Der Aufsatz Ä6LQQ XQG 8QVLQQ GHU *HVFKLFKWH³ YRQ 5HLQKDUW .RVHOOHFN LVW HLQH überarbeitete Nachschrift des mündlichen Vortrages beim Eröffnungskolloquium Ä*HVFKLFKWHDOV6LQQSUREOHP:KDWPDNHV6HQVHLQ+LVWRU\"YRP± 07.10.1994 GHU )RUVFKXQJVJUXSSH Ä+LVWRULVFKH 6LQQELOGXQJ³ DP =HQWUXP IU LQWHUGLV]LSOLQlUH Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Das Werk beschäftigt sich mit der Sinnfrage an Geschichte, der Differenzbestimmung der Geschichte und Folgelasten des neuzeitlichen Geschichtsbegriffs.
Im Folgenden werde ich die Einleitung sowie die drei Teile des Aufsatzes inhaltlich näher aufschlüsseln.
Die Einleitung dient dem Autor zur Definition von Begriffen und der Festlegung von inhaltlichen Rahmenbedingungen. Reinhart Koselleck erklärt dem Leser den 8QWHUVFKLHG]ZLVFKHQÄ6LQQORVLJNHLW³XQGÄ8QVLQQ³DOV*HJHQEHJULIIH]XPÄ6LQQ³'DEHL ZHUWHWHUGLHÄ6LQQORVLJNHLW³DOVQHXWUDOHQ%HJULIIÄ8QVLQQ³ELOGHWQXUGLH9HUQHLQXQJYRQ Ä6LQQ³XQGEDVLHUWZHLWHUKLQDXIÄ6LQQKDIWLJNHLW³.RVHOOHFNVSULFKWVLFKGDKHUHKHUIUGLH 3RVLWLRQGHUÄ6LQQORVLJNHLW³DXVGDGLHVH6WHOOXQJHVHUP|JOLFKWGHQÄ6LQQ³RGHUÄ8QVLQQ³ innerhalb der Geschichte zu suchen und aufzuzeigen.
Eine weitere Rahmenbedingung ist, dass nicht nach der Bedeutung der Historie als Wissenschaft gefragt werden soll.
Im ersten Teil des Aufsatzes zeigt Koselleck dem Leser anhand des Beispiels der Ä6WDOLQJUDGVFKODFKW³GLH$XVOHJXQJYRQÄ6LQQ³RGHUÄ6LQQORVLJNHLW³DXIEr beginnt seine $XVIKUXQJHQ PLW HLQHU Ä%ULHIVDPPOXQJ YRQ 6ROGDWHQ DXV 6WDOLQJUDG GLH GRUW umgekommen sind oder als vermisst gelten³ 1DFKGHP MHQH 6DPPOXQJ 'HXWVFKODQG erreicht hatte, wurde sie von Propagandaminister Goebbels zurückgehalten mit der Aussicht heldenhafte Briefe gefallener oder vermisster Soldaten herausbringen zu können. Diese Briefe zeigen viele Sichtweisen der eingeschlossen Soldaten in Stalingrad auf. Dem Leser begegnen Verzweiflung, Ironie, Lethargie, Demut und tiefe Frömmigkeit in diesen Briefen. Die eventuell vermuteten Bekenntnisse der Soldaten zum NS-System fehlen fast vollständig. Die Quellensammlung ist bedauerlicherweise größtenteils eine Inszenierung eines Propagandamannes unter Goebbels, der von den Briefen wusste. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass die Briefe welche veröffentlicht wurden, aus der Hand des Propagandamannes stammen. Das eigentliche Interessante an der Fälschung ist, das sie so großen Anklang fand. Diese Illusionierung der Briefe reichte um bei den Lesern
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=XVWLPPXQJ ]X ILQGHQ GDVV LQ 6WDOLQJUDG Ä6LQQORVLJNHLW³ YRUKHUUVFKWH XQG DXFK VR YRQ den Soldaten empfunden wurde. Der Leserkreis teilt somit rückwirkend denselben Erfahrungshorizont wie der Fälscher'HQHLQ]LJHQÄ6LQQ³ der Stalingradschlacht erkennt Koselleck im rein militärgeschichtlichen Motiv. Die Einkesselung von Stalingrad und der daraus resultierende Untergang der sechsten Armee erlaubten den Entsatz der Truppen, welche im Kaukasus sich festgebissen hatten und sich über den Don zurückretten konnten. Die Schlacht um Stalingrad gilt als der Wendepunkt in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges, um den die Historiker sich dennoch streiten. Koselleck setzt den Wendepunkt jedoch schon vor den Kriegsausbruch 1939, da er aUJXPHQWLHUWÄGDVVEHUHLWVLQ$QEHWUDFKW GHUSROLWLVFKHQ:HOWNRQVWHOODWLRQGHU8QWHUJDQJVFKRQLP$QIDQJHQWKDOWHQJHZHVHQVHL³ Die Frage nach der Sinnstiftung lässt sich überdies auch aus theologischer Deutung vornehmen. Reinhart Koselleck zeigt auf, dasV ÄZHQQ HLQ *XWHU EHORKQW ZLUG HV Gotteslohn sei. Wird ein Guter bestraft, so ist das eine Warnung. Wird der Böse belohnt, ist es ebenfalls eine Warnung oder wird der Böse bestraft, so ist es ausgleichende *HUHFKWLJNHLW³ 'HU $XWRU NRPPW ]XP )D]LW GDV VLch theologisch alles sinnvoll deuten lassen kann.
Als eine weitere Methode rückwirkend die Sinnfrage an Stalingrad zu stellen, sieht .RVHOOHFN LQ GHU Ä5HNRQVWUXNWLRQ GHU PLOLWlULVFKHQ *HVDPWSODQXQJ³ und dem Ergebnis, dass das Unterfangen Stalingrad eine ÄJUDQGLRVH )HKOUHFKQXQJ³ VHL ZLH DXFK HLQ ÄUDWLRQDOHU,UUWXP³ZHOFKHUGHU6FKODFKWGHQ6WHPSHOGHVÄ8QVLQQV³DXIGUFNW Die Frage ob Stalingrad die Judenmorde gesteigert oder gebremst hat, beantwortet Koselleck mit dem Verweis auf seinen Wendepunkt im Anfang des gesamten Krieges. Stalingrad und die Judenvernichtung lassen sich demnach aufeinander beziehen und wurden erst durch das Regime ermöglicht. Der Autor argumentiert, dass beide Ereignisse nicht zeitgleich aufeinander zu beziehen seien, sondern beide GHQÄJHPHLQVDPHQ*UXQGLQ der Erlösungs- und Vertilgungsideologie des NS-5HJLPHV KDEHQ³ Im weiteren Verlauf wechselt Koselleck von der Sichtweise der Deutschen auf die russische Seite. Er EHVFKUHLEWGDVVDXVUXVVLVFKHU6LFKWÄ'Hserteure nicht denkmalfähLJVHLHQ³. Der Sieg der 5XVVHQ EHL 6WDOLQJUDG ZXUGH QDFK GHP 7RGH 6WDOLQV XP VWLOLVLHUW PLW GHP =LHO ÄGHQ IULHGOLFKHQ 3UR]HVV GHV .RPPXQLVPXV ELV ]XP (QGVLHJ DXI]X]HLJHQ³. Koselleck kommt ]XP *HVDPWID]LW GDVV GHU HLJHQWOLFKH Ä6LQQ 6WDOLQJUDGV³ DXI GHU 6HLte der Russen zu finden sei, da es gelungen sei sich mit diesem ersten Schlag den Invasoren zu erwehren. Am Ende des ersten Abschnitts des Aufsatzes stellt der Autor seine These auf, welche
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Thomas Kreuder, 2008, Rezension zu: Reinhart Koselleck – Vom Sinn und Unsinn der Geschichte, München, GRIN Verlag GmbH
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