Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland II
Inhaltsverzeichnis
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis V
1 Einleitung 1
2 Grundlagen zum Tourismus 3
2.1 Definition Tourismus 3
2.2 Tourismus als Freizeitfaktor 4
2.2.1 Ursprung der Freizeit 4
2.2.2 Motive der Reisenden 5
2.2.3 Wirtschaftliche und gesellschaftliche Einflussgrößen der künftigen
Entwicklung im Tourismus 6
3 Sporttourismus 8
3.1 Zwei Megabereiche treffen aufeinander 8
3.2 Definition des Begriffs Sporttourismus 9
3.3 Der Markt für Sporttourismus. 9
3.3.1 Die Struktur der Nachfrage 10
3.3.2 Struktur des Angebotes 11
3.4 Trends im Sporttourismus 11
4 Der Golfsport - allgemeine Grundlagen 12
4.1 Begriffsbestimmungen- eine Einführung in den Sport 13
4.2 Geschichte des Golfsports. 13
4.3 Entwicklungsstadien von Golfmärkten 15
4.4 Einflussfaktoren auf den Golfmarkt. 16
4.5 Die Stufen des Golferlebenszyklus 19
5 Die Struktur des deutschen Golfmarktes. 21
5.1 Die quantitative Entwicklung des deutschen Golfmarkts 21
5.2 Der deutsche Golfmarkt im internationalen Vergleich 24
5.3 Determinanten der Nachfrage 27
5.3.1 Wichtige Trends und Entwicklungen für den Golfsport 28
5.3.2 Substitute zu Golf. 30
5.3.2.1 Crossgolf 30
5.3.2.2 Swin Golf 30
5.3.2.3 Indoor Golf. 31
5.3.3 Image des Golfsports 31
5.3.4 Potential und Interesse für Golf 32
5.3.5 Barrieren und Gründe gegen Golf. 34
5.3.6 Das Persönlichkeitsprofil deutscher Golfer 35
5.3.7 Organisationen im deutschen Golfsportmarkt 37
5.4 Die Struktur des Angebots 39
5.4.1 Die Entwicklung des Golfangebots. 39
5.4.2 Wirtschaftsfaktor Golf in Deutschland 42
5.4.3 Auslastung deutscher Golfanlagen. 43
5.4.4 Die wirtschaftliche Situation deutscher Golfanlagen. 46
6 Golftourismus - allgemeine Grundlagen 48
6.1 Formen des Golftourismus. 48
6.2 Besonderheiten des Produktes „Golfreise“ 49
6.3 Wirtschaftliche Bedeutung des Golftourismus 51
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland III
7. Aktivitäten auf dem deutschen Golftourismusmarkt 52
7.1 Golftouristisches Angebot in Deutschland. 52
7.1.1 Touristische Orientierung deutscher Golfanlagen 53
7.1.2 Kooperationsformen im Golftourismus 53
7.1.3 Angebotsebenen im deutschen Golftourismus. 54
7.1.4 Touristische Golf-Leistungen 56
7.2 Auslastungsmöglichkeiten deutscher Golfanlagen durch Golftouristen. 57
7.3 Kennzahlen zum Reiseverhalten deutscher Golfer 58
7.3.1 Kennzahlen bei Tagesausflügen. 59
7.3.2 Kennzahlen bei Golfreisen. 60
7.3.2.1 Reisemotivation 60
7.3.2.2 Intensität und Dauer des Golfurlaubs. 60
7.3.2.3 Organisation und Unterkunft des Golfurlaubs 61
7.3.2.4 Ausgaben. 62
7.3.2.5 Reiseziele 62
7.3.2.6 Reisezeiten 65
7.3.2.7 Traumreiseziele 65
7.3.2.8 Golfkurse und Greenfee-Runden im Urlaub 67
7.4 Bedürfnisse und Erwartungen von Golfreisenden 68
7.5 Golfurlaub in Deutschland 69
7.6 Golftourismus international 72
7.7 Marketingaktivitäten in der Golftourismus-Branche 74
8 Die Zukunft des Golftourismusmarktes in Deutschland. 75
8.1 Ziele, Rahmenbedingungen, Maßnahmen zukünftiger Golfentwicklung 75
8.2 Generelle Voraussetzungen für erfolgreiche golftouristische Aktivitäten. 76
8.3 Chancen für Urlaubsregionen im regionalen Tourismus 77
8.4 Gestaltung der Marketingaktivitäten. 79
8.4.1 Produktpolitik. 80
8.4.2 Preispolitik 82
8.4.3 Distributionspolitik 83
8.4.4 Kommunikationspolitik 84
9 Zusammenfassung. 85
Literaturverzeichnis 88
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland IV
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis
Abb. 1: Modell der Bedürfnishierarchie im touristischen Zusammenhang. 5
Abb. 2: Golflebenszyklus für Europa. 16
Abb. 3: Golfer-Lebenszyklus. 19
Abb. 4: Lebenszyklusstatus des Golfmarkts in Deutschland 27
Abb. 5: Golfanlagen Stand 1950 40
Abb. 6: Golfanlagen Stand 1980 40
Abb. 7: Golfanlagen Stand 1994 41
Abb. 8: Golfanlagen Stand 2004 41
Abb. 9: Auslastung deutscher Golfanlagen (2. Variante) 45
Abb. 10: Reiseziele deutscher Golfer. 63
Abb. 11: Traumreiseziele deutscher Golfer bei längeren Golfreisen 66
Abb. 12: Traumreiseziele deutscher Golfer bei kurzen Golfreisen. 67
Abb. 13: Golffreundlichste Urlaubsregionen in Deutschland 70
Abb. 14: Kooperationsalternativen im regionalen Golftourismus 78
Tab. 1: Nachfrageformen und Nachfragetypen im Sporttourismus 10
Tab. 2: Entwicklungsstadien von Golfmärkten. 15
Tab. 3: eig. Darstellung, Vergleich der Mitgliederzahlen des DOSB. 22
Tab. 4: Quantitative Entwicklung des deutschen Golfmarkts. 23
Tab. 5: Der deutsche Golfmarkt im internationalen Vergleich. 25
Tab. 6: Golfer und Bevölkerung in Deutschland nach Haushaltsgröße. 36
Tab. 7: Golfer und Bevölkerung in Deutschland nach Haushaltsnettoeinkommen 36
Tab. 8: Auslastung deutscher Golfanlagen(1. Variante) 44
Tab. 9: Trägerschaftsmodelle im deutschen Golf 46
Tab. 10: Durchschnittsausgaben bei Golfreisen. 62
Tab. 11: Kurzreiseziele deutscher Golfer. 64
Tab. 12: Reiseziele deutscher Golfer bei längeren Golfreisen. 65
Tab 13: Deutsche Golf-Urlaubsregionen - Bekanntheit und Besuch 71
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland V
Abkürzungsverzeichnis
BVGA Bundesverband Golfanlagen e. V. DGS Deutsche Golf Sport GmbH DGV Deutscher Golfverband DSB Deutschen Sportbund EGA European Golf Association GTC Golf & Tourism Consulting IAGTO Internation Association of Tour Operators IGF International Golf Federation IOC International Olympic Committee PE-Kurse Platzerlaubniskurse PGA Professionals Golfers Association PR Public Relations UNWTO World Tourism Organization VcG Vereinigung clubfreier Golfer WM Weltmeisterschaft
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland 1
1 Einleitung
Deutschland ist auch im Jahr 2006 der Reiseweltmeister. Keine andere Nation war reiselustiger als die Deutschen. Doch auch als Urlaubsdestination wird Deutschland immer beliebter (vgl. Spiegel 15.12.2004). Sicherlich hat vor allem die Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2006 dazu beigetragen, dass die Übernachtungszahlen so stark angestiegen sind (vgl. Handelsblatt 16.01.2007). Eine bessere Werbung für ein Land kann es gar nicht geben, als solch ein Ereignis auszurichten. Auch das offizielle Motto der WM: „Die Welt zu Gast bei Freunden“ sollte der ganzen Welt zeigen, was Deutschland für ein gastfreundliches und weltoffenes Land ist (vgl. WM 2006). Zwar konnte Deutschland in den letzten Jahren stetig Zuwächse im Tourismussektor verzeichnen, jedoch waren die meist nur gering. Ob die Tourismusbranche durch die Fußballweltmeisterschaft noch in den nächsten Jahren profitieren wird, bleibt abzuwarten.
Für Deutschland als Reiseziel wird es durch den globalen Wettbewerb immer schwerer, weiter voranzukommen. Deshalb ist es wichtig, neue Wachstumsfelder zu suchen. Eine zunehmende Gesundheits- und Sportorientierung gibt der Tourismusbranche vor allem im Bereich Sporttourismus die Chance, neue Wege zu gehen. Die Kombination von Reisen und Sport sollte im Land des Reiseweltmeisters und einem Volk der Sportbegeisterten einige Möglichkeiten aufbieten, diese Bereiche zu verknüpfen (vgl. Dreyer 2002, S. 2).
Sehr gut dafür eignen würde sich der Golfsport. Dieser ist zurzeit im Aufschwung und verzeichnet neben Fußball die zweithöchsten Zuwachsraten aller Sportarten (vgl. Schwark 2006, S. 133). In den letzten Jahren stieg die Zahl der Golfer stetig an. Im Jahr 2006 wuchs die Anzahl der registrierten Golfer auf 527.427. Durch die Tatsache, dass viele Golfspieler Abwechslung mögen und gern verschiedene Golfanlagen kennen lernen möchten, stellt der Golfsport eine ideale Kombination von Sport und Tourismus dar (vgl. Gutike 2007, S. 32). Jedoch ergeben sich bei der Umsetzung dieser Kombination einige Fragen: Kann die Tourismusbranche den Aufschwung im Golf überhaupt ausnutzen, so dass der Golfsport den Status eines Standortfaktors im Tourismus erlangt? Welche Bedeutung hat Golf bzw. Golftourismus für die Wirtschaft? Wie sieht das Persönlichkeitsprofil der Golfer überhaupt aus? Stellen Golftouristen überhaupt eine attraktive Zielgruppe dar und wie sollte ein Marketingprogramm für den Golftourismus aussehen (vgl. Golfmanager 4/2001)?
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland 2
Im Rahmen dieser Arbeit soll untersucht werden, ob der Golfsport in Deutschland das Potential hat, ein touristischer Standortfaktor zu sein. Nachdem im zweiten Abschnitt einleitend einige grundlegende Informationen zum Tourismus dargestellt werden, befasst sich der dritte Punkt mit dem Markt für Sporttourismus. Im vierten Abschnitt stehen allgemeine Grundlagen zum Golf im Mittelpunkt. Dabei werden einige Begriffe genauer erklärt, die Geschichte des Golfsports und die Stufen eines Golferlebenszyklus kurz dargstellt sowie die verschiedenen Entwicklungsstadien von Golfmärkten aufgezeigt. Dieser Punkt ist besonders wichtig, um einführend ein gewisses Know-how über den Golfsport zu bekommen.
Im fünften Abschnitt liegt das Augenmerk auf der Struktur des deutschen Golfmarktes. Neben der Darstellung der quantitativen Entwicklung wird der deutsche Markt mit anderen Nationen verglichen. Außerdem werden die Bestimmungsgründe der Nachfrage näher beleuchtet. Die Entwicklung des Angebotes und die Frage, inwieweit Golf ein Wirtschaftsfaktor darstellt, werden ebenso ausführlich betrachtet, wie die wirtschaftliche Situation deutscher Golfanlagen. Vor allem diese Ergebnisse sind wichtig für die Beurteilung des Golftourismusmarktes, da das Angebot die touristischen Aktivitäten mitentscheidend ist und die Golfer auch die Zielgruppe für die Anbieter des Golftourismusmarktes darstellen.
Der sechste Punkt beschreibt einige Grundlagen zum Golftourismus, wie z.B. die verschiedenen Formen und die wirtschaftliche Bedeutung des Golftourismus sowie einige Besonderheiten des Produktes Golfreise näher. Im siebten Abschnitt stehen zuerst die touristische Orientierung deutscher Golfanlagen sowie die verschiedenen Kooperationsformen und Angebotsebenen im Mittelpunkt. Danach werden verschiedene Kennzahlen zum Reiseverhalten deutscher Golfer ausgewertet, beispielsweise Intensität und Dauer des Urlaubs, die Höhe der Ausgaben, Reisezeiten und Reiseziele u.v. m. Neben den Bedürfnissen und Erwartungen, dem internationalen Vergleich verschiedener Golftourismusmärkte sowie den bisher durchgeführten Marketingaktivitäten in der Branche liegt der Fokus vor allem in der genaueren Betrachtung Deutschlands als Golfurlaubsziel.
Der vorletzte Punkt beschäftigt sich mit der Zukunft des Golftourismusmarktes in Deutschland. Dabei werden u.a. Chancen im regionalen Tourismus aufgezeigt, generelle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft sowie ein umfangreiches
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland 3
Marketingkonzept dargestellt. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse stellt der neunte und damit letzte Abschnitt dar.
2 Grundlagen zum Tourismus
Seit dem 19. Jahrhundert hat sich der Tourismus für die Gesellschaft und Wirtschaft zu einem wichtigen Bestandteil entwickelt. Kaum ein anderer Bereich konnte in den letzten Jahren solch starke Zuwächse verzeichnen wie diese Branche (vgl. Steinecke 2006, S. 11). Die Zahl der Ankünfte ist weltweit in den letzten 45 Jahren auf nunmehr 806 Mio. gestiegen 1 . Im selben Zeitraum haben sich die Reiseausgaben von sieben Mrd. US $ auf 680 Mrd. US $ erhöht. Für die nächsten Jahre rechnet die World Tourism Organization (UNWTO) weltweit mit weiterhin enormen Zuwächsen in der Tourismusbranche. Allein die deutschen Urlauber gaben im Jahr 2006 72,7 Milliarden US $ für Reisen aus. Dies bedeutet zugleich den Titel der Reiseweltmeister. Aber auch die Seite der Einnahmen kann 2006 nach vorläufigen Schätzungen mit über 31 Milliarden US $ einen erneuten Zuwachs verzeichnen (vgl. World Tourism Organization und Deutscher Reiseverband).
Dieser Abschnitt ist vorgesehen um grundlegende Informationen über den Tourismus zu geben. Neben einer Begriffsdefinition werden in diesem Punkt vor allem der Aspekt Freizeit näher betrachtet, die Motive der Reisenden dargestellt sowie die Einflussfaktoren auf die zukünftige Entwicklungen im Tourismus genauer beleuchtet.
2.1 Definition Tourismus
Zuallererst ist es notwendig, eine passende Definition zu suchen, um sich Klarheit über den Terminus zu verschaffen. Seitdem sich die Wissenschaft mit dem Thema Tourismus beschäftigt, sind verschiedene Versuche gestartet worden, diesen Begriff eindeutig abzugrenzen. Dies erwies sich aber als äußerst schwierig, da das Phänomen „Reisen“ vielerlei Gestalt annehmen kann. (vgl. Steinecke, 2006 S.12). Die UNWTO definiert Tourismus als „Aktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten“ (s. Breidenbach 2002, S. 25). Touristische Aktivitäten weisen daher zum Teil große Unterschiede bezüglich ihrer Motive (Erholung, Beruf, Bildung etc.), ihrer Dauer
1 Stand der Datenerhebung war das Jahr 2005
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland 4
(Tagesausflug, Kurzreise, Urlaubsreise) sowie der Entfernung (städtisches Umland, Inland, Ausland) auf.
2.2 Tourismus als Freizeitfaktor
Immer mehr Menschen nutzen ihre Freizeit, um zu reisen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der touristische Markt einen der größten Wachstumsmärkte weltweit darstellt. Wachstumsraten zwischen fünf und zehn Prozent verzeichnet die Branche jedes Jahr laut UNWTO.
Doch weshalb reisen so viele Menschen in ihrer freien Zeit? Welche Einflussfaktoren haben zu solch einem Reiseaufkommen geführt? Und vor allem woher hat der Begriff Freizeit seinen Ursprung? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigen sich die nächsten Abschnitte.
2.2.1 Ursprung der Freizeit
Das deutsche Wort Freizeit entwickelte sich in der Zeit um 1350 aus dem Begriff „frey zeyt“, was soviel wie Marktzufriedenheit ausdrücken sollte. Marktreisende und Besucher wurden während der Marktzeiten vor Störungen und Angriffen geschützt. „Frey zeyt“ bezeichnete damals die temporäre Friedenszeit. Aus dieser Wortschöpfung entwickelte sich im Laufe der Jahre der neue Freiheitsbegriff. Dieser sollte die Freizeit als die Zeit der Freiheit darstellen. Noch im 18. Jahrhundert war eine tägliche Arbeitsdauer von 18 Stunden am Tag keine Seltenheit. Freizeit war bestenfalls im Wortschatz der Oberschicht vertreten und stellte einen gewissen Sozialstatus dar. In Deutschland sank die Arbeitszeit erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Erst jetzt konnte die erwerbsfreie Zeit für Bildung, Erholung und politische Betätigungen genutzt werden. 1990 war das tägliche Arbeitspensum erstmals geringer als die Freizeit, so dass sich der Stellenwert der Arbeit merklich veränderte (vgl. Breidenbach 2002, S. 5ff). Jedoch hat die Verkürzung der Arbeitszeit nicht im gleichen Maße zu mehr Freizeit geführt, da Faktoren, wie längere Anfahrtswege zum Arbeitsplatz, Schichtarbeit oder zunehmende gesellschaftliche Verpflichtungen, zwar zur arbeitsfreien Zeit zählen, aber nicht komplett der wirklich frei verfügbaren Zeit gut geschrieben werden können.(vgl. Institut für Freizeitwirtschaft 2003, S. 41).
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland 5
2.2.2 Motive der Reisenden
Das Bedürfnis zu reisen scheint ungebrochen. Jedoch unterscheiden sich die Motive für den Antritt einer Reise erheblich. Zuallererst muss zwischen beruflich bedingten Reisen und privaten Reisen unterschieden werden. Erstgenannte sind unbedingt für das Unternehmen notwendig, wie z.B. der Besuch von Messen und Ausstellungen, die Pflege von Geschäftsbeziehungen oder das Führen von Verhandlungen. Dabei ist das Motiv eindeutig bestimmt. Im Gegensatz dazu gibt es bei privaten Reisen eine Vielzahl von Motiven. Einige davon können ebenfalls unabdingbar sein, der überwiegende Teil jedoch erfolgt nach individuellen Bedürfnissen (vgl. Mundt 2006, S. 105ff.). Abbildung eins zeigt „Maslow´s Bedürfnispyramide“ aus touristischer Sicht. Diese verdeutlicht, dass man das Phänomen Reisen nicht ausschließlich einer einzigen Bedürfnisebene zuschreiben kann. So kann beispielsweise eine Kurreise als eine Art Existenzsicherung angesehen werden, wenn sie zur Wiederherstellung der Gesundheit dient. Religiöse Menschen sehen Wallfahrten bzw. Pilgerreisen als Grundbedürfnis an, um ihren Glauben zu stärken (vgl. Luft 2005 S. 52).
Soziale Bedürfnisse können beispielsweise Reisen zu Verwandten oder Bekannten sein, um Kontakte aufrechtzuerhalten und mit vertrauten Personen zu kommunizieren. Zu den Luxusbedürfnissen kann man Urlaubsreisen zählen, obwohl die Bedeutung solch einer Reise auch vom Wohlstand der Personen abhängt. Nicht für jedermann bedeutet heutzutage Urlaub auch Luxus, denn die Einen sparen jahrelang für eine teure Reise, für Andere sind mehrere Urlaube im Jahr schon die Normalität (vgl. Luft 2005, S. 53).
Abb. 1: Modell der Bedürfnishierarchie im touristischen Zusammenhang Quelle: Stollberg-Schloemer 2002, S. 10
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland 6
Grundsätzlich zeigt das Modell von Maslow, dass im Laufe eines Lebens die Bedürfnisse und Motive eines Menschen durch ein Streben in die nächsthöhere Ebene geleitet werden. Wenn das Verlangen nach etwas bestimmten befriedigt ist, wird die darüberliegende Bedürfnisebene ausgelöst.
Durch den Einfluss der jeweiligen sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und politischen Situation, gepaart mit den Marketingaktivitäten der Tourismusanbieter, entwickeln sich aus den touristischen Grundbedürfnissen die tatsächlichen Reisemotive sowie -erwartungen der jeweiligen Person (vgl. Luft 2005, S. 54). Als Motive für private Reisen gelten Erholung, Entspannung, Erlebnis, Abwechslung, Bildung, Kultur, Naturerlebnis, Kommunikation oder sportliche Aktivitäten. Den Grund, warum sich die Menschen zum Beispiel erholen oder entspannen wollen, versucht die Tourismusforschung sowohl mit theoriegeleiteten als auch mit empirischen Erklärungsansätzen zu hinterfragen. Doch diese Ansätze sind oftmals aufgrund von Interpretationsproblemen als kritisch anzusehen, da es häufig mehrere Motive sind, die Menschen zum Reisen bewegen (vgl. Steinecke 2005, S. 47 f. und Mundt 2006, S. 109ff.).
2.2.3 Wirtschaftliche und gesellschaftliche Einflussgrößen der künftigen Entwicklung im Tourismus
Dass sich die Tourismusindustrie in den letzten Jahren zu einer der zuwachsstärksten Branchen entwickelt hat, hängt hauptsächlich an den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einflussgrößen, die diesen Bereich geprägt haben. Einige von ihnen werden in diesem Punkt dargestellt (vgl. Bieger 2006, S. 40). Einen der wichtigsten Faktoren stellt die Veränderung der Bevölkerungsstruktur dar. Die Bevölkerung wird in den nächsten dreißig Jahren enorm zurückgehen. Der Anteil an Senioren, mit speziellen Ansprüchen und einiger Reiseerfahrung, dagegen wird zunehmen. Kleine kinderlose Haushalte, welche in ihrer Freizeit sehr aktiv und spontan sind, steigen weiter an. Dagegen geht die Anzahl an Familien mit Kindern immer weiter zurück. Dies bedeutet für die Tourismusbranche geringere bzw. veränderte Nachfragepotentiale. (vgl. Luft 2005, S. 55).
Andererseits vollzieht sich, wie schon im Punkt 2.1.1 näher erläutert, seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein eindeutiger Wandel in Bezug auf Arbeit und Freizeit, denn die Verkürzung der Wochenarbeitszeit, gesetzlich festgelegter Urlaubsanspruch, eine höhere Lebenserwartung bei zeitgleicher Beschränkung der Lebensarbeitszeit
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland 7
sowie steigende Realeinkommen in breiten Bevölkerungsschichten eröffnen neue Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung der Freizeit (vgl. Schröder, Widmann, Widmann 2005, S. 9).
Eindeutig erkennbar ist der direkte Zusammenhang zwischen einem höheren Einkommen und einer damit verbundenen höheren Reiseintensität. Die Spanne zwischen den Geringverdienern und denjenigen, die einen gut bezahlten Job haben wird immer größer. Dies hat natürlich auch für den Tourismus Auswirkungen. Zwischen Billigtourismus und anspruchsvollem Tourismus geht die Schere immer weiter auseinander. Die Anbieter müssen den Markt nun in viele verschiedene Segmente gliedern, um eine möglichst hohe Zahl Reisender aufweisen zu können (vgl. Luft 2005, S. 55).
Aber nicht nur die Einkommensverteilung hat sich verändert, auch die Lebenseinstellung ist eine andere geworden. „Heutzutage arbeitet man, um zu leben und seine Freizeit zu genießen“ (s. Luft 2005, S.55). Dabei werden Begriffe wie Erlebnis, Kultur, Genuss, Wellness und Wohlbefinden immer wichtiger, speziell für die Akteure im Marketing.
Ein ganz wichtiger Grund für die enorme Entwicklung im Tourismus ist die Steigerung der Mobilität. Neben einer zunehmenden privaten Nutzung des PKW´s ist vor allem der Flugverkehr um einiges attraktiver geworden. Besonders in dieser Branche ist das Reisen durch kürzere Beförderungszeiten und billigere Transportkosten in den letzten Jahren viel einfacher, schneller und vor allem preisgünstiger geworden (vgl. Luft 2005, S. 58). Einige Low-Cost-Fluggesellschaften (Billiganflugbieter), wie Hapag-Lloyd, Ryanair oder Air Berlin haben mit einer konsequenten Reduzierung der Kosten für Veränderungen auf dem deutschen Luftverkehrsmarkt gesorgt und konzentrieren sich ausschließlich auf die Kernleistung „Flug“. Andere Leistungen, wie z.B. Bordverpflegung, Zeitungen u.ä. entfallen bzw. sind extra zu bezahlen (vgl. Leder/ Steinecke 2006, S. 3).
Infolge vieler Terroranschläge hat sich auch das Sicherheitsbewusstsein vieler Reisenden deutlich erhöht. Vor allem der Anschlag auf das World Trade Center in New York 2001, weitere Attentate in Urlaubsgebieten bzw. Großstädten (z. B. Insel Djerba, Bali, London, Madrid) und der Irak- Krieg haben zu kurzfristigen Nachfragerückgängen geführt. Langfristig gesehen allerdings waren diese Veränderungen kaum zu erkennen, da vor allem an Flughäfen und anderen gefährdeten Orten die Sicherheit erhöht wurde.
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland 8
Gereist wird trotzdem, nur dass die aktuelle Sicherheitslage bei der Auswahl des Reiseziels eine größere Rolle spielt (vgl. Steinecke S. 302f.).
3 Sporttourismus
Egal ob man selbst sportlich aktiv sein möchte oder ein Sportereignis der Anlass zu einer Reise ist, Sportreisen liegen im Trend. Der Sport motiviert zum Ortswechsel (vgl. Opachowski 2001, S. 91). Die Medien haben vor allem dazu beigetragen, dass die ganze Welt scheinbar ein großer Sportplatz geworden ist. Ob beim City Marathon in New York, im Tenniscamp auf Gran Canaria, bei Formel 1 Rennen auf der ganzen Welt, in Rudi Völlers Fußballschule auf Mallorca, bei Olympia oder bei der Fußballweltmeisterschaft - der Sport mit seinen Veranstaltungen stellt ein internationales Phänomen dar (vgl. Trosien/Dinkel 2001, S. 32 und Schwark 2005, Vorwort). In diesem Abschnitt werden die beiden Megabereiche vorgestellt, aus denen sich der Sporttourismus zusammensetzt. Außerdem wird der Begriff definiert, der Markt für diesen Bereich genauer betrachtet sowie über einige Trends berichtet.
3.1 Zwei Megabereiche treffen aufeinander
Beim Sport- Tourismus treffen zwei der wichtigsten deutschen Freizeitphänomene aufeinander: Der Megamarkt Tourismus mit dem Volkssport Reisen und der Megamarkt Sport mit einem Volk der Sporttreibenden. Über die Hälfte aller Deutschen fahren mindestens einmal im Jahr in den Urlaub (mindestens fünf Tage). Mehr als ein Drittel ist Mitglied in einem Sportverein, viele Andere sind mehr oder weniger sportlich aktiv bzw. interessiert am Sport (vgl. Dreyer 2002, S. 2). Bemerkenswert ist auch die Zahl der Sportzuschauer in Deutschland. Allein im Jahr 2005 besuchten 18,3 Mio. Menschen eine Sportveranstaltung.
Zusammengefasst gibt dies ca. 60. Mio. Urlaubsreisende und ca. 40 Mio. Sportbegeisterte 2 , jedoch aber keinen neuen Megamarkt. Die „Schnittmenge“ für den Bereich Sporttourismus ist viel kleiner als gedacht. In Deutschland organisieren nur ca. 300-500.000 „Pauschal“-Sporttouristen ihre Reise über einen Veranstalter. Hingegen gibt es ca. fünf Mio. „individuell“ Sporttreibende im Urlaub, die ihre Reisen selbst organisieren (vgl. Trosien/ Dinkel 2001, S. 37ff.).
2 Zahlen des Deutscher Tourismusverband und des Deutschen Sportbundes von 2005
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland 9
Durch ein großes Spektrum an verschiedenartigen Sportarten stellt sich der Markt als sehr unübersichtlich, inhomogen und individuell dar (vgl. Dreyer 2002, S.3).
3.2 Definition des Begriffs Sporttourismus
Sport und sportliche Aktivitäten haben das große Interesse der Menschen geweckt. Ausflüge, Kurz- oder Sporturlaub, Freizeitaktivitäten in Verbindung mit Sport haben im Tourismus einen eigenen Bereich entstehen lassen (vgl. Leder/Steinecke 2006, S. 89). Um ein einheitliches Verständnis über den Begriff des Sporttourismus zu bekommen, ist es notwendig, diesen genau abzugrenzen bzw. zu definieren. Was sind die genauen Motive für Sportreisen und wo ordnet man die Gruppe der Sportunterstützer ein? Sind die beiden Bereiche Sport und Tourismus gleichberechtigt oder sind die Begriffe eigenständig zu betrachten? Solche und ähnliche Fragen können oftmals nicht eindeutig geklärt werden, da unterschiedliche Sichtweisen und Argumentationen vorliegen (vgl. Schwark 2002, S. 44). Trosien/Dinkel 2001, S.43 definieren Sporttourismus wie folgt und unterscheiden dabei zwischen einer engen und einer weiten Sichtweise: „Sporttourismus i. e. S. sind Reisen, bei denen Sport(ausübung) ein Hauptmotiv der Reise ist (v. a. Sport als Urlaubsform, Sportreise, Sport-Urlaub, Sport-Geschäftsreisen).“
„Sporttourismus i. w. S. sind Reisen, bei denen Sport(ausübung) ein Nebenmotiv der Reise ist (Sport im Urlaub, Urlaubssport)“.
3.3 Der Markt für Sporttourismus
Der Sporttourismus ist bisher noch ein relativ unerforschtes Gebiet, was womöglich vom bis dato eher geringen Gesamtvolumen des Marktes abhängig ist (vgl. Dreyer 2002, S. 13). Für den Sport und den Tourismus gilt der Sporttourismus allerdings als Hoffnungsträger für die Zukunft. Erstmalig haben sich die UNWTO und das International Olympic Committee (IOC) im Jahr 2001 auf dem Sporttourismusgipfel in Barcelona gemeinsam mit diesem Themenbereich befasst. Auch auf der Jahrestagung der UNWTO 2001, die in Soul und Japan stattfand und sich vor allem mit der Fußball WM 2002 beschäftigte, zeigte sich inzwischen die Relevanz des Bereiches Sporttourismus. Der Markt weist nachweislich enormes Potential auf. Die Struktur des Marktes wird im Folgendem näher betrachtet (vgl. Dreyer 2002, S. 2).
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland 10
3.3.1 Die Struktur der Nachfrage
Die Nachfrage nach Sportreisen war in den letzten Jahren eher gering. Nur etwa fünf bis zehn Prozent der Deutschen, die jährlich in den Urlaub reisen, geben Sport als Hauptreisemotiv an. 3 (vgl. Freyer/Groß 2006, S. 19). Allerdings wird die Anzahl derer, die einen auf sportliche Betätigung ausgerichteten Aktivurlaub unternehmen, immer größer. Inwieweit dieser dann als solcher verlebt wird, spielt eine eher untergeordnete Rolle. Sportorientierte Veranstaltungsreisen bedeuten außerdem nicht immer, dass man selbst sportlich aktiv wird. Die Möglichkeit zum Besuch eines großen Sportereignisses kann dabei auch gewählt werden.
Um einen genauen Überblick über die Nachfrageformen und Nachfragetypen im Sporttourismus zu bekommen, werden die vier Gruppen in Tabelle eins genauer beschrieben.
Tab. 1: Nachfrageformen und Nachfragetypen im Sporttourismus
Quelle: in Anlehnung an Dreyer 1995, S. 14
Sportliche Aktivitäten stehen für den „Sportorientierten Aktivurlauber“ im Vordergrund, aber auch andere Aspekte sind für ihn nicht unwichtig. Der Aktivurlauber
3 je nach Abgrenzung des Begriffes Sportreise
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland 11
widmet sich verschiedenen Sportarten, eine ist ihm zu wenig. So trifft man ihn beispielsweise beim Wintersport und auch beim Wassersport. Der Sporturlauber richtet seine Reise auch komplett am Sport aus. Jedoch legt er sein Augenmerk nur auf die Ausübung einer Sportart, z.B. nur Surfen oder nur Skifahren. Für Trainings- und Wettkampfreisende dagegen steht die Verbesserung der Leistung in einem Trainingslager oder der sportliche Vergleich mit Gleichgesinnten bei einem Wettkampf im Vordergrund. Personen, die selbst nicht sportlich aktiv werden und die Sportveranstaltungen nur als passive Akteure besuchen, gehören zu der Gruppe der Sportveranstaltungstouristen. (vgl. Breidenbach 2002, S. 78f.).
3.3.2 Struktur des Angebotes
Bei einer näheren Betrachtung des Marktes der Sportreiseveranstalter zeigt sich eine deutliche Inhomogenität. Sportliche Pauschalreisen werden nur von wenigen großen Veranstaltern angeboten. Im Gegensatz dazu sind viele Spezialisten auf dem Sportreisemarkt vertreten, die vor allem lokal tätig sind oder sich auf gewisse Sportarten spezialisiert haben, beispielsweise Froschreisen und Vieten Tours. Aber auch Gelegenheitsveranstalter, wie beispielsweise Sportvereine, Sportverbände oder Reisebüros, sollten nicht vergessen werden, da auch sie, denn auch nur wenige Male im Jahr, Sonderreisen für Sportgruppen veranstalten. Durch eine eher geringe Nachfrage halten sich die großen Veranstalter der Reisebranche, bedingt durch dieses eher kleine, wenig attraktive Marktsegment, bisher deutlich zurück. Des Weiteren ist es durch die Vielzahl an Sportarten für die klassischen Veranstalter kaum möglich, auf allen Gebieten ausreichend Kompetenzen aufweisen zu können. Erschwerend kommt ebenso hinzu, dass durch die individuellen Ansprüche der Sporttouristen eine Standardisierung des Angebots kaum möglich ist. Daher wird der Markt oft den Spezialisten überlassen, die in vielen Bereichen ihre Angebote vor allem flexibler und individueller gestalten können (vgl. Breidenbach 2002, S. 79f.).
3.4 Trends im Sporttourismus
Wie bereits im vorherigen Punkt näher betrachtet, ist das Sportangebot für Touristen sehr vielfältig. Der Sporttourismus wird hauptsächlich durch viele Trendsportarten beeinflusst. Die Vorstellungen und Gewohnheiten derer, die Sport treiben, haben sich in den letzten Jahren mehr oder weniger stark verändert. Dies hat natürlich auch auf die
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland 12
Nachfrageseite von Sportreisen Auswirkungen. Einige dieser Trends stellen Breidenbach (2002, S. 29) und Trosien/Dinkel (2001, S 38f.) dar: Trend zum Spaß („Fun-Sportarten“).
Trend zur Bewegungs- und Körperkultur (lustvolle Bewegung, Ästhetik, Spiel, Gesundheit, Gemeinschaftserlebnis).
Trend zu Körper, Geist, Seele (Body- und Mind-Programme, Fitness und Wellness, möglichst mit exotischen Einschlägen).
Trend zum Sport als Abenteuer (Erlebnis, Aktion, Grenzen austesten). Trend zum Sport-Event (Inszenierung des Sports, Sport sehen und erleben).
Einige dieser Trends spielen auch bei einem bedeutenden Vertreter des Sporttourismus, dem Golftourismus, eine wichtige Rolle. Nachdem der Sporttourismus allgemein mit seinen Besonderheiten dargestellt wurde, wird jetzt der Fokus auf den Golfsport bzw. Golftourismus gelegt.
4 Der Golfsport - allgemeine Grundlagen
Golf als Freizeitsport konnte vor allem in Europa in den letzten Jahren ein enormes Wachstum verzeichnen. Zwar zählt Golf in Deutschland, im Gegensatz zu anderen Ländern, immer noch zu den kleineren Sportarten, jedoch ist das Interesse an diesem Sport so groß wie noch nie (vgl. Fontanari/Graeber 2004, S. 20). Der Golfsport ist eng verbunden mit einigen wichtigen Eigenschaften, die auch für die heutige Gesellschaft von großer Bedeutung sind. So steht Golf für Bewegung in frischer Luft inmitten schöner Landschaften. Aber auch der sportliche Wettkampf sowie die gesellige Runde mit Gleichgesinnten nach dem Spiel im Clubhaus machen Golf zu einer außergewöhnlichen Sportart, die auch für den Tourismus ein großes Potential darstellt (vgl. Institut für Freizeitwirtschaft 2003, S. 269). Das als teurer und Sport für alte Leute bezeichnete Golfspiel konnte speziell in den letzten Jahren diese Vorurteile verwerfen (vgl. Thüringer-Allgemeine). Dieser Abschnitt soll u. a. den Golfsport allgemein kurz darstellen und die geschichtliche Entwicklung des Sports aufzeigen
Der Golfsport als touristischer Standortfaktor - Potentialanalyse und -prognose für Deutschland 13
4.1 Begriffsbestimmungen- eine Einführung in den Sport
Wenn man über Golf spricht, ist es wichtig, das Spiel kurz zu erklären um grundlegende Dinge zu klären. Ein Golfplatz verfügt meist über 18 verschiedene Golfbahnen (auch „Löcher“ genannt) auf landschaftsintegrierten Rasenflächen. Möglich sind aber auch Golfplätze mit 9, 27 oder 36 Löchern. Ziel des Spiels ist es, am Ende von jeder der 18 Bahnen, die mehrere hundert Meter lang sein können, einen Golfball (4,2 cm Durchmesser, ca. 46 g schwer) mit Hilfe von Golfschlägern in ein kreisrundes Loch (ca. 10,8 cm Durchmesser) zu befördern, welches sich auf einer kurzgeschnittenen Rasenfläche („Green“) befindet. Dafür sollen möglichst wenige Schläge gebraucht werden. Das Handicap eines Spielers ist eine Kennzahl, welche die ungefähre Spielstärke eines Golfers darstellt. Je niedriger das Handicap eines Golfers, desto spielstärker ist dieser (vgl. Golfspielen).
Jede Spielbahn („Fairway“) beginnt mit einem in der Regel etwas erhöhten Abschlag („Tee“). Für diesen Abschlag ist ein spezieller Schläger notwendig. Insgesamt dürfen die Golfspieler höchstens 14 verschiedene Schläger mit auf eine Golfrunde nehmen. Unterschiede gibt es dabei bei der Ausformung der Schlägerköpfe („Hölzer bzw. „Eisen“), die über verschiedene Neigungswinkel verfügen. Diese bestimmen, ob die Flugbahn des Balles eher lang und flach oder kurz und hoch ist. Unterschiede bei den Golfsschlägern gibt es außerdem bei der Länge der Schäfte. Die Auswahl des Schlägers ist abhängig von der Länge des angestrebten Schlages bzw. von den Hindernissen (Bäume, Sträucher, Wasser, Sandbunker), welche überwunden werden müssen (vgl. Billion 1999, S.102 und Wikipedia Golf).
4.2 Geschichte des Golfsports
Die Ballsportart Golf kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Wo aber nun die Ursprünge dieser Sportart liegen, kann aufgrund mehrerer Theorien nicht eindeutig bestimmt werden. In den meisten Fällen werden die Schotten als Erfinder des Golfs geführt. Aber auch Studien, wo Frankreich, Holland, Belgien und sogar Länder, wie Ägypten, Japan, Korea oder China, als Ursprungsland dieser Sportart gesehen werden sind keine Seltenheit. Allerdings gab es in diesen Ländern oftmals nur Hinweise auf ein Spiel mit Ball und Schlägern (vgl. Wikipedia Golf).
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Im 14. und 15. Jahrhundert wurde das eigentliche Golfspiel erfunden, was zu dieser Zeit als „Gowl“ bezeichnet wurde. 1457 allerdings sprach das schottische Parlament ein Verbot für das Spiel aus. Es befürchtete, dass durch die Begeisterung für Golf und Fußball das aus militärischer Sicht wichtige Bogenschießen zu sehr vernachlässigt werden könnte. Als jedoch der schottische König Jakob IV. Anfang des 16. Jahrhunderts selbst wieder den Golfsport ausübte, war das Verbot hinfällig. Nachdem seine Enkelin Maria Stuart den Sport wenige Jahre danach in Frankreich einführte, brachte König James VI. weitere Jahre später den Golfsport nach England (vgl. Gutike 2007, S. 13).
Britischen Urlaubsreisenden ist es zu verdanken, dass der Golfsport um 1880 auch in Deutschland Verbreitung fand. Diese brachten während ihrer Aufenthalte in Deutschland ihre Schläger mit, um Golf zu spielen. In Bad Homburg wurde 1892 dann der erste deutsche Golfplatz eröffnet.
Golfspieler in Deutschland kann man in zwei Kategorien einteilen. Der Großteil der organisierten Spieler gehört einem Verein an, der im Deutschen Golf Verband (DGV) Mitglied ist. Neben den Mitgliedern aus dem DGV gibt es seit ca. 1990 auch organisierte, vereinsfreie Golfer. Die Mitglieder des Verbands clubfreier Golfer (VcG) sind nicht an einen bestimmten Club gebunden. Sie sparen aber die hohen Aufnahmegebühren, verfügen allerdings auch über keinen Heimplatz. Mit einer Mitgliedschaft in diesem Verband hat man die Möglichkeit, auf über 900 deutschen Golfanlagen gegen eine Gebühr (Greenfee 4 ) Golf zu spielen (vgl. Steinbrück 2004, S. 42). Mehr zu diesen und anderen Organisationen gibt es im Abschnitt 5.3.7. Die Entwicklung zeigt, dass sich immer mehr Menschen dem Golf widmen und ständig neue Golfplätze in der ganzen Welt entstehen. Mittlerweile gibt es weltweit über 60 Mio. Golfspieler, die auf ca. 35.000 Golfplätzen aktiv sind (vgl. Golfmagazin). Allerdings gibt es in einige Unterschiede, was die Golfentwicklung der verschiedenen Länder betrifft. Im nächsten Punkt werden dazu die Entwicklungsstadien von Golfmärkten genauer betrachtet.
4 Greenfee ist das zu entrichtende Entgelt eines Golfspielers, wenn dieser auf einem Golfplatz spielen möchte. Somit stellt das Greenfee eine Art Grundgebühr dar (Vgl. Wikipedia online Greenfee).
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4.3 Entwicklungsstadien von Golfmärkten
Nicht alle Länder verfügen über eine ausgezeichnete Zutrittsmöglichkeit zum Golf. Um die verschiedenen Entwicklungsstadien der Ländermärkte aufzuzeigen, werden die Länder in unterschiedliche Klassen eingeteilt. Dies erfolgt über die Golfplatzdichte bzw. Versorgung mit Golf. Sie gibt an, wie hoch die Anzahl der Einwohner pro 18 Löcher Golf ist. Ein niedriger Wert bedeutet eine hohe Golfplatzdichte, was gleichzeitig einer guten Versorgung entspricht. In der nachstehenden Tabelle sind die fünf Entwicklungsstadien von Golfmärkten dargestellt (vgl. GTC- Golf & Tourism Consulting GbR 2005, S. 28ff.):
Tab. 2: Entwicklungsstadien von Golfmärkten
Quelle: GTC- Golf & Tourism Consulting GbR 2005, S. 31
Ein Lebenszyklusmodell mit der Annahme, dass Golfmärkte einen idealtypischen Zeitablauf aufweisen, hilft die Entwicklungsstadien von Golfmärkten zu veranschaulichen. Die Einteilung des Golflebenszyklus erfolgt dabei in vier Phasen. 5 Wie bei einem Produkt bzw. in einem Markt üblich, beginnt der Prozess mit der Einführung des Golfsports in einen Markt, der bis dato unterversorgt war. In der nächsten Phase wird das Interesse an dem Sport allmählich gesteigert. Ausschlaggebend dafür ist die Erhöhung der Angebotskapazitäten. Steigt die Zahl der Golfer dadurch an, so wird die Golfversorgung nochmals gesteigert. Diese Phase wird als Wachstumsphase bezeichnet. Der Wendepunkt bedeutet gleichzeitig das Erreichen der Reifephase. Von da an sind keine weiteren Zuwächse zu verzeichnen, sodass die Sättigungsgrenze allmählich näher rückt.
5 Der Autor verzichtet wie sonst allgemein bei Lebenszyklen von Produkten bzw. Märkten üblich auf die Abschwungphase, die im Normalfall der Reifephase folgt
Arbeit zitieren:
Dipl. Betriebswirt (FH) Dirk Holzapfel, 2008, Der Golfsport als touristischer Standortfaktor, München, GRIN Verlag GmbH
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Konstruktion, Imagination und Inszenierung im touristischen Raum
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Diplomarbeit, 115 Seiten
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