Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Übersetzung. 5
3. Textanalyse. 6
Zeile 79. 6
80...........................................S. 7
81...........................................S. 7
82...........................................S. 8
83...........................................S. 9
84...........................................S. 10
85...........................................S. 10
86...........................................S. 10
87...........................................S. 11
88...........................................S. 12
89...........................................S. 12
90...........................................S. 13
91...........................................S. 13
92...........................................S. 14
93...........................................S. 15
94...........................................S. 15
95...........................................S. 15
96...........................................S. 16
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98...........................................S. 17
99...........................................S. 18
100..........................................S. 18
101..........................................S. 18
102..........................................S. 19
103..........................................S. 19
104..........................................S. 20
Bibliographie. S. 21
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1. Einleitung
Bei dem folgenden Textausschnitt handelt es sich um einen Auszug aus dem hagiographischen Gedicht 'La vida de Madona Santa María Egipcíaqua' (dt.: Das Leben der heiligen Frau Maria aus Ägypten). Das Ende des 12. oder Anfang es 13. Jahrhunderts entstandene Gedicht zählt zu den frühen Zeugnissen der spanischen Literatur, umfaßt 1452 Verse und basiert auf einer Heiligenlegende, die lediglich in einer Handschrift des Escorial aus dem 14. Jahrhundert überliefert ist. Es ist eines der wenigen Beispiele der Spanischen Literatur, das einen religiösen Stoff in die Form der Spielmannsdichtung bringt. So weißt der Text eine volkstümliche Form mit aragonesischen Spracheigentümlichkeiten auf. Als Quelle des Gedichts gilt die altfranzösische Fassung der Vita der ägyptischen Maria, die im byzantinischen Osten nach dem Vorbild der Anachoretenbiographien ausgeschmückt worden war. Vermutlich wurde die Legende von einem unbekannten nordspanischen Spielmann nach den Bedürfnissen seiner Zuhörer gestaltet, teilweise gekürzt oder mit mehr Verzierungen versehen. Er kleidete sie zudem in vorwiegend acht-, neun- und zehnsilbige Verse, die zwischen Reim und Assonanz schwanken.
Um den folgenden Textausschnitt in den Zusammenhang des Gesamtwerkes eingliedern zu können, halte ich es für hilfreich, kurz Inhalt und Aufbau des Gedichts im Überblick wiederzugeben:
Ein belehrender Prolog in Form einer theologischen Betrachtung über Sünde und Buße steht am Anfang des Gedichts. Darauf folgt die Erzählung der Kindheit und Jugend Santa Marias, die in jungen Jahren ihre Eltern verließ, um in Alexandrien ein ausschweifendes Leben zu führen. Auf einer Reise nach Jerusalem wird Maria bekehrt, als Engel ihr den Zutritt zur Kirche verweigern. Sie beginnt ein Leben der Reue und Buße in der Nähe des Johannesklosters am Jordan, das sie zu hoher geistiger, asketischer Vollkommenheit führt. Dem heiligmäßigen Mönch Gozima bekennt Maria zum Ende ihres Lebens ihre Sünden und empfängt die heilige Kommunion. Mit Hilfe eines Löwen beerdigt Gozima den Leichnam der Heiligen und erzählt in seine Abtei zurückgekehrt, von ihrem vorbildlichen Leben. Am Ende der Legende steht wiederum eine Ermahnung, die den Zuhörern zu einem sittlichen
1
Lebenswandel rät.
Der im Folgenden der genaueren ethymologischen Betrachtung unterzogene Textausschnitt stammt aus dem Teil der Erzählung, der sich mit Marias Kindheit und Jugend beschäftigt. Auf
1 sämtliche Informationen sind entnommen: Rössig, Wolfgang (Hrsg.), Hauptwerke der spanischen und
portugiesischen Literatur, Einzeldarstellungen und Interpretationen, in der Reihe Kindlers Neues Literatur
Lexikon (München: 1995), S. 120.
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die Übersetzung der ausgewählten Verse 79 bis 104 folgt eine sprachhistorische Analyse der einzelnen Wörter. Zur besseren Orientierung werden die Versnummern jeweils vor Beginn jeder Zeile angegeben.
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2. Übersetzung
Die, von welcher ich sprechen möchte
80 habe ich Maria nennen hören.
85 Während sie jung war,
verließ sie den rechten Weg und nahm Verrücktheit an: so voller Wollust war sie daß sie keine andere Vorsicht kannte. Weil sie so schön und elegant war, 90 vertraute sie sehr auf ihre Jugend;
95 sie gab sich ihren Freunden hin, allen Männern war sie zu Willen. Ich glaube wohl, daß es zu jener Zeit keine Frau von solch (schlechtem) Beispiel gab. Keine, außer Maria 100 war voll solch großer Wollust. Ihren Verwandten, wenn sie sie sahen, fehlte nicht viel, um (nicht) zu sterben. Sie nahm ihre Strafe nicht ernster, als wenn es ein Wind wäre.
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3. Textanalyse
Zeile 79
Esta Demonstrativpronomen entstanden aus dem lateinischen
de Die lateinische Präposition wird ohne Bedeutungsverlust in das Altspanische übertragen, (Corominas II, 428). Im Lateinischen wurde sie mit Ablativ verwendet und deckt mehrere semantische Felder ab, drückt jedoch meist eine Zugehörigkeitsbeziehung aus. Durch den Verlust des Kasussystems im Vulgärlatein wurde ihre Bedeutung als Präposition aufgewertet. Im vorliegenden Fall indiziert de den Gegenstand des Verbs fablar.
qui Relativpronomen von lateinisch qui (= 'der, welcher'), bis ins 14. Jahrhundert n. Chr. für alle Kasus und Personen verwendet.
quiero 1. Person Sing. Ind. Präs. von querer, abgeleitet von lateinisch quaerere (='suchen, bitten') (Corominas IV, 717ff). Die Diphtongierung von e (//> /ie/) führt auf westgotische Einflüsse zurück. Durch Abkürzung von querer bien (Cid) kam es möglicherweise zur semantischen Veränderung hin zu 'lieben, mögen, wollen'.
fablar von lat. fabulare (= 'reden', 'erzählen'); entsteht durch Schwund unbetonter Vokale zwischen Haupt- und Nebenton und Apokopierung der lateinischen Form. Durch baskischen Substrateinfluß entwickelt sich das anlautende /f/ bereits im Vulgärlatein zu /h/ und wird im Altspanischen entweder durch das Graphem f -oder h- repräsentiert.
Bei Wörtern hingegen, die bereits im Lateinischen ein anlautendes h - tragen, geht der phonetische Wert des h - verloren. Dieser Phonemschwund läßt sich evtl. mit einer zur Entwicklung des /f/ zu /h/ analogen Entwicklung erklären, Innerhalb der vorliegenden Satzstruktur steht der Infinitiv in Verbindung mit dem Verb quiero.
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Arbeit zitieren:
Ulrike Decker, 2000, Historisch-grammatische Analyse der Verse 79-104 aus Vida de Santa Maria Egipciaca, München, GRIN Verlag GmbH
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