Übergang vom literarischen in den empirischen Teil dieser Arbeit bildet Kapitel sechs. Demnach werden hier zunächst die zentralen Fakten der Aufarbeitung des For-schungsstands zusammengefasst. Daraus resultierend und unter Bezugnahme der zuvor erläuterten theoretischen Konstrukte werden anschließend die zentralen Forschungsfragen für den weiteren Verlauf der Untersuchung formuliert. Im siebten Kapitel erfolgt eine ausführliche Beschreibung des methodischen Vorgehens der quantitativen Erhebung, die im Rahmen dieser Diplomarbeit durchgeführt wurde.
Die deskriptive Darstellung der Untersuchungsergebnisse erfolgt im achten Kapitel während sich das neunte Kapitel der deduktiv-statistischen Überprüfung der formulierten Forschungsfragen widmet.
Die daraus neu gewonnenen Ergebnisse werden im folgenden, interpretativen Teil der Diplomarbeit (Kapitel 10) unter Berücksichtigung der bestehenden Literatur diskutiert und auf die theoretischen Modelle aus Kapitel 5 übertragen. Im abschließenden Resümee sollen noch einmal alle wesentlichen Aspekte zusammengefasst und in einem perspektivischen Überblick dargestellt werden.
5
2 Demographischer Wandel
Der in den vergangenen Jahren zunehmend thematisierte demographische Wandel beschreibt die grundlegenden Veränderungen der gesellschaftlichen Struktur industrialisierter Nationen. Als zentrale Aspekte dieses Umbruchs sind dabei in erster Linie die Verschiebung der altersmäßigen Zusammensetzung sowie ein genereller Rückgang der Bevölkerung auszumachen (vgl. Winkler, 2008, S. 6f). Auch für Deutschland stellt diese Entwicklung eine als sicher anzunehmende Tatsache dar, die in den kommenden Jahren weitreichende Auswirkungen unter anderem auf die Wirtschaft haben wird. Als wesentliche Ursachen für diesen Prozess werden von Seiten der Forschung einheitlich zwei demographische Trends genannt: die stetig sinkende Geburtenrate - und damit auch Bevölkerungszahl - sowie die steigende Lebenserwartung der Menschen. Im folgenden Kapitel soll daher zunächst die derzeitige Population der Bundesrepublik beschrieben werden. Darauf aufbauend werden die bisherigen sowie prognostizierten Entwicklungen der deutschen Bevölkerung ausführlich dargestellt und im Anschluss die damit verbundenen Folgen für den Wirtschaftssektor skizziert. Als verlässliche Quelle dient hierzu vor allem der „Datenreport 2008“ des Statistischen Bundesamtes (2008a), der mit seiner umfangreichen Datenbasis eine nahezu lückenlose Darstellung ermöglicht.
2.1 Bevölkerungsstand
Im Jahr 2006 zählte die Bundesrepublik Deutschland 82,3 Millionen Einwohnerinnen (51%) und Einwohner (49%) (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008a, S. 11). Dabei stellten die Altersgruppen der Heranwachsenden (unter 20-Jahren) sowie die der Senioren (65-Jährige und Ältere) mit jeweils ca. 20% einen nahezu gleich großen Anteil der Gesamtbevölkerung dar. Etwa zwei Drittel aller Deutschen gehörten dagegen der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter an (20 bis unter 65 Jahre). Dieses Verhältnis wird auch in der sogenannten Alterspyramide deutlich (vgl. Abb. 1). Diese zur Veranschaulichung des Altersaufbaus eines Landes verwendete Darstellungsform schichtet die Bevölkerungszahlen je Altersgruppe übereinander und ermöglicht dadurch eine ausführliche und dennoch übersichtliche Betrachtung der altersmäßigen Bevölkerungsverteilung. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch die idealtypische Pyramidenform mit einer breiten Basis in der Bevölkerungsstruktur vorherrschte, ist die demographische Trendwende bereits heute deutlich erkennbar. Die schmale Basis lässt eine geringere
6
Zahl der Kinder und Jugendlichen erkennen, während sich die zahlenmäßig starken Jahrgänge in der Mitte der Pyramide (um das 50. Lebensjahr) befinden.
Abb. 1 Altersaufbau der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2006
Quelle: Statistisches Bundesamt, 2006, 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung
2.2 Bevölkerungsentwicklung
Diese strukturellen Veränderungen, die sich in unserer Gesellschaft allmählich bemerkbar machen, sind jedoch keineswegs neu. Es handelt sich dabei vielmehr um eine Entwicklung, deren Anfänge bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zu finden sind. Demnach ist man sich in der Literatur über zwei seither anhaltende Trends einig, die als Ursache dieser einschlägigen Veränderungen anzusehen sind: 1) die sinkende Zahl der Geburten in Verbindung mit 2) einer konsequent steigenden Lebenserwartung der Menschen (vgl. Deutscher Bundestag, 2002, S. 12; BMFSFJ, 2007b, S. 7; Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, 2007, S. 12f; Hartmann-Tews, 2008, S. 98; Winkler, 2008, S. 6f; Hartmann, 2007, S. 11).
2.2.1 Sinkende Geburtenrate
Während die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch durch die hohen Geburtenzahlen des sogenannten Baby-Booms geprägt waren, folgte ab Mitte der 60er Jahre ein rapider Geburtenrückgang. Dem Höchststand von 1,36 Millionen im Jahr 1964 standen 1975 nun mehr 782.000 Geburten gegenüber. Seit 1998 ist eine weitere Abnahme zu verzeichnen, die 2005 dazu führte, dass erstmals weniger als 700.000 Kinder geboren wurden (vgl. Statistisches Bundesamt, 2007, S. 14). Die aktuellsten Zahlen hierzu stammen aus dem Jahr 2007 und liegen bei 685.000 Neugeborenen. Durch diese konstant sinkenden Geburtenzahlen wurden in Deutschland seit 1972 stetig weniger Kinder geboren als Menschen starben. Um die derzeitige Bevölkerungszahl langfristig zu
7
erhalten, müsste jede Frau durchschnittlich 2,1 Kinder zur Welt bringen. Im Jahr 2006 lag dieser Wert jedoch nur bei 1,33 Kindern je Frau und somit deutlich unter der erforderlichen Zahl (vgl. ebd.; Hartmann, 2007, S. 45). Demnach werden bei gleichbleibender Geburtenrate die „zukünftigen Elterngenerationen immer um etwa 1/3 größer als die ihrer Kinder sein“ (Hartmann, 2007, S. 58).
2.2.2 Steigende Lebenserwartung
Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in Deutschland hat in den letzten 100 Jahren eine konstant steigende Entwicklung zu verzeichnen. Allein zwischen den Jahren 1990 und 2006 ist die Lebenserwartung der Frauen bei Geburt um 3,2 Jahre auf 82,1 Jahre und die der Männer um 4,4 Jahre auf 76,6 Jahre angestiegen (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008a, S. 21; Robert-Koch-Institut, 2006, S. 7). Die längere Lebenserwartung hat aber nicht nur Auswirkungen auf das Leben Neugeborener. Auch den Menschen, die sich bereits heute im höheren Alter befinden, steht ein längeres Leben bevor als dies noch im vergangenen Jahrhundert der Fall war. So ergibt sich beispielsweise für einen 60-Jährigen Mann nach der neuen Sterbetafel 5 2004/2006 eine fernere Lebenserwartung 6 von durchschnittlich 20,6 Jahren, in der Sterbetafel 1994/1996 lag dieser Wert noch bei 18,3. Eine gleichaltrige Frau hatte statistisch gesehen im Jahr 2006 noch 24,5 Jahre zu leben, gegenüber durchschnittlich 22,7 Jahre nach der Sterbetafel eine Dekade zuvor (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008a, S. 22). Als Ursachen der kontinuierlich ansteigenden Lebenserwartung werden vielfältige Fak-toren zur Erklärung herangezogen. Haimann (2005, S. 17) nennt in diesem Kontext den allgemeinen Fortschritt. Hartmann-Tews (2008, S. 98) konkretisiert diese Aussage und führt die verbesserten Lebensbedingungen, ein erhöhtes Maß an gesundheitsfördernden Lebensweisen sowie den medizinischen Fortschritt als Voraussetzungen dieser Entwicklung auf.
2.3 Bevölkerungsvorausberechnung
Vor dem Hintergrund eines weiteren Bevölkerungsrückgangs und einer anhaltenden Alterung der Deutschen hat das Statistische Bundesamt 2006 die Ergebnisse der 11. ko-
5 Dieamtlichen Sterbetafeln betrachten die Gestorbenen sowie die Durchschnittsbevölkerung der vorhergehenden drei Jahre. Demnach handelt es sich um eine Momentaufnahme der Sterblichkeitsverhältnisse der gesamten Bevöl-
kerung in dem betrachteten Zeitraum (vgl. Statistisches Bundesamt, 2007).
6 Die durchschnittliche fernere Lebenserwartung gibt an, wie viele Lebensjahre die Menschen eines bestimmten Alters statistisch gesehen noch leben könnten. Als Berechnungsgrundlage dienen dabei die aktuell geltenden Sterb-
lichkeitsverhältnissen in der jeweiligen Berichtsperiode (vgl. Statistisches Bundesamt, 2007).
8
ordinierten Bevölkerungsvorausberechnung für das Jahr 2050 vorgestellt 7 . Die Forscher gehen dabei konkret von folgenden demographischen Annahmen aus: 1) die Geburtenhäufigkeit bleibt annähernd konstant bei 1,4 Kindern je Frau, 2) die Lebenserwartung Neugeborener liegt im Jahr 2050 für Jungen bei 83,5 und für Mädchen bei 88,0 8 Jahren.
Abb. 2 Bevölkerungsstand 2006 und Bevölkerungsentwicklung in Deutschland für die Jahre 2025 & 2050 Quelle: Statistisches Bundesamt, 2006, 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung
Demnach hat die deutsche Bevölkerung, ausgehend von 82,3 Millionen Menschen in 2006, bis zum Jahr 2025 einen Rückgang auf 78,8 Millionen (4,3%) und bis 2050 auf 68,7 Millionen (16,5%) zu erwarten. Dabei verschiebt sich die Altersstruktur bis 2025 um 5% zu Gunsten der 65-Jährigen und Älteren, so dass zu diesem Zeitpunkt deren Anteil bereits ein Viertel der Bevölkerung ausmacht (2006 lag dieser Wert noch bei 20%). 2050 bildet diese Altersgruppe schließlich 33% der deutschen Gesamtbevölkerung. Mit 10,4 Millionen sind dann nur noch 15% der Deutschen unter 20 Jahren (2006: 20%), die Menschen im erwerbsfähigen Alter stellen entsprechend noch 52% der deutschen Population (2006: 60%). Priddat (2005) unterstreicht diese Zahlen eindrucksvoll mit der Tatsache, dass Deutschland damit im Jahre 2050 „neben Japan und Italien das älteste Land der Welt“ sein wird (vgl. Deutscher Bundestag, 1998, S. 129). Verfolgt man diese Entwicklung in der Alterspyramide (vgl. Abb. 2), so schlägt sich die steigende Lebenserwartung „in einer Verbreiterung der Pyramidenspitze nieder, die
7 Bei der 11. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung handelt es sich um eine Bevölkerungsprojektion, die auf den Daten des Bevölkerungsstands der Bundesrepublik Deutschlands vom 31.12.2005 basiert. Ausgehend von fest-
gelegten Annahmen zu den relevanten demographischen Faktoren Fertilität, Mortalität und Migration soll sie alle
wissenschaftlich denkbaren Entwicklungen bis zum Jahr 2050 in einem insgesamt neun Varianten umfassenden Mo-
dell widerspiegeln (vgl. Statistisches Bundesamt, 2006, S. 1; Hartmann, 2003, S. 54f).
8 Der Einfluss von Wanderungsbewegungen auf die Bevölkerungszahl soll in dieser Arbeit unberücksichtigt bleiben. Bzgl. der vorausberechneten Werte wird jedoch in Anlehnung an die 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberech-
nung des Statistischen Bundesamtes von einer Wanderungsbilanz ausgegangen, die jährlich bei +100.000 liegt (vgl.
Statistisches Bundesamt, 2006, S. 30ff).
9
rückläufige Fertilitätsrate in der schmaleren Basis der Pyramide“ (BMFSFJ, 2007b, S. 7; Kenntner et al., 2006, S. 10).
Auch die von der Forschungsgesellschaft für Gerontologie beschriebene „dreifache Alterung der Gesellschaft“ wird in dieser Darstellung deutlich: neben dem prozentualen Anteil der älteren Bevölkerung nimmt demnach auch die tatsächliche Zahl älterer Menschen sowie die Anzahl der hochaltrigen Menschen zu. Für letztere ist sogar festzustellen, dass sie den quantitativ größten Anstieg zu verzeichnen haben (vgl. FfG, 2007, S. 10). Die immer schmaler werdende Basis der Pyramide bis ins Jahr 2050 ist durch den weiteren Geburtenrückgang zu erklären und die damit verbundene sinkende Zahl potentieller Mütter (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008a, S. 22).
2.4 Wirtschaftliche Relevanz
Dass diese bisher in Kapitel 2 genannten, grundlegenden Veränderungen der gesellschaftlichen Struktur enorme Auswirkungen auf Wirtschaft, Politik und Sozialsysteme haben werden, gilt als unumstritten (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 12; BMFSFJ, 2007b, S. 1f, Cirkel et al., 2004, S. 3f). Da sich diese Arbeit vor dem Hintergrund der sportbezogenen Konsumausgaben älterer Menschen jedoch vornehmlich der ökonomischen Seite zuwendet, sollen an dieser Stelle speziell die wirtschaftlichen Konsequenzen des Alterungsprozesses in Deutschland noch konkreter skizziert werden.
2.4.1 Konsumenten
Bereits zum heutigen Zeitpunkt sind 40% aller Deutschen 50 Jahre oder älter. 2050 wird dies auf jeden zweiten Menschen (53%) in Deutschland zutreffen. Demgegenüber stehen derzeit 47% der Verbraucher, die der werberelevanten Kernzielgruppe - der 15bis 49-Jährigen - entsprechen (vgl. Reidl, 2007, S. 34, Cirkel et al., 2004, S. 49; Wildner, 2006, S. 41) und deren Anteil an der deutschen Bevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 36% zurückgehen wird (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 13; BMFSFJ, 2007b, S. 1f; Statistisches Bundesamt, 2006, S. 39f, eigene Berechnung). Dennoch erkennen erst wenige Unternehmen den „Megatrend Alter“ (vgl. Reidl, 2007, S. 34, Cirkel et al., 2004, S. 49). Haimann (2005, S. 10) bringt dieses Phänomen humorvoll auf den Punkt: „König Kunde trägt inzwischen immer mehr graue Strähnen in seinem Haar - doch diese Tatsache haben bisher nur die wenigsten Wirtschaftslenker zur Kenntnis genommen“.
Dieses Verhalten der Wirtschaftsakteure überrascht ebenfalls in Anbetracht der mittlerweile guten finanziellen Lage älterer Menschen in Deutschland, von der sogar aus-
10
zugehen ist, dass sie sich in den nächsten Jahren auch noch weiter verbessern wird 9 (vgl. ebd., S. 5; Winkler, 2008, S. 9; Forschungsgesellschaft für Gerontologie, 2007, S. 10; Federsel-Lieb, 1992, S. 5). Was jedoch für die Wirtschaft von noch größerem Interesse sein dürfte, sind die Veränderungen des Konsumverhaltens. „Lange Zeit als sparsam und wenig ausgabefreudig bekannt“, ist bei den Älteren mittlerweile der Trend zu einem reduzierten Sparverhalten zu erkennen (FfG, 2007, S. 10). Gleichzeitig fielen die Konsumausgaben dieser Gruppe überdurchschnittlich hoch, bei den 50- bis 60-Jährigen sogar im Bundesdurchschnitt am höchsten aus (vgl. Reidl, 2007, S. 13). 10
Abb. 3 Konsumanteile der unter 50-Jährigen und über 50-Jährigen in 2005 & 2035 Quelle: BMFSFJ, 2007c, Wirtschaftsmotor Alter, Kurzfassung
2.4.2 Produkte und Dienstleistungen
Diese Konsumwerte der Menschen über 50 in Deutschland lassen nur erahnen, welche Potenziale in dem noch wenig erschlossenen „Altersmarkt“ stecken. Produkte und Dienstleistungen, die auf die speziellen Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind, stellen bereits zum heutigen Zeitpunkt eine Wachstumsbranche dar (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 13f). Unter ökonomischen Gesichtspunkten als besonders vielversprechend gelten dabei die Bereiche Tourismus, Wohnen, Finanzen, Mobilität, Bildung, Neue Medien und Kommunikation, Essen und Trinken sowie Beauty und Wellness (vgl. Cirkel et al., 2004, S. 51). Aber auch die Branchen rund um Sport und Fitness werden in diesem Kontext immer häufiger genannt (vgl. Reidl, 2007, S. 36; Cirkel et al., 2004, S. 51). Darüber hinaus können Produkte und Dienstleistungen aus diesen exemplarischen Ge-
9 DieEinkommens- und Vermögenssituation der älteren Menschen in Deutschland wird in Kapitel 4.2 noch ausführlicher besprochen.
10 Auf die derzeitigen Erkenntnisse bzgl. des Einkommens und des Vermögens älterer Menschen sowie die absehbaren Entwicklungen dieser Faktoren wird in Kapitel 3.2 ausführlich eingegangen.
11
staltungsfeldern einen „bedeutenden Beitrag zur Sicherung und Steigerung der Lebensqualität im Alter leisten“ (Cirkel et al., 2004, S. 51). Auch zu der Entwicklung und Verbesserung dieser Angebote können diese älteren Nachfrager beitragen. Einige Unternehmen haben diese Chance bereits erkannt und integrieren bewusst Zugehörige ihrer Zielgruppe in den gesamten Produktionsprozess. So agieren Ältere beispielsweise als Berater oder bieten gar selbst entsprechende Dienstleistungen und auch Produkte an. Auf diesem Weg können sie nicht nur ihr Wissen, das sie sich in vielen Jahren angeeignet haben, einbringen sondern gleichzeitig die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Generation an die relevanten Produzenten und Hersteller weitergeben (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 14).
2.4.3 Beschäftigung
In den kommenden Jahren und Jahrzehnten werden mehr Menschen das Rentenalter erreichen als junge Menschen mit erfolgreichem Schul- oder Hochschulabschluss in das Berufsleben nachrücken. Ab dem Jahr 2015 ist daher ein kontinuierlicher Rückgang der erwerbstätigen Bevölkerung in Deutschland zu erwarten (vgl. Statistisches Bundesamt, 2006, S. 40f; Haimann, 2005, S. 17).
Um das, insbesondere aus sozialstaatlicher Sicht wichtige, Verhältnis dieser Altersgruppen zueinander auszudrücken, greift man auf den sogenannten Jugend- und Altenquotienten zurück. Der Jugendquotient setzt dabei die Zahl der Heranwachsenden (unter 20-Jährigen) ins Verhältnis zu der erwerbstätigen Bevölkerung zwischen 20 und 65 Jahren. Der Altenquotient bezieht dagegen die Zahl derer, die bereits aus dem Berufsleben ausgeschieden sind (die 65-Jährigen und älteren) ins Verhältnis zu den 20bis 65-Jährigen. Im Jahr 2006 waren beide Quotienten mit einem Wert von 33 gleich hoch (vgl. ebd., S. 13; Hartmann, 2007, S. 63). Die Folgen der zuvor beschriebenen Entwicklung werden in dieser Darstellung (vgl. Abb. 4) eindrucksvoll veranschaulicht. Die Verschiebung der Altersstruktur Deutschlands von Jung nach Alt wirkt sich entsprechend auch auf das durchschnittliche Erwerbsalter aus. So bildete 2006 die Gruppe der 30- bis 49-Jährigen mit 50% noch unangefochten den größten Anteil aller Erwerbstätigen, vor den Personen zwischen 50 und 65 Jahren, die 30% dieser Statistik ausmachten. Bereits 2020 wird sich jedoch die Altersverschiebung weitaus deutlicher bemerkbar machen. Zu diesem Zeitpunkt wird die Gruppe der 50- bis unter 65-Jährigen mit 40% fast genauso stark sein wie die Altersgruppe zwischen 30 und 50 Jahren, deren Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung dann nur noch 42% betragen wird. Diese Entwicklungen verdeutlichen, die zunehmende Bedeutung der Einbindung ältere Arbeitskräfte (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 12).
12
Abb. 4 Entwicklung des Jugend- und Altenquotienten von 1950 bis 2050
Quelle: Statistisches Bundesamt, 2006, 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, eigene Berechnung
2.4.4 Globalisierungstendenzen
Die so oft als problematisch dargestellten Herausforderungen, denen wir uns im Zuge des demographischen Wandels langfristig stellen müssen, könnten sich dabei gerade für Deutschland als eine nicht zu unterschätzende, wirtschaftliche Chance erweisen. Mehr als die Hälfte aller EU-Länder sieht sich mit einem zunehmenden Alterungsprozess der Bevölkerung konfrontiert (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 11; Statistisches Bundesamt, 2006, S. 31f). Betrachtet man die Situation in Ländern außerhalb Europas wird die Entwicklung gesellschaftlicher Alterung sogar zum globalen Phänomen. Der derzeitige Zuwachs der Weltbevölkerung wird bald erlahmen, denn selbst zahlreiche Entwicklungsländer der Erde haben mittlerweile sinkende Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung zu verzeichnen. Langfristig werden die Populationszahlen deshalb in nahezu allen Ländern zurückgehen (vgl. Hartmann, 2007, S. 31ff; Schulz, 2000, S. 267ff zit. n. Hartmann; Haimann, 2005, S.17).
Als eine der „am frühesten alternden Gesellschaften Europas“ bietet sich jedoch für die in der Bundesrepublik angesiedelten (Export-)Unternehmen eine „aussichtsreiche Startposition im internationalen Handel“ (BMFSFJ, 2007b, S. 4; Statistisches Bundesamt, 2003, S. 12). Dieser, als First-Mover-Advantage bezeichnete, Vorteil besteht in einem Wissens- und Imagevorsprung, der von konkurrierenden Unternehmen nur mit großem Aufwand einzuholen ist (vgl. DB Research, 2003, S. 14; Haimann, 2005, S. 17f).
13
Für die wirtschaftliche Relevanz, die der demographische Wandel in sich birgt, kann zusammenfassend gesagt werden, dass die damit einhergehenden Veränderungen für Hersteller und Anbieter von Produkten und Dienstleistungen in Deutschland eine große Herausforderung darstellen. Für Unternehmen, die die Entwicklungen rechtzeitig erkennen und annehmen, ist dieser Prozess jedoch gleichzeitig auch als eine einmalige Chance anzusehen. Es gilt also, sich frühzeitig auf die „bedeutendste Konsumentengruppe des 21. Jahrhunderts“ (Haimann, 2005, S. 17) einzustellen und auf dem „Zukunftsmarkt Senioren“ mit geeigneten Produkten und Dienstleistungen zu etablieren (vgl. Bruns & Böhme, 2007, S. 192; Cirkel et al., 2004, S. 47; Reidl, 2007, S. 34; Haimann, 2005, S. 11; Federsel-Lieb, 1992, S. 5; Winkler, 2008, S. 9; Meyer-Hentschel-Mangement-Consulting, 2000, S. 11).
14
3 Definitionen und Betrachtungsweisen des Alters
Bereits anhand der unterschiedlich angesetzten Altersgrenzen im bisherigen Verlauf dieser Arbeit wird erkennbar: eine verbindliche und einheitliche Vorstellung davon, ab wann ein Mensch alt ist, existiert nicht. Verschiedenste Fachdisziplinen befassen sich mit dem Alter und jede von ihnen bezieht sich auf eine andere Definition. Zu vielfältig sind die Perspektiven der Betrachtung sowie die unterschiedlichen Lebensbedingungen und Verhaltensweisen älterer Menschen, so dass auch der Blick in die Literatur keine eindeutige Festlegung des Begriffs Alter ermöglicht (vgl. Meyer-Hentschel, 1985, S. 436).
"Vielmehr steht das Alter als Hilfsvariable für die Gesamtheit aller möglichen Einflüsse auf die körperliche Aktivität. Dabei können vier Altersfaktoren körperlicher Aktivität unterschieden werden: physische […], psychische […], soziale [...] und ökonomische. [...].“ (S. 89)
Diese Definition beleuchtet die zentralen Aspekte und Veränderungen der Lebensphase Alter deren Kernelemente gleichzeitig von großer Relevanz für die sportliche Aktivität - und damit auch für die in dieser Arbeit untersuchten sportbezogenen Konsumausgaben - älterer Menschen sind. Die in dieser Arbeit grundlegende Auffassung des Alters findet sich in der interdisziplinären Betrachtungsweise dieser Definition wider. In Anlehnung an diese Anschauung sollen daher nachfolgend die differenzierten Vorstellungen über das Alter konkretisiert werden. Dabei werden die vier Kernelemente dieser Definition unter Verwendung einer angepassten Terminologie aufgegriffen.
3.1 Physische Perspektive
Der Alterungsprozess des Menschen ist ein komplexer biologischer Vorgang. Beginnend mit der Geburt und erst zum Zeitpunkt des Todes beendet, streckt er sich über das ganze Leben hinweg. Dabei entwickelt sich die allgemeine und körperliche Leistungsfähigkeit des Menschen vergleichbar mit der Form einer Parabel: nach der Geburt nimmt sie kontinuierliche zu, erreicht zum Ende der Jugend und Beginn des Erwachsenenlebens ihren Höhepunkt, bevor sie danach wieder stetig absinkt (vgl. Rulofs et al., 2001, S. 43).
Über die genauen Vorgänge innerhalb des menschlichen Körpers, welche dem Alterungsprozess zu Grunde liegen, existiert bis heute kein gesichertes Wissen. Aus diesem Grund bestehen derzeit auch verschiedene Theorien und Hypothesen, die parallel ver-
15
suchen dieses Phänomen zu erklären (vgl. Vömel, 1991, S. 47, zit. nach Backes & Clemens, 1998, S. 93). 11
So unsicher man sich über die Ursachen des Alterungsprozesses ist, so offensichtlich sind die Folgen dieses Phänomens: Eigenschaften, Funktionen und die Funktionsfähigkeiten einzelner Gewebe, Organe und Organsysteme verändern sich nach und nach, was enorme Auswirkungen auf den gesamten menschlichen Organismus hat (vgl. BMFSFJ, 2005a, S. 1). Einige wesentliche Bereiche, die dies betrifft, sind zum Beispiel die Sinnesorgane, die Nieren, die Elastizität des Bindegewebes, der Hormonhaushalt, die Nervenfunktion, das Immunsystem sowie die verringerte Anpassungsfähigkeit an äußere Einflüsse.
Bedingt durch diese biologischen Abbauprozesse des Körpers, ist das menschliche Leben zeitlich begrenzt. Im Jahr 2006 lag beispielsweise die Lebenserwartung einer in Deutschland lebenden Frau bei 82,1 Jahren, die eines Mannes bei 76,6 Jahren (vgl. Robert-Koch-Institut, 2006, S. 7). Wenn auch letztendlich nicht abwendbar, scheint dieser Endzeitpunkt des menschlichen Lebens dennoch sehr wohl in gewissem Maße beeinflussbar zu sein. Dies verdeutlicht die Entwicklung der Lebenserwartung in den letzten 100 Jahren eindrucksvoll. Wurden vor 100 Jahren noch 5% der männlichen und 7% der weiblichen Bevölkerung 80 Jahre alt, erreichen heute ca. 41% der männlichen und 62% der weiblichen Bevölkerung dieses Alter (vgl. Statistisches Bundesamt, 2002, S. 72). Diese Entwicklung, die ausführlicher bereits in Kapitel 2.2.2 beschrieben wurde, ist aber nicht nur für Neugeborene festzustellen. Auch die fernere Lebenserwartung, also die noch zu erwartenden Jahre im höheren Alter, ist beträchtlich gestiegen (vgl. Backes & Clemens, 2005, S. 108). Als besonders positiv einzuschätzen ist diese längere Lebensdauer jedoch vor dem Hintergrund, dass sie einhergeht mit einem verbesserten Gesundheitszustand 12 . Die Forschungsgesellschaft für Gerontologie (2007, S. 5) konkretisiert diese Entwicklung: „Sicherlich sind bestimmte körperliche altersbedingte Einschränkungen nicht zu leugnen, dennoch geht es den älteren Menschen heute gesundheitlich deutlich besser als noch vor 30 Jahren". Dass in diesem Zusammenhang auch sportliche Aktivität einen erheblichen Einfluss auf den körperlichen Abbauprozess nehmen kann, bestätigen Wissenschaftler immer wieder. Demnach sind nicht nur positive gesundheitliche Effekte auf Organe sowie den
11 So geht eine Theorie beispielsweise von Verschleiß- und Vergiftungserscheinungen durch äußere Einflüsse auf den Köper aus. Eine andere basiert auf der Annahme, dass Zell- und Gewebebestandteile im Laufe der Zeit an Funk-
tionsfähigkeit einbüßen und es deshalb zur verringerten Belastbarkeit einzelner Gewebe und zu Beeinträchtigungen
der Zellfunktion kommt. Als weitere Theorie existiert das Modell eines "genetischen Programms", das in jeder
menschlichen Zelle fest verankert ist und das das Altern sowie letztendlich den Tod in festgelegter Weise ablaufen
lässt (vgl. Backes & Clemens, 2005, S. 93ff).
12 Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definierte im Jahr 1946 die Gesundheit als einen „Zustand vollständigen körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens“ (vgl. Knörzer, 1994, S. 19).
16
Halte- und Bewegungsapparat zu verzeichnen (vgl. Fuchs, 2003, S. 84; Eichberg, 2003, S. 155). So konnte nachgewiesen werden, dass sportliche Aktivität sogar ein Aufschieben des komplexen Alterungsprozesses ermöglicht (vgl. Bös & Brehm, 2003, S. 158; RKI, 2006a, S. 103; John, 2003, S. 25; Roessler, 2006, S. 24f; Mechling, 2005, S. 899f).
3.2 Psychische Perspektive
Betrachtet man die seelischen Veränderungen, die der Alterungsprozess mit sich bringt, stellen sich die sogenannten kritischen Lebensereignisse als zentrale Problematik dar. Hierunter verstehen Backes & Clemens (2005, S. 173) jene „Ereignisse im Lebensverlauf von Menschen, die zentrale Veränderungen hervorrufen und psychosoziale Anpassungs- und Bewältigungsleistungen erforderlich machen“. Gerade bei älteren Menschen können diese beispielsweise der Verlust der Partnerin oder des Partners, das Ausscheiden aus dem Arbeitsleben sein oder aber auch das Ausziehen der Kinder. Häufig gerät durch Geschehnisse dieser Art das Gleichgewicht der Menschen, die sich in solch einer Situation befinden, durcheinander. Ein neues Gleichgewicht muss hergestellt werden (vgl. ebd.). Die für den Menschen zur Verfügung stehenden Strategien zur Anpassung an diese veränderten Lebensumstände sind im Alter allerdings nicht mehr in gleichem Maße vorhanden wie es in jüngeren Jahren noch der Fall ist. Daher stellen sich solch einschneidende Veränderung für ältere Menschen oftmals als eine Stress erzeugende Aufgabe heraus, die nicht selten zu enormer psychischer Anspannung bis hin zu Depressionen führen kann (vgl. ebd., S. 102; BMFSFJ, 2005a, S. 1).
Auch in Bezug auf die hier beschriebenen psychischen Einflussfaktoren auf die Lebenssituation älterer Menschen wird in der Literatur zunehmend von einem positiven Einfluss des Sports gesprochen (vgl. Bös & Brehm, 2003, S. 160f). Demnach erwähnen Wagner & Brehm (1998) in dem „Handbuch Gesundheitssport“ einen wissenschaftlichen Grundtenor,
„dass sich kausal interpretierbare generelle Zusammenhänge zwischen sportlicher Aktivität und psychischer Gesundheit nicht finden lassen, wohl aber Zusammenhänge zwischen sportlicher Aktivität und spezifischen Parametern psychischer Gesundheit (z.B. Angst, Spannungszustände, Stimmung, Körperkonzept)“ (Wagner & Brehm, 1998, S. 103).
Roessler (2006, S. 36) wird mit Verweisen auf anerkannte Forschungsergebnisse dabei noch konkreter: „Physische Aktivität reduziert Angst, vermindert moderate Depressionen, vermindert Stresssymptome und steigert das Selbstwertgefühl. Es geht einem psychisch besser, wenn man sich bewegt“.
17
3.3 Sozio-ökonomische Perspektive
Eine unter sozialstrukturellen Gesichtspunkten wichtige Veränderung im Lebensverlauf stellt in kapitalistischen Arbeitsgesellschaften wie der unseren die Einteilung des Lebensverlaufs in drei Phasen dar: die Vorbereitungsphase (Kindheit und Jugend), Erwerbsphase („aktives“ Erwachsenenalter) und Ruhestandsphase (Alter) (vgl. Kohli, 2000, S. 11f; MAGS des Landes NRW, 2007, S. 8; Backes & Clemens, 2005, S. 56). Zwar ist die Institutionalisierung des sozial gesicherten Ruhestands historisch gesehen noch verhältnismäßig jung (vgl. Bruns & Böhme, 2007, S. 30f; Backes & Clemens, 2003, S. 56), dennoch gründet sich offensichtlich unsere heutige Vorstellung von Alter hauptsächlich auf der Tatsache, aus dem Erwerbsleben ausgetreten zu sein und sich im Ruhestand zu befinden (vgl. Winkler, 2008, S. 5).
Bedingt durch den Frühverrentungstrend, der seit Ende der 70er Jahre zu einem Sinken des Renteneintrittsalters „auf durchschnittlich unter 60 Jahre“ geführt hat (Backes & Clemens, 2005, S. 57) und die bereits in Kapitel 2.2.2 ausführlich besprochene längere Lebenserwartung, weist dieser Lebensabschnitt mittlerweile ein Zeitspektrum von mehr als 25 Jahren auf (vgl. Combrink et al., 2007b, S. 53; Cirkel et al, 2004, S. 8). Gewonnene Jahre, die einhergehen mit einem guten körperlichen Gesundheitszu-stand (vgl. Kapitel 4.1.2; FfG, 2007, S. 5; BMFSFJ, 2005, S. 5). Diese Situation, die als „historisch jung und bisher einmalig“ anzusehen ist, begründet eine weitere Differenzierung oder vielmehr eine grundlegende Neuordnung der bisher in der Gesellschaft akzeptierten Altersphasen: die Menschen, die heute den Ruhestand erreichen, sind fit, müssen keinen sozialen Pflichten mehr nachkommen, sind materiell gut gestellt und verfügen über viel Zeit (vgl. Combrink et al., 2007b, S. 52; Druyen, 2007, S. 7; Hartmann-Tews, 2008, S. 99; Tews, 1989, S. 129).
Aus diesem Grund nahm Laslett (1999) eine Unterteilung des Lebensabschnitts Alter in ein „drittes“ (oder junges Alter) und „viertes“ Alter (oder Hochaltrigkeit) vor, der sich auch Combrink et al. (2007b, S. 53) im Rahmen ihres Projekts „Sportlich aktives Alter(n) - eine Frage des Geschlechts?“ anschließen. Die Forschungsgesellschaft für Gerontologie (2007, S. 10) macht indes sogar „mindestens drei Generationen“ des Alters aus: die Jungsenioren (ab ca. 55 Jahren), die Senioren im mittleren Alter (ab dem ca. 60 Lebensjahr) und die hochaltrigen Senioren (ab ca. 80 Jahre). Die gleiche Einteilung nimmt auch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW in dem 2007 veröffentlichten vierten Band der Gesundheitsberichte Spezial vor und ordnet dabei die Hochaltrigen in die vierte Lebensphase ein (vgl. S. 8). Diese Entwicklungsprozesse der nachberuflichen Lebensphase nehmen vor dem Hinter-grund sportlicher Aktivität im Alter einen besonderen Stellenwert ein. In diesem Kon-
18
text wären vornehmlich zeitliche Restriktionen zu nennen, die nach Beendigung der Erwerbstätigkeit und der damit gewonnenen (Frei-)Zeit nahezu wegfallen (vgl. Breuer & Wicker, 2007, S. 89f).
3.4 Perspektive des Marktes
Senioren waren gestern. Mit zunehmendem Einfluss des demographischen Wandels auf den Wirtschaftssektor wächst die Vielfalt neuer Mode-Schlagworte zur Beschreibung älterer Menschen. Junge Alte, 50plus, Best Ager, Master Consumers, Generation Gold oder gänzlich neue Wortschöpfungen wie Selpies (second life people), Woopies (welloff older people), Senior Dinkis (senior double income, no kids) oder Yollies (young old leisure living people) sind hier nur einige Beispiele (vgl. Krieb & Reidl, 1999, S. 78). Allen gemein ist das veränderte, das neue Altersbild, für das sie stehen: In bester gesundheitlicher Verfassung, über reichlich Vermögen verfügend und „wild entbrannt […], das Bruttosozialprodukt durch eifrige Käufe in die Höhe zu treiben“ (Haimann, 2005, S. 116).
Dieser Einfallsreichtum der Marketingverantwortlichen, mit dem versucht wird die Zielgruppe ab 50 zu betiteln, zeigt, dass dieses Alterssegment ganz offensichtlich zunehmend in den Fokus der strategischen Überlegungen rückt. Diese Bezeichnungsvielfalt verdeutlicht dabei, dass nicht (mehr) von dem „typischen Alter“ oder „typisch alten Menschen“ gesprochen werden kann. Die Forschungsgesellschaft für Gerontologie (2007, S. 11) hat die Folgen dieser Heterogenität vor dem ökonomischen Hintergrund daher wie folgt erklärt:
„Die Vielfalt der Menschen und der Biografien zieht sich wie ein roter Faden durch die Se-niorenwirtschaft - und wirkt sich unterschiedlich auf die Einkommenssituation, das Konsumverhalten, das Freizeitverhalten, die Wohnsituation und vieles andere aus."
Die Abgrenzungsproblematik des Seniorensegments vom Gesamtmarkt erkannte Federsel-Lieb (1992, S. 10ff) bereits 15 Jahre zuvor. Und auch sie machte als Ursache für die Schwierigkeit bei der Festlegung eines Eintrittszeitpunkts in das Seniorenalter die Diversität des Alternsvorgangs und die damit verbundene Verschiedenartigkeit der Charaktere und Verhaltensweisen bei älter werdenden Menschen aus.
Aus diesem Grund soll das folgende Kapitel einer ausführlichen Darstellung dieser vielfältigen gesellschaftlichen sowie ökonomischen Merkmale der „neuen“ Alten dienen.
19
4 Merkmale der „neuen“ Alten
Im vorherigen Kapitel wurde bereits dargestellt, dass sich die älteren Menschen in vielerlei Hinsicht von den Jüngeren unterscheiden. Doch auch innerhalb ihrer Altersgruppe sind sie als äußerst heterogen anzusehen. Die folgenden Seiten widmen sich daher ausschließlich den sogenannten „neuen“ Alten, deren vielfältige Hintergründe und Eigenschaften im Folgenden vorgestellt werden sollen. Dabei erfolgt die Betrachtung dieser Merkmale jeweils auch aus einer soziologischen (in diesem speziellen Fall soziodemographischen) sowie ökonomischen Perspektive. Darüber hinaus soll in diesem Kapitel zusätzlich dargelegt werden, welche Funktion und Wichtigkeit dem Sport im Rahmen dieser zentralen Aspekte mittlerweile zukommt.
4.1 Sozio-demographische Merkmale
4.1.1 Alter und Geschlecht
Männer werden statistisch gesehen nicht so alt wie Frauen. Diese Tatsache lässt sich anhand der durchschnittlichen Lebenserwartung beider Geschlechter nachweisen (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008a, S. 13f). So lag im Jahr 2006 die Lebenserwartung eines in Deutschland geborenen Mädchens mit 81,2 Jahren genau 5,8 Jahre über der eines im gleichen Jahr geborenen Jungens. Bemerkbar macht sich diese Differenz der geschlechterspezifischen Bevölkerungsverteilung etwa ab dem 50. Lebensjahr. Während die Anteile der Männer und Frauen zwischen 50 und 59 Jahren noch ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis vorweisen, liegt die Zahl der weiblichen Bevölkerung mit zunehmendem Alter immer deutlicher über der der Männer. Bei den 60- bis 69-Jährigen ist mit einem Frauenanteil von 52% erst eine geringe Mehrheit auszumachen, dieser Wert steigt jedoch im weiteren Altersverlauf kontinuierlich an. Demnach nehmen bei den 70- bis unter 80-Jährigen die Frauen bereits 58% ein, in der Altersgruppe über 80 Jahren liegt der Frauenanteil sogar bei fast 72% (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008a, S. 13f). Als Ursache für diese „Feminisierung“ der älteren Bevölkerung (Hartmann-Tews et al., 2008, S. 32) sind neben der kürzeren Lebenserwartung der Männer auch die Verluste durch den Zweiten Weltkrieg zu sehen. Letztere machen sich gerade im höheren Alter durch einen offensichtlichen Frauenüberschuss vor allem ab
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Dipl.-Sportwissenschaftlerin Tanja Jost, 2009, Sportbezogene Ausgaben älterer Menschen, München, GRIN Verlag GmbH
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