Inhaltsverzeichnis
Seiten
1. Einleitung 2
2. Dante und sein Werk De Vulgari Eloquentia 2-4
3. Die wichtigsten Modelle und ihre Vertreter 4
3.1 Das modern-gesamtitalienische Modell 4
3.1.1 Hauptvertreter 4-5
3.1.2 Hauptwerke 5-6
3.1.3 Modell der lingua cortigiana 6
3.2 Das modern-toskanische Modell 6
3.2.1 Hauptvertreter 6-7
3.2.2 Hauptwerke 7-8
3.2.3 Modell der fiorentinità contemporanea 8
3.3 Das archaisch-gesamtitalienische Modell 9
3.4 Das archaisch-toskanische Modell 9
3.4.1 Hauptvertreter 9-10
3.4.2 Hauptwerk 10
3.4.3 Modell der trecentisti 10
4. Durchsetzung des trecentisti-Modells 11
4.1 Gründe 11-12
4.2 Auswirkungen 12
5. Fazit 12-13
Literatur - und Abbildungsverzeichnis 14
1
1. Einleitung
Wenn man Identität als ein Zusammenspiel aus Abgrenzung und Zugehörigkeitsgefühl versteht, dann kann Sprache definitiv als einer der wichtigsten Faktoren gesehen werden. Die Frage welche Varietät als überregionale Hoch- und Literatursprache die geeignete ist, damit sich alle Menschen des betroffenen Gebietes damit identifizieren können - und so eine Gemeinschaft basierend auf einem Zusammengehörigkeitsgefühl möglich ist -, wurde besonders im Gebiet des heutigen Italien über mehrere Jahrhunderte hinweg diskutiert. Den Anfang nahm die Auseinandersetzung, als man sich zu fragen begann, welches Latein das korrekteste sei. Diese Fragestellung kann als Questione della lingua I aufgefasst werden. Als jedoch die Schere zwischen Latein als Schriftsprache und dem volgare als Sprechsprache immer weiter aufging, setzte ein neuer Diskurs darüber ein, ob denn nun das Latein zugunsten des volgare als Schriftsprache zurücktreten sollte. Dies kann als Questione della lingua II verstanden werden. Das Thema dieser Arbeit ist die Questione della lingua im Cinquecento. Diese Questione della lingua III ist die ausgeprägteste. Sie beschäftigt sich mit der Kontroverse, welches der unterschiedlichen volgari würdig ist als Hoch- bzw. Literatursprache überregional, also als Italienisch, Verwendung zu finden. Ausgelöst wurde sie vor allem durch die Tatsache, dass ab etwa 1470 Bücher in italienischer Sprache gedruckt und so schnell verbreitet wurden. Als Folge wurden verschiedene Sprachtheorien aufgestellt, die im Folgenden jeweils kurz vorgestellt werden. Kurz werde ich zuvor noch auf Dantes De Vulgari Eloquentia eingehen, da er sich in seinem Werk schon im 14. Jahrhundert mit der dann 300 Jahre später aufkommenden Thematik auseinandersetzt.
2. Dante und sein Werk De Vulgari Eloquentia
Dante Alighieri (*1265 in Florenz; † 14. September 1321 in Ravenna) war ein italienischer Dichter und Philosoph. Sein nur wenig offiziell dokumentiertes Leben erschließt man heute vor allem aus literarischen Aussagen oder Anspielungen in seinen Werken. 1 Er wächst in seiner Geburtsstadt Florenz auf, seine Eltern sterben beide relativ früh und er heiratet ca. 1285 seine
1 vgl. PRILL, U. (1999): Dante, S.1
2 vgl. PRILL, U. (1999), S.9/10 und 12
2
führte letztlich zur Verbannung ins Exil (1302). 3 In der folgenden Zeit hielt sich der Dichter als Gast an verschiedensten Orten in Italien, vermutlich aber auch in Paris, auf. Ab 1318 war er in Ravenna zunächst als Sekretär und später als Gesandter des Fürsten Guido da Polenta tätig. In dessen Auftrag besuchte er 1321 die Stadt Venedig, wo er vermutlich an Malaria erkrankte. Tatsächlich erlag er der Krankheit beinahe sofort nach seiner Rückkehr. 4 Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen möchte ich jetzt nur auf Dantes wichtigstes Werk im Sinne der Fragestellung der Questione della lingua - nämlich De Vulgari Eloquentia (im Folgenden DVE) - eingehen.
De Vulgari Eloquentia ist ein sprachphilosophisch und -historisches Traktat, das die Frage zu beantworten versucht, welche die Dichtung betreffenden Möglichkeiten die Volkssprache (volgare) bietet. Dante schrieb DVE ca. 1303-05, kurz nach seiner Verbannung aus Florenz. Das Traktat blieb jedoch unvollendet; es bricht mitten im 14. Kapitel des zweiten von vier geplanten Büchern ab. 5 Im ersten Buch findet sich zunächst ein Prolog für die gesamte Studie, in dem Dante unter anderem das volgare als natürliche, gottgegebene und überlegene Muttersprache vom künstlich geschaffenen und starren Latein als Kunstsprache abgrenzt. 6 Dann folgt die Unterscheidung verschiedener Sprachgruppen sowie die Unterteilung des „italienischen Sprachraumes“ in 14 Dialekte. 7 Die Ergebnisse dieser synchronischen Untersuchung gelten im Wesentlichen noch heute. Im zweiten Teil identifiziert er sukzessive die einzelnen Dialekte als ungeeignet 8 als überregionale Volkssprache, bevor er dann konstruktiv definiert, wie seine Vision der idealen Volkssprache, dem „illustrem Ytalie […] loqualem“ 9 aussähe. Überraschender Weise erklärt er das Toskanische als besonders unzweckmäßig, ohne jedoch genauer zu erklären warum. Vermutlich jedoch aus Verbitterung über die eigene Verbannung. Die ideale Volkssprache 10 soll, laut Dante, aus allen Städten Italiens stammen und volgare latium (Italienisch) heißen. Im zweiten Buch von DVE setzt er seine Untersuchungen fort und legt fest, dass nur herausragende Dichter diese Varietät verwenden sollen. Nebenbei liefert Dante noch eine kleine Zusammenfassung der mittelalterlichen volkssprachlichen Literatur und ihrer wichtigsten Autoren. 11 Interessant ist die Tatsache, dass Dante das Traktat, in dem er die Volkssprache gegen die Gelehrtensprache Latein verteidigt und den Beweis für die Existenz einer italienischen gleichwertigen Nationalsprache sucht, auf Lateinisch verfasst. 12 Für die Wahl der lingua franca gibt es drei Gründe: 1. Nur auf Lateinisch bestehen die von ihm benötigten Fachbegriffe. 2. Seine Schrift ist an ein Gelehrtenpublikum auch außerhalb Italiens gerichtet. 3. Die Abhandlung ist für
3 vgl. PRILL, U. (1999), S.13/14
4 vgl. PRILL, U. (1999), S.15/16
5 vgl. PRILL, U. (1999), S.87/88
6 vgl. PRILL, U. (1999), S.91
7 vgl. PRILL, U. (1999), S.93
8 Untersuchungskriterien sind Eigenarten und Verbreitung der Dialekte
9 PRILL, U. (1999), S.94
10 illustre, cardinale, aulicum et curiale volgare in Latio
11 vgl. PRILL, U. (1999), S.94-97
12 vgl. PRILL, U. (1999), S.88/89
3
universitäre Kreise gedacht. Bezeichnend ist auch, dass DVE keine weite Verbreitung fand, sondern zunächst vor allem auf Norditalien beschränkt blieb. Erst im 16. Jahrhundert, zur Zeit der klassischen Questione della lingua, erlangte das Traktat nennenswerte Bedeutung. 13 Aufgrund seiner methodischen Vorgehensweise und allgemeinen Vorreiterrolle wird Dante heute nicht nur als padre della lingua gesehen, sondern auch als Gründungsvater der italienischen Sprachwissenschaft. 14
3. Die wichtigsten Modelle und ihre Vertreter
Spricht man von der Questione della lingua im Cinquecento, ist meist die Rede von drei bzw. vier unterschiedlichen Modellen. Grundsätzlich kann man zwei Hauptgruppen unterscheiden, die sich dann in je zwei Alternativen aufspalten. Zunächst unterteilt man die Modelle bezüglich der Tatsache, ob sie ein modernes oder archaisches Sprachsystem zu Grunde legen. Der zweite Unterscheidungsfaktor ist die Propagierung entweder eines (gesamt-)italienischen oder eines toskanischen Konzepts. So ergeben sich vier unterschiedliche Ansätze: ein moderngesamtitalienischer, ein modern-toskanischer, ein archaisch-gesamtitalienischer sowie ein archaisch-toskanischer.
3.1 Das modern-gesamtitalienische Modell
Das modern-gesamtitalienischen Modell meint die lingua cortigiana bzw. die lingua comune e italiana.
3.1.1 Hauptvertreter
Der wichtigste Verfechter des Modells der lingua cortigiana war Baldassare Castiglione (* 6. Dezember 1478 in Casatico bei Mantua; † 7. Februar 1529 in Toledo, Spanien). 15 Sein Leben führte er als Höfling, Diplomat und Schriftsteller. Unter anderem war er tätig für bedeutende
14 vgl. PRILL, U. (1999), S.96
15 vgl. F.A. BROCKHAUS (1997): dtv Lexikon, Band 3. S.197
16 vgl. WESSELSKI, A. (1907): Der Hofmann des Grafen Baldesar Castiglione. S.5-8
17 vgl. WESSELSKI, A. (1907), S.5 und 9-11
4
Arbeit zitieren:
Dorothea Bernhard, 2009, Die Questione della lingua im Cinquecento, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Varietätensystem des heutigen Italienisch
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 16 Seiten
Vergleich des 'Cortegiano' von Baldassare Castiglione mit dem ...
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Il Libro del Cortegiano - Das Buch vom Hofmann
Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen
Seminararbeit, 32 Seiten
Gegenüberstellung von mentalem Lexikon und ensprachigen italienischen ...
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit, 22 Seiten
Italienische Dialekte, Diatopische Varietäten
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 17 Seiten
Forschungsansätze zum Dekameron und der Zweite Tag des Dekameron
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Vergleich der Auswirkungen der Erdöl- und Erdgasförderung auf die Inne...
Politik - Internationale Politik - Region: Mittel- und Südamerika
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Code-Switching und Sprachkontakt am Beispiel des Elsass und Lothringen...
Romanistik - Französisch - Linguistik
Seminararbeit, 12 Seiten
Im Grenzbereich zwischen Film und Malerei: Die Anwendung von Kompositi...
Seminararbeit, 32 Seiten
Das Phantastische in der neuen bulgarischen Belletristik: Pavel Vezino...
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Alessandro Manzoni e la questione della lingua nell'Ottocento
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Dorothea Bernhard's Text Die Questione della lingua im Cinquecento ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Dorothea Bernhard hat den Text Die Questione della lingua im Cinquecento veröffentlicht
Dorothea Bernhard hat einen neuen Text hochgeladen
Dante Alighieri: De vulgari eloquentia
mit der italienischen Übersetz...
Alighieri Dante, Michael Frings, Johannes Kramer
The Prince: By Niccolo Machiavelli with Related Documents
Niccolo Machiavelli, William J. Connell
GIYORGIS DI SAGLA IL LIBRO DEL
Y Beyene
GIYORGIS DI SAGLA IL LIBRO DEL
Y Beyene
0 Kommentare