Inhalt
1. Einleitung 1
2. Giovanni Della Casas „Galateo overo de' costumi“ 2
2.1 Zum Leben des Giovanni Della Casa 2
2.1.1 Die Reformation und ihre Gefahren 3
2.2 Il Galateo overo de' costumi 4
2.2.1 Das Benimmbuch 4
2.2.1.1 Eine kleine Anekdote (4. Kapitel) 5
2.2.2 Die andere Seite des „Galateo“ 7
3. Fazit 9
4. Literaturverzeichnis I
ii
1. Einleitung
Der „Knigge“: In Deutschland ist er für weite Teile der Bevölkerung eine bekannte Größe und gleichzeitig Synonym einer ganzen Gattung, der der Benimmbücher. Seinen Namen verdankt er seinem Verfasser: Adolph Freiherr Knigge, dessen Schrift Über den Umgang mit Menschen (1788) zwar im eigentlichen Sinn kein Buch über gute Manieren und das richtige Verhalten bei Tisch ist; sondern vielmehr ein sozio-psychologisches Panorama seiner Zeit darstellt 1 . Nichtsdestoweniger verwenden wir den Namen „Knigge“ seit mehr als zwei Jahrhunderten im Zusammenhang mit Werken, die belehren, erziehen oder umerziehen wollen, und deren Popularität in regelmäßigen Abständen ansteigt, um sich dann genau so schnell wieder zu verflüchtigen. Dabei ist es interessant zu beobachten das es sich dabei selten um das „klassische“ Buch, das über besser Tischmanieren belehren möchte, handelt, sondern heutzutage eher der „Internet-Knigge“ oder der „Wie-verhalte-ich-mich-meinemausländischem-Geschäftspartner-gegenüber-richtig-Knigge“.
Nun ist es nicht so, dass es dieses Phänomen nur in Deutschland gibt. Auch Italien hat seinen „Knigge“; selbstverständlich unter einem anderen Namen. In Italien gebührt diese Ehre Giovanni Della Casas Galateo overo de' costumi (1558), welcher in der heutigen zeit seinen Namen, genauso wie sein deutsches Pandem, für Etikette und Benimmbücher hergeben muss. So finden sich unter anderen folgende „Galatei“ unter den Buchveröffentlichungen wieder: Il galateo della tavola, Che stile! Il galateo per tutte le occasioni oder auch Il galateo del fund raising. In wie weit diese Werke noch dem „Ur-Galateo“ entsprechen und ob sie sich an seinem Inhalt orientieren, mag bei einigen der Bücher allerdings als berechtigte Frage dahingestellt sein.
Aber was waren überhaupt die Ziele Giovanni Della Casas? Hat er wirklich nur ein Benimmbzw. Etikettebuch geschrieben? Gut, zugegeben, auch wenn er der Erste war, der einen Ratgeber über den korrekten Umgang schrieb - neben Baldassare Castigliones Il Libro del Cortegiano (1528) - kann dies schon seinen Erfolg erklären? Hat Della Casa vielleicht doch mehr in seinem Werk versteckt, als auf den ersten Blick zu erkennen ist? Versucht Monsignore Della Casa nicht vielmehr neben dem richtigen Verhalten des Menschen untereinander, auch dessen Stellung innerhalb der Natur abzubilden, indem er zu erklären versucht, was den Mensch vom Tier unterscheidet? Oder handelt es sich bei seinem Galateo sogar um ein Buch der Gegenreformation, das den Menschen auf den „richtigen Weg“ zurückführen will? Diese Fragen werde ich auf den nachfolgenden Seiten beleuchten.
1 vgl. Über den Umgang mit Menschen, auf: de.Wikipedia.org, http://tinyurl.com/mrupvx [Stand: 07.09.2009]
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2. Giovanni Della Casas „Galateo overo de' costumi“
Auf den folgenden Seiten werde ich mich zunächst dem Leben Giovanni Della Casas und der Zeit, in welcher er lebte, zuwenden. Dies ist für ein besseres Verständnis sowie zur Erläuterung der nachfolgenden Thesen notwendig.
2.1 Zum Leben des Giovanni Della Casa
Giovanni Della Casa wurde am 28. Juni 1503 in der Provinz Mugello geboren und war in seinem späteren Leben sowohl Kleriker als auch Dichter. Seinen Nachnamen erhielt er vermutlich von seinem Geburtsort, dem Dorf Della Casa. 2
Er studierte Literatur und Rechtswissenschaften an den Universitäten zu Bologna, in Florenz unter zeitgenössischen Gelehrten wie Ubaldino Bandinelli und Ludovico Beccadelli sowie zu Padua, wo er Alessandro Farnese, dem späteren Papst Paul III, auf sich aufmerksam machen konnte. Während seiner Studienzeit verfasste er vornämlich Sonette, welche „sich durch Feierlichkeit und Ernsthaftigkeit auszeichnen, aber keine tieferen Gefühle offenbaren.“ 3 1529 wurde er in Rom zum Geistlichen geweiht, im März 1537 an die Apostolische Kammer 4 berufen, und 1541 Mitglied der Florentiner Akademie. Nach seiner Rückkehr nach Rom wurde er 1544 zum Erzbischof des Benevent ernannt; konnte seine neue Diözese aber nicht besuchen, weil er noch im selben Jahr das Amt des päpstlichen Nuntius 5 in Venedig erhielt. Dort führte er die Inquisition ein und sorgte für die ersten Prozesse gegen die Reformation in Italien. Im Jahr 1548 stellte er einen Index verbotener Bücher (Index librorum prohibitorum)zusammen und versuchte die Republik Venedig zu einer Verbündeten des Papstes gegen die Reformation im Deutschen Kaiserreich zu machen (Orazione per la lega). Als er allerdings nach dem Tod Papst Pauls III. bei dessen Nachfolger Julius III. in Ungnade, auf Grund seines Schutzes gegenüber Lorenzo di Medici, fiel, 6 verließ er Venedig in Richtung Treviso, um dort, sein wohl bekanntestes Werk, Il Galateo overo de' costumi zu schreiben. Von Papst Paul V. wurde er schließlich wieder nach Rom, als vatikanischer Sekretär, berufen. Dort starb er am 14. November 1556.
2 vgl. Giovanni Della Casa, auf: de.Wikipedia.org, http://tinyurl.com/oz3okm
3 vgl. ebd.
4 Die Apostolische Kammer (lat.: Camera Apostolica) ist ein Kurialamt der katholischen Kirche. Im Mittelalter war die Apostolische Kammer die päpstliche Finanzbehörde, seit Papst Pius X. ist sie hingegen nur noch während einer Sedisvakanz befugt, die Güter des Apostolischen Stuhls zu verwalten. (Definition auf: de.Wikipedia.org, http://tinyurl.com/o8b8sw [Stand: 15.09.2009])
5 Der Apostolische Nuntius („päpstlicher Botschafter“) ist der ständige Vertreter des Heiligen Stuhles... bei der Regierung eines Staates. Er nimmt darüber hinaus auch die Interessen des Staates Vatikanstadt wahr und vertritt den Papst als Kirchenoberhaupt... auch gegenüber den Ortskirchen des entsprechenden Landes. (Definition auf: de.Wikipedia.org, http://tinyurl.com/r6lx8h [Stand: 15.09.2009])
6 vgl. Giovanni Della Casa, auf: it.Wikipedia.org, http://tinyurl.com/oxbvmn; Es existieren unterschiedliche Darstellungen zu diesem Sachverhalt.
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Arbeit zitieren:
Stefanie Feller, 2009, Über Della Casas "Galateo", München, GRIN Verlag GmbH
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