Marcus Prill
Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland I
INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG 1
1.1 AUSGANGSSITUATION 1
1.2 ZIELSETZUNG 1
1.3 AUFBAU DER ARBEIT. 2
2 GRUNDBEGRIFFE DER LUFTREINHALTUNG. 3
2.1 ZUSAMMENSETZUNG DER LUFT. 3
2.2 LUFTVERUNREINIGUNGEN 3
2.3 DEFINITION VON EMISSION UND IMMISSION 4
3 FEINSTAUB - PARTICULATE MATTER (PM) 5
3.1 DEFINITION VON FEINSTAUB UND SCHWEBSTAUB. 5
3.2 ANTHROPOGENE PARTIKELEMISSIONEN 7
3.3 ENTSTEHUNG DES FEINSTAUBES. 10
3.3.1 FEINSTAUB-EMISSIONEN AUS DEM VERKEHR 12
3.3.2 FEINSTAUB-EMISSIONEN AUS DER INDUSTRIE 14
3.4 FEINSTAUBBELASTUNG DURCH PM 2,5 IN DEUTSCHLAND 16
3.5 FEINSTAUBBELASTUNG DURCH PM 10 IN DEUTSCHLAND. 18
3.6 TREND DER FEINSTAUBBELASTUNG IN DEUTSCHLAND. 20
4 WIRKUNG DES FEINSTAUBES AUF DEN MENSCHEN 21
4.1 DIFFERENZIERUNG DER PARTIKELGRÖßEN BEI GESUNDHEITSEFFEKTEN 21
4.2 EPIDEMIOLOGISCHE UNTERSUCHUNGEN ZUR WIRKUNG VON PARTIKELN. 23
4.2.1 GEFAHREN DURCH LANGZEITEXPOSITION GEGENÜBER FEINSTAUB. 23
4.2.1.1 MORTALITÄT BEI ERWACHSENEN. 25
4.2.1.2 MORBIDITÄT DER ATEMWEGE. 26
4.2.2 GEFAHREN VON KURZZEITEXPOSITION GEGENÜBER FEINSTAUB. 27
4.2.2.1 ATEMWEGSERKRANKUNGEN 28
4.2.2.2 HERZ-KREISLAUF-ERKRANKUNGEN. 29
4.2.3 VERKÜRZUNG DER LEBENSERWARTUNG DURCH FEINSTAUBBELASTUNG. 30
4.3 WIRKUNG VON FEINSTAUB AUF DAS IMMUNSYSTEM UND ALLERGIEN. 30
5 MAßNAHMEN ZUR FEINSTAUBREDUZIERUNG 32
5.1 MAßNAHMEN ZUR FEINSTAUBREDUZIERUNG IM STRAßENVERKEHR. 32
5.1.1 EINFÜHRUNG VON UMWELTZONEN 33
5 1 1 1 KENNZEICHNUNG VON UMWELTZONEN 35
Marcus Prill
Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland II
5.1.1.2 FEINSTAUBPLAKETTEN 37
5.1.1.3 AUSNAHMEREGELUNG VON FAHRVERBOTEN IN UMWELTZONEN 39
5.1.2 NACHHALTIGER PERSONENVERKEHR 39
5.1.3 NACHHALTIGER GÜTERVERKEHR. 40
5.1.4 NACHRÜSTUNG DER FAHRZEUGTECHNIK 41
5.1.5 STRAßENSPERRUNGEN UND DURCHFAHRTSVERBOTE 42
5.1.5.1 ERGEBNISSE EINER STRAßENSPERRUNG. 42
5.1.5.2 ERGEBNISSE EINES DURCHFAHRTSVERBOTES. 43
5.2 MAßNAHMEN ZUR FEINSTAUBREDUZIERUNG IN DER INDUSTRIE 44
5.2.1 STAUBABSCHEIDUNG. 45
5.2.2 STAUBFRAKTIONEN, UND -ZUSAMMENSETZUNG. 46
5.3 MAßNAHMEN ZUR FEINSTAUBREDUZIERUNG IN DER LANDWIRTSCHAFT 46
6 RECHTLICHE GRUNDLAGEN IN BEZUG AUF FEINSTAUB 48
6.1 BUNDESIMMISSIONSSCHUTZGESETZ (BIMSCHG) 48
6.2 BUNDESIMMISSIONSSCHUTZVERORDNUNG (BIMSCHV) 48
6.3 RAHMENRICHTLINIE LUFTQUALITÄT 96/62/EG. 49
6.4 EUROPÄISCHE LUFTQUALITÄTSRICHTLINIE 1999/30/EG. 50
6.5 RICHTLINIE 2008/50/EG 52
6.6 LUFTREINHALTE- UND AKTIONSPLÄNE 53
6.7 TA LUFT (2002) 53
6.8 CLEAN AIR FOR EUROPE (CAFE) 54
7 FAZIT UND ZUKUNFTSAUSBLICK 56
Marcus Prill
Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
ABBILDUNG 1: NATÜRLICHE ZUSAMMENSETZUNG REINER LUFT
ABBILDUNG 2: TEILCHENGRÖßE (DURCHMESSER IN CM)
ABBILDUNG 3: ANTHROPOGENE PARTIKELEMISSIONEN (MOBILE QUELLEN)
ABBILDUNG 4: ANTHROPOGENE PARTIKELEMISSIONEN (STATIONÄRE FEUERUNGSPROZESSE)
ABBILDUNG 5: ANTHROPOGENE PARTIKELEMISSIONEN (PRODUKTIONSPROZESSE)
ABBILDUNG 6: VERTEILUNG DER PM 10 -EMISSION IN DEUTSCHLAND FÜR DAS JAHR 2005.
ABBILDUNG 7: VERTEILUNG DER PM 10 -EMISSION IN DEUTSCHLAND FÜR DAS JAHR 2020.
ABBILDUNG 8: ANNAHMEN FÜR DIE NEUEN GRENZWERTE.
ABBILDUNG 9: PM 10 -EMISSIONEN IM JAHR 2005 (DEUTSCHLAND)
ABBILDUNG 10: TREND DER PM 10 -EMISSIONEN NACH SEKTOREN
ABBILDUNG 11: ÄNDERUNG DER EINZELNEN SEKTOREN VON PM 10 AUF PM 2,5 O. VERKEHR
ABBILDUNG 12: ÄNDERUNG DER EINZELNEN SEKTOREN VON PM 10 AUF PM 2,5 BEIM VERKEHR
ABBILDUNG 13: KONZENTRATIONSBEREICHE VON PM 2,5 AN MESSSTATIONEN (D/2001)
ABBILDUNG 14: KONZENTRATIONSBEREICHE VON PM 10 AN MESSSTATIONEN (D/2001)
ABBILDUNG 15: ANGRIFFSORTE VON PM IN DER LUNGE
ABBILDUNG 16: DER UMWELTZONEN-FAHRPLAN 2008
ABBILDUNG 17: VERKEHRSZEICHEN „BEGINN DER UMWELTZONE“
ABBILDUNG 18: VERKEHRSZEICHEN „ENDE DER UMWELTZONE“
ABBILDUNG 19: VERKEHRSZEICHEN „ZUSATZSCHILD - PLAKETTEN“
ABBILDUNG 20: ZUTEILUNGSKRITERIEN DER PLAKETTEN.
ABBILDUNG 21: ZUORDNUNG DER SCHLÜSSELNUMMER ZU DER JEWEILIGEN PLAKETTE
ABBILDUNG 22: PM 10 -GRENZWERTE DER EU-RICHTLINIE 1999/30/EG (STUFE 1)
ABBILDUNG 23: PM 10 -GRENZWERTE DER EU-RICHTLINIE 1999/30/EG (STUFE 2)
Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland
Abb. Abbildung AHSMOG Adventist Health Study of SMOG Ar Argon AU Abgasuntersuchung BImSchG Bundesimmissionsschutzgesetz BImSchV Bundesimmissionsschutzverordnung BW Baden-Württemberg bzgl. bezüglich CAFE Clean Air For Europe CH 4 Methan (Methylwasserstoff) CO Kohlenstoffmonoxid CO 2 Kohlenstoffdioxid d. h. das heißt etc. et cetera (und so weiter; und die übrigen) EG Europäische Gemeinschaft EU Europäische Union
EURO 1-6.. EURO-Norm (Abgasnorm): Schadstoffklasse für Kraftfahrzeuge; Festlegung
FEV 1 Forced Expiratory Volume in 1 second (Einsekundenkapazität): ist ein dynamischer, zeitabhängiger Messparameter in der Lungenfunktionsdiagnostik FVC Forcierte Vitalkapazität: ist die maximale exspiratorische Vitalkapazität in einer möglichst kurzen Zeit g/m 3 Gramm pro Kubikzentimeter h Stunde (hour) H 2 Wasserstoff He Helium HRV Herzfrequenzvariabilität KAT Katalysator Kfz Kraftfahrzeug Kr Krypton KRAD Kraftrad
Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland
kt Kilotonnen LKW Lastkraftwagen µg/m 3 Mikrogramm pro Kubikmeter Mikrometer; 10 -4 cm µm N 2 Stickstoff Ne Neon NFZ Nutzfahrzeug NH 3 Ammoniak NO 2 Stickstoffmonoxid NO X Stickstoffoxid (Sammelbezeichnung für die gasförmigen Oxide des Stickstoffs) NRW Nordrhein-Westfalen O 2 Sauerstoff O 3 Ozon PAH Polycyclic Aromatic Hydrocarbons (PAK = Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) PEF Peak Expiratory Flow (Maximaler Atemstrom bei der Ausatmung) PKW Personenkraftwagen PM Particulate Matter (Feinstaub) TA Luft Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft TSP Total Suspended Particulates (Schwebstaub) u. a. unter anderem / und andere UNECE United Nations Economic Commission for Europe (Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa) usw. und so weiter VwV Verwaltungsvorschrift WHO World Health Organization (Weltgesundheitsorganisation) Xe Xenon z. B. zum Beispiel z. T. zum Teil
Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland
1 EINLEITUNG
1.1 AUSGANGSSITUATION
Das Thema „Feinstaub“ ist seit Beginn des Jahres 2005 immer häufiger Auslöser für öffentliche Diskussionen in der Politik, den Medien und der Bevölkerung gewesen. Die Medien berichten regelmäßig über Themen wie Umweltzonen, Überschreitungen der Grenzwerte bei Feinstaub, Straßensperrungen, Durchfahrtsverboten, usw. In der Bevölkerung wurde dadurch eine regelrechte Verunsicherung ausgelöst, da die Kenntnisse über die Entstehung des Feinstaubes, die Wirkung von Feinstaub auf Mensch und Tier, sowie Maßnahmen zur Reduzierung von Feinstaub große Lücken aufweisen.
Trotz der frühzeitigen Einführung von Abgasnachbehandlungstechnologien, Emissions- und Immissionsgrenzwerten und deren laufender Verschärfung besteht insbesondere beim Feinstaub noch weiterer Handlungsbedarf. Das Thema „Feinstaub“ wurde in der Vergangenheit eher als kleineres Problem angesehen. Aufgrund aktueller Messungen, Studien und Untersuchungen wird der Feinstaubproblematik heute eine viele höhere Priorität zugesprochen als noch vor ein paar Jahren.
Jeder in der Bevölkerung kann seinen Teil zur Feinstaubreduzierung beitragen und nicht immer müssen Maßnahmen mit Kosten verbunden sein. Oft sind schon ein gesunder Menschenverstand und nachhaltige Denkweise die ersten Schritte zu einer Minderung von Problemen. Grundlagen dafür sind jedoch fachkundige Informationen. Es ist nur möglich Probleme zu beseitigen, wenn die Ursachen dafür bekannt sind.
1.2 ZIELSETZUNG
Diese Bachelorthesis hat zum Ziel, über die Entstehung und die Problematik des Feinstaubes zu informieren. Dabei soll gezeigt werden, wie und wo der Feinstaub entsteht, welche Auswirkungen Feinstaub auf den Menschen hat und welche Maßnahmen zur Vermeidung bzw. zur Reduzierung des Feinstaubaufkommens sinnvoll erscheinen und auch wirtschaftlich umsetzbar sind. Diese Bachelorthesis dient als Grundlageninformation über Feinstaub und soll zum Nachdenken anregen.
Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland
1.3 AUFBAU DER ARBEIT
Zu Beginn dieser Arbeit wird ein kurzer Überblick der Grundbegriffe der Luftreinhaltung gegeben, um den Sachverhalt von Luftverunreinigungen sowie Emissionen und Immissionen zu verdeutlichen. Im Hauptteil werden die Grundlagen des Feinstaubes sowie seine Entstehung und die Belastung durch den Feinstaub in Deutschland erörtert. Als nächstes wird auf die Wirkung des Feinstaubes auf den Menschen eingegangen, somit sollen die möglichen Gesundheitsrisiken durch die Feinstaubbelastung aufgezeigt werden. Des Weiteren werden Maßnahmen zur Feinstaubreduzierung aus den Bereichen Verkehr, Industrie und Landwirtschaft beschrieben. Im Schlussteil wird noch grob auf die rechtlichen Grundlagen im Zusammenhang mit dem Thema Feinstaub eingegangen.
Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland
2 GRUNDBEGRIFFE DER LUFTREINHALTUNG
Das Ziel der Luftreinhaltung ist die nachhaltige Sicherstellung von guter Luftqualität. Die Maßnahmen zur Luftreinhaltung dienen somit gleichzeitig der Vermeidung von Luftverschmutzungen.
2.1 ZUSAMMENSETZUNG DER LUFT
Neben den Spuren anderer Gase wie CO, O 3 , H 2 , CH 4 , NO 2 , NO X und NH 3 ist auch Wasserdampf als variable Komponente vertreten. Chemisch reine Luft wird in natürlicher Umgebung nicht angetroffen, da - auch in so genannten Reinluftgebieten - immer Luftverunreinigungen festzustellen sind. Diese können natürlichen oder anthropogenen 1 Ursprungs sein. Chemisch reine Luft kann jedoch in definierter Zusammensetzung als „synthetische Luft“ für analytische Zwecke technisch hergestellt werden. 2 Die Zusammensetzung natürlicher, reiner Luft geht aus Abbildung 1 hervor:
Abbildung 1: Natürliche Zusammensetzung reiner Luft
2.2 LUFTVERUNREINIGUNGEN
Als Luftverunreinigungen gelten nach der Definition im Bundesimmissionsschutzgesetz alle Veränderungen der natürlichen Zusammensetzung der Luft, insbesondere durch Rauch, Ruß, Staub, Gase, Aerosole 3 , Dämpfe oder Geruchsstoffe. 4 Es ist deutlich, dass
1 anthropogen: bezeichnet alles was vom Menschen beeinflusst, verursacht oder hergestellt wird
2 Vgl. Bank, Matthias (2000), S. 437
3 Aerosole: feinste in der Luft verteilte Partikel oder auch Flüssigkeitströpfchen
4 Vgl. Bundes-Immissionsschutzgesetz (2002) § 3, S. 4f
Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland
Luftverschmutzung ein Teil des globalen Zusammenhangs zwischen Bevölkerungswachstum, Umweltverschmutzung und Ressourcenverknappung ist. 5
2.3 DEFINITION VON EMISSION UND IMMISSION
Als Emission wird alles das bezeichnet, was der Verursacher einer Verunreinigung auswirft. Den Verursacher nennt man demzufolge auch Emittent. Somit sind Emissionen, die von einer Anlage ausgehenden Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen, Licht, Wärme, Strahlen und ähnliche Erscheinungen. Vom Verursacher aus gelangt die Emission anschließend durch Schadstoffausbreitung, -verteilung und -verdünnung (Transmission) als Immission zum Empfänger, also zum Menschen, zum Tier, zur Vegetation, usw. Schädliche Umwelteinwirkungen sind Immissionen, die nach Art, Ausmaß oder Dauer geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nacheile oder erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft herbeizuführen. Immissionen sind auf Menschen, Tiere und Pflanzen, den Boden, das Wasser, die Atmosphäre sowie Kultur- und sonstige Sachgüter einwirkende Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen, Licht, Wärme, Strahlen und ähnliche Umwelteinwirkungen. 6
Im Gegensatz zur Emissionsmessung liefert die Immissionsmessung keine Mittelwerte über ein ganzes Land sondern örtlich/punktuell gemessene Werte. Die Emissionswerte in kt pro Jahr und Land sind das Resultat einer Berechnung. Im Gegensatz dazu sind die Immissionswerte von Messungen in µg/m 3 zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort. 7
5 Vgl. Möller, Detlev (2003), S. 537f
6 Vgl. Bank, Matthias (2000), S. 439
7 Vgl. Haus der Technik Fachbuch (2007), Bd. 72, S. 152
Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland
3 FEINSTAUB - PARTICULATE MATTER (PM)
Wie oft fälschlicherweise behauptet, ist Feinstaub nicht gleich Russ. Feinstaub besteht aus einem komplexen und heterogenen Gemisch fester und flüssiger Teilchen mit unterschiedlichster stofflicher Zusammensetzung. 8 Feinstaubkonzentrationen werden in Mikrogramm pro Kubikmeter Luft [µg/m 3 ] angegeben. Die internationale Abkürzung für Feinstaub lautet PM (Particulate Matter). 9
3.1 DEFINITION VON FEINSTAUB UND SCHWEBSTAUB
Mit dem Begriff Feinstaub - PM 10 werden Teilchen bezeichnet, welche einen größenselektierten Lufteinlass passieren, der bei einem aerodynamischen Durchmesser von 10 µm einen Abscheidegrad von 50 % aufweist. Der aerodynamische Durchmesser eines Teilchens beliebiger Form, chemischer Zusammensetzung und Dichte ist gleich dem Durchmesser einer Kugel mit der Dichte ein Gramm pro Kubikzentimeter (1 g/cm 3 ), welche in ruhender oder wirbelfrei strömender Luft dieselbe Sinkgeschwindigkeit hat wie das betrachtete Teilchen.
Es gibt Partikel, welche auf direkte Art und Weise von ihren Verursachern emittiert werden (so genannte Primärpartikel) und solche die durch Luftchemie aus gasförmigen Substanzen gebildet werden (so genannte Sekundärpartikel). Diese so genannten sekundär gebildeten Partikel sind derzeit Inhalt zahlreicher Studien, in denen versucht wird quantitative Größenordnungen abzuschätzen und vor allem eine verursachergerechte Zuordnung zu erreichen. 10 Grob kann man partikel- und gasförmige Luftverunreinigungen voneinander unterscheiden, wobei Partikel sowohl fest als auch flüssig sein können.
Innerhalb der partikelförmigen Luftverunreinigungen wird nach Größe unterschieden: a) Grobstaub (10 bis 200 µm): Technisch relativ einfach zu beseitigen, eher ärgerlich als gesundheitlich relevant, und er sedimentiert 11 freiwillig aus der Luft. b) Feinstaub (1 bis 10 µm): Technisch mit abnehmender Größe immer schwieriger zu beseitigen, gesundheitlich relevant, da ab ca. 10 µm Lungengängigkeit auch bei intakten Atemwegen angenommen werden kann. Eine Sedimentation aus der Luft erfolgt nicht oder nur sehr langsam.
8 Vgl. Haus der Technik Fachbuch (2007), Bd. 72, S. 145
9 PM: Particulate Matter - Feinstaub
10 Vgl. Haus der Technik Fachbuch (2007), Bd. 72, S. 145f
11 sedimentiert: Das Absetzen von Teilchen aus Gasen oder Flüssigkeiten unter dem Einfluss der Schwerkraft
Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland
c) Aerosole (kleiner als 1 µm): Aerosole, auch Feinststäube genannt, sind feinste in der Luft verteilte Partikel oder auch Flüssigkeitströpfchen; technisch am schwierigsten zu beherrschen. 12
Die Abbildung 2 gibt einen Überblick der unterschiedlichen Teilchengrößen.
Abbildung 2: Teilchengröße (Durchmesser in cm)
Feste oder flüssige Schwebstoffe, die in Gasen suspendiert 13 sind, bezeichnet man auch als Schwebstaub. Es werden dabei folgende Definitionen verwendet: S Der Schwebstaub (total suspended particulates, TSP) ist die Aerosolkomponente der in der Luft vorhandenen Partikel bis zu einem oberen aerodynamischen Durchmesser von rund 30 µm.
12 Vgl. Bank, Matthias (2000), S. 437f
13 suspendiert: mit Gasen verbunden oder in Gasen vorhanden
Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland
S Der thorakale Schwebstaub (thoracic particulates, PM 10 ) umfasst Partikel, die einen größenselektierten Lufteinlass passieren, der für einen aerodynamischen Durchmesser von 10 µm eine Abscheidewirksamkeit von 50 % aufweist.
S Der alveolengängige Schwebstaub (respirable particulates, PM 2,5 ) umfasst Partikel, die einen größenselektierten Lufteinlass passieren, der für einen aerodynamischen Durchmesser von 2,5 µm eine Abscheidewirksamkeit von 50 % aufweist. S Die ultrafeinen Partikel umfassen Teilchen mit < 0,1 µm thermodynamischen Durchmesser. 14
Feinstaub ist somit ein Teil der Gruppe von Schwebstäuben. Der Feinstaub mit der Bezeichnung PM 10 kann somit auch dem thorakalen Schwebstaub zugeordnet werden.
3.2 ANTHROPOGENE PARTIKELEMISSIONEN
Die anthropogen verursachten Emissionen zu denen auch der Feinstaub zählt, werden üblicherweise in vier Quellgruppen unterschieden:
N Straßenverkehr mit einer niedrigen Ableitungshöhe 15 (kleiner 0,5 m) als mobile Quelle bzgl. des einzelnen Fahrzeugs bzw. als Linienquelle bzgl. stark befahrener Straßen (Flugverkehr ist gesondert zu betrachten),
N Haushalte und Kleingewerbe mit einer mittleren Ableitungshöhe (10 bis 20 m) als stationäre Flächenquelle,
N Industrie mit einer mittleren Ableitungshöhe (kleiner 50 m) als stationäre Punkt- oder Flächenquelle,
N Kraftwerke zur Energieerzeugung mit einer Ableitungshöhe (größer 50 m) als stationäre Punktquelle. 16
Die anthropogenen Partikelemissionen wurden für das Jahr 2000 in Deutschland zu S 506 kt Gesamtstaub, S 248 kt PM 10 und S 147 kt PM 2,5
quantifiziert (einschließlich der Aufwirbelungen von Straßenstaub durch Fahrzeuge).
14 Vgl. DIN Deutsches Institut für Normung e. V. / KRdL Kommission Reinhaltung der Luft im VDI und DIN,
Hg. (2006), S. 17
15 Ableitungshöhe: Die Höhe der Emissionsquelle. Diese Höhe kann etwa durch Schornsteine erhöht werden
16 Vgl. Bank, Matthias (2000), S. 473
Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland
Bei den PM 10 -Emissionen lag der Anteil stationärer Quellen bei 60 %, bei den PM 2,5 -Emissionen bei 55 %. 17 Die Abbildungen 3 bis 5 zeigen Beispiele für Quellgruppen der anthropogenen Partikelemissionen. Die Abbildung 3 beinhaltet die mobilen Quellen, also die Quellen, die nicht stationär aufgestellt sind.
Abbildung 3: Anthropogene Partikelemissionen (Mobile Quellen)
Die Abbildung 4 zeigt die stationären Feuerungsprozesse, also die Quellen, die stationär aufgestellt sind und die den Feuerungsprozessen zugeordnet werden können.
Abbildung 4: Anthropogene Partikelemissionen (Stationäre Feuerungsprozesse)
17 Vgl. Haus der Technik Fachbuch (2007), Bd. 72, S. 31
Arbeit zitieren:
Marcus Prill, 2008, Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Marcus Prill's Text Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Marcus Prill hat den Text Betrachtung der Feinstaubproblematik in Deutschland veröffentlicht
Marcus Prill hat einen neuen Text hochgeladen
Ausbildung in Deutschland: eine kritische Betrachtung des dualen Syste...
Silvia Hoffmann-Cadura
Analytik und Mutagenität von verkehrsbedingtem Feinstaub: PAK und Nitr...
Toxikologie und Umwelthygiene
Wolfgang Mücke
Deutschland Supertouring 1 : 400 000. Autoatlas
Touristische Informationen. Ci...
Deutschland Supertouring 1
Religion and Politics in the United States and Germany / Religion und ...
Old Divisions and New Frontier...
Dagmar Pruin, Rolf Schieder, Johannes Zachhuber
0 Kommentare